Wochenrückblick

Ein Blick auf die Conferences

Wir liefern einen kurzen Überblick über die Situation in den wichtigsten Conferences der NCAA und stellen eine Mannschaft der Woche vor, die einen ungewöhnlichen Grund zum Feiern hatte.

Von Christian Neumann
 07.02.2007 |

Big Ten: Oden gegen Tucker

Kaum hatten wir ihnen in unserem letzten Roundup einen längeren Abschnitt gewidmet und von ihrer historischen Chance, ein paar alte Teamrekorde zu brechen, geschrieben, verloren die Wisconsin Badgers prompt ihr folgendes Spiel bei den Indiana Hoosiers mit 66:71. Auch wenn Alando Tucker & Co. immer noch in der Spitzengruppe der NCAA zu finden sind, mussten sie die Führung in ihrer eigenen Conference an Ohio State abtreten, das letzte Nacht 76:63 gegen Michigan gewann (Greg Oden: 15 Punkte, acht Rebounds, fünf Blocks). Die Buckeyes haben nun neun ihrer zehn Big-Ten-Spiele gewonnen; Wisconsin ist Zweiter mit acht von neun. Indiana gelang durch den wichtigen Sieg über die Badgers der Anschluss an das Spitzenduo; die Hoosiers stehen bei einer Bilanz von 6-3 in der Big Ten. Auf den Plätzen folgen klangvolle Namen wie Illinois (5-5) und Michigan State (4-5), mit denen im Laufe der Saison noch zu rechnen sein wird.

Big East: Pitt, Marquette und ein paar Sleeper

Ähnlich eng geht es in der Big East zu: Die landesweit an Platz 6 gerankten Pittsburgh Panthers führen ihre Conference mit einer 8-1-Bilanz an. Die einzige Niederlage gab es zu Hause gegen Marquette, das auf dem zweiten Platz folgt (7-2). Diese beiden Teams werden sich am 3. März ein letztes Mal gegenüberstehen und dann wohl den Sieger der regulären Saison unter sich ausmachen. Vielleicht wird sich jedoch auch noch jemand anders in dieses Duell einmischen: Die Georgetown Hoyas ? nach einer Schwächephase zurück in den Rankings (#23) ? sind mit sechs Siegen aus acht Spielen nicht weit zurück. Dasselbe gilt für West Virginia (7-3) und Louisville (6-3), die beide eine bessere Big-East-Bilanz vorweisen können als Notre Dame, das immerhin noch zu den gerankten Teams gehört (#21 bei espn).

Danach verdichtet sich das Feld, folgen Teams wie Providence (5-4), Syracuse (5-5) und Villanova (4-5), die immer für eine Überraschung zu haben sind. Auch zwei der großen Enttäuschungen dieses Jahres finden sich in der Big East: Die talentierten Connecticut Huskies sind mit einer 4-6-Bilanz nur graues Mittelmaß, und Cincinnati bildet gar das Schlusslicht, was angesichts von acht Niederlagen in neun Spielen und einer Gesamtbilanz von 10-13 auch nicht überraschen sollte. Die Bearcats mögen nicht mehr das Talent früherer Tage haben, verkaufen sich aber dennoch unter Wert.

Big 12: A&M is A-OK

In der Big 12 gelang Texas A&M am Montag ein wichtiger Sieg über den Staatsrivalen Texas. Obwohl Kevin Durant auf der Gegenseite mit 30 Punkten und 15 Rebounds ein weiteres Monsterspiel ablieferte, konnten sich die Aggies mit 100:82 doch recht deutlich behaupten und stehen mit 8-1 mehr denn je unangefochten an der Spitze ihrer Conference. Ihnen folgen die beiden Kansas-Teams (6-2), wobei sich Kansas State auch ohne Top-Rekrut Bill Walker (Kreuzbandriss) sehr wacker schlägt und nicht zuletzt Texas (6-3) besiegen konnte, das nach zwei Niederlagen in Folge ein wenig durchgereicht zu werden droht.

Beim dritten Texas-Team (Texas Tech) ist die gute Startbilanz inzwischen doch reichlich getrübt: Die Red Raiders unter Rekord-Coach Bobby Knight haben nach ihren beeindruckenden Siegen gegen Kansas und Texas A&M ihre letzten vier Spiele verloren und halten sich mit einer negativen Bilanz (4-5) nur noch in der Mitte der Big 12 auf. Damit stehen sie immer noch bedeutend besser da als einer der besten Spieler dieser Conference: Colorados Punktemaschine Richard Roby (Halbbruder von NBA-Star Kenyon Martin) sieht sich angesichts von zwei Siegen und sieben Niederlagen in der Big 12 deren Tabellenführer doch aus größerer Distanz an. Vielleicht war der Erfolg über Oklahoma State vom vergangenen Samstag ja eine Art verspäteter Startschuss für die Buffaloes.

