NCAA Saison 2007/2008

Der Wahnsinn hat begonnen

Knapp eine Woche nach dem Start der neuen NBA-Saison eröffnete auch die NCAA die Spielzeit 2007/2008. Crossover fasst die wichtigsten Ereignisse der ersten anderthalb Wochen zusammen.

Von Christian Neumann
 16.11.2007 |

Und sie bewegt sich doch, die Welt des College-Basketballs, die so außergewöhnliche Namen wie Byron Littlejohn (Allen Yellow Jackets) und Ryan Paradise (Northern Illinois Huskies) mit so vielversprechenden Namen wie OJ Mayo (Southern California Trojans) und Kevin Love (UCLA Bruins) verbindet. Knapp zwei Wochen nach Saisonbeginn ist nun genug geschehen, um einen ersten Überblick zu liefern. Darum präsentieren wir heute:

Die bedeutsamsten Spiele:

1. Gardner-Webb vs. Kentucky (22) 84:68

So hatten sich die Kentucky Wildcats ihren Saisonauftakt sicher nicht vorgestellt: In der heimischen Rupp Arena in Lexington, KY setzte es im Rahmen des 2K Sports College Hoops Classic eine auch in der Höhe völlig verdiente 16-Punkte-Klatsche gegen Gardner Webb. Die Runnin' Bulldogs überzeugten auf ganzer Linie, konnten beide Halbzeiten für sich entscheiden und verdarben somit die Premiere von Kentuckys neuem Coach Billy Gillispie, der letzte Saison noch für Texas A&M an der Seitenlinie stand. ?Sie kamen, um zu spielen?, sagte Kentuckys Freshman-Forward Patrick Patterson hinterher über den Außenseiter Gardner Webb, ?wir offensichtlich nicht.?

2. Mercer vs. USC (18) 96:81

OJ Mayos mit Spannung erwartetes College-Debüt bot Licht und Schatten: Individuell konnte der Freshman-Guard mit 32 Punkten und sieben Rebounds die an ihn gerichteten Erwartungen erfüllen, doch aus Sicht seiner Trojans setzte es eine überraschend deutliche 15-Punkte-Niederlage gegen die Mercer Bulldogs. Ein Grund dafür war, dass deren Sophomore-Guard James Florence Mayos Punkteausbeute mit 30 eigenen Zählern praktisch nivellierte ? und als sich fünf seiner Mitspieler für weitere 58 Punkte zusammentaten, wusste USC darauf keine Antwort mehr. Wurde der Gegner etwa unterschätzt? Mayos Kommentar deutet jedenfalls darauf hin: ?Wir müssen unsere Gegner respektieren und hart arbeiten. Wir waren zu lässig.?

3. Memphis (3) vs. Oklahoma 63:53

Die Memphis Tigers stellten ihren Ruf als vielleicht bestes Team des Landes früh auf die Probe: Nach zwei leichten Partien gegen UT-Martin und Richmond folgte mit den Oklahoma Sooners bereits im dritten Saisonspiel ein echter Prüfstein, doch auch diese Hürde nahm die Truppe von John Calipari mit Bravour. Sooners-Forward Blake Griffin wurde mit einer aggressiven Doppeldeckung in Schach gehalten ? der Freshman kam so nur auf acht Punkte. Auf der anderen Seite gewannen Memphis' Star-Backcourt Derrick Rose und Chris Douglas-Roberts (zusammen 29 Zähler) sowie der bullige Joey Dorsey (neun Punkte, zwölf Rebounds, fünf Blocks) die Partie. Am Ende gab es ein großes Lob von Sooners-Coach Jeff Capel: ?Es gibt einige wirklich gute Teams in unserer Liga, aber dieses Team, gegen das wir heute spielten, ist auf einem anderen Level.?

