NCAA Saison 2007/2008
Von Alaska bis Hawaii
Wir berichten von den ersten Siegern der neuen College-Saison, die auf den traditionellen Thanksgiving-Turnieren ausgespielt wurden, und liefern den bewährten Überblick über Statistiken und Freshmen.
Von Christian Neumann |
29.11.2007 | |
Seit unserem ersten Rückblick auf das Geschehen in der NCAA sind zwei Wochen vergangen, und die ersten Entscheidungen sind im College-Basketball ebenfalls schon gefallen: Wie es Tradition ist, eröffneten etliche NCAA-Teams ihre Saison mit einem Auftritt bei einem der renommierten Einladungsturniere, die ein Kräftemessen mit einigen der besten Teams des Landes ermöglichen. Das ist deshalb wichtig, weil sich diese Teams in der Regel aus dem Weg gehen: Sie spielen in unterschiedlichen Conferences und haben sich auch nicht zu Gegnern in ihren freiwählbaren Spielplänen bestimmt. Vor den großen Turnieren am Saisonende ? dem NCAA Tournament bzw. dem zweitrangigen National Invitational Tournament (NIT) ? würde es somit kein Aufeinandertreffen geben.
Hier ein Überblick über die bedeutendsten Turniere und ihre Sieger
1. ACC ? Big Ten Challenge
An sich kein Turnier (und darum hier auch als erstes genannt), sondern ein Duell zweier bedeutender Conferences: der Atlantic Coast Conference (ACC) und der Big Ten. Seit 1999 treten Teams beider Ligen für mehrere Spiele gegeneinander an, und auch wenn es in manchen Jahren recht knapp war (5-4 in 1999, 2000, 2002) hat die ACC in der Gesamtbilanz noch jedes Jahr die Oberhand behalten. Der diesjährige Vergleich fiel vergleichsweise deutlich aus: Von insgesamt elf ausgetragenen Partien gingen acht an die ACC, drei an die Big Ten.
2. 2k Sports College Hoops Classic
Auch unter dem Namen "Coaches vs. Cancer" bekannt, gehört dieses Turnier zu den führenden überhaupt. Es wird seit 1995 ausgetragen (anfangs mit nur vier Teilnehmern); seit 1997 gibt es ein richtiges Endspiel, und im Jahr darauf zog die Veranstaltung für die entscheidenden Partien in die vielleicht bedeutsamste Arena der Welt: den New Yorker Madison Square Garden. Da verwundert es nicht, dass dieses Jahr mit Memphis ein absolutes Top-Team zu den Teilnehmern gehörte. Die Tigers wurden ihrer Favoritenstellung am Ende auch gerecht und schlugen Connecticut im Finale mit 81:70.
3. Maui Invitational
Auch auf Hawaii wurde mal wieder großer Sport geboten, und am Ende standen die Duke Blue Devils um Tournament-MVP Kyle Singler (25 Punkte im Finale gegen Marquette) als Sieger fest. Auch einige andere dort teilnehmende Teams ? u.a. Illinois, Lousiana State, Oklahoma State ? gehören zu den großen Namen im College-Basketball. Nicht dass das überrascht: Das Maui Invitational wird bereits seit 1984 ausgetragen und könnte durchaus das bedeutsamste Turnier seiner Art überhaupt sein.
4. NIT Season Tip-Off
Wie "Coaches vs. Cancer" zieht auch das NIT Tip-Off für alle Spiele ab dem Halbfinale in den Madison Square Garden um, kann aber auf eine noch reichere Tradition zurückblicken; immerhin wird es seit 1985 jährlich ausgetragen. Dementsprechend liest sich die Teilnehmerliste, auf der u.a. Syracuse, Ohio State und Texas A&M standen. Die beiden Letztgenannten trugen dann auch das Finale untereinander aus, wobei Texas A&M als Sieger vom Platz ging.
