Wochenrückblick
Auf dem Weg zum Selection Sunday
Die reguläre Saison ist vorbei; die Conference-Turniere laufen, und das NCAA Tournament rückt immer näher: Die College-Saison 2006/2007 tritt in ihre heiße Phase ein.
Von Christian Neumann |
07.03.2007 | |
Für viele College-Teams sind dies die Tage der Wahrheit: ein letztes Schaulaufen vor einem auserwählten Kreis von Leuten, die in einem Komitee zusammensitzen, das am kommenden Sonntag die Teilnehmer des NCAA Tournament bekanntgeben wird. Wer es nicht schafft, sich als Sieger seiner eigenen Conference ein automatisches Startrecht zu sichern, wird darauf hoffen müssen, eingeladen zu werden. Das betrifft aktuell die Southern Illinois Salukis, die im Finale des Turniers der Missouri Valley Conference gegen Creighton unterlagen und sich nun auf ihre gute Saisonbilanz und ihren Platz im Ranking verlassen müssen. Mehr zu den Turniersiegern, die sich bereits für den "Big Dance" qualifiziert haben, am Ende dieses Artikels.
Kevin Durant, Superstar
Wenn es um Kevin Durants Freshman-Saison geht, wird es zunehmend schwerer, überhaupt noch Vergleiche für seine Leistungen zu finden: So, wie er sich mit gerade mal 18 Jahren präsentiert, könnte Durant durchaus der beste Freshman aller Zeiten sein; d.h. genau genommen der letzten 35 Jahre, denn Freshmen ist es erst seit 1972 erlaubt, für ihr Uni-Team aufzulaufen (deshalb finden sich in den College-Statistiken von Stars wie Kareem Abdul-Jabbar und Oscar Robertson auch nur drei Jahre, in denen sie für ihre Universitäten auf dem Parkett standen).
Der zeitlich naheliegendste Vergleich für Durant ist Denvers Carmelo Anthony, der in der Saison 2002/2003 für die Syracuse Orange auflief, mit 22 Double-Doubles einen neuen NCAA-Rekord für Freshmen aufstellte und neben diversen Einzeltiteln auch noch die College-Meisterschaft abstaubte, bevor er seinen Siegeszug in der NBA antrat. Kevin Durant übertrumpft dieses Jahr vieles von dem, was Anthony vor vier Jahren leistete, punktet mehr (25 PpG zu 22 PpG) und effektiver (48% FG zu 45% FG, obwohl er mehr Dreier schießt), holt mehr Rebounds (11,5 RpG zu 10 RpG) und hat fast so viele Double-Doubles (bisher 18) wie Anthony, obwohl er im Schnitt weniger spielt und zum selben Zeitpunkt ein halbes Jahr jünger ist.
So enden die meisten Vergleiche zwischen früheren Freshmen und Kevin Durant. Der spielt so gut, dass seine Leistung sogar die von Ohio States Center Greg Oden in den Schatten stellt, der allen Hindernissen (nichtausgeheilte Handgelenksverletzung, fehlende Saisonvorbereitung, ungünstiges Spielsystem, wenige Würfe) zum Trotz die vermutlich beste Freshman-Saison abliefert, die man seit vielen, vielen Jahren von einem Center gesehen hat. So übertrifft sein Punkteschnitt von 15,3 PpG alles, was die Center-Legenden der vergangenen 30 Jahre in ihrer jeweiligen Freshman-Saison auf die Statistikbögen der NCAA zauberten ? und Oden lässt die Olajuwons, O'Neals und Ewings hinter sich, obwohl er nur 9,4-mal pro Spiel auf den Korb schießt und seine Freiwürfe nachwievor mit links nimmt.
Texas gegen Texas A&M
Durant und Oden, Oden und Durant ? wie man es auch dreht und wendet, sind sie wohl das beste Freshman-Duo, das die NCAA jemals gesehen hat. Dabei sind die beiden Teenager immer noch fleißig dabei, an ihrer eigenen Legende zu stricken. Kevin Durant schrieb das neueste Kapitel seiner Heldengeschichte am vergangenen Mittwoch im wichtigen Spiel gegen Texas A&M. Die Aggies, die in Point Guard Acie Law IV ihren eigenen "Big 12 Player of the Year"-"Kandidaten in ihren Reihen hatten, gehörten zu den formstärksten Teams im College-Basketball, hatten 24 von 28 Saisonspielen gewonnen und sich im ESPN-Ranking auf den 6. Platz vorgespielt (Nr. 7 bei der Associated Press).
