Wochenrückblick
Der Kampf um die Spitze
Bei den Top-Drei der NCAA geht es drunter und drüber: Floridas Siegesserie ist gerissen; das Team ist auf Platz 3 zurückgefallen, und Wisconsin wird nun gegen Ohio State um die Ranking-Krone spielen.
Von Christian Neumann |
21.02.2007 | |
Als die zu dem Zeitpunkt noch an Platz 1 gesetzten Florida Gators am vergangenen Samstag bei Vanderbilt antraten, setzte es die schon lange überfällige Niederlage, die sich bereits angekündigt hatte: Immer wieder hatten die Gators Spiele gerade noch umgebogen, in denen sie bereits hinten lagen. Anders als gegen Kentucky (64:61) oder Alabama (76:67) gelang ihnen diesmal keine Aufholjagd, und die Vanderbilt Commodores feierten einen unerwarteten Sieg gegen ein Spitzenteam. Allerdings war es nicht der erste, denn schon zuvor hatten sie gegen die gerankten Teams Tennessee, Alabama und LSU gewonnen und sich auch beim ersten Duell mit Florida (64:74) sehr gut verkauft. Für die Gators hingegen ging die längste Siegesserie der NCAA (17 Spiele) zu Ende, und auch der Spitzenplatz in beiden Rankings wurde dem Team von Head Coach Billy Donovan genommen: Bei der associated press und beim Coaching-Poll von ESPN steht Florida nun nur noch an Position 3.
Wisconsin und OSU: der Kampf um die Spitze
Die Plätze 1 und 2 in den Rankings machen nunmehr die beiden Big-Ten-Rivalen Wisconsin und Ohio State unter sich aus: Bei ESPN steht OSU nun schon zum zweiten Mal in dieser Saison auf Platz eins: 17 der 31 stimmberechtigten College-Coaches schätzten das Team von Star-Freshman Greg Oden als das stärkste der gesamten NCAA ein; Wisconsin bekam als schärfster Verfolger zehn Stimmen für den ersten Platz. Bei den Journalisten der associated press (AP) stehen hingegen die Badgers (35 Erststimmen) auf Platz 1 und Ohio State (31 first-place votes) nur auf Rang 2. Für Wisconsin war es das erste Mal überhaupt, dass das Team an der Spitze des ap-Rankings stand, und den Badgers scheint die Höhenluft nicht zu bekommen, denn schon in ihrem ersten Spiel als neue Nummer 1 verloren Alando Tucker und Co. vergangene Nacht mit 55:64 bei Michigan State. Sicherlich hatten Tucker (6-15 aus dem Feld) und Totalausfall Kammron Taylor (zwei Punkte in 39 Minuten, 0-6 FG) nicht ihren besten Tag, doch es war vor allem Spartans-Guard Drew Neitzel, der mit seinen 28 Zählern dafür sorgte, dass Michigan State zum ersten Mal in seiner Geschichte ein an 1 gesetztes Team in einem Heimspiel schlagen konnte.
Dabei war es beileibe nicht Neitzels erste Galavorstellung gegen ein Spitzenteam: Vor zweieinhalb Wochen brachte er bereits Ohio State mit 24 Punkten und einer starken zweiten Halbzeit in arge Bedrängnis. Gegen Wisconsin reichte es jedoch auch zum Sieg, und der war hart erarbeitet: Neitzel rannte unermüdlich um die Screens, mit denen ihm seine Mitspieler den Freiraum verschaffen, den der Junior-Guard zum Werfen braucht, und den Rest besorgte Neitzel dank seiner Treffsicherheit. Am Ende hatte er sechs seiner elf Dreierversuche versenkt, und Wisconsin gleich mit ? ob die Badgers in Gedanken schon in Columbus, Ohio waren? Dort wird am kommenden Sonntag nämlich mit Ohio State das Gipfeltreffen der Big Ten ausgetragen. Die Buckeyes dürften dabei doppelt motiviert sein: Zum einen gilt es die gerade erst erworbene Spitzenplatzierung im ESPN-Ranking zu verteidigen (und nach Möglichkeit auch im AP-Poll den Thron zu erklimmen), und zum anderen werden Greg Oden und Co. Gelegenheit bekommen, sich für die Partie vom 9. Januar zu revanchieren, die Wisconsin mit 72:69 gewann.
