NCAA Tournament
Vom Underdog zum Alpha-Rüden
Die Sensation ist perfekt: Entgegen aller Erwartungen stehen die Butler Bulldogs zum zweiten Mal in Folge im Final Four. Nach dem Sieg über Florida hat sich die Uni aus Indianapolis nun endgültig in der Beletage des College-Basketball etabliert. Das zweite Ticket nach Houston konnten sich die Connecticut Huskies mit einem Sieg über Arizona sichern.
Von Björn Lehmkühler |
27.03.2011 | |
Als die Butler Bulldogs vor ziemlich genau einem Jahr den Einzug ins NCAA Final Four 2010 realisierten, war dies eine Sensation. Eine kleine Uni aus einer kleinen Liga, die an #5 gesetzt nacheinander die starken Syracuse Orange (#1) und Kansas State Wildcats (#2) ausschalteten. Fürwahr, ein Sensation!
Doch nun müsste man dieses Nomen noch steigern.
Denn was die Butler Bulldogs dieses Jahr geleistet haben, ist noch sensationeller als die Leistung des Vorjahres, gelang der Mannschaft von Brad Stevens die Rückkehr unter die Finalen Vier doch nachdem sie bereits mehrmals zur Eintagsfliege deklariert worden war. Der Grund: Das Team war nach dem Abgang ihres Go-to-Guys Gordon Hayward in Richtung Utah Jazz weniger talentiert und die Bilanz nach Niederlagen gegen Lousiville, Evansville, Duke, Xavier, Milwaukee (2x), Valparaiso und Youngstown State weniger berauschend als im Vorjahr. Statt einer #5 sprang am Selection Sunday nur eine #8 heraus. Kurzum: Die Magie schien verflogen.
Dann folgten das nervenzerreißende 60:58 gegen #9 Old Dominion, das schockierende 71:70 gegen #1 Pittsburgh, das souveräne 61:54 gegen #4 Wisconsin – und nun, im Finale der Southeast Region, zeigte die Anzeigetafel Butler - Florida 74:71 OT an. Der Wiedereinzug ins Final Four ist perfekt. Eine ... Super-Sensation!
Doch warum ist Butler so erfolgreich?
Da wäre einerseits die unerreichte kämpferische Einstellung der Bulldogs, die sich in vielerlei Hinsicht offenbart. So besiegte Butler nicht nur einmal mehr einen talentierteren Gegner, sondern gewann trotz einer eklatanten physischen Unterlegenheit das Rebound-Duell mit 36:33. Zudem bewiesen die Bulldogs im gefährlichsten Moment des Spiels, als sie 9:25 Minuten vor Schluss mit 40:51 in Rückstand gerieten, einen starken Zusammenhalt indem sie sich – anstelle zu verzagen – wieder zurück kämpfen und das Spiel sukzessive drehten (55:55, 3:02 Min.).
Ein weiterer Aspekt ist die Nervenstärke. So wurden die letzten acht NCAA-Tournament-Spiele der Bulldogs allesamt mit sieben oder weniger Punkten Differenz entschieden, sechs davon sogar mit drei oder weniger Zählern Unterschied. Gewonnen hat Butler bekanntlich all diese Partien mit Ausnahme des Finalspiels gegen Duke. Und auch gegen Florida bewiesen insbesondere die Bulldogs-Stars Shelvin Mack (27 Pkt, 4 Reb, 4 Ast) und Matt Howard (14 Pkt, 5 Reb) jene charakteristische Nervenstärke, indem sie die siegbringenden Freiwürfe zum Ende der zweiten Halbzeit sowie der Verlängerung verwandelten.
Natürlich profitierte Butler auch davon, dass bei Florida weder Forward Chandler Parsons (5 Pkt, 2-9 FG) noch Guard Erving Walker (8 Pkt, 1-10 FG) ihren Wurfrhythmus fanden. Walker war es schließlich auch, der sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der Verlängerung mit wenigen Sekunden auf der Uhr den potentiellen Sieg-Dreier vergab, anstatt weiterhin die dominanten Vernon Macklin (25 Pkt, 11-14 FG) und Alex Tyus (14 Pkt, 6-12 FG) in der Zone zu suchen. Somit blieb den Gators der erste Final-Four-Einzug seit den Titelgewinnen 2006 und 2007 verwehrt, während Butler-Coach Brad Stevens als jüngster Coach in der NCAA-Geschichte (34 Jahre und vier Monate) sein zweites Final-Four-Ticket löste.
