Talente

NCAA-Scouting: Brandan Wright und Tyler Hansbrough

Die Universität von North Carolina bietet zwei sehr verschiedene Power Forwards mit NBA-Potential. Wir versuchen, beide in einem Artikel näher zu beschreiben.

Von Christian Neumann
 13.01.2007 |

Brandan Wright [Draftprofil]
North Carolina Tar Heels
Freshman
Power Forward
Statistiken: 15,8 PpG, 6,6 RpG, 1,5 BpG, 63,9% FG

Season Highs:

21 Punkte (dreimal)
13 Rebounds (gegen Gonzaga)
4 Blocks (zweimal)
4 Assists (gegen Sacred Heart)

bestes Spiel: 21 Punkte, 13 Rebounds, 4 Blocks (22.11. gegen Gonzaga)

______

Tyler Hansbrough [Draftprofil]
North Carolina Tar Heels
Sophomore
Power Forward
Statistiken: 18,6 PpG, 7,8 RpG, 1,4 SpG, 53,7% FG

Season Highs:

29 Punkte (gegen Sacred Heart)
14 Rebounds (gegen Ohio State)
4 Steals (gegen Pennsylvania)
6 Assists (gegen Tennessee)

bestes Spiel: 25 Punkte, 13 Rebounds, 66% FG, 90% FT (7.1. gegen Florida State)


Die Fakten

Tyler Hansbrough ist Freshman des Jahres der NCAA und gehört zu den aussichtsreichsten Kandidaten für die Auszeichnung für den Spieler des Jahres. Brandan Wright gehört zu den besten Freshmen in der vielleicht talentiertesten Freshman-Klasse aller Zeiten. Ihr Team ? die North Carolina Tar Heels ? ist derzeit an Position 1 gerankt und hat 15 seiner 16 Spiele gewonnen.

Die Situation

Wright und Hansbrough sind nur zwei von einer ganzen Reihe junger Spieler bei North Carolina (zwei Drittel der Tar Heels sind Freshmen oder Sophomores) und bilden den Frontcourt des Teams: Während Hansbrough den Lowpost bearbeitet und sich nur selten vom Korb fortbewegt, gibt Wright den Highpost-Forward, der aus der Halbdistanz wirft oder von dort aus Wege zum Korb sucht. Hansbrough ist bei fast jedem Spielzug die erste Anspielstation: Er sorgt konstant für Punkte und erfordert deshalb Doppel- und Dreifachdeckung, was wiederum seinen Mitspielern (u.a. Wright) Räume zum Ziehen und Werfen öffnet.

Die Spieler: Allgemeines

Gegensätzlicher können zwei Forwards kaum sein: Auf der einen Seite der bullige, aber nicht muskulöse Tyler Hansbrough (2,06m, 110 kg), der sich unterm Korb zu behaupten weiß, aber kein großartiger Athlet ist. Auf der anderen Seite der hochaufgeschossene, noch recht schwache Brandan Wright (2,06m, 92 kg), der eher wie ein moderner Power Forward weiter weg vom Korb spielt und eine Athletik bietet, wie sie nur wenige haben.

Stärken

Tyler Hansbrough kann sich am Brett einfach durchsetzen. Er fängt die Pässe, die er bekommt, fast ausnahmslos, und geht dann direkt an die Arbeit. Welcher Verteidiger ihm gegenübersteht oder ob ein zweiter zum Doppeln hinzukommt, ist für ihn nebensächlich: Hansbrough erkämpft sich seine Punkte einfach. Er besitzt eine recht gute Beinarbeit und kann beim Aufposten über beide Schultern gehen, wodurch er schwer auszurechnen ist. Eine seiner großen Stärken ist, dass er beim Aufposten die Haltung und Position seinen Gegenspielers "erfühlt" und daraufhin zumeist die richtige Entscheidung trifft, auf welcher Seite er zum Brett gehen soll, oder ob ein Wurf angebracht ist, weil der Verteidiger ihm keinen Raum für eine Postbewegung gibt. Wenn sein Gegner unentschlossen ist und keine richtige Verteidigungshaltung einnimmt, drückt sich Hansbrough aber oft auch einfach zum Korb durch. Die Folge sind leichte Punkte und viele Fouls, die wiederum zu Freiwürfen für Hansbrough führen, der einen Großteil davon (72%) verwandelt.

Zu Brandan Wright ist zu sagen, dass er das Meiste aus seinen Möglichkeiten macht. Man darf nicht vergessen, dass Wright neben einer klaren ersten Scoring-Option (Hansbrough) spielt und einen Senior auf dem Flügel (Reyshawn Terry) sowie zwei Freshmen im Backcourt (Ty Lawson und Wayne Ellington) hat, die auch ihre Würfe fordern. Somit sind Wrights 16 Punkte pro Spiel umso beeindruckender, und seine Wurfquote von 64% ist Beweis seiner Effektivität. Was diese Trefferquote zusätzlich aufwertet, ist die Tatsache, dass Wright zumeist etwas entfernt vom Korb spielt (weil Hansbrough und sein Verteidiger den Lowpost blockieren) und dort seine Würfe nimmt. Dabei profitiert er von seiner Größe und Beweglichkeit; beim Werfen helfen ihm zudem seine sehr langen Arme.

Schwächen

Brandan Wright verfügt über eine recht gute Schusstechnik, aber wenig Reichweite. Sein Wurf ist gut bis drei, höchstens vier Meter vom Korb entfernt. Schon ab der Freiwurflinie (von wo aus er nur 60% verwandelt) wird sein Wurf jedoch unkonstant, weshalb er auch nur sehr unregelmäßig trifft, wenn er mal im Bereich vor der Dreierlinie einen Wurf nimmt. Zudem fehlt es Wright an Masse und Kraft. Wird er auf dem Weg zum Korb mit einem körperlich überlegenen Gegenspieler konfrontiert, ändert er merklich seinen Wurf und seine Bewegung, um dem Körperkontakt aus dem Weg zu gehen. Zudem ist Wright noch nicht gut darin, Würfe zu verwandeln, bei denen er gefoult wird.

