Wochenrückblick

Senior Night

Wir rekapitulieren einige der wichtigsten Spiele der vergangenen Woche, beschreiben das Top-Duell zwischen Ohio State und Wisconsin und stellen den besten Blocker der NCAA vor.

Von Christian Neumann
 28.02.2007 |

In der NCAA neigt sich die reguläre Saison ihrem Ende entgegen: Regular-season-Titel werden ausgespielt; man bereitet sich mental auf die Conference-Turniere vor, und die besten Teams des College-Basketballs haben bereits mindestens ein Auge auf das NCAA Tournament gerichtet, das unaufhaltsam näherrückt: Selection Sunday ? der Tag, an dem das zehnköpfige Auswahl-Komitee die Turnierteilnehmer samt Ansetzung bekannt gibt ? ist nur noch anderthalb Wochen entfernt. Dieser Prozess betrifft 65 Universitäten in den Vereinigten Staaten, doch ein Phänomen spielt sich dieser Tage in jeder Halle der USA ab: Senior Night, d.h. das letzte Heimspiel der Saison, in dessen Rahmen die abgehenden Studenten ? die Seniors ? feierlich verabschiedet werden.

Syracuse - Georgetown: 72:58 

Manchmal beschenken sich diese Spieler aber auch selbst, und wie das geht, machten in der Nacht auf Dienstag die Syracuse Orange vor: Angeführt von Star-Forward Demetris Nichols, der 22 Punkte erzielte und bei seiner Galavorstellung wiederholt auch schwierigste Dreier verwandelte, schlug das Team von Hall-of-Fame-Coach Jim Boeheim die favorisierten Georgetown Hoyas mit 72:58. Allerdings war dieser Sieg mehr als nur ein Abschiedsgeschenk für Nichols, Darryl Watkins, Terrence Roberts und vier weitere Seniors; er stellte praktisch auch sicher, dass die Orange nach einer nicht immer überzeugenden Saison (21-8, 10-5 Big East) am NCAA Tournament teilnehmen werden.

Wem gehört die Big East?

Vielleicht wird es im Rahmen der March Madness ja auch eine Chance für die Georgetown Hoyas geben, sich für diese Niederlage zu revanchieren ? immerhin beendeten die Orange Georgetowns Siegesserie von elf Spielen, während der u.a. Marquette, West Virginia und Pittsburgh geschlagen wurden. Die Hoyas haben noch ein Spiel (gegen Connecticut) und sollten dieses besser auch gewinnen, um den Regular-season-Titel der Big East nicht an Pittsburgh zu verlieren, das gegen Marquette noch ein (wenn auch schweres) Spiel absolvieren muss und in seiner Bilanz noch mit Georgetown gleichziehen kann (auf 13-3 in der Big East). Schritt eins nahmen die Panthers vergangene Nacht mit ihrem Sieg gegen West Virginia, in dem Aaron Gray mit zwölf Punkten und 13 Rebounds herausragte.

Es ist nie gut, Spiele zu verlieren, aber kurz vor Selection Sunday ist es umso schlimmer, denn das Komitee achtet sehr genau auf die Formkurven der NCAA-Teams. Deshalb gibt es zwei Mannschaften, die sich ernsthafte Sorgen um ihre Position im Turnierbaum machen müssen: Air Force und Meister Florida.

Der Absturz der Air Force

Die Air Force Falcons sind eines der besten Defensivteams im College-Basketball, doch in letzter Zeit haben sie weniger gestoppt, als dass sie selbst gestoppt worden sind. Nach einer lange Zeit überzeugenden Saison, in der die Falcons vor sechs Wochen so hoch (Nr. 12 AP, Nr. 11 ESPN) gerankt wurden wie noch nie zuvor, hat es gegen UNLV, Texas Christian und Birgham Young gleich drei Niederlagen in Serie gegeben. Das hat auch heftige Auswirkungen auf das Ranking: Bei der Associated Press stand Air Force schon vergangenen Montag nur noch auf dem letzten Platz und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus den Top-25 verschwinden. Auch bei den Coaches, die Air Force an Position 20 führen, werden sich die Falcons wohl nicht im Ranking halten können.

Was aber noch schlimmer wiegt, ist das Spiel aus der vergangenen Nacht: Gegen die Brigham Young University endete die längste Heimsieg-Serie der gesamten NCAA bei 30 Spielen. Pikant: Topscorer (14 Punkte) der siegreichen Gäste war Austin Ainge, Sohn des Boston-Celtics-Managers Danny Ainge. Es war bereits das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass Falcons-Coach Jeff Bzdelik dem Sprössling eines ehemaligen NBA-Kollegen unterlag: Gegen UNLV spielte sich Kevin Kruger (14 Punkte, zehn Assists) in den Vordergrund. Sein Vater ist Lon Kruger, der früher mal die Atlanta Hawks trainierte ? und momentan seinen eigenen Sohn bei den Rebels coacht.

Krise in Florida?

Als Florida vor anderthalb Wochen gegen Vanderbilt verlor und sich von seiner Siegesserie verabschieden musste, sahen einige Gators-Fans darin sogar etwas Positives, quasi einen Schuss vor den Bug, dank dem sich Joakim Noah & Co. nun erst wirklich auf das Wesentliche konzentrieren würden. Leider hat das irgendwie nicht geklappt (auch wenn Florida mit einem Sieg gegen South Carolina antwortete), denn gegen Louisiana State und vergangene Nacht gegen Tennessee setzte es gleich zwei weitere Pleiten. Besonders besorgniserregend daran ist, dass beide siegreichen Teams ohne ihre besten Frontcout-Spieler antraten:

Bei LSU fehlte Glen "Big Baby" Davis mit einer Oberschenkelzerrung, doch dank phänomenaler Verteidigung und überzeugender Effektivität (51,1% aus dem Feld) konnten die Tigers auch ohne ihren besten Spieler die Sensation perfekt machen. Tennessee hatte gegen Florida seinen besten Spieler an Bord ? Scharfschütze Chris Lofton ?, der dem amtierenden Meister dann auch gleich mal 21 Punkte einschenkte, und doch hatten die Volunteers dem starken Gators-Frontcourt (Al Horford, Joakim Noah) nur wenig entgegenzusetzen, da ihr bester Bigman ? Major Wingate ? im Herbst aus dem Team geworfen wurde, weil er gegen Teamregeln verstoßen haben soll.

