Saisonvorschau

NCAA-Small-Forwards: Alt gegen Jung

Nach den Centern und Power Forwards wenden wir uns den Small Forwards der NCAA zu, unter denen sich ein spannendes Duell zwischen den etablierten Spielern und einigen talentierten Neulingen anbahnt.

Von Christian Neumann
 06.11.2006 |

Werden die beiden großen Positionen (Center und Power Foward) noch von Spielern angeführt, die auch im NBA-Draft zu den aussichtsreichsten Kandidaten gehören, endet dies bei den Small Forwards: Die drei vielleicht leistungsstärksten Spieler auf dieser Position ? Georgetowns Jeff Green, Wisconsins Alando Tucker und Floridas Corey Brewer ? gelten eher als späte Erstrundenpicks. Und doch erledigen sie in der NCAA die ihnen gestellten Aufgaben mit Bravour. Jeff Green bildet bei den Georgetown Hoyas ein nur schwer zu verteidigendes Duo mit Center Roy Hibbert. Von ihm wird erwartet, dass er die Big East als ihr bester Spieler mit seiner Vielseitigkeit dominiert und auch im Rennen um den Titel des National Player of the Year ganz vorn landen wird.

Ähnliches gilt für Wisconsins Alando Tucker in der Big Ten, wobei seinen Badgers sogar noch bessere Chancen auf den NCAA-Titel eingeräumt werden. Tucker gilt als einsatzfreudiger, hartverteidigender Flügelspieler; ebenso wie Floridas Corey Brewer, der jedoch allgemein unterschätzt wird, weil er neben den Power Forwards Joakim Noah und Al Horford nur wenig Aufmerksamkeit bekommt. Selbst seine Leistungssteigerung auf 15 Punkte und 6,5 Rebounds im Final Four konnte daran nichts ändern. So ist es gut möglich, dass Brewer selbst nach einer weiteren guten College-Saison nur am Ende der ersten Draftrunde zu finden sein wird, um dann wie Dallas' Josh Howard (der 29. Pick des Drafts 2003) das Feld von hinten aufzurollen.

Die Verfolger: Dudley, White, Sumpter & Co.

Hinter diesen Top-3 steht eine ganze Small-Forward-Riege, die sich aus erfahrenen Spielern zusammensetzt und von Jared Dudley angeführt wird: Der Senior (letzte Saison 16,7 PpG, 6,6 RpG, 3,2 ApG) wird auch in seinem vierten Jahr bei den Boston College Eagles zu den produktivsten Spielern des Landes gehören und könnte statistisch durchaus nochmal einen Sprung machen, da mit Craig Smith (Minnesota Timberwolves) sein langjähriger Forward-Partner das Team verlassen hat. Dennoch gilt Dudley in Draft-Kreisen nur als Zweitrundenpick, und viele Experten erwarten für ihn eher eine Zukunft in Europa als in der NBA: Dudleys Spiel ist trotz nur zwei Metern Körpergröße einfach zu sehr auf den Lowpost ausgerichtet, als dass er großartige NBA-Aussichten haben könnte.

Andere erfahrene Small Forwards sind Indianas DJ White und Villanovas Curtis Sumpter, die beide nach schweren Verletzungen zu alter Stärke zurückkehren wollen; North Carolins Reyshawn Terry, den einige Beobachter als großen Sleeper der Saison 2006/2007 einschätzen; Nick Young (Southern California), der bisher noch immer unter seinen Möglichkeiten gespielt hat, und das Syracuse-Duo Terrence Roberts und Demetris Nichols, das zwar keine überragenden NBA-Chancen haben dürfte, mit seiner Mischung aus Inside Scoring (Roberts) und Outside Shooting (Nichols) aber in der NCAA einiges erreichen kann.

