Wochenrückblick
Auf der Jagd nach Rekorden
Wir werfen einen etwas genaueren Blick auf eine der besten Mannschaften der NCAA, berichten von einem historischen Rekord und stellen das beste Zwillingsduo im College-Basketball vor.
Von Christian Neumann |
31.01.2007 | |
Wisconsin: der Geschichte auf den Fersen
Die Siegesserie der Phoenix Suns ist Geschichte; eine andere ist jedoch noch völlig intakt: Die Wisconsin Badgers haben ihre letzten siebzehn Spiele gewonnen, darunter gegen Hochkaräter wie Marquette, Pittsburgh und Ohio State. Wäre da nicht diese ärgerliche (weil knappe und an sich vermeidbare) Niederlage gegen Missouri State Ende November gewesen, würden die Herren um "Player of the Year"-Kandidat Alando Tucker jedes ihrer 22 Saisonspiele gewonnen haben, denn schon vor der einzigen Niederlage gab es vier Siege, mit denen das Team aus Madison, WI die Saison vielversprechend begann.
Die Wisconsin Badgers sind so etwas wie die Detroit Pistons in der NBA: eine hart arbeitende, eingespielte Truppe ohne den einen überragenden Einzelspieler. So gut Alando Tucker auch spielt, ist er in seinem Talent doch nicht mit Spielern wie Greg Oden (Ohio State) oer Kevin Durant (Texas) zu vergleichen; vielmehr führt er eine erfahrene Mannschaft an, deren Leistungsträger zwei Seniors (neben Tucker noch Kammron Taylor) sowie zwei Juniors (Center Brian Butch und Point Guard Michael Flowers) sind. Zusammen lehren sie derzeit die Konkurrenz das Fürchten und sind der vielleicht unangenehmste Gegner der NCAA. Niemand möchte derzeit gegen Wisconsin antreten, schon gar nicht wenn dabei Siegesserien dran glauben müssen: Beim 57:46 gegen Iowa wurde die Serie von zwölf Heimsiegen der Hawkeyes beendet, und heute Nacht droht eine ähnliche Serie von 13 Spielen zu fallen, wenn die Badgers bei den Indiana Hoosiers antreten.
Bei einem weiteren Erfolg würde Wisconsin den 18. Sieg in Folge erringen; das ist die längste aktive Siegesserie der NCAA und die längste in der Geschichte Wisconsins in der schon jetzt erfolgreichsten Saison der Badgers: Noch nie zuvor konnten 21 der ersten 22 Spiele gewonnen werden. Im Moment eilen Alando Tucker & Co. von Sieg zu Sieg und haben dabei einen historischen Rekord vor Augen: In den Spielen gegen Big-Ten-Rivalen lautet die Bilanz sieben zu null. Mit sechs weiteren Siegen würde Wisconsin die beste Big-Ten-Bilanz aufstellen, seit die Badgers von 1913 zwölf Conference-Siege ohne Niederlage einstrichen. Angesichts der dafür zu besiegenden Gegner (Indiana, Northwestern, Iowa, Minnesota und zweimal Penn State) sollte auch dieser Rekord in greifbarer Nähe sein.
Brook Lopez' Durchbruch
Die Auszeichnung als Spieler der Woche gebührt ohne Zweifel Brook Lopez: Dem Center der Stanford Cardinal gelang am vergangenen Dienstag ein lupenreines Triple-Double gegen die USC Trojans. Allerdings waren es nicht die üblichen zweistelligen Werte in Punkten, Rebounds und Assists, die ihm zu dieser im College-Sport recht seltenen Leistung verhalfen; vielmehr fügte der Freshman seinen 18 Punkten und elf Rebounds satte zwölf Blocks an. Das pikante daran ist, dass Lopez bis zu seinem Galaauftritt über zwölf Spiele hinweg gerade mal 13 Blocks gehabt hatte, ehe er gegen Southern California gleich zwölf Würfen den Weg zum Korb verwehrte.
