NCAA-Tournament 2005
Vorschau auf die Sweet Sixteen
Die ersten beiden Runden des NCAA-Tournaments sind vorbei. Wie jedes Jahr gab es einige Überraschungen; viele Favoriten strauchelten. In der Nacht zum Freitag beginnen die Regional Semi-Finals,...
Von Mario Kyriasoglou |
23.03.2005 | |
...im Volksmund ?Sweet Sixteen? genannt. Wir geben einen Überblick über die Paarungen und Schlüsselspieler.
Chicago Region #1 Illinois Fightin' Illini vs. #12 Wisconsin-Milwaukee Panthers
Eine ganz klare Sache: Der Topfavorit schlägt den Underdog deutlich, mit 30-40 Punkten Vorsprung ? sollte man meinen. Dass Milwaukee jedoch keinerlei Respekt vor großen Namen hat, zeigten die beiden Partien gegen die hochgehandelten Teams von Alabama und Boston College. Besonders gegen Boston, ein Team, das den Großteil der Saison in den nationalen Top-Ten verbracht hatte, zeigten die Milwaukee Panthers über 40 Minuten eine schier unglaubliche Energieleistung, die die Qualitätsunterschiede zwischen den Teams verwischen ließ. Vor allem die Flügelspieler Joah Tucker und Ed McCants stellten Boston ein ums andere Mal vor unlösbare Probleme. Die Fightin? Illini müssen auf der Hut sein, denn das Team um die drei bärenstarken Guards Deron Williams, Daniel Brown und Luther Head hat in den ersten beiden Runden nur phasenweise überzeugen können. Den Panthers, in deren Startformation kein Spieler größer als zwei Meter ist, könnte es zugute kommen, dass Illinois sehr guardlastig spielt.
Schlüsselspieler:
James Augustine, Illinois: Gegen Nevada erzielte der Junior-Center eine persönliche Bestleistung von 23 Punkten und holte zudem zehn Rebounds. Auch gegen die kleingewachsenen Panthers ist es für die Illini wichtig, das Übergewicht unter dem Korb auszuspielen.
Adrian Tigert, Milwaukee: Der Junior ist mit zwei Metern der längste Starter der Panthers, ist jedoch nicht mehr als ein guter Rollenspieler. Der Verlegenheitscenter ist im Turnier noch ohne Fehlwurf (4/4 gegen Alabama, 7/7 gegen Boston) und muss wiederum über sich hinaus wachsen, damit die Panthers eine realistische Chance haben.
#2 Oklahoma State Cowboys vs. #3 Arizona Wildcats
Nach dem bisherigen Turnierverlauf sind die Arizona Wildcats klarer Favorit in diesem Spiel. Während Arizona gegen die Geheimtipps Utah State und Alabama-Birmingham zwei überzeugende Siege feierte, quälte sich der letztjährige Final Four-Teilnehmer Oklahoma State zu zwei mittelprächtigen Siegen gegen Southeast Louisiana und Southern Illinois. Wenn bei den OSU Cowboys nicht Freshman JamesOn Curry so überzeugend aufgespielt hätte, wäre für Oklahoma State vermutlich schon in der zweiten Runde Schluss gewesen . Der Grund für die unterdurchschnittlichen Leistungen: Das Trio Lucas, McFarlin und Curry bringt zwar mehr als solide Leistungen, der Star Joey Graham steht jedoch seit Beginn des Turniers neben sich. Bei den Wildcats scheinen sich besonders Kraftpaket Hassan Adams und Shooter Salim Stoudamire auf ihre Stärken zu besinnen. Im Zweitrundenspiel gegen UAB erzielte das Duo mehr als die Hälfte der Wildcats-Punkte.
Schlüsselspieler:
Joey Graham, Oklahoma State: Der Mann, der zu Saisonbeginn Boston-Celtics-Rookie Tony Allen vergessen machte, muss jetzt in der entscheidenden Saisonphase zu seiner Stärke zurückfinden. Ein Joey Graham in Bestform gehört zweifelsohne zu den besten Small Forwards der NCAA und stellt viele Verteidigungen vor nahezu unlösbare Probleme.