Folgerichtig schenkten die großen Spieler der Gators ihrem Gegner dann auch einige Punkte ein (Horford, Noah und Ersatzmann Chris Richard kamen zusammen auf 37 Punkte und 26 Rebounds), doch Tennessees hervorragendes Mannschaftsspiel und Treffer bei wichtigen Würfen sicherten den Volunteers einen zweistelligen Vorsprung, den sie bis zum Ende verteidigten. Florida, das schon vor der Niederlage nur noch an Platz 5 (AP) bzw. 4 (ESPN) geführt wurde, muss sich nun ernsthafte Sorgen machen, hinter starkspielende Konkurrenten wie Texas A&M und Memphis zurückzufallen. Von ihrem Nr.1-Seed für das NCAA Tournament ? der jetzt wahrscheinlich an Wisconsin gehen wird ? können sich die Gators nun wohl endgültig verabschieden.

Das Spiel der Woche: OSU gegen Wisconsin

Das Spiel der Woche wurde in der Big Ten ausgetragen, als Ohio State am Sonntag Wisconsin empfing. Es war das Rückspiel einer engumkämpften Partie, die Wisconsin am 9. Januar mit 72:69 für sich entschied, doch die Tatsache, dass diese beiden Teams in den Rankings die Plätze 1 und 2 unter sich ausmachten ? Ohio State war Nummer 1 im ESPN-, Wisconsin im AP-Ranking ?, verwandelte dieses Aufeinandertreffen in das Spiel des Jahres. 40 spannende Minuten später hatten sich die gastgebenden Buckeyes einen denkbar knappen 49:48-Sieg erkämpft, den Freshman-Guard Mike Conley jr. sicherte, als er vier Sekunden vor Schluss entschlossen in die Zone zog und den siegbringenden Korb erzielte.

Bitter für Wisconsin: Brian Butch, der beste Bigman der Badgers, der mit seinem Halbdistanzwurf Ohio States Defensiv-Star Greg Oden aus der Zone locken könnte, verletzte sich Mitte der ersten Halbzeit und musste den Rest der Partie aussetzen. Noch bitterer: Butchs Ellbogenverletzung wird ihn vier bis sechs Wochen aus dem Verkehr ziehen, was Wisconsins Hoffnungen für das NCAA Tournament doch beträchtlich trübt. Grund zur Freude gab es hingegen für die Buckeyes: Nicht nur, dass ihnen die Revanche gegen Wisconsin gelang; sie gewannen zudem den Regular-season-Titel der Big Ten und übertrumpften die Badgers zugleich an der Spitze im neuen Ranking der Associated Press, wo ein Ohio-State-Team letztmals 1962 war, als die NBA-Legenden Jerry Lucas und John Havlicek in den Reihen der Buckeyes standen.

Spieler der Woche...

...ist Mickell Gladness, Center der Alabama A&M Bulldogs, dem in seinen letzten beiden Spielen Historisches gelang. Auch wenn sein Team zu den schlechteren der NCAA gehört ? die Bulldogs sind Tabellenletzte in der ohnehin schwachen Southwestern Athletic Conference ?, nutzte Gladness die ihm gegebenen Umstände doch dazu, einen neuen NCAA-Rekord aufzustellen: Gegen Texas Southern blockte der Junior sechzehn Würfe, zwei mehr als David Robinson einst für die Navy hatte. Ebenfalls 14 Blocks erreichte Shawn Bradley bei Brigham Young, Roy Rogers bei Alabama und Loren Woods bei Arizona ? aber sechzehn Blocks hatte es bis vergangenen Samstag noch nie gegeben.

Anscheinend hatte Gladness, der schon vor seinem Rekordspiel die NCAA in Blocks anführte, so viel Spaß am Blocken, dass er im Spiel gegen Prarie View A&M gleich weitere 13 Blocks folgen ließ. Das gab ihm 29 Blocks in zwei bzw. 38 Blocks in drei Spielen und trieb seinen Saisonschnitt auf sagenhafte 6,2 Blocks pro Spiel, was fast an seine Punkte- (7,2 PpG) und Reboundbilanz (7,8 RpG) heranreicht ? der Name "Gladness" ("Freude", "Fröhlichkeit") ist bei ihm eindeutig Programm.




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von Kent Brockman 01.03.07 um 12:34:13


16 Blocks von Gladness...das ist ja selbst mit den realitätsfernsten NBA Live-Versionen kaum möglich!



von WhatUneed 06.03.07 um 10:12:45


Starker Artikel, vor allem den Teil über das Auswahl- und Setzfahren für der NCAA-Tournament-Bracket, fand ich interessant! Verfolge College Ball schon länger, hab das Verfahren aber nie so richtig gecheckt!
Keep on writin' like that!



von Chris 06.03.07 um 15:21:22


Danke für das Lob! Wenn du Fragen zum "Big Dance" hast, kannst du die gern im College-Forum stellen, oder du liest mal diesen Artikel aus dem Vorjahr:

[crossover-online.de]

Darin könnten viele deiner Fragen beantwortet werden.



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