5. Great Alaska Shootout
Tradition pur gibt es in Anchorage, Alaska, denn das dortige Turnier wird 2008 bereits zum dreißigsten Mal ausgetragen werden. Im diesjährigen, acht Teams starken Feld befanden sich neben Michigan und Gonzaga auch die Butler Bulldogs und die Texas Tech Red Raiders von Coaching-Legende Bob Knight, die sich im Finale gegenüberstanden. Am Ende konnte Butler nach dem letztjährigen Sieg im NIT Tip-Off seinen zweiten großen Erfolg in Serie feiern.
Die bedeutsamsten Spiele
1. Texas A&M (16) vs. Ohio State 70:47
"Ein Spiel dauert 40 Minuten" ? diese Weisheit bekam Ohio State gegen Texas A&M im Finale des NIT Season Tip-Off am eigenen Leib zu spüren. Nachdem die Buckeyes zur Halbzeit nur mit sechs Punkten zurücklagen (25:31), verwarfen sie im zweiten Spielabschnitt 16 von 17 Würfen, was die Aggies für einen 23:5-Lauf nutzten, der die Partie zu einer einseitigen Angelegenheit machte. Ohio State, das nicht einmal jeden vierten Wurf traf (24,1% FG), verlor am Ende deutlich mit 47:70 gegen einen Gegner, der auf seine Verteidigung stolz sein konnte. Oder wie es Aggies-Forward Joseph Jones nüchtern ausdrückte: "Wir lieben es, Defense zu spielen."
2. UCLA (1) vs. MSU (11) 68:63
Wenn es noch einer Demonstration seiner Klasse bedurfte, gab Kevin Love diese im Finale des CBE Classic gegen Michigan State: Der Star-Freshman aus Oregon rang den Spartans-Frontcourt nieder, und seine 21 Punkte und elf Rebounds entsprachen quasi dem, was seine Gegenspieler zusammen zustandebrachten. Es war vor allem Loves Einsatz unter dem Korb, der es UCLA ermöglichte, einen Rückstand (25:36) in der zweiten Halbzeit noch in einen Sieg zu verwandeln, den Luc Richard Mbah a Moute mit einem seltenen Dreier sicherstellte. Der Bruins-Forward selbst, der mit einer Dreierquote von 24% nicht als Distanzschütze berühmt ist, war sich seines Wurfes sicher: "Ich wusste, dass er reingehen würde."
3. Duke (10) vs. Marquette (13) 77:73
Von einem Oregon-Star zum nächsten: Duke-Forward Kyle Singler, der an der High School Kevin Loves großer Wiedersacher war und sich als Senior auch die Auszeichnung für Oregons Spieler des Jahres mit ihm teilte, war der überragende Mann bei Dukes Triumph über Marquette im Finale des Maui Invitational. Dabei sicherte der Freshman seinem Team die Revanche für das Vorjahr, als Marquette die Blue Devils im Finale des CBE Classic schlug. Der damals überragende Dominic James spielt bei Marquette jedoch weiterhin unter seinen Möglichkeiten, und so konnte Singler mit 25 Punkten zum MVP von Maui aufsteigen.
4. North Carolina (2) vs. Ohio State 66:55
Abermals Ohio State, und schon wieder ein ernüchternder Abend für Buckeyes-Center Kosta Koufos: Nur fünf Tage nach seinem mäßigen Auftritt gegen Texas A&M (zehn Punkte, 4/16 FG) zeigte der Grieche gegen North Carolina seine schwächste Saisonleistung, verwarf neun von zehn Würfen und schaffte lediglich vier Punkte. Auf der Gegenseite wurde North Carolinas Tyler Hansbrough seinem Ruf gerecht: Auch wenn seine Quote ebenfalls schlecht war (6/19), erarbeitete sich der Forward doch ein Double-Double (13 Punkte, elf Rebounds). Am Ende waren es Wayne Ellington und Deon Thompson, die North Carolina mit wichtigen Würfen den Sieg bescherten.
