Talente

NCAA-Scouting: Dominic James

Wir werfen einen aktuellen Blick auf die Leistungen des NBA-Kandidaten Dominic James, der als Star der Marquette Golden Eagles zu den besten Point Guards der NCAA gehört.

Von Christian Neumann
 11.01.2007 |

Name: Dominic James [Crossover-Draftprofil]
Team: Marquette Golden Eagles
Status: Sophomore
Position: Point Guard
Statistiken: 16,1 PpG, 2,5 RpG, 2,2 SpG, 4,5 ApG

Season Highs:

25 Punkte (gegen Duke)
6 Rebounds (gegen Oakland)
4 Steals (viermal)
9 Assists (gegen Oakland)

bestes Spiel: 25 Punkte, sieben Assists, 60% FG (21.11. gegen Duke)

Die Fakten

Dominic James ist amtierender Big East Rookie of the Year und Anführer der Marquette Golden Eagles, die um ihn, Jerel McNeal und Wesley Matthews eine Drei-Guard-Offensive aufziehen, die fast 60% aller Teampunkte erzielt. James' Aufgabe ist es, sowohl den Spielaufbau zu übernehmen als auch selbst wichtige Punkte zu machen. Er führt die Golden Eagles bei den Punkten, Assists und Minuten an und ist Zweiter bei den Steals.

Die Situation

Dominic James ist ein ausgesprochen talentierter Point Guard, der bei Marquette klar unter seinen Möglichkeiten bleibt. Der Grund ist recht einfach zu finden: Die Golden Eagles haben nicht einmal den Ansatz eines Lowpostspiels, schlicht weil der entsprechende Lowpostscorer fehlt. Das Resultat ist ein Perimeter-lastiges Spiel, das von den drei Starting-Guards dominiert wird. In der Regel rotieren sie auf dem Flügel auf der Suche nach Wurfmöglichkeiten; Ousmane Barro wartet unter dem Korb auf anfallende Rebounds, und ein weiterer Forward (Lazar Hayward, Dan Fitzgerald) hält sich im Highpost für Pässe aus dem Drive-and-Dish bereit.

Die Stärken: Athletik, Schnelligkeit, Passspiel

Dominic James' größte Stärke ist seine Physis. Im Grunde besitzt er die Athletik von Steve Francis in Jameer Nelsons Körper: stark, schnell, mit einer furchtlosen Einstellung auf dem Weg zum Korb und im Kampf um den Rebound. Wie Francis zu seinen besten Zeiten kommt James durch die Zone geflogen, um gegnerische Sprungwürfe auf dem Flügel zu blocken, oder er reißt Zwei-Meter-Leuten auf Ringniveau die Rebounds weg und leitet sofort den Fastbreak ein. Überhaupt gilt: Je schneller das Spiel wird, desto besser spielt Dominic James. Dank seiner Schnelligkeit und Athletik ist er der geborene Fastbreak-Spieler und bringt auch die passende Technik dazu mit: Gegen Connecticut spielte er zwei lange Bodenpässe durch vier Verteidiger hindurch, die denen von Jason Kidd in nichts nachstehen.

Auch im Setplay ist James ein exzellenter Passgeber. Seine recht geringe Assistzahl (4,5 ApG) liegt allein daran, dass McNeal und Matthews viel für sich selbst kreieren. Bei der Vier-Guard-Offensive von Villanova (u.a. mit Randy Foye, Kyle Lowry) war letztes Jahr dasselbe zu beobachten. Wenn James aber mal dazu kommt, jemanden in Szene zu setzen, zeigt er seine fantastischen Passfähigkeiten. Dank seinem niedrigen Körperschwerpunkt und seinem ersten Schritt kommt er an den meisten Verteidigern ohne Probleme vorbei, zieht zum Korb und sieht auf dem Weg dahin freistehende Mitspieler. Sein Drive-and-Dish ist absolut erstklassig ? manchmal sogar so gut, dass seine Mitspieler nicht mit seinen Pässen rechnen und es so zu Ballverlusten kommt.

Die Schwächen: Größe, Wurf, Erfahrung

James' Größe wird immer ein Problem bleiben. So hoch und schnell er springen kann, wird er doch immer länger brauchen, einen gewissen Punkt zu erreichen, als ein größerer Gegenspieler. In der Defensive nutzt er seine laterale Schnelligkeit noch nicht gut genug, um gegnerische Point Guards am Ziehen zu hindern. Zu oft lässt er seinem Gegenspieler dabei zu viel Raum, anstatt entschieden auf ihn drauf zu gehen. Das Potential zum Stopper hat er in der Hinsicht aber auf jeden Fall. James' größte Stärke in der Verteidigung sind momentan die Steals: Wie seine Guard-Kollegen spekuliert er viel und "blitzt" in die Passwege, um sofort den Gegenangriff einzuleiten.

Leider wird ihm im Halbfeldangriff viel von seiner Effektivität genommen. Durch die fehlende Lowpostpräsenz rückt die gesamte gegnerische Verteidigung sehr weit raus, so dass Marquettes Backcourt auf dem Flügel rotieren muss und oft Würfe nimmt, die mindestens NBA-Dreierreichweite haben. Zudem sind viele dieser Würfe auch von einem Verteidiger beeinflusst, was zusätzlich die Quoten drückt. James' Wurf ist technisch nicht schlecht, doch als kleiner Spieler braucht er recht lange, um nach oben zu kommen, und auch die Wurfbewegung ist noch nicht schnell genug. Er wirft manchmal recht flach und klappt das Handgelenk nicht richtig ab, was u.a. zu seiner schlechten Freiwurfquote beiträgt (63,2%). Auch seine Wurfauswahl ist noch nicht optimal, und beim Passen will James manchmal zuviel oder zu Schwieriges probieren.

Fazit: der prototypische Fastbreak-Spieler

Dennoch überwiegen James' Stärken die Schwächen bei weitem, zumal ihm das Spiel in der NCAA (noch dazu mit diesem unausgeglichenen Kader) nicht liegt. Ich habe schon lange keinen College-Spieler mehr gesehen, dem die Spielweise der NBA so entgegenkommen wird wie Dominic James. Das schnellere Tempo und die veränderten Spielfeldmaße werden seine Stärken unterstützen. Die Lowpostscorer werden ihm Räume zum Ziehen und Werfen öffnen, so dass er ununterbrochen auf dem Weg zum Korb sein wird. Von dort aus wird er die Schützen auf dem Flügel mit Kickout-Pässen und die Bigmen mit Durchsteckern bedienen. Besonders Fastbreak-Teams wie die Phoenix Suns oder Denver Nuggets sollten sich Dominic James sichern, selbst wenn es sie einen Top-10-Pick kostet.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:56:31


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