Was dann im Rahmen des "Lone Star Showdown" (einem traditionellen Wettbewerb zwischen Texas und Texas A&M in verschiedenen Sportarten, dessen Sieger mit einer Trophäe belohnt wird) gespielt wurde, darf getrost als eine der besten Partien der laufenden College-Saison angesehen werden. Angeführt von ihren Stars Durant bzw. Law lieferten sich die beiden Teams ein heißumkämpftes Duell über spannungsgeladene 50 Minuten. Zweimal gelang es Law, sein Team in Chauncey-Billups-Manier mit wichtigen Würfen im Spiel zu halten; darunter war ein Bogenlampen-Dreier über Durant hinweg, mit dem Law die erste Verlängerung erzwang.
Am Ende hatte Acie Law 33 Punkte erzielt und seinen Ruf als wohl bester Point Guard der NCAA in Stein gemeißelt, doch der Sieg ging an Durant, für den unterm Strich ein weiteres Double-Double (30 Punkte und 16 Rebounds) auf dem Statistikbogen stand ? gleich neben der Erkenntnis, dass es im gesamten College-Basketball keinen zweiten Spieler mit seiner Produktivität gibt, der seine Top-Leistungen gegen vergleichbare Konkurrenz bringt. Texas, das schon vor dem Spiel gegen die Aggies in beiden Rankings an Position 15 geführt wurde, darf sich nun in Richtung der Top-Ten und einer guten Ansetzung im NCAA Tournament orientieren, während sich die Fans des College-Basketballs eine Frage immer öfter stellen: Kann Kevin Durant die Longhorns auf seinen Schultern bis ins Final Four oder gar zum NCAA-Titel tragen?
Individuell überragt der Forward schon jetzt: Bis zur laufenden Saison hatte es neun 30-Punkte-Spiele in der Geschichte der Big 12 gegeben ? Durant allein hat diese Saison schon acht. Auch deshalb wurde er bereits vor Beginn des Big-12-Turniers als Big 12 Rookie of the Year und Big 12 Player of the Year ausgezeichnet. Mediengrößen wie ESPN rühren zudem kräftig die Werbetrommel dafür, dass Durant auch zum National Player of the Year gekrönt werde, was noch keinem Freshman gelungen ist.
Der Klassiker: North Carolina gegen Duke
Für viele ist es die bedeutendste Rivalität im Basketball, auch wenn ihr dieses Jahr ein wenig die Brisanz fehlt: Weder die Tar Heels noch die Blue Devils spielen eine überragende Saison, und keinem der Teams drohte am vergangenen Sonntag das Ende einer langen Siegesserie. Vielmehr hatte sowohl North Carolina (gegen Georgia Tech) als auch Duke (gegen Maryland) sein vorangegangenes Spiel verloren ? und das schon das zweite Mal dieses Jahr, ehe es zum Gipfeltreffen der beiden Traditionsteams kam. Vor dieser Saison war dies in den vergangenen 30 Jahren gerade viermal der Fall gewesen.