Channing Frye, Arizona: Wer gerne in der ersten Runde gedraftet werden möchte, soll bitte schön auch dementsprechend spielen. Gegen Oklahoma State, das ohne echten Center agiert, kann der 2,11m-Hüne beweisen, dass er ein dominanter Lowpost-Spieler ist und auch auf dem nächsten Level bestehen kann.
Syracuse Region #1 North Carolina Tar Heels vs. #5 Villanova Wildcats
UNC ist für die Mehrheit der Fans und Experten der Favorit auf die Meisterschaft. Das Team verfügt in Ray Felton, Rashad McCants und Sean May über ein brilliantes Trio, das von den intelligenten Rollenspielern Jackie Manuel und Jawad Williams sehr gut verstärkt wird. Von der Bank kommt mit Marv Williams der wohl beste Freshman seit Carmelo Anthony. Villanova hingegen hatte in den ersten beiden Runden mehr Glück als Verstand. Obwohl die beiden besten Werfer der Wildcats, Randy Foye und Allan Ray, den Ball nur äußerst selten im Korb unterbringen konnten, profitierte das Team von den extrem schwachen Leistungen der Gegner New Mexico und Florida, natürlich begünstigt durch die exzellente Defense der Wildcats. Mit der Verletzung von Curtis Sumpter, dem einzigen starken Innenspieler, sinken Villanovas Chancen gegen die mit May und Marv Williams unter dem Korb exzellent besetzten Tar Heels drastisch. Wichtig wird sein, wie Freshman Kyle Lowry gegen die druckvolle Tar Heels-Defense das Spiel machen kann.
Schlüsselspieler:
Sean May, North Carolina: Trotz seinen nur 2,06m ist Sean May der wohl beste echte Center der NCAA. Nach dem Ausfall von Sumpter werden die Tar Heels mehr denn je versuchen, über May zum Abschluss zu kommen. Wenn der lange Mann dann wie gewohnt in wichtigen Spielen seine 15 Rebounds einsammelt, sieht es gut aus für Carolina.
Jason Fraser, Villanova: Der Backup-Forward kam nach Sumpters Verletzung gegen Florida von der Bank, sammelte nebenbei 15 Rebounds (neun davon offensiv) ein und machte zudem 20 Punkte. Wenn der 2,08m-Mann gegen den ca. 15 kg schwereren Sean May gegenhalten kann, würde sich das Spiel auf die Flügel verlagern, was Villanova zugute kommen könnte.
#6 Wisconsin Badgers vs. #10 North Carolina State Wolfpack
Basketballfans überall wünschen sich, dass die NC State Wolfpack dem Antibasketball der Wisconsin Badgers ein Ende bereiten. Mit knallharter, jedes gegnerische Spiel im Aufbau erstickender Mannverteidigung und das Tempo verschleppender Motion-Offense spielen die Badgers den Basketball der 50er Jahre, und das sehr erfolgreich. Die 71 Punkte, die das Team gegen Bucknell erzielte, sind ein schon fast sensationell hoher Wert. In der Offense der Badgers konzentriert sich alles auf den Allrounder Mike Wilkinson, der scort, reboundet und oft genug seine Nebenleute (allen voran Sophomore Alando Tucker) zum Punkten einsetzt. North Carolina State hingegen spielt nach einer insgesamt enttäuschenden Saison zum richtigen Zeitpunkt sein bestes Basketball. Julius Hodge, der sich in der Gewichtsklasse von Kate Moss bewegt, zeigte besonders im Spiel gegen den amtierenden Champion Connecticut, dass er ein echter Leader ist. Vor allem vom Bulgaren Ilian Evtimov muss jedoch mehr kommen, wenn NC State eine realistische Chance haben will.
Schlüsselspieler:
Mike Wilkinson, Wisconsin: Wilkinson ist der Dreh- und Angelpunkt des Spiels; ohne ihn geht nichts. Dementsprechend wird sich NC State darauf konzentrieren, die Kreise des Forwards zu stören. Die Gleichung bei den Badgers ist dieses Jahr ganz leicht: Gutes Spiel von Wilkinson="Siegchance". Manch ein Fan soll deshalb schon vorgeschlagen haben, das Team in Wilkinson Badgers umzubenennen.
Engin Atsur, NC State: Der türkische Point Guard muss das Heft in der Offense in die Hand nehmen und Allrounder Julius Hodge im Spielaufbau entlasten. Wenn Hodge über 40 Minuten nicht nur als Scorer, sondern auch als Playmaker agieren muss, könnte das gegen die aggressive Defense der Badgers sehr ermüdend für den Forward sein.