Wenn man Tyler Hansbrough spielen sieht, kommt einem ein Satz immer wieder in den Sinn: "Das wird so in der NBA nicht funktionieren." Vieles, wovon der Power Forward profitiert, wird ihm in der NBA genommen werden. Dort wird er keine Standardgröße für seine Position haben, sondern als zu klein gelten, und er hat weder die Spannweite noch die Sprunghöhe, um diesen Nachteil auszugleichen. Auch wird Hansbrough bei den Profis weder außergewöhnlich schwer noch kräftig sein, weshalb es den direkten Weg durch den Verteidiger hindurch schlicht nicht mehr geben wird. Zudem sieht man seinen Würfen an, dass jeder zweite davon  in der NBA selbst von vielen Guards geblockt würde. Hansbrough verwendet unterm Korb wenige Fakes und wirft oft genug fast aus dem Stand, weil er so wenig Sprungkraft besitzt. Aus diesem Grund dunkt er auch nur sehr selten für einen Bigman.

Außerdem stellt sich das Problem der Position, denn bei North Carolina spielt Hansbrough einen klassischen Center. Brandan Wright wird in seiner derzeitigen Rolle als Highpost-Forward viel besser auf kommende Aufgaben in der NBA vorbereitet. Nur selten tritt Hansbrough aus der Zone heraus und wirft aus der Halbdistanz. Das kann er, doch er muss es regelmäßig tun, um die NBA-Vertreter von seinem Können zu überzeugen. Bei den Tar Heels scheint er in den Dingen aus der Übung zu kommen, die einen Power Forward ausmachen. Ein Beispiel: Gegen Virginia warf Hansbrough einen seiner seltenen Halbdistanzwürfe, der als Bankshot gedacht war, über den Korb hinaus, sodass er ohne Ringberührung ans Brett klatschte. Das war nur ein Einzelfall, gibt aber zu denken.

In der Verteidigung werden sich beide Spieler noch sehr steigern müssen. Wright hat auch hier das größere Potential; ihm fehlt einfach nur die Kraft, aber dank seiner Athletik und den langen Armen ist er schon jetzt ein guter Rebounder und Blocker. Hansbrough verursacht in der Defensive einiges Kopfzerbrechen: Zwar erarbeitet er sich einige Rebounds, hat aber nicht die Größe, Sprunghöhe, Spannweite oder Athletik, um ein guter Rebounder zu sein. All diese Defizite machen ihn auch zu einem sehr schwachen Blocker (29 Blocks in 47 College-Spielen). Was überrascht: Hansbrough kommt in der Defensive nicht mit Gegenspielern zurecht, die seine Spielweise besitzen. Das war schon im letztjährigen NCAA Tournament zu beobachten, als North Carolina gegen George Mason ausschied und Hansbrough gegen die körperlich robusten Will Thomas und Jai Lewis antreten musste: Wenn man körperbetont gegen ihn spielt, hat Hansbrough zum Teil arge Probleme, den Gegner ohne Fouls am Punkten und Rebounden zu hindern.  

Fazit

Wie in ihren körperlichen Eckdaten und in ihrer Spielweise sind die beiden North-Carolina-Forwards auch in ihrem Ausblick krasse Gegensätze. Brandan Wright erinnert zum jetzigen Zeitpunkt sehr an den derzeitigen Mark Blount von den Minnesota Timberwolves ? nur dass Blount 31 ist und seinen Zenit bereits erreicht hat. Für Wright wird es von hier an hingegen nur aufwärts gehen. Wichtig ist die Frage der Position: Soll er sich im Lowpost etablieren (wo er mit seiner Größe und diesen Armen kaum zu stoppen sein würde), braucht er viel mehr Masse und Kraft sowie ein richtiges Lowpostspiel. Zieht es ihn jedoch eher auf den Flügel (so wie Kevin Garnett), wird Wright sein Ballhandling und seinen Distanzwurf verbessern müssen. In jedem Fall quillt er über vor Potential und sollte ein sicherer Top-5-Pick im kommenden NBA-Draft sein.

Tyler Hansbroughs Grenzen sind hingegen klar erkennbar. Dank seiner Einstellung und seinen Fähigkeiten kann er durchaus ein solider NBA-Spieler werden (so wie Othella Harrington oder Darius Songaila), aber er hat in seiner Entwicklung nicht mehr viel Raum nach oben. Seine Spielweise passt einfach nicht in die NBA, wo alle so viel schneller, größer, stärker und athletischer sind. Dafür gibt er aber eine gute Ergänzung für die Bank ab und kann die Stars im Training fordern. Neben einem dominanten Center kann er sogar zum regulären Starter aufsteigen und diesem die Arbeit unter den Körben erleichtern. Zudem sollte er positiv auf das Mannschaftsklima einwirken: Besonders bei den Coaches wird Tyler Hansbrough sehr hoch im Kurs stehen, weil er stets einhundert Prozent gibt. Das allein sollte ihn zu einem Erstrundenpick im kommenden Draft machen, wenn auch wohl nur auf den Plätzen 20 bis 30.




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von HaMo 14.01.07 um 00:47:44


Danke für deine College-Artikel. Gefallen mir sehr gut. Weiter so. *Daumen hoch*



von the-glove 14.01.07 um 13:59:44


mach weiter so schließlich sind collegespieler die nba stars von morgen
respect



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