NCAA Tournament

Zweite Chance für Butler

Ein Jahr nach dem sensationellen Finaleinzug in Indianapolis stehen die Butler Bulldogs noch sensationeller erneut im Endspiel. Dort werden sie auf die Connecticut Huskies um den New Yorker Star-Point-Guard Kemba Walker und den Berliner Niels Giffey treffen. Für die VCU Rams und die Kentucky Wildcats ist der Traum vom NCAA-Titel hingegen beendet.

Von Björn Lehmkühler
 03.04.2011 |

(11) Virginia Commonwealth Rams – (8) Butler Bulldogs 62:70

Es ist vollbracht: die Butler Bulldogs stehen zum zweiten Mal in Folge im Finale um die College-Meisterschaft! Nachdem bereits letztes Jahr kaum jemand der Mannschaft von Brad Stevens einen solchen Run zugetraut hatte, ist die Rückkehr beinahe noch sensationeller, war Butler doch nach einer durchwachsenen Saison nur an #8 gesetzt worden. Seit Einführung der Setzliste von im Jahre 1979 ist überhaupt erst einmal eine so niedrig „gerankte“ Uni ins Finale eingezogen, nämlich die Meistermannschaft der Villanova Wildcats von 1985, die ebenfalls als #8 ins Turnier gestartet war.

Der Sieg gegen VCU war dabei insofern ein typischer Butler-Erfolg, als dass er nicht durch eine offensive Glanzleistung eingefahren wurde. Das beweist nicht zuletzt die Feldwurfquote von 35,6 Prozent, die sich nahtlos an die Leistungen gegen Old Dominion (40,7 %), Wisconsin (40,0 %) und Florida (42,2 %) einreiht. Stattdessen standen andere Erfolgsfaktoren im Mittelpunkt:

Defense: In der Vorschau schrieben wir, dass ein Schlüssel zum Sieg darin läge, dass Guard Ronald Nored den VCU-Aufbau Joey Rodriguez in Ketten legt. Genau das geschah. Rodriguez traf nur 1-8 aus dem Feld und kam auf lediglich drei Zähler. Insgesamt konnten die im bisherigen Turnierverlauf so wurfstarken Rams durch engagierte und disziplinierte Defensivarbeit massiv eingeschränkt und ihre Wurfquote unter vierzig Prozent gehalten werden. Auch die Dreier (8) hielten sich in Grenzen.

Aggressivität: Die 46:30-Überlegenheit an den Brettern veranschaulicht, mit was für einer außergewöhnlichen Arbeitseinstellung die Bulldogs ins Spiel gehen. Bestes Beispiel ist auch hier Ronald Nored, der trotz nur 1,83 Meter Körpergröße sechs „Boards“ angelte und die drei Großen – Matt Howard (8), Andrew Smith (7) und Khyle Marshall (9) – unterstützte. Auch VCU-Coach Shaka Smart musste nach dem Spiel eingestehen: „Butler war die meiste Zeit das aggressivere Team.“

Flexibilität: Entgegen aller Erwartungen gewannen die Bulldogs das Spiel nicht nur im Halbfeld, sondern schlugen die schnell spielenden Rams auch mit den eigenen Waffen. So erzielten sie 14 Fastbreak-Punkte mehr als VCU. Ein gutes Zeichen im Hinblick auf das Finale, denn auch Connecticut präferiert das schnelle Spiel.

Stars: Guard Shelvin Mack wuchs einmal mehr über sich hinaus, trag fünf von sechs Dreierversuchen und kam auf 24 Punkte sowie sechs Rebounds. Sein Pendant unter dem Korb, Matt Howard, war zwar weniger treffsicher aus dem Feld (3-10 FG, 0-5 3FG), unterstrich mit zehn gezogenen Fouls jedoch, dass er in dieser Hinsicht der vielleicht cleverste Spieler der NCAA ist. Die zwölf Freiwürfe münzte er in elf Treffer um.