Ein heimlicher Star auf der Small-Forward-Position gilt auch in Draftkreisen als "Sleeper": Cartiert Martin von Kansas State gehört zu den vielseitigsten und produktivsten Flügelspielern, die kaum einer kennt. Seine 18 Punkte pro Spiel (plus 6,6 RpG) erzielte er letzte Saison mit beeindruckender Effektivität; er traf 47% aus dem Feld, 42% aus der Dreierdistanz und 84% an der Linie. So wird der Senior die Wildcats auch dieses Jahr tragen, doch in gewisser Weise hat er auch Glück, dass es seine letzte Saison bei Kansas State ist, denn mit Michael Beasley, Bill Walker und voraussichtlich auch Prep-Star OJ Mayo haben sich gleich drei Spitzenrekruten dieser Universität verschrieben.

Die Freshmen: Durant, Young und Budinger

Die Small-Forward-Position wird eindeutig von den Seniors beherrscht. Allerdings könnte die Reihenfolge von einigen der talentiertesten Freshmen der vergangenen Jahre durcheinandergewirbelt werden: allen voran von Texas' Kevin Durant, der als aussichtsreichster Anwärter auf den Titel des Freshman des Jahres gelten darf und bei den Longhorns vom ersten Tag an in der Pflicht stehen wird. Das zeigte sich schon, als ihn sein Coach mit zum Media Day nahm, was es bei einem Freshman so noch nicht gegeben hatte, da diese gegenüber Journalisten in ihrem ersten Jahr selten bis nie den Mund aufmachen dürfen. Es ist wahrscheinlich, dass Durant ein Jahr lang die NCAA dominieren wird, um ihr dann zugunsten einer NBA-Karriere den Rücken zuzukehren.

Doch Durant ist nicht der einzige Freshman, der dem College-Basketball schon in seiner ersten Saison seinen Stempel aufdrücken könnte. Thaddeus Young hat bei Georgia Tech durchaus vergleichbare Voraussetzungen für ein starkes Freshman-Jahr, und wie Durant dürfte auch er nach nur einer Saison in die NBA wechseln ? was eigentlich schade ist, denn mit mehr Erfahrung würden Young und sein nicht minder talentierter Mitspieler Javaris Crittenton (ein athletischer Freshman-Guard) gute Chancen haben, als One-Two-Punch die NCAA zu dominieren.

Einen One-Two-Three-Punch wollen die Arizona Wildcats ins Rennen schicken, indem sie ihrem Guard-Duo Mustafa Shakur und Marcus Williams den Freshman Chase Budinger zur Seite stellen. Der Kalifornier, der schon jetzt als talentiertester Rekrut in der Geschichte der Universität angesehen wird, widerlegte in seiner High-School-Karriere eindrucksvoll das Klischée vom weißen Mann, der angeblich nicht springen könne: Budinger ist ein Spitzenathlet, gewann nicht zuletzt deshalb auch den Dunk-Contest beim McDonald's All-American Game und gilt zudem als bester Nachwuchsvolleyballer der Vereinigten Staaten. Diesen Sport hat er nun aber auf Eis gelegt, um sich voll und ganz seiner Basketballkarriere widmen zu können, die möglicherweise schon für sein Freshman-Jahr Großes verspricht, wenn Budinger den Wechsel aufs College schafft und sich in der ersten Fünf der Wildcats etablieren kann.

Der Geheimtipp: Luc Richard Mbah a Moute

Das "dark horse" unter den Small Forwards ist jedoch Luc Richard Mbah a Moute. Der Sophomore der UCLA Bruins erinnert als Allrounder an die Suns-Forwards Shawn Marion und Boris Diaw, schon weil er vergleichbar athletisch, defensiv- und reboundstark ist. In einem Team, das mit Point Guard Jordan Farmar (Los Angeles Lakers) und Center Ryan Hollins (Charlotte Bobcats) zwei wichtige Spieler verloren hat, steht der Kameruner mehr denn je in der Pflicht. Die Zeiten als wichtiger Rollenspieler sollten vorbei sein; nun ist es an Mbah a Moute, sich zum Leistungsträger der Bruins zu entwickeln und somit seinem Talent gerecht zu werden. Allerdings wird er erst noch beweisen müssen, dass er sein noch sehr ungehobeltes Offensivspiel über den Sommer auf Vordermann gebracht und sich beim Wurf sowie beim Ballhandling verbessert hat.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:56:15


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