NCAA Tournament

Duke gewinnt Herzschlagfinale

Neun Jahre nach dem letzten Titel sind die Duke Blue Devils wieder College-Basketball-Champion. Doch der Sieg gegen die Butler Bulldogs war kein Triumph Goliaths über Davis. Es war der Sieg eines hervorragenden Teams gegen einen Gegner auf Augenhöhe – in einem unglaublichen Spiel.

Von Björn Lehmkühler
 06.04.2010 |

Das Finale: Butler (5) gegen Duke (1) 59:61

Es waren 14 Sekunden auf der Uhr, als rund 71.000 Zuschauer im Lucas Oil Stadium zu Indianapolis und viele Millionen vor den Fernsehgeräten und Computer-Bildschirmen kollektiv den Atem anhielten. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Butler Bulldogs mit 59:60 zurück – und hatten Einwurf unter dem gegnerischen Korb. Ein hochklassiges und hartes, enges und unterhaltsames Spiel sollte in den letzten Sekunden entschieden werden.

Der Empfänger des Einwurfs war absehbar: Gordon Hayward. Und tatsächlich gelang Matt Howard der Pass zu seinem Forward-Kollegen. Dieser zog über die rechte Seite zum Korb und versuchte einen Fadeaway-Wurf vom rechten Zonenrand, doch der Wurf verfehlte sein Ziel. Der Rebound landete bei Duke-Center Brian Zoubek, der mit 3,6 Sekunden auf der Uhr gefoult wurde.

Zoubek traf den ersten, verfehlte jedoch den zweiten Versuch. Der Rebound landete bei Hayward, der umgehend in Richtung des gegnerischen Korbs dribbelte und – nach einem hervorragenden Block von Howard – einen offenen Wurf von der Mittellinie versuchte. Doch er sollte nicht zum vielleicht größten Wurf der NCAA-Geschichte werden.

Stattdessen verfehlte der Verzweiflungswurf - nachdem der Ball kurz auf dem Ring tanzte - sein Ziel und brach dadurch nicht nur die Herzen der aufopferungsvoll kämpfenden Bulldogs und ihrer Kommilitonen, sondern versetzte auch den Großteil der Halle in einen Schockzustand. Gleichzeitig badeten die Blue Devils in Konfetti und die vielen tausend Anhänger starteten im Lucas Oil Stadium eine Party in königsblau.

Duke feiert, Butler trauert

Sie feierten ihre „Big Three“ Kyle Singler (19 Pkt, 9 Reb, 3/6 3FG), Jon Scheyer (15 Pkt, 6 Reb, 5 Ast) und Nolan Smith (13 Pkt, 3 Reb, 4 Ast), die das Team offensiv erneut auf ihrem Rücken getragen hatten. Sie feierten Zoubek, den 2,16 Meter großen Senior, der mit acht Punkten und zehn Rebounds einmal mehr ein X-Faktor war. Und sie feierten Coach Mike Krzyzewski, der nun mit vier NCAA-Titeln der zweiterfolgreichste Coach in der Geschichte ist (hinter John Wooden und gleichauf mit Adolph Rupp).

Die Stimmung in der Bulldogs-Kabine glich nach dem Spiel hingegen einer Beerdigung. Eine erneute Top-Leistung von Hayward (12 Pkt, 8 Reb) und Guard Shelvin Mack (12 Pkt, 5 Reb), einige wichtige Körbe von Ersatzmann Avery Jukes (10 Pkt, 4 Reb) und Clutch-Punkte von Howard (11 Pkt, 4 Reb) waren nicht genug. Eine hervorragende Leistung des gesamten Bulldogs-Teams, vor allem in der Defensive, war nicht genug.

Somit fügen die Duke Blue Devils und „Coach K“ ihrer langen, überaus erfolgreichen Geschichte ein weiteres Kapitel hinzu, während die Butler Bulldogs, nach einer Phase der Trauer, zumindest stolz auf das Geleistete zurückblicken werden können. Am Ende waren sie in einem phantastischen College-Basketball-Finale 2010, welches ganze fünfzehn Führungswechsel und viel Einsatzwillen auf beiden Seiten sah - der unglücklichere von zwei würdigen Gegnern, die beide den Sieg verdient hätten.




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von Mantewka 06.04.10 um 10:19:49


Da hat einer wirklich mit Leidenschaft geschrieben. Was soll man noch hinzufügen - es wurde alles gesagt.



von Jochen aus Juist 06.04.10 um 10:56:53


Glückwunsch Duke! Butler hat stark gekämpft, aber die Big Three - und vor allem die Big Men (Zoubek) - waren einfach klasse.

Ich habe während des Spiels und in den Auszeiten das Coaching von Duke verfolgt. Deutet sich dort ein Generationswechsel an? Ich hatte öfter den Eindruck, dass nicht Coach K. sondern ein Assistent das Kommando übernommen hatte. Hat da wer ne Info für mich oder war das nur ein falcher Eindruck?

Schade, dass die Saison wieder vorbei ist...



von ronber 06.04.10 um 11:07:22


Wirklich packend und bildreich geschrieben, hätte ich auch gerne live gesehen.



von ca$hmoney 06.04.10 um 13:17:22


Die Dukis hatten am Ende einfach das Glück was Butler gefehlt hat, bei Hayward's beiden letzten Chancen für Butler musste man schon den Atem anhalten. Dennoch waren die beiden Manschaften im gesamten Spielverlauf sehr dynamisch und ausgeglichen, starke fight's um rebounds und gute D waren war bball der "alten" Schule aber sehr spannend anzuschauen. Guter Artikel, der andeutet dass man solche Spiele live gesehen haben muss um sich einmal mehr bewusst zu werden, warum mann dieses Spiel liebt:).



von stef@n 06.04.10 um 17:03:34


es kann ja nicht immer das Gute gewinnen...
aber Duke ist natürlich absolut verdient Champion



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