5. Memphis (3) vs. Connecticut 81:70
Für Chris Douglas-Roberts war das Finale des 2K Sports College Hoops Classic genau die richtige Gelegenheit, daran zu erinnern, wer bei den Tigers der Platzhirsch ist. "CDR", der wie alle in Memphis zu Saisonbeginn oft im Schatten von Star-Freshman Derrick Rose stand, erzielte 33 Punkte und wurde zum Tournament MVP. Dass Rose, der als Spielmacher einen schwachen Tag (null Assists, fünf Ballverluste) erwischt hatte und dabei den Zorn seines Coaches John Calipari auf sich zog, dies als Scorer mit einem career high von 24 Punkten ausglich, war zuviel für UConn-Coach Jim Calhoun: "Rose ist offensichtlich ein großartiger, großartiger junger Spieler, und wenn Douglas-Roberts kein first-team All-American ist, macht da jemand einen großen Fehler."
Weitere Spiele
Sean Singletary zeigte, warum er als einer der besten Point Guards des Landes gilt, als er (24 Punkte, acht Assists, 11/11 FT) mit Virginia die an Platz 17 geführten Arizona Wildcats 75:72 schlug und trotz Erkältung in der Schlussphase mit wichtigen Würfen den Sieg sicherstellte. ... Eine weitere Niederlage kassierte Arizona gegen die an Platz 4 gesetzten Kansas Jayhawks, bei denen Brandon Rush (17 Punkte, acht Rebounds) nach seiner schweren Knieverletzung ein überzeugendes Comeback feierte. ... Vor der Final-Niederlage gegen Duke (s.o.) schlug Marquette im Halbfinale von Maui die Oklahoma State Cowboys deutlich mit 91:61. "Sie verprügelten uns in jeder Phase des Spiels", war der Kommentar von Cowboys-Coach Sean Sutton. ... Im anderen Halbfinale setzte sich Duke mit 79:66 gegen Illinois durch, wobei Gerald Henderson mit 23 Punkten zum Topscorer wurde. ... Syracuse musste sich im Halbfinale des NIT Season Tip-Off Ohio State mit 65:79 geschlagen geben, konnte sich dank einem 91:85 gegen Washington aber zumindest den dritten Platz sichern. Freshman-Forward Donte Green hatte über beide Partien einen Schnitt von 23 Punkten und zehn Rebounds, was als sein endgültiger Durchbruch angesehen wurde. ... Die Texas Longhorns schlugen die Tennessee Volunteers im Finale des StubHub! Legends Classic deutlich mit 97:78, wobei gleich vier ihrer Spieler mehr als zwanzig Punkte erzielen konnten.
Statistische Glanzpunkte
1. Kenny George, Junior, North Carolina-Asheville
Er ist der wohl auffälligste Spieler im College-Basketball, aber bei einer Größe von 7 Fuß, sechs Zoll (laut Teamangaben sogar 7'7'' barfuß) und einem Gewicht von 360 Pfund überrascht das auch nicht. Allerdings zeigte Kenny George gegen Cambell, dass er auch spielen kann, und schaffte mit 20 Punkten, zwölf Rebounds und zehn Blocks ein Triple-Double. George dürfte es aufgrund seiner fehlenden Schnelligkeit und seiner Knieprobleme schwerhaben, je in der NBA Fuß zu fassen, aber auf dem College-Level hat er seine Spuren bereits hinterlassen.
2. Terrence Williams, Junior, Louisville
Und noch ein Triple-Double, diesmal von NBA-Anwärter Terrence Williams: Der Forward von Louisville erreichte gegen Hartford 14 Punkte, zwölf Rebounds, drei Steals und 13 Assists. Worüber er sich allerdings kaum gefreut haben dürfte: Ihm fehlten auch nur zwei Ballverluste zum Quadruple-Double...
3. Daniel Hackett, Sophomore, USC
Triple-Double, die Dritte: Daniel Hackett, der bei Southern California neben Star-Freshman OJ Mayo im Backcourt spielt, hatte gegen South Carolina 22 Punkte, zehn Rebounds und zehn Assists.