Doch wenn die sportliche Brisanz fehlt, muss man sie eben künstlich erschaffen, zum Beispiel mit einem unsportlichen Foul der übleren Sorte. Es waren noch 18 Sekunden zu spielen; North Carolina führte mit 84:72, als Tyler Hansbrough für zwei Freiwürfe an die Linie trat. Er verfehlte beide, erkämpfte sich aber den Rebound und schickte mit einer Finte gleich zwei Duke-Verteidiger in die Luft. Plötzlich kam Gerald Henderson von der Seite herangerauscht, mit gehörigem Anlauf und mit der Hüfte voran, um Hansbrough vom Punkten abzuhalten. Als er seinen Körper drehte, um nur seitlich gegen Hansbrough zu prallen, verpasste er diesem einen (wohl unabsichtlichen) Schlag mit dem Ellenbogen, der den UNC-Forward zu Boden schickte. Die vollbesetzte Halle in Chapel Hill brach in Buhrufe und Raunen aus, was sich noch verschärfte, als Hansbrough sein Gesicht vom Boden hob und dort Blut entdeckte. Wutentbrannt sprang er auf und suchte sofort den Blickkontakt mit dem Übeltäter, konnte aber von den Referees unter Kontrolle gebracht werden. Henderson bekam für die Folgen seines ungestümen Einsatzes ein Flagrant Foul, wurde dadurch des Feldes gewiesen und wird eine Sperre von einem Spiel absitzen müssen, die ein unsportliches Foul automatisch nach sich zieht. Da halfen auch alle Entschuldigungen nichts. Hansbrough hingegen, der inzwischen bereits gesagt hat, gegenüber Henderson nicht nachtragend zu sein, erlitt eine blutige Nase, die sich im Nachhinein als gebrochen herausstellte.
Vor dem Vorfall wurde sogar Basketball gespielt, und Hansbrough setzte seine Dominanz gegenüber den ACC-Konkurrenten mit 26 Punkten und 17 Rebounds fort, während Dukes Josh McRoberts auf der Gegenseite mit neun Punkten und zehn Rebounds einmal mehr den Beweis seiner Klasse schuldig blieb. Durch den Sieg sicherte sich North Carolina doch noch den Regular-Season-Titel der ACC und damit auch den Platz an der Spitze der Setzliste des ACC Tournaments, das morgen (Donnerstag) beginnen wird. Zudem gelang den Tar Heels ein süßer Triumph: der erste Season Sweep über den Erzrivalen Duke seit elf Jahren, noch dazu in Coach Roy Williams' hundertstem Sieg für North Carolina.
Die ersten Auszeichnungen
Neben Kevin Durant, der zum Freshman und Spieler des Jahres der Big 12 gewählt wurde und sich dabei gegen Acie Law (Texas A&M) und Mario Boggan (Oklahoma State) durchsetzte, hat es noch andere Ehrungen gegeben: In der Big Ten wurde Alando Tucker erwartungsgemäß zum Spieler des Jahres gewählt; Greg Oden (Ohio State) und Drew Neitzel (Michigan State) hatten das Nachsehen. In der Big East krönte Georgetown-Forward Jeff Green seine gute Saison ebenfalls mit einem "Player of the Year"-Award.
Die ersten Tournament-Teams
Inmitten der Conference-Turniere nutzten einige Teams die Gelegenheit, sich für das NCAA Tournament zu qualifizieren, indem sie ihre jeweilige Conference gewannen. Ein kurzer Überblick. Die Zahl in Klammern bezeichnet den Setzplatz des Teams im Turnierbaum der Conference.
| Conference | Sieger | Finalgegner | Resultat |
| Atlantic Sun | Belmont (2) | East Tennessee State (1) | 94:67 |
| Big South | Winthrop (1) | Virginia Military (6) | 84:81 |
| Colonial Athletic | Virginia Commonwealth (1) | George Mason (6) | 65:59 |
| Horizon League | Wright State (1) | Butler (2) | 60:55 |
| MAAC | Niagara (2) | Siena (4) | 83:79 |
| Mid-Con | Oral Roberts (1) | Oakland (2) | 71:67 |
| Missouri Valley | Creighton (2) | Southern Illinois (1) | 67:61 |
| Ohio Valley | Eastern Kentucky (2) | Austin Peay (1) | 63:62 |
| Southern | Davidson (1) | College of Charleston (3) | 72:65 |
| Sun Belt | North Texas (5) | Arkansas State (2) | 83:75 |
| West Coast | Gonzaga (1) | Santa Clara (2) | 77:68 |
Die Ivy League spielt kein Turnier am Saisonende aus. Ihr "automatic bid" geht deshalb an den Sieger der regulären Saison (Pennsylvania).



von quiz 09.03.07 um 21:17:48
finds gut das ihr auch so ausführlich übers college informiert!
von WhatUneed 10.03.07 um 18:58:01
kann mich quiz nur anschließen, starker Artikel! bietet einem eine interessante Einsicht auf größere Themen, die z.B auf si.com öfter in der breiten Masse verloren gehen!