Gute Show, schlechtes Spiel – meint zumindest unser Gastautor Ekilic, der mit einem Presseausweis ausgestattet den All-Star Day aus nächster Nähe verfolgen konnte.
Der s.Oliver BBL All-Star-Day 2003 in der Kölnarena sollte ein großes Fest werden und vor allem Werbung für den deutschen Basketball. Davon wollte ich mir natürlich selbst ein Bild machen. Also Wagen gemietet, 300 Km nach Köln geheizt, dort erst ein wenig in der Tiefgarage herumgeirrt, um dann gerade noch pünktlich zum Rookie Game in der Halle zu sein. Doch was ich da mit eigenen Augen sah, war zunächst erschreckend. Ich habe selten so ein schlechtes Spiel gesehen, was vor allem daran lag, dass die jungen Spieler (17/18 Jahre alt) hypernervös waren. Es gelang einfach gar nichts, so dass es nach dem ersten Viertel nur 14:9 für den Süden stand. Die immerhin (zu dem Zeitpunkt) 10.000 Zuschauer wussten gar nicht wie sie auf so eine (miese) Darbietung reagieren sollten. Besonders enttäuschend, wenn im Vorfeld Spieler wie Peter Krausen (Bayer Giants Leverkusen) als großes Talent auf der Centerposition propagiert werden und ich dann mit ansehen muss, wie er ohne Bedrängnis alleine vor dem Korb den Ball nicht unterbringen kann. Bei einer Größe von 2,07m, es war fast zum Heulen! Ob es denn nun wirklich nur an der Nervosität lag oder ob man sich Sorgen um Deutschlands Basketball-Zukunft machen muss, wollte ich dann von DSF-Moderator Manfred Winter wissen, der eine Reihe vor mir saß. ?Normalerweise spielen die ja vor 200 Zuschauern. Das ist eine ganz andere Aura hier?, begründete er das Nervenflattern der Kids, doch auch er erkannte, dass da unten auf dem Parkett kein zweiter Nowitzki geboren wird. ?Es gibt eine Menge zu tun. Man denke nur an das Abschneiden bei der letzten Junioren-EM?, äußerte Manni Winter berechtigterweise Kritik an den Fähigkeiten der jungen Stars.
Und auch im Presseraum war man sich nach der schwachen Partie einig: ?Es ist ein schlechter Jahrgang?. Wirklich überzeugen konnte nur der mir bisher unbekannte Alex Albrecht (Eintracht Frankfurt). Danach stand für mich ein Interview mit Rookie Jorge Schmidt an, den ich vor der Kabine traf. ?Wir hatten vorher nie richtig zusammen gespielt?, erzählte er, was für den Göttinger ein weiterer Grund für die dargebotene Leistung war. Am Nebentisch erkannte ich dann noch zwei Basket-Redakteure (...), die mit Alba-Trainer Emir Mutapcic sprachen.
?Magic Of The Dance? hatte ich danach verpasst, was aber nicht schlimm war. Im Anschluss folgte das Finale der offenen Dunking- und Dreipunkte Meisterschaften, wobei ich gleich vorwegnehmen möchte, dass dieser Programmpunkt auch das Highlight das Abends war, auch wenn dies einige Fernsehzuschauer hier nicht wahrhaben wollen. Fangen wir mit dem Dreier-Contest, dass überraschenderweise ein Amateur gewann. Der 23-jährige Ümit Ergün aus Berlin erzielte überraschend 17 Punkte und war der erste Held des Abends, auch wenn Nationalspieler Mithat Demirel im Stechen um Platz zwei 19 Punkte erzielte.