4. Hasheem Thabeet, Sophomore, Connecticut
Hasheem Thabeet gilt als einer der talentiertesten Center der Welt, und gegen Florida A&M stellte er dies mit zwölf Punkten, zwölf Rebounds und neun Blocks auch unter Beweis.
5. Diese Spieler sollten sich später mal pro Minute bezahlen lassen
Marcus Walker, Junior, Colorado State: 43 Punkte in 34 Minuten gegen Tennessee State
Eugene Myatt, Junior, Howard: 36 Punkte in 36 Minuten gegen Pennsylvania
Tyrone Shelley, Freshman, Pepperdine: 34 Punkte in 23 Minuten gegen Cal State Northridge
Marquis Sullivan, Junior, Loyola (MD): 27 Punkte in 26 Minuten gegen Vermont
AJ Abrams, Junior, Texas: 30 Punkte in 26 Minuten gegen Ark Monticello
Steven Rush, Senior, North Carolina A&T: 40 Punkte in 33 Minuten gegen DePaul
Deonta Vaughn, Sophomore, Cincinnati: 36 Punkte in 34 Minuten gegen Coastal Carolina
Stephen Curry, Sophomore, Davidson: 38 Punkte in 33 Minuten gegen Appalachian State
Die Freshmen
Den größten Respekt verdiente sich der Australier Patrick Mills von den St. Mary's Gaels mit seiner Glanzleistung gegen die favorisierten Oregon Ducks, die er mit 37 Punkten (einem Team-Freshman-Rekord) fast im Alleingang besiegte.
Ein Muster an Beständigkeit sind die Power Forwards Patrick Patterson (Kentucky, 15,8 PpG, 8,8 RpG, 66% FG) und Blake Griffin (Oklahoma, 15,0 PpG, 9,2 RpG, 58,1% FG), die ihre Teams mit soliden Leistungen voranbringen.
Der (statistisch) beeindruckendste Freshman bleibt aber Michael Beasley, der seine enorme Produktivität aufrechterhalten hat, für Kansas State im Schnitt 27,2 Punkte und 15,5 Rebounds erzielt und dabei 61,2% seiner Würfe trifft (53% aus der Dreierdistanz).
Eric Gordon überzeugt für Indiana auf ganzer Linie, hat bisher nie weniger als 20 Punkte erzielt und gehört bei einem Schnitt von 27,3 PpG zu den Topscorern des Landes.
Bei UCLA ist Kevin Love (18,1 Punkte und 10,6 Rebounds pro Spiel) immer noch auf Kurs, als erster Bruins-Freshman über die Saison im Schnitt ein Double-Double zu erreichen.
Syracuse' Jonny Flynn gelang bei der Niederlage gegen Massachusetts mit 20 Punkten und zwölf Assists das erste 20-10-Spiel seiner College-Karriere.
Jerryd Bayless kommt bei Arizona immer besser zurecht, hat in jedem Spiel zweistellig gepunktet und schrammte gegen die University of Missouri-Kansas City mit 20 Punkten, neun Rebounds und neun Assists nur knapp an einem Triple-Double vorbei.



von the-glove 02.12.07 um 12:52:56
NCCA Artikel sind klasse deshalb an dieser Stelle Lob für diesen hier!
von CS7 02.12.07 um 18:28:50
wie kann man denn bitte 7'7'' sein?
wieviel ist das in metern?
2,35?
von Desmond 03.12.07 um 15:30:50
2,31 wenn ich richtig gerechnet habe. aber 180 kilo?
von Chris 03.12.07 um 17:12:43
Ja, es sind 2,31m, und die hat Kenny George wohl wirklich. (Dass die 2,36m stimmen, darf hingegen bezweifelt werden.) Sein Gewicht wird mit 163 kg angegeben, und auch daran gibt es wenig zu zweifeln, wenn man George mal gesehen hat:
[media.scout.com]
von Gheddomaster 06.12.07 um 16:06:34
is ja mal geil en triple-double mit blocks :D:D