Pünktlich zur neuen College-Saison bieten wir für jede Position einen Überblick über die führenden NCAA-Spieler. Den Anfang machen diejenigen, die auf dem Feld im Mittelpunkt stehen: die Center.
Sicher ? mit den großen Zeiten der frühen Achtziger (Ralph Sampson, Akeem Olajuwon, Patrick Ewing) und frühen Neunziger (Shaquille O'Neal, Alonzo Mourning, Dikembe Mutombo) kann man die aktuellen NCAA-Center noch nicht vergleichen, und doch ist auch bei ihnen genügend Talent vorhanden, damit ihre Position den Ausgang der Saison 2006/2007 entscheiden kann.
Aaron Gray: der Mann in der Mitte
Wenn es um den besten und am schwersten zu verteidigenden Center der NCAA geht, wird ein Name wohl am häufigsten genannt: nein, ausnahmsweise mal nicht der von Greg Oden, dessen Leistungen durch ein sehr junges Team und seine Handgelenksverletzung, die ihn bis zur Jahreswende außer Gefecht zu setzen droht, schwer abzusehen sind. Auch wenn man annehmen darf, dass Oden von Anfang an zur Elite seiner Position gehören wird, gehört der Platz an der Center-Spitze bis auf weiteres Pittsburgh-Senior Aaron Gray. Gray ist mit 2,16m und über 120 Kilo ein Fels in der College-Brandung, der trotz einem guten Junior-Jahr (13,9 PpG, 10,5 RpG, 1,5 BpG, 52,6% FG) zu den Panthers zurückkehrte: zum einen, weil er keine Garantie für einen Platz in der ersten Draftrunde bekommen konnte, und zum anderen, weil er bei Pittsburgh Chancen auf eine erfolgreiche Senior-Saison hat. Gray ist niemand, der mit überragender Athletik beeindruckt; vielmehr erinnert er mit seiner Masse und seinem Lowpost-Spiel an den ehemaligen Vancouver Grizzly Bryant Reeves, und der schaffte es mit den Oklahoma State Cowboys 1995 immerhin bis ins Final Four.
Greg Oden: der Spätstarter
Grays härtester Konkurrent ist Greg Oden, bei dem es verschiedene Meinungen gibt, was er in seinem ersten Jahr zu leisten imstande sein wird. Manche sagen, er werde durch seine Verletzung als Freshman unter seinen Möglichkeiten bleiben; andere wiederum sehen ihn selbst bei verspätetem Saisonbeginn als Favoriten für den Titel des College-Spieler des Jahres. Einige Experten vertreten hingegen die Ansicht, dass Oden selbst in gesundem Zustand nicht überragen wird, weil er bei Ohio State neben drei weiteren Freshmen spielt, die alle tragende Rollen bei den Buckeyes übernehmen werden. In jedem Fall ist Oden der meistbeachtete College-Center seit Wake Forests Tim Duncan sowie der meisterwartete Freshman-Center seit Georgetowns Patrick Ewing vor über 20 Jahren, und jedes seiner Spiele wird bis ins kleinste Detail beobachtet und analysiert werden.
Die Verfolger: Hibbert, Hawes und Padgett
Doch die Center-Position hat derzeit noch andere Spieler zu bieten, die an dieser Stelle Erwähnung verdienen: Da wäre zum Beispiel Georgetowns Roy Hibbert, der als Nummer 3 unter den aktuellen Centern gelten darf. Hibbert mit seinen 2,18m und fast 130 Kilo eine nicht zu unterschätzende Präsenz im Lowpost, auch wenn das Spiel an ihm vorbeizulaufen droht, wenn es zu schnell wird. Bei Georgetown bildet er mit Jeff Green und Patrick Ewing junior eines der besten Frontcourt-Trios der NCAA.
Nicht vergessen werden darf Washingtons Freshman-Center Spencer Hawes: ein spielstarker Bigman, der allerdings wie Oden durch gesundheitliche Probleme zurückgeworfen wurde. Hawes laboriert an einer Knieverletzung, deretwegen er sich am 11. Oktober dieses Jahres einer kleineren Operation unterziehen musste. Er soll zwar kein Spiel der Washington Huskies verpassen, doch könnte ihm die Verletzungspause den Einstieg in die NCAA erschweren.