Als zweiter Teilnehmer für die Halbfinalspiele am 2. April stehen derweil die Connecticut Huskies fest, die sich in einem ähnlich dramatischen Spiel mit 65:63 gegen die Arizona Wildcats durchsetzen konnten. Es ist nach 1999, 2004 und 2009 die vierte Final-Four-Teilnahme für das Team von Jim Calhoun.
Dabei hatte Arizona die Chance, den famosen Lauf mit Siegen gegen Memphis, Texas und Duke durch einen weiteren Erfolg zu krönen. Doch die Forwards Derrick Williams und Jamelle Horne verfehlten mit zehn bzw. vier Sekunden auf der Uhr von jenseits der Dreierlinie. Insbesondere für Williams war dies eine große Enttäuschung, hatte er doch in den ersten drei Begegnungen für die spektakulären Aktionen in den Schlusssekunden gesorgt. Gegen Connecticut konnte das NBA-Talent jedoch weder den „Gamewinner“ verwandeln, noch – wie bisher – die Zone dominieren (5 Reb, 0 Blk) oder hochprozentig treffen (5-13 FG, 1-6 3FG).
Stattdessen stand der Superstar der Huskies im Vordergrund: Point Guard Kemba Walker. Zwar zeigte sich auch der Wirbelwind aus der Bronx etwas weniger zielsicher als zuletzt (7-17 FG, 1-7 3FG), doch mit zwanzig Punkten, vier Rebounds und sieben Assists war er dennoch der überragende Mann auf Seiten der Huskies. Zudem konnte sich Walker in der Offensive einmal mehr auf die tatkräftige Unterstützung von Freshman Jeremy Lamb verlassen, der seinem Turnierkonto nach 16, 14 und 24 Punkten noch einmal 19 Zähler hinzufügen konnte.
Weniger auffällig war hingegen der Einsatz des Berliners Niels Giffey, der nach elf Minuten gegen Bucknell (2 Pkt, 5 Reb, 1 Ast), drei Minuten gegen Cincinnati (1 Reb) und einer Minute gegen San Diego State erneut nur rund eine Minute spielen durfte und keine Akzente setzen konnte. Der Göttinger Enosch Wolf wartet weiterhin auf seinen zweiten Turniereinsatz.
Mit dem Erfolg gegen Arizona konnten die Huskies dabei nicht nur den neunten Sieg binnen neunzehn Tagen feiern, sondern auch ihren Ruf als echtes Turnierteam bestätigen. Denn nach den Siegen beidem Maui Invitational (3-0) und dem Big East Tournament (5-0) beträgt die diesjährige Turnierbilanz von Kemba Walker und Co. nun sagenhafte zwölf Siege und null Niederlagen.
Den dreizehnten Sieg wird dabei der Sieger der Partie Kentucky Wildcats gegen North Carolina Tar Heels (23:05 Uhr MESZ) verhindern wollen. Im anderen Halbfinale wird es Butler entweder mit der letzten verbliebenen #1, den Kansas Jayhawks, oder den ebenfalls sensationellen VCU Rams zu tun bekommen, die heute um 20:20 Uhr MESZ aufeinander treffen werden.
CROSSOVER Held des Tages: Shelvin Mack
Es hätten am ersten Tag der Elite Eight einige Spieler zu Helden werden können, doch Erving Walker, Derrick Williams und Jamelle Horne verpassten ihre potentiellen „Gamewinner“. Der Bulldogs-Guard Mack zeigte sich in der entschiedenen Phase des Spiels hingegen nervenstark von der Freiwurflinie und war mit 27 Punkten nicht der Top-Scorer des Tages, sondern vor allem der Garant für den erneuten Final-Four-Einzug seiner Butler Bulldogs.






von Crossover 30.05.2012 um 12:54:46
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