Austin Region #1 Duke Blue Devils vs. #5 Michigan State Spartans
ACC Champion Duke trifft auf das unterschätzte Team der Michigan State Spartans. Während beide Teams in der ersten Runde mehr Mühe hatten, als ihnen lieb sein konnte, hatte es Michigan State in der zweiten Runde eher leicht mit dem Underdog Vermont Catamounts. Das Team um Maurice Ager und Kelvin Torbert präsentierte ein wahres Dunk-Feuerwerk, während Center Paul Davis die Bretter dominierte und Freshman Drew Neitzel sicher die Fäden im Spielaufbau zog. Duke hingegen tat sich mit Mississippi State sehr schwer, und besonders Dukes Star JJ Redick enttäuschte mit nur zwei von neun Dreiern. Michigan State scheint zur Hochform aufzulaufen, während Duke in den letzten Tagen einen müden Eindruck macht. Die tiefere Bank könnten den Ausschlag zugunsten der Spartans geben.
Schlüsselspieler:
JJ Redick, Duke: Der ACC-Spieler des Jahres muss seine Wurfhand wiederfinden. Gegen ein athletisches Team wie Michigan State ergeben sich nicht viele zweite Wurfchancen, weshalb eine gute Trefferquote unbedingt vonnöten ist. Wenn Redick trifft, sind die Blue Devils kaum zu schlagen. Die Spartans sind gerade auf der Guardposition sehr gut besetzt, so dass es Redick vermutlich abwechselnd mit Ager, Torbert, Shannon Brown und Chris Hill zu tun bekommen wird, die allesamt athletischer als er sind.
Kelvin Torbert, Michigan State: Torbert ist mit UNCs Marv Williams der wohl beste sechste Mann der NCAA. Der Senior wurde zwar nie der absolute Superstar, ist aber ein unheimlich abgeklärter Leistungsträger von der Bank, der viele Dinge tut, die in keiner Statistik auftauchen. Auf der Bank hat MSU klar mehr Variationsmöglichkeiten als Duke.
#2 Kentucky Wildcats vs. #6 Utah Runnin' Utes
Dieses Spiel könnte das Ende der Fahnenstange für Andrew Bogut und seine Runnin? Utes bedeuten. Die Kentucky Wildcats sind größer und athletischer als fast alle Teams, gegen die Utah bisher spielen musste und werden versuchen, mit dem kräftigen Randolph Morris, dem sprunggewaltigen Chuck Hayes und dem langarmigen Shagari Alleyne den richtigen Verteidiger gegen Bogut zu finden. Im Gegenzug muss Utah auf seine Schützen vertrauen können, um eine Chance zu haben. Wenn Bogut von mehreren Leuten verteidigt wird, wird er seine Außenspieler freispielen ? die Frage ist nur, ob diese die sich bietenden Chancen nutzen können. Kentucky muss versuchen, das Spiel durch die Flügelspieler Kelenna Azubuike und Patrick Sparks zu entscheiden. Während Sparks durch Dreier glänzt und an den ehemaligen Wildcat Cameron Mills erinnert, sucht Azubuike sein Heil eher im Zug zum Korb. Wenn diese Kombination greift, sieht es gut aus für Kentucky-Coach Tubby Smith.
Schlüsselspieler:
Rajon Rondo, Kentucky: Bisher hat Rondo nicht gespielt wie ein Freshman. Wenn der Point Guard weiterhin so nervenstark auftritt, müsste er gegen die Utah-Guards leichtes Spiel haben. Rondo hat die Zügel fest in der Hand und bringt alles, was man von einem Klasse-Point Guard erwarten kann.
Andrew Bogut, Utah: Bogut wird seine Leistung bringen; das ist bekannt. Aber wie wird er seine Leistung bringen? Utah spielt besser, wenn Bogut sein volles Potenzial als Scorer entfalten kann, was gegen die lange Garde der Wildcats eher unwahrscheinlich erscheint. Wenn Bogut jedoch als Vorbereiter auftritt, ist das Team darauf angewiesen, dass die Sprungwürfe aus der Distanz in den Korb fallen ? bei den blitzschnellen Wildcat-Guards keine leichte Aufgabe.