Louisvilles David Padgett ist Spencer Hawes in Körberbau und Spielweise recht ähnlich, hat in seiner bisherigen NCAA-Karriere aber nur Ansätze seines Potentials gezeigt. Nachdem er bei den Kansas Jayhawks nicht wirklich zurechtgekommen und zu den Louisville Cardinals gewechselt war, musste Padgett für diesen Wechsel gemäß NCAA-Regeln eine komplette Spielzeit (2004/2005) aussetzen. Dadurch verzögerte sich seine Sophomore-Saison um ein Jahr auf 2005/2006, als er für Louisville im Schnitt elf Punkte und sechs Rebounds auflegte. David Padgett ist einer der größten Sleeper auf der Center-Position und könnte eine Junior-Saison abliefern, an deren Ende ein Platz in der Draftlottery stehen würde.
CJ Giles & Sasha Kaun: Problemspieler aus Kansas
Zu den talentiertesten Centern der NCAA gehört das Duo der Kansas Jayhawks, doch CJ Giles und Sasha Kaun haben mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, die sie von guten Junior-Saisons abhalten könnten: Giles sieht sich juristischen Konsequenzen gegenüber, weil er den Unterhalt für sein einjähriges Kind nicht gezahlt haben soll. Deshalb ist der 21-Jährige derzeit nicht Teil des Jayhawks-Teams, und es ist auch unklar, wann er dorthin zurückkehren wird ? und ob überhaupt. Sasha Kauns Sorgen sind da anderer Art, könnten den Center aber ebenso wie Giles längere Zeit zum Zuschauen zwingen: Gerade als sich abzeichnete, dass sein Kollege dem Team fehlen und Kaun dafür mehr Verantwortung übernehmen müssen würde, verletzte er sich am rechten Knie und wird wohl für den ersten Monat der Saison ausfallen. Auch wenn seine Verletzung ? ein teilweiser Riss der Patellasehne ? nicht operiert werden soll, wird es doch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis Sasha Kaun wieder in Form sein wird.
Die Sleeper: Davidson, Hardin und Watkins
Deutlich gesünder als Kaun und zuverlässiger als Giles ist Alabamas Jermareo Davidson, der zu den besseren Defensivcentern der NCAA gezählt werden darf. Zwar ist er sein Offensivkönnen kaum erwähnenswert ? Davidsons recht hoher Schnitt von 14,3 Punkten pro Spiel täuscht über sein technisch schwaches Offensivspiel hinweg ?, doch steht ihm mit Point Guard Ronald Steele ja ein Spieler zur Seite, der dieses Defizit auszugleichen vermag.
Noch recht unbekannte Center sind Californias DeVon Hardin und Darryl Watkins von Syracuse, die durch Athletik und ungenutztes Talent beeindrucken und diese Saison auf sich aufmerksam machen könnten. Hardin (7,3 PpG, 6,6 RpG, 1,5 BpG als Sophomore) wird sein drittes NCAA-Jahr beginnen und schaffte es im zweiten immerhin schon, seine grausame Freshman-Quote von nur 38,6% verwandelten Freiwürfen auf 62,5% zu steigern. Watkins (7,1 PpG, 7,3 RpG, 2,8 BpG) ist schon ein Jahr weiter und steht am Anfang seiner Senior-Saison bei den Orange, bei denen er schon länger unter dem Radar fliegt. Dennoch hat er immer wieder als athletischer Defensivspieler auf sich aufmerksam gemacht und könnte seinen Bekanntheitsgrad durch ein starkes letztes Jahr bei Syracuse sicherlich steigern.
Der Geheimtipp: Hasheem Thabeet
Das "dark horse" der Center-Position ist aber ohne Frage Connecticuts Hasheem Thabeet: ein Freshman von 2,20m und 120 Kilo, der für viele College-Fans immer noch eine unbekannte Größe darstellt. Das wird sich allerdings schnell ändern, falls der Afrikaner von Huskies-Coach Jim Calhoun schon als Freshman entsprechend eingesetzt werden wird. Gut möglich, dass nicht Gray oder Oden, sondern Thabeet am Ende der Saison als bester NCAA-Center gelten wird. Doch auch so ist der 19-jährige Riese schon jetzt der Geheimtipp für den kommenden NBA-Draft.
franz, November 4, 2006 at 14:19 Uhr:
geile Überschrift!
Marc7even, November 5, 2006 at 14:23 Uhr:
Super Artikel.
Hakeem II. is coming