Den Grund für diese Leistungsexplosion mag darin liegen, dass sich der Center allmählich von einer Rückenverletzung erholt, die ihn die ersten fünf Saisonspiele kostete und bis vor kurzem auch seine Spielminuten reduzierte. Nach dem USC-Spiel sah Coach Trent Johnson seinen Schützling auf dem Weg zum Ruhm: "Nach heute Abend wird er ein Lottery-Pick sein", sagte Johnson im Bezug auf den NBA-Draft. "Er war außergewöhnlich in der Verteidigung." Der Spieler selbst reichte zumindest dieses Kompliment gleich an seinen Bruder weiter: "Ich lernte von Robin in der High School. Er ist schon immer ein besserer Blocker gewesen als ich."
Robin Lopez: die Konstante
Robin ist niemand anderes als Brook Lopez' Zwillingsbruder, denn bei Stanford gibt es derartiges Talent einmal mehr im Doppelpack: Schon die NBA-Spieler Jason (New Jersey Nets) und Jarron Collins (Utah Jazz) absolvierten ihre College-Zeit bei den Cardinal und hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Die Lopez-Brüder könnten diesen Erfolg sogar noch toppen. Während Brook Lopez sich zusehends steigert und vor allem für sein Triple-Double-Spiel auch als "Spieler der Woche" in der Pac-10 ausgezeichnet wurde, brachte Bruder Robin vom ersten Tag an konstante Leistung. Schon in seinem College-Debüt am 11. November letzten Jahres gegen Siena lieferte er ein Double-Double (14 Punkte, 15 Rebounds) ab und steuerte gleich noch sechs Blocks bei. Doch auch gegen gute Gegner (Arizona, California, Washington) wusste der Freshman zu überzeugen, was selbst den ein oder anderen Scout überrascht haben dürfte, galt doch eigentlich Brook Lopez als der talentiertere der beiden Zwillinge: scout.com führte ihn in der Klasse von 2006 sechs Plätze vor seinem Zwillingsbruder; bei rivals.com war der Unterschied sogar noch krasser (Brook auf 10, Robin auf 28).
Das Southern-California-Spiel sollte die Verhältnisse wieder ein wenig gerade gerückt haben, auch wenn Brook Lopez sagt, er sehe seinen "Rekord [von zwölf Blocks] in Gefahr wegen Robin", der die Cardinal selbst nach Brook Lopez' Ausnahmespiel noch in Blocks pro Spiel anführt (2,4 zu 1,9 BpG). Sollte Robin Lopez sich wirklich jemals vornehmen, den Rekord seines Bruders zu knacken, könnten dabei noch ganz andere Rekorde fallen, die Brook Lopez gegen die USC Trojans aufstellte: Sein Triple-Double war das erste in der Geschichte der Stanford Cardinal, und die zwölf Blocks sind ein Schulrekord (der alte lag gerade mal bei der Hälfte: sechs Blocks), ebenso die 19 Blocks, die das gesamte Team gegen USC erreichte (Robin Lopez selbst steuerte drei Blocks bei). Die Trojans wiederum mussten allein durch Brook Lopez mehr Blocks hinnehmen, als je zuvor in ihrer Geschichte ein ganzes Team gegen sie erzielt hatte (Wyoming hatte elf Blocks im Jahr 1983).
Ein Center-Duo mit Perspektive
Diese Flut von Rekorden könnte erst der Anfang sein ? immerhin sind Brook und Robin Lopez nur zwei unerfahrene Freshmen in der Mitte ihrer ersten College-Saison. Auf lange Sicht könnten sie eines der besten Frontcourt-Duos der NCAA bilden und ihre Gegner mit ihrer Mischung aus Defensive (Robin Lopez) und Offensive (Brook Lopez) in Angst und Schrecken versetzen. Bei USCs Nick Young, der selbst ein NBA-Kandidat ist, ist ihnen das bereits gelungen: "Das ist nicht mehr das gewöhnliche Stanford-Team", sagte Young. "Mann, diese Typen haben es uns wirklich schwergemacht. Lange Arme, und wie die springen können! Sie schienen genau zu wissen, was wir in jedem Spielzug tun würden. Sie waren einfach zuviel für uns."



von Crossover 30.05.2012 um 12:57:14
Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.