4. Washington vs. Utah 83:77

<a href=Spencer Hawes" hspace="6" src="http://www.crossover-online.de/img/headshots/spencer_hawes.jpg" align="right" vspace="4" border="0" />Ein Klassespiel gab es zwischen den Washington Huskies und den Utah Utes in der zweiten Runde des NIT Season Tipoff zu sehen. Dabei überzeugten besonders die Bigmen wie der Utes-Center Luke Nevill, der es auf 14 Punkte und zehn Rebounds brachte. Die Leistung des Australiers wurde von Jon Brockman jedoch mehr als nur gekontert: Der Huskies-Forward spielte mit 31 Punkten und 18 Rebounds (beides career highs) eine überragende Partie, die sein Team vor allem seinetwegen dann auch knapp gewann. Gut möglich, dass der Junior nach dieser Saison seinem letztjährigen Kollegen Spencer Hawes (Foto), den er bei Washington als erste Lowpost-Option beerbt hat, in die NBA folgen wird.

5. Troy vs. Paul Quinn 133:131 (OT)

Eine wahre Punkteschlacht war zwischen den Troy Trojans und den Paul Quinn Tigers zu beobachten. An sich nicht die interessanteste Ansetzung, wurde das Spiel erst in der Verlängerung entschieden, als Trayce Mason knapp 20 Sekunden vor Schluss der Verlängerung den vorentscheidenden Dreier zum 133:128 warf. 133:131 wurde als Endstand vermerkt, nachdem sich Paul Quinns Damien Chishlom (42 Punkte, fünf Assists) und Troys Justin Jonus (44 Punkte, acht Rebounds, vier Assists) vor den Fans in der Trojan Hall in Troy, AL ein klassisches Scoring-Duell mit jeweils acht verwandelten Dreiern geliefert hatten.

Weitere Partien:

<a href=Javaris Crittenton" hspace="6" src="http://www.crossover-online.de/img/headshots/javaris_crittenton.jpg" align="right" vspace="4" border="0" />Georgia Tech bekam bei der 74:83-Auftaktniederlage gegen North Carolina Greensboro deutlich zu spüren, wie schwer der Verlust der beiden NBA-Rookies Thaddeus Young (Philadelphia 76ers) und Javaris Crittenton (Los Angeles Lakers, Foto) wiegt, die nach der vergangenen Saison beide in die NBA wechselten. ... Die an Position 25 gerankten Syracuse Orange konnten sich nur knapp mit 72:69 gegen St. Joseph's durchsetzen, als Freshman-Guard Jonny Flynn fünf Sekunden vor Schluss den vorentscheidenden Dreier verwandelte. Es war sein erster und einziger Korberfolg nach fünf Fehlwürfen. ... Die Auburn Tigers zeigten beim 74:62 gegen Kennesaw State hervorragendes Mannschaftsspiel: Sechs ihrer Spieler punkteten zweistellig, und alle sechs bewegten sich zwischen zehn und zwölf Zählern. ... Xavier, das letzte Saison unter zweifelhaften Umständen gegen Ohio State aus dem NCAA Tournament flog, leistete sich im ersten Spiel einen 57:59-Ausrutscher gegen die RedHawks aus Miami (Ohio). ... Die an Position 1 gerankten North Carolina Tar Heels konnten ihre erste Partie der neuen Saison nur knapp mit 72:68 gegen Davidson gewinnen, für das Sophomore-Guard Stephen Curry (Sohn des früheren NBA-Scharfschützen Dell Curry) 24 Zähler erzielte.

Statistische Glanzpunkte:

1. Lester Hudson, Junior, Tennessee-Martin Skyhawks

Hudson kann getrost von sich behaupten, den statistisch besten Saisonstart aller College-Spieler gehabt zu haben: Dem Top-Team der Memphis Tigers schenkte er 35 Punkte und zehn Rebounds ein, wobei er sieben Dreier traf. Gleich in der Nacht darauf führte er seine Skyhawks mit 31 Punkten, sechs Rebounds und vier Steals zum Sieg gegen Maine, und als sei das noch nicht genug gewesen, setzte der 1,90m-Guard am 13. November noch einen drauf: Beim deutlichen Erfolg über Central Baptist gelang ihm mit 25 Punkten, zwölf Rebounds, zehn Steals und zehn Assists ein lupenreines Quadruple-Double.