Albuquerque Region #1 Washington Huskies vs. #4 Louisville Cardinals
Das wohl interessanteste Spiel der Sweet 16. Georgia Techs Coach Paul Hewitt bezeichnete die Cardinals als #1-Team mit einem #4-Seed; das Team unterstrich dies in seinem Zweitrundenmatch gegen Georgia Tech. Die hochgehandelten Yellow Jackets wurden mit 76:54 abgefertigt und Louisville zeigte, dass es bereit ist für das Spiel mit Washington. Aber auch die Huskies ließen sich nicht lumpen: Pacific, immerhin ein Top-25-Team, war gegen Washington komplett chancenlos. Beide Teams bevorzugen einen ähnlichen, auf die Guardspieler fixierten Spielstil, wobei Lousiville-Coach Rick Pitino immer wieder die für ihn so typische Zonenpressdeckung einbringt. Aufgrund der recht dünnen Personaldecke wechselt Louisville jedoch sehr oft die Verteidigung, um den Gegner zu verunsichern. Für Washington wird viel davon abhängen, wie sich der 1,73m große Flummi Nate Robinson gegen die kräftigen Cardinals-Guards durchsetzen kann.
Schlüsselspieler:
Ellis Myles, Louisville: Ellis Myles macht alles für Louisville: Rebounden, Blocks setzen, Defense spielen und, wenn es sein muss, auch noch punkten. Der zwei Meter große Power Forward muss in dieser Partie die Bretter kontrollieren und darf Washingtons starken Guards keine zweiten Wurfchancen einräumen.
Tre Simmons, Washington: Simmons wird die undankbare Aufgabe zufallen, Francisco Garcia verteidigen zu müssen. Garcia ist unberechenbar in der Offense und ist sowohl im Zug zum Korb als auch beim Dreier gefährlich. Aufgrund seiner Rolle als zweitbester Scorer der Huskies wird sich Simmons jedoch nicht im Angriff ausruhen können ? eine schwere Partie für den Senior.
#6 Texas Tech Red Raiders vs. #7 West Virginia Mountaineers
Eine Partie zweier Underdogs, die in der zweiten Runde schon scheinbar uneinholbar zurücklagen, aber letztlich den Kopf noch aus der Schlinge zogen. Texas Tech (gegen Gonzaga) und West Virginia (gegen Wake Forest) warfen zwei der absoluten Top-Teams aus dem Rennen und haben mit ihrer intensiven Spielweise am ersten Wochenende des Turniers die Fans landesweit in ihren Bann gezogen. Auch die Stars der Teams könnten nicht unterschiedlicher sein: Texas-Tech-Guard Ronald Ross kompensiert seine fehlende Größe durch Athletik, WVU-Guard Mike Gansey durch Spielintelligenz. Gansey, Typ "netter Junge von nebenan", erzielte in den beiden Overtimes gegen Wake Forest zusammen 19 seiner 29 Punkte, Ross schoss Tech alleine zurück ins Spiel gegen Gonzaga. Das Aufeinandertreffen der beiden Teams dürfte auch wegen der unterschiedlichen Coaching-Philosophien interessant sein: Der unbekannte John Beilein lässt sein Team in Offense wie Defense sehr variabel spielen und hat acht Leistungsträger; Altmeister Bob Knight hat hingegen wie üblich einen Leistungsträger (Ross) und vertraut hauptsächlich auf seine Starting Five.
Schlüsselspieler:
Jarrius Jackson, Texas Tech: Jackson muss Ross als Scorer entlasten; die Red Raiders sind zu leicht ausrechenbar. Wenn es dem Sophomore gelingt, ab und an die Verantwortung in der Offense zu übernehmen, wird Tech die WVU-Guards vor ein paar Probleme mehr stellen.
D?Or Fischer, West Virginia: Fischer hat seinen Stammplatz vor Wochen an den eher eindimensionalen Shooter Kevin Pittsnogle verloren, war gegen Wake Forest jedoch endlich einmal wieder der Turm in der Schlacht. Wenn Fischer in der Defense so dominiert, wie man es von ihm gewohnt ist, wird der Weg zum Korb für die kleingewachsenen Raiders ein sehr beschwerlicher.



von abraxas 24.03.05 um 11:44:20
Coole preview,thanks !