Der anschließende Dunking-Wettbewerb hat ja in diversen Foren schon für Diskussion gesorgt, deswegen will ich nur kurz schildern wie ich es erlebt habe. Zum einen hat Manni Weber (Bayreuth) absolut verdient gewonnen, denn seine beiden letzten Dunks waren echt der Hammer, egal was andere daheim denken. Der Sprung über den Ballwagen mit dem darauf liegenden Kind verdient Respekt und auch sein letzter Dunk, wo er unter dem Ring durch ist und sich dann hochgezogen hat, war erste Klasse; vor allem bei seiner Größe! Ansonsten fiel noch Szymon Szewczyk (TXU Braunschweig) auf, der für seinen Dunk über die Maskottchen drei mal die Höchstnote (11) bekam. In der Jury saßen übrigens Nationaltrainer Hendrik Dettmann, Ex-Profiboxer Henry Maske und... tja, keine Ahnung wer der dritte war :-). Dabei wollte der Braunschweiger Center zunächst nur über drei Maskottchen springen, doch dann schlich sich ein weiteres Plüschtier dazu und plötzlich kamen die anderen unverhofft hinterher. Szewczyk hatte das so natürlich nicht geplant, die Zuschauer lachten sich schlapp, doch was sollte er tun? Die Maskottchen wieder wegzerren? Nein, er war ein Mann und nahm die Herausforderung an. Als er den Dunk dann schaffte, stand die Halle Kopf! Daumen hoch! Mittlerweile war auch klar, dass die Köln-Arena nicht ausverkauft ist. 17.105 Zuschauer nannte der Hallensprecher als offizielle Zuschauerzahl. Ich frage mich, warum bei solch einem Spiel der Run auf die Tickets, die es bereits ab 7,50 Euro gab, nicht größer war. Gerade bei einem Veranstaltungsort wie Köln mit vielen Großstädten und BBL-Vereinen im näheren Umfeld.
Vor dem All Star Game gab es dann erst einmal eine imposante vierminütige Lasershow, die die Stimmung in der Halle einheizte, bevor dann mit dem üblichen Chicago Bulls-Intro die Spieler vorgestellt wurden. Die Partie begann flott, fast jeder Dreier saß und ich freute mich auf ein schönes Spiel. Doch leider setzte sich das Dreier-Werfen munter fort (insgesamt 61 Versuche), wobei zumindest die Quote mit über 40% annehmbar war. Doch es gab zu wenige gute Aktion unterm Brett oder Zauberpässe, wobei dann auch schnell deutlich wurde: es gibt in der Bundesliga kaum gute Forwards die es mal richtig krachen lassen, oder sie waren heute nicht in der Halle. Und von Aleksander Radojevic (Ex-Toronto Raptors) und Jovo Stanojevic (MVP der jugoslawischen Liga 2002) war ich auch bitter enttäuscht. Der einzige, der ein wenig All-Star-Flair vermittelte, war der 34-jährige Charly Brown (TBB Trier), der zum zehnten Mal dabei war. Ihm gab ich dann auch meine Stimme und meine Kollegen sahen es genauso, so dass er verdientermaßen zum MVP gewählt wurde. Auf der Pressekonferenz war er dann auch der begehrteste Mann. Brown gab sich locker und sympathisch: ?Es war toll, vor so einer Kulisse zu spielen?, strahlte er in die Runde der Journalisten. Das Gedränge um ihn herum war groß, so dass ich mich lieber Mithat Demirel zuwendete, der in dem All-Star-Day einen weiteren Schritt in die richtige Richtung für den deutschen Basketball sah. Auf die Frage, warum man denn in solch einem Spiel so viel verteidigen müsse, antwortete er: ?Wir haben das Spiel ernst genommen. Das ist doch auch was positives?. Na ja, nicht unbedingt, Mithat. Nach einem gemeinsamen Foto schnappte ich mir noch ein paar Brötchen, verzog mich aus dem Presseraum, verirrte mich wiederum in der Tiefgarage und machte mich auf die verschneite Autobahn.
Mein Fazit: Man kann den Veranstaltern wirklich keinen Vorwurf machen. Der Rahmen, die Show und alles andere waren wirklich perfekt, die Köln-Arena für solch ein Programm genau richtig, doch der Bundesliga fehlt es einfach an hochklassigen Spielern. Das hat man an diesem Abend gesehen. Da helfen auch Namen wie John Best oder Sasha Obradovic nichts. Fast jede NBA-Partie ist besser!
Für das nächste Jahr hoffe ich, dass das Spiel wieder in Köln stattfindet und die Halle dann auch ausverkauft ist, denn jeder der nicht dabei war, hat definitiv was verpasst!