Somit konnte sich Butler im letzten Viertel des Spieles ein kleines Polster erarbeiten und eine weitere Last-Second-Entscheidung vermeiden. Bei VCU war einmal mehr Power Forward Jamie Skeen (27 Pkt, 6 Reb, 10-17 FG) der überragende Mann; Shooting Guard Bradford Burgess kam auf 15 Punkte und neun „Boards“.

Doch für die Bulldogs ist die erneute Finalteilnahme nicht genug. „Wir werden uns nicht damit zufrieden geben, wieder zurückzukehren“, verkündet Guard Zach Hahn. „Ich erinnere mich noch an den sauren Geschmack, den die Niederlage im letzten Jahr hinterlassen hat. Nun haben wir als Gruppe eine neue Chance. Was will man mehr?“

Coach Brad Stevens drückt die Philosophie für das Finale so aus: „Wir müssen nur einen Wurf besser sein als letztes Jahr.“

(4) Kentucky Wildcats – (3) Connecticut Huskies 55:56

Shabazz Napier hätte zum großen Versager werden können. Und das nicht nur aufgrund seiner 1-7 aus dem Feld, sondern durch seinen Ballverlust 18 Sekunden vor Schluss. 54:52 lagen seine Connecticut Huskies da in Führung. Doch im Gegenzug vergab Kentucky’s DeAndre Liggins einen schweren Dreie und Napier konnte seinen Fehler mit dem anschließenden Defensivrebound und zwei erfolgreichen Freiwürfen mit 2,0 Sekunden auf der Uhr wieder gut machen.

Damit steht Connecticut zum vierten Mal im Finale um die College-Meisterschaft und ist nur noch einen Sieg vom dritten Titel nach 1999 und 2005 entfernt. Es wäre das glanzvolle Ende einer grandiosen Entwicklung des einstmals krassen Außenseiters, der von den Coaches vor Saisonbeginn nur zum zehntbesten Team der Big-East-Conference gewählt worden war, und nun seit dem 5. Februar kein Spiel mehr verloren hat.

Dabei zeigten die Huskies im Halbfinale eine ihrer schwächeren Offensivleistungen, trafen nur einen von zwölf Dreiern. In der Zone war Point Guard Kemba Walker (18 Pkt, 6 Ast, 7 Reb), der einmal mehr der entscheidende Mann auf Seiten der Huskies war, allerdings deutlich erfolgreicher. Zudem flirteten mit Jeremy Lamb (12 Pkt, 9 Reb), Roscoe Smith (6 Pkt, 8 Reb) und Alex Oriakhi (8 Pkt, 10 Reb) gleich drei Spieler mit einem Double-Double.

Der Schlüssel zum Erfolg lag jedoch in der Defense, wo die Wildcats bei miesen 33,9 Prozent aus dem Feld gehalten werden konnten. Dabei waren es insbesondere die Guards Brandon Knight (6-23 FG, 3-11 3FG), Darius Miller (1-7 FG, 1-4 3FG) und DeAndre Liggins (1-7 FG, 1-5 3FG), die schwache Wurfquoten ablieferten, doch auch Center Josh Harrellson (6 Pkt, 4 Reb) blieb nach einem starken Turnier unter seinen Möglichkeiten.

Zwar sprangen Terrence Jones (11 Pkt, 15 Reb, 5-8 FG) und Doron Lamb (13 Pkt, 5-10 FG) phasenweise in die Bresche, doch die Mannschaft von John Calipari unterlag in einem wenig attraktiven aber dafür umso spannenderen Spiel. Seit Einführung der Wurfuhr anno 1986 waren übrigens nur in zwei Final-Four-Spiel weniger Punkte gefallen (unter anderem Butler vs. Michigan State im Vorjahr).

Somit sind im Finale nun auch die schwarz-rot-goldenen Farben vertreten, denn mit Niels Giffey und Enosch Wolf stehen bekanntermaßen zwei Deutsche in Reihen der Huskies. Gegen Kentucky griff Giffey übrigens in acht Minuten Einsatzzeit einen Offensivrebound ab und verbuchte zudem einen Steal, einen Ballverlust und ein Foul.




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
5.00
(4 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(0 Kommentare bisher)

von Crossover 30.05.2012 um 12:54:50


Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?