NCAA Tournament

Keine Nacht für schwache Nerven

Was für ein Start in die „Round of 64“! Wer gestern Nacht von Beginn an dabei war, riskierte in den ersten sieben Partien gleich fünf Herzinfarkte, denn sie alle wurden in den letzten Sekunden – oder sogar per „Buzzer Beater“ – entschieden. Außenseitersiege errangen dabei insbesondere Morehead State und Richmond. Und auch Elias Harris‘ Gonzaga Bulldogs triumphierten.

Von Björn Lehmkühler
 18.03.2011 |

Für die Gonzaga Bulldogs war die erste Partie im NCAA Tournament 2011 ein Einstand nach Maß. Die an #11 gesetzten „Zags“ besiegten #6 St. John’s souverän mit 86:71 und werden in der kommenden Runde erwartungsgemäß auf BYU treffen. Elias Harris überzeugte mit 15 Punkten und acht Rebounds; treffsicherster Zags-Akteur war jedoch Guard Marquise Carter, der 26 Punkte, sechs Rebounds und sechs Assists verbuchte. Geburtstagskind Mathis Mönninghoff kam nicht zum Einsatz.

Dabei hätte man fast meinen können, dass Gonzaga bewusst die Nerven der Zuschauer schonen wollte. Am Ende einer ereignisreichen College-Basketball-Nacht, die mit einer engen Partie zwischen #5 West Virginia und #12 Clemson begann und im Anschluss fünf Last-Second-Entscheidungen in sechs aufeinander folgenden Spielen zu bieten hatte.

Die Schlacht: Butler ringt Old Dominion nieder

Die erste Nervenschlacht des Abends lieferten sich #8 Butler und #9 Old Dominion. Das Wort „Schlacht“ kann dabei durchaus wörtlich genommen werden, denn das Spiel war wahrlich keine Augenweide: Mehr Ballverluste als Assists, Wurfquoten unter vierzig Prozent und eine blutige Augenbraue lautete das Résumé. Und dennoch war es wie zuvor erwartet eines der Highlights des Tages, geprägt von hammerharter Defense, epischen Rebound-Kämpfen und ganzen 22 Führungswechseln. Eine intensiv geführte Do-or-Die-Partie zweier Teams auf Augenhöhe, die eigentlich nur mit einem Paukenschlag angemessen beendet werden konnte.

Genauer gesagt weniger als eine Sekunde vor Schluss, als Butler-Center Matt Howard beim Spielstand von 58:58 den Ball am unteren linken Zonenrand zu greifen bekam und ihn umgehend – mit Ablauf der Spieluhr – im Korb versenkte. Mit diesem lupenreinen „Buzzer Beater“ krönte Howard seinen 40-minütigen Kampf mit dem physisch überlegenen Frank Hassel (20 Pkt, 7-13 FG, 5 Off-Reb), an dessen Ende 15 Punkte, acht Rebounds, drei Assists, ein Block und ein Steal stand. Fällt im nächsten Spiel der Dreier (25,9% 3FG) des Vorjahresfinalisten etwas konstanter, kann sich auch Pittsburgh warm anziehen...

Die Cinderella Story: Morehead State schlägt Louisville

Für das nächste Kapitel sorgten im darauffolgenden Spiel #13 Morehead State und #4 Louisville. Im Gegensatz zum vorigen Duell waren hier die Rollen klar verteilt. Doch die kleinen Eagles zeigten im Angesicht der arrivierten Cardinals keine Angst, sondern begannen mit einem 10:0-Start. In der Folge konnte Louisville zwar sukzessive verkürzen, doch Über-Rebounder und NBA-Talent Kenneth Faried (12 Pkt, 17 Reb) und Guard Terrence Hill (23 Pkt, 8 Reb) hielten Morehead State bis in die Schlusssekunden im Rennen.

Dann schlug die Stunde des Demonte Harper. Mit 24 Sekunden auf der Uhr und einem 58:60-Rückstand dribbelte der Eagles-Guard seelenruhig die Uhr herunter, brachte dann mit seinen Verteidiger mit einem schnellen Dribbling aus dem Gleichgewicht und netzte sieben Sekunden vor Schluss ein blitzsauberen Dreier ein. Den potentiell siegbringenden Distanzwurf von Cardinal Mike Marra blockte Faried mit Ablauf der Uhr. Ein Paukenschlag im dritten Spiel! Wahnsinn!

Der argentinische Genickbruch: Fernandez lässt Temple jubeln

Doch zum Ausruhen blieb nur wenig Zeit, denn ein Senderwechsel zum Spiel zwischen #7 Temple und #10 Penn State offenbarte einen weiteren „Thriller“ im Endstadium. Nach einem Spiel, in dem sich keine Mannschaft einen nennenswerten Vorsprung erarbeiten konnte, sah zunächst Penn States Star Talor Battle (23 Pkt, 5-11 3FG) wie der Star des Abends aus, als er 16 Sekunden vor Schluss mit einem Wahnsinns-Dreier zum 64:64 ausglich.

Doch die Nittany Lions hatten ihre Rechnung ohne den argentinischen Guard Juan Fernandez (23 Pkt) gemacht, der 0,4 Sekunden vor dem Ende der Partie einen unorthodoxen „Leaner“ aus der halbrechten Mitteldistanz versenkte. Damit brachte er nicht nur seine Owls auf spektakulärste Art und Weise in die nächste Runde, sondern beendete auch die elf Spiele andauernde NCAA-Tournament-Niederlagenserie seines Coaches Fran Dunphy. Der Deutsche T.J. DiLeo kam nicht über einen Kurzeinsatz (4 Minuten) hinaus.

