Saisonvorschau
NCAA-Power-Forwards: Mit der "Arche Noah" zur Titelverteidigung?
Im zweiten Teil unserer College-Vorschau wenden wir uns den Power Forwards zu: der vielleicht am besten besetzten Position der NCAA, die von einem Spieler dominiert wird: Joakim Noah.
Von Christian Neumann |
03.11.2006 | |
Die Center haben wir schon abgehandelt; nun wenden wir uns den Power Forwards zu (die man je nach Ansicht natürlich von Fall zu Fall auch auf der nächstgrößeren Position einordnen könnte), die viel Talent bereithalten.
Kann Joakim Noah den Erwartungen gerecht werden?
Auf der Position des Power Forward begegnet uns der meistbeachtete NCAA-Spieler nach Greg Oden: Florida-Bigman Joakim Noah, der als Most Outstanding Player des Final Four für viele zugleich der führende Kandidat auf den Titel des College-Spielers des Jahres ist. Da sich neben ihm auch die Forwards Al Horford und Corey Brewer entschieden, noch eine Saison in Gainesville, FL zu bleiben, werden die Florida Gators im Kern mit derselben Besetzung antreten, die bereits letzte Saison NCAA-Champion wurde. Die abermalige Aussicht auf diesen begehrten Titel erhöht auch Noahs Chancen auf den Wooden-Award. Er wird ohnehin die gesamte Saison unter Beobachtung stehen; nicht zuletzt weil immer noch viele rätseln, warum er sich als sicherer Top-10-Pick Millionen von Dollar und einen garantierten NBA-Vertrag entgehen ließ, die durch eine schwache Junior-Saison infragegestellt würden.
Die Verfolger: Glen Davis und Josh McRoberts
Dieselbe Frage beschäftigt Fans und Experten auch bei Glen Davis, dem (nach einem gesunden Greg Oden) physisch dominantesten Spieler der NCAA. Nach seiner brillianten Sophomore-Saison war Davis' Draftwert auf dem Höhepunkt, und dennoch entschied sich "Big Baby" für die Rückkehr zu Louisiana State, anstatt sein Glück in der NBA zu suchen. Den Tigers kann es nicht schaden, denn nach dem Abgang von Tyrus Thomas (Chicago Bulls) und Senior-Guard Darrel Mitchell sind sie mehr denn je auf ihren Frontcourt-Star angewiesen, der nach seiner Wahl zum SEC Player of the Year im Vorjahr nun auch nach dem Titel des National Player of the Year greifen könnte.
Mehr Verantwortung als im Vorjahr winkt auch Dukes Josh McRoberts; immerhin steht ihm nun kein Center vom Kaliber eines Shelden Williams mehr zur Seite. Deshalb ist es Zeit, dass der Power Forward seinem Talent gerecht wird und als wichtigster Spieler die Lücke ausfüllt, die Williams und JJ Redick bei den Blue Devils hinterlassen haben. Seine Ernennung zum Team-Kapitän (zusammen mit Greg Paulus und DeMarcus Nelson) war ein Schritt in die richtige Richtung.
Tyler Hansbrough und Al Horford: Zu viel Konkurrenz in den eigenen Reihen?
Ein solcher wird auch von North Carolinas Tyler Hansbrough erwartet: Nach seiner Wahl zum Freshman des Jahres der NCAA soll der Forward in seiner zweiten Saison in das Rennen um den College-Spieler des Jahres eingreifen. Dabei ist es fraglich, inwiefern sich Hansbrough tatsächlich noch steigern kann. Er ist älter als andere Spieler seiner Klasse, was ihm einen natürlichen Vorteil verschafft, und er ist in dem, was er im Spiel zu seinem Vorteil nutzt, schon recht ausgereift. Auch der starke Freshman-Jahrgang der Tar Heels um Star-Forward Brandan Wright droht Hansbrough die Show zu stehlen.
Dasselbe Problem hat Al Horford bei Florida: Der Sohn des früheren NBA-Spielers Tito Horford (63 Spiele für Milwaukee und Washington) steht ebenso wie sein Mitspieler Corey Brewer im Schatten von Joakim Noah. Dabei wird besonders Horford zugetraut, den Frontcout-Kollegen schon diese Saison zu überflügeln und nach den Auszeichnungen für den besten Spieler der SEC und der NCAA zu greifen. Sein langer, athletischer Körper kombiniert mit seinen schon beachtlichen Fähigkeiten im Lowpost macht dies möglich. Dennoch steht Al Horford nicht so sehr im Rampenlicht, wie es bei anderen Teams der Fall sein würde, die ihn als einzigen Star haben würden.
Die Veteranen: Nick Fazekas und Joseph Jones
So etwas kann Nick Fazekas und Joseph Jones nicht passieren, denn als Senior bei Nevada (Fazekas) bzw. als Junior bei Texas A&M (Jones) sind beide schon lange Zeit Dreh- und Angelpunkt ihres jeweiligen Teams. Dabei könnten sie gegensätzlicher kaum sein: Fazekas ist ein großgewachsener, spielintelligenter Flügelspieler mit gutem Wurf, dem jedoch nachgesagt wird, er scheue den Kontakt im Lowpost. Dort ist der kräftige, aber zu klein geratene Joseph Jones hingegen bestens aufgehoben, kann andererseits weiter entfernt vom Korb nicht mehr viel zum Spiel seiner Aggies beitragen.
Dennoch gehören beide Spieler zu den besten Power Forwards der NCAA. Dass sie überhaupt noch am College spielen, liegt einzig und allein daran, dass es Fragezeichen hinter ihrer Draftposition gibt: Nicht jeder gute College-Spieler wird auch ein NBA-Star: Fazekas und Jones hängen zwischen der ersten und zweiten Draftrunde. Deshalb werden sie auch 2006/2007 in der NCAA aktiv sein, als Favoriten auf den Titel des Spielers des Jahres ihrer jeweiligen Conference gelten und All-American-Ehren anpeilen.
Der Geheimtipp: Derrick Caracter
Zum "dark horse" auf der Power-Forward-Position könnte Louisvilles Derrick Caracter werden. Bereits seit seinem 14. Lebensjahr als kommender Star-Center gefeiert, stagnierte der Cardinal-Freshman bei einer Größe von "nur" 2,06m, legte aber so sehr an Gewicht zu, dass er sich zwischenzeitlich im Bereich von 130 Kilogramm bewegte. Davon hat er mittlerweile schon wieder einige Kilos verloren, nichts aber von seinen Spielfähigkeiten: Wie Glen Davis ist auch Caracter trotz seiner Masse ein agiler und technisch beschlagener Bigman mit gutem Ballhandling und ausgeprägtem Spiel aus der Halbdistanz.
Kombiniert man diese Fähigkeiten mit seinem hervorragenden Basketball-IQ und seiner nicht zu unterschätzenden Physis, ergibt sich ein Spieler, der Freshman des Jahres werden könnte. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Caracter bei Louisville neben guten Spielern wie David Padgett, Juan Palacios und Terrence Williams spielt, ist auch beachtlicher Team-Erfolg möglich, selbst wenn Caracters College-Start alles andere als optimal verlaufen ist: Weil er im Jahr 2005 an der High School ein Geldgeschenk annahm, wurde Derrick Caracter für Louisvilles erste drei Saisonspiele gesperrt.



von Crossover 30.05.2012 um 12:56:00
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