ACC: triumphierende Davids und taumelnde Goliaths

Ein eher ungewöhnliches Bild bietet die Atlantic Coast Conference (ACC): Nachdem lange Zeit das Überraschungsteam von Clemson die Szene beherrschte, mittlerweile aber auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden ist (4-5 in der ACC), führt inzwischen Virginia diese Conference an ? angesichts von Siegen über Arizona, Gonzaga und (in der ACC) zuletzt auch Duke sicherlich kein Zufall. Dennoch wurden die Cavaliers von den sonst so mächtigen Teams durchaus unterstützt:

Duke gab sich nicht nur ihnen geschlagen, sondern wurde gleich anschließend auch noch von Florida State bezwungen. Es war schon die fünfte Saisonniederlage für Mike Krzyzewskis Team, und sogar bereits die vierte in der eigenen Conference (bei fünf Siegen). Deshalb sind die Blue Devils in der ACC nur Mittelmaß und rutschen auch in den Top-25 immer mehr ab (#16, espn). Ähnlich schwach präsentierte sich North Carolina bei der verdienten Niederlage gegen North Carolina State. Da ist es nur passend, dass es heute Nacht zum großen Duell kommen wird, wenn Duke die Tar Heels in Durham empfangen wird.

Pac-10: Klasse in Masse

Rüber an die Westküste und in die Pac-10, die einige der besten Teams des Landes zu bieten hat. An ihrer Spitze steht nachwievor UCLA, das neun von elf Conference-Spielen gewonnen hat und am Samstag die Oregon State Beavers mit 82:35 vermöbelte. Die Bruins haben in 20 von 22 Partien das Parkett als Sieger verlassen und werden landesweit als zweitbestes Team geführt; dabei haben sie den ganz großen Grund zur Freude erst noch vor sich: Top-Rekrut Kevin Love, der sich für das kommende Jahr angesagt hat, fackelt Berichten zufolge die Netze der High Schools in Oregon ab. Das dürfte besonders für die dortigen NCAA-Teams nur schwer zu verkraften sein, auch wenn Love an der aktuellen Bilanz von Oregon State (1-10 in der Pac 10) ohnehin nichts mehr ändern könnte.

Deutlich besser stehen die Oregon Ducks da, die mit Aaron Brooks ihren Helden für die wichtigen Würfe bereits im Team haben. Allerdings sind die letzten beiden Partien (gegen UCLA und USC) verloren worden und die Ducks (7-4) ein wenig abgerutscht. Damit stehen sie immer noch besser da als Arizona (6-5), dessen Abwärtstrend sich fortsetzt: Zuerst wurden sie nach Strich und Faden von North Carolina vorgeführt (64:92); dann kam auch noch Washington State mit einem Sieg davon (72:66). Der deutliche Erfolg gegen Washington (84-55) kann für die Wildcats vielleicht der Auftakt zur Besserung sein, die sie auch dringend nötig haben, wenn sie (#22) in den Top-25 bleiben wollen.

Licht und Schatten in der SEC

Eines der wenigen in den Conference-Spielen noch ungeschlagenen Teams sind die Florida Gators, die zuletzt allerdings alles andere als überzeugend aufgetreten sind: Immer wieder wurden Spiele, die schon fast verloren waren, erst in den Schlussminuten gedreht. Das mag gegen Vanderbilt und Mississippi State funktionieren; gegen die besten Teams der NCAA wird es in derselben Situation aber deftige Niederlagen setzen. Dennoch haben die Gators alle acht Spiele in der Southeastern Conference (SEC) gewonnen und gelten beiden Rankings auch landesweit als das beste Team.

Auf den Plätzen folgen in der SEC East Kentucky (6-2), Vanderbilt (6-3) und Georgia (5-4), die allesamt immer noch eine bessere Bilanz haben als das beste Team der SEC West. Überhaupt enttäuschen beide dort eigentlich so hoch gehandelten Colleges: Alabama mag die Conference anführen, steht aber nur bei 4-4 und spielt eine mehr als unkonstante Saison. Noch schlechter läuft es bei LSU: Die Tigers haben sieben ihrer neun SEC-Spiele verloren ? davon sechs in Folge ? und krebsen am Tabellenende herum. Daran kann auch Glen Davis nichts ändern, dessen Draftwert durch den Misserfolg seines Teams sicherlich nicht gesteigert wird.

Mannschaft der Woche: Iona Gaels

Es dauerte lange, doch nun ist es soweit: Mit den Iona Gaels konnte auch das letzte Team der NCAA Division I seinen ersten Sieg einfahren. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, spielte das Team aus New Rochelle, NY als Sieger der Metro Atlantic Athletic Conference (MAAC) doch immerhin im letzten NCAA Tournament mit. Doch dieses Jahr läuft alles anders, fehlen wichtige Spieler aufgrund von Verletzungen, wurden immer wieder Führungen verspielt und schon sicher geglaubte Siege noch hergegeben. 

Das Resultat waren zweiundzwanzig Niederlagen in Folge und der zweifelhafte Ruf als einzig noch siegloses Team der NCAA. Diese Serie wurde jedoch am vergangenen Samstag beendet, als sich Iona mit 69:57 gegen Rider behaupten konnte, was Head Coach und Iona-Absolvent Jeff Ruland zu Lobpreisungen verleitete. "Die Jungs sind großartig gewesen. Sie haben von Spiel zu Spiel gedacht und weiterhin hart gekämpft", sagte der frühere NBA-Spieler (acht Saisons für Washington, Philadelphia und Detroit), ohne sich jedoch auf dem Erfolg ausruhen zu wollen: "Nun können wir weitermachen und versuchen, diese Saison noch ein paar Spiele zu gewinnen."




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von Crossover 30.05.2012 um 12:57:26


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