Die Zitterpartie: Kentucky überlebt gegen Princeton

Die an #4 gesetzten Kentucky Wildcats hätten nach Louisville das zweite große Opfer innerhalb von einer Stunde sein können. Denn die aufopferungsvoll kämpfenden #13 Princeton Tigers hatten die Mannschaft von John Calipari nach einem kaltblütigen Sprungwurf von Dan Mavraides 34 Sekunden vor Schluss am Rande der Niederlage (57:57). Doch die Wildcats hatten noch genau einen Angriff, um den Abend zu retten.

Dabei avancierte ausgerechnet jener Akteur zum Helden, der zuvor durch sieben Fehlwürfe bei sieben Wurfversuchen aufgefallen war: Brandon Knight. Bis dato standen für ihn null Punkte zu Buche – die Wildcats waren vor allem dank ihrer Rollenspieler Darius Miller (17 Pkt) und Josh Harrellson (15 Pkt, 10 Reb) noch im Spiel. Doch Knight, dem begnadeten Freshman-Guard, dem offensivstarken NBA-Talent, gelang zwei Sekunden vor Spielende der siegbringende, artistische Korbleger zum 59:57-Sieg. Da kann man wohl nur sagen: besser spät als nie...

Der Fehlwurf: Vanderbilt kann „Upset“ gegen Richmond nicht verhindern

Kurz vor Mitternacht, im siebten Spiel des Tages, sollte schließlich die fünfte Last-Second-Entscheidung folgen. Dabei entschied hatte #5 Vanderbilt gegen #12 Richmond bei drei Punkten Rückstand und 2,8 Sekunden auf der Uhr den letzten Wurf, doch der Dreier zum Ausgleich verpasste sein Ziel deutlich. Spinne des Tages: Guard Kevin Anderson mit 25 Punkten.

Der Schrittfehler: Michigan State mit frühem Aus

Gegen Ende der Basketball-Nacht, um zehn vor fünf, hatte auch die an #10 gesetzten Michigan State Spartans um Forward Draymond Green (23 Pkt, 10, Reb, 8 Ast) den Kontrahenten #7 UCLA am Rande der Niederlage (76:78). Doch mit etwa einer Sekunde auf der Uhr begann Point Guard Kalin Lucas auf Höhe der Mittellinie einen folgenschweren Schrittfehler, der das Spiel beendete. Zu viel LeBron James geschaut?

Die Langweiler

Bei so vielen abgenagten Fingernägeln gab es natürlich auch einige Favoriten, die nichts anbrennen ließen. Dazu zählen die Pittsburgh Panters (74:51 gegen UNC Asheville), die San Diego State Aztecs (68:55 gegen Northern Colorado), die Florida Gators (79:51 gegen UCSB), die Wisconsin Badgers (72:58 gegen Belmont), die Cincinnati Bearcats (78:63 gegen Missouri) sowie – mit Abstrichen – die Kansas State Wildcats (73:68 gegen Utah State).

Auch die beiden wohl besten Individualspieler des Landes ließen es nicht auf die letzten Spielminuten ankommen: Super-Scorer Jimmer Fredette (32 Pkt, 7 Ast) führte seine BYU Cougars (74:66 gegen Wofford) ebenso zum Sieg wie der New Yorker Wirbelwind Kemba Walker (18 Pkt, 8 Reb, 12 Ast) die Connecticut Huskies (81:52 gegen Buchnell). Der Berliner Niels Giffey kam für die Huskies in elf Minuten Einsatzzeit auf zwei Punkte und fünf Rebounds.

Der CROSSOVER Held des Tages

Matt Howard (Butler): Seine Zahlen sind vielleicht nicht so beeindruckend wie die von Fredette, Walker oder Green. Doch Howard avancierte zum Helden des Abends, indem ihm an einem Spieltag voller Last-Second-Entscheidungen der einzige lupenreine „Buzzer Beater“ gelang. Es war die Krönung eines Spiels, in dem der Center gegen einen scheinbar überlegenen Kontrahenten (ODUs Frank Hassell) alles in die Waagschale warf und um jeden Ball kämpfte. Außerdem muss man sich mit 15 Punkten, acht Rebounds, drei Assists, einem Block und einem Steal in einem Low-Scoring-Game wahrlich nicht verstecken...

Die Ergebnisse im Überblick

East Region (Ohio State)
(12) Clemson – (5) West Virginia 76:84
(13) Princeton – (4) Kentucky 57:59

West Region (Duke)
(11) Missouri – (6) Cincinnati 63: 78
(14) Bucknell – (3) Connecticut 52:81
(10) Penn State – (7) Temple 64:66
(13) Northern Colorado – (2) San Diego State 50:58

Southwest Region (Kansas)
(12) Richmond – (5) Vanderbilt 69:66
(13) Morehead State – (4) Louisville 62:61

Southeast Region (Pittsburgh)
(16) UNC Asheville – (1) Pittsburgh 51:74
(9) Old Dominion – (8) Butler 58:60
(12) Utah State – (5) Kansas State 68:73
(13) Belmont – (4) Wisconsin 58:72
(11) Gonzaga – (6) St. John’s 86:71
(14) Wofford – (3) BYU 66:74
(10) Michigan State – (7) UCLA 76:78
(15) UC Santa Barbara – (2) Florida 51:79




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von Crossover 30.05.2012 um 12:54:25


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