Aufwärtstrend bei Duke
Doppelten Grund zur Freude hatte Dukes Head Coach Mike Krzyzewski: Einerseits gelang seinen Blue Devils schon nach einer Woche die Rückkehr in die Rankings (Platz 17 bei ESPN, Platz 18 bei der ap), und zum anderen konnte er fünf Tage nach seinem 60. Geburtstag auch seinen 700. Karrieresieg feiern. Duke ist nach zwei Erfolgen gegen gute Gegner (Boston College, Georgia Tech) wieder auf dem Weg nach oben, nachdem zuvor vier Spiele hintereinander verloren wurden. Auch wenn diese längste Niederlagenserie seit elf Jahren nun beendet ist, wird sie Nachwirkungen haben, denn die Bilanz der Blue Devils (20-7, aber nur 7-6 in der ACC) ist zu schlecht für eine hohe Position im NCAA Tournament ausgehen. "Bracket-Papst" Joe Lunardi, der bei ESPN versucht, die Zusammensetzung des NCAA-Turniers vorauszusagen, führt Duke gerade mal auf einem 6. Platz. Das würde für Josh McRoberts und seine Kollegen bedeuten, viel früher als gewünscht gegen starke Gegner antreten zu müssen, denn wie in jedem Turnierbaum spielt auch in der NCAA das erstplatzierte Team gegen das letztplatzierte. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass auch niemand gegen Duke antreten will, das nun schon deutlich eher als möglicher Gegner droht ? das diesjährige NCAA-Turnier verspricht spannend zu werden.
Der Rekord der Woche gelang West Virginia: In ihrem Spiel gegen die Providence Friars verschossen die Mountaineers vergangene Nacht sagenhafte zweiunddreißig Dreipunktewürfe (bei 41 Versuchen). Eigentlich ist das frühere Team des deutschen Nationalspielers Johannes Herber traditionell recht gut, wenn es um Distanzwürfe geht, doch gegen Providence wollte rein gar nichts fallen, und die Friars nutzten das fehlende Zielwasser ihrer Gegner für einen 64:61-Sieg. West Virginia (Platz 22 AP, Platz 18 ESPN) droht nun aus den Rankings zu fallen, während Providence ein weiterer Sieg gegen ein geranktes Team gelang.
Die Meldung der Woche kam aus Pullman, Washington. Dort spielt der 14-jährige Patrick Simon an der Ephrata High School, und auch wenn er erst Freshman ist, hat sich Simon schon jetzt auf Washington State als seine zukünftige Universität festgelegt ? zweieinhalb Jahre, bevor er seine Absicht, für die Cougars zu spielen, frühestens in Form eines "Letter of Intent" bestätigen darf. Simon gilt als talentierter Offensivspieler, ist bereits zwei Meter groß und soll noch wachsen. Die Wahl der für ihn richtigen Universität fiel ihm nicht schwer: Schon sein Vater studierte an der Washington State University, und außerdem habe ihn die Arbeit überzeugt, die Coach Tony Bennett bei den Cougars leiste: "Sie sind jetzt die Nummer 9 [im AP-Ranking], und Coach Bennett hat wirklich ein gutes Team aus ihnen gemacht." Bleibt nur zu hoffen, dass Tony Bennett seine gute Arbeit noch ein paar Jahre fortsetzen kann, denn Patrick Simon wird frühestens in der Saison 2010/2011 für seine Mannschaft auflaufen.



von Crossover 30.05.2012 um 12:57:18
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