2. Kieron Achara, Senior, Duquesne Dukes

Achara bewies am 9. November, dass man nicht lange auf dem Parkett stehen muss, um produktiv zu sein: In der Partie gegen Howard brauchte der Center für 29 Punkte, elf Rebounds und drei Blocks gerademal 17 Minuten und traf zu allem Überfluss auch noch elf seiner zwölf Wurfversuche.

3. Chandler Parsons, Freshman, Florida Gators

Vergleichbar effektiv war Floridas Chandler Parsons mit 22 Punkten, acht Rebounds, drei Steals und sieben Assists in nur 18 Minuten gegen North Carolina Central.

4. Junior Hairston, Junior, Towson Tigers

Ebenfall am 9. November lieferte Junior Hairston ein ?20-20-Spiel? ab: Gegen Loyola (Maryland) erzielte der Forward 26 Punkte und 21 Rebounds sowie je drei Blocks und Assists.

5. Richard Hendrix, Junior, Alabama Crimson Tide

Ähnlich produktiv hat sich Alabamas führender NBA-Kandidat Richard Hendrix bisher gezeigt: Nach seinen beiden überragenden Partien gegen Troy (22 Punkte, 23 Rebounds, 9/11 aus dem Feld) und Mercer (28 Punkte, 14 Rebounds, 11/15 FG) bringt es der Power Forward auf einen Schnitt von 25 Punkten, 18,5 Rebounds und 2,5 Blocks bei einer Trefferquote von heftigen 76,9%.

6. Michael Beasley, Freshman, Kansas State

Diese Bilanz verträgt sich gut mit der von Star-Freshman Michael Beasley nach dessen Spielen gegen Sacramento State (32 Punkte, 24 Rebounds, vier Blocks, vier Assists) und Pittsburgh State (30 Punkte, 14 Rebounds). Sein Schnitt: 31 Punkte, 19 Rebounds, 3,5 Assists, 61,5% FG.

7. David Holston, Junior, Chicago State Cougars

Treffsicher, die erste: Der nur 1,70m große Guard verwandelte gegen Northern Michigan 13 seiner 16 Würfe, darunter unglaubliche elf von 13 Dreiern. Das Resultat: 39 Punkte (plus sieben Assists) und ein deutlicher 89:59-Sieg für Holstons Team.

8. J.J. Hickson, Freshman, North Carolina State Wolfpack

Treffsicher, die zweite: Hickson gelang gegen William & Mary die perfekte Ausbeute von zwölf Treffern bei zwölf Versuchen für insgesamt 31 Punkte, denen er sieben Rebounds beifügte. North Carolina State gewann dementsprechend deutlich mit 66:47.

9. Devan Downey, Sophomore, South Carolina Gamecocks

Downey präsentierte sich vielseitig: 11 Punkte, neun Rebounds, sechs Steals und elf Assists in 28 Minuten gegen The Citadel.

10. Rashaad Singleton, Junior, Georgia Bulldogs

Singleton dominierte Jacksonville State mit 16 Punkten (8/11 FG), zehn Rebounds und sieben Blocks.

11. Mickell Gladness, Senior, Alabama A&M Bulldogs

Was das Blocken betrifft, steht Mickell Gladness einsam an der Spitze. Sein Bilanz nach drei Spielen: ein Schnitt von 8,7 Blocks, nicht zuletzt dank einem Triple-Double (13 Punkte, 13 Rebounds und zehn Blocks) gegen Oakwood. Nicht dass diese Leistung überrascht ? der 2,10m große Schlaks war schon letzte Saison mit 6,3 BpG der beste Blocker der NCAA und stellte mit 16 Blocks gegen Texas Southern einen neuen NCAA-Rekord auf.

Die Freshmen

Geht es allein nach der Produktivität, stellt Michael Beasley die Konkurrenz in den Schatten (Statistiken siehe oben). Noch hat sich kein Gegenspieler gefunden, der dem weitentwickelten Combo-Forward gewachsen ist. Beasleys erster Härtetest der Saison: California um den athletischen Bigman DeVon Hardin am 9. Dezember.

Memphis' Derrick Rose dürfte die meisten Lobpreisungen seitens der Presse und der Experten erhalten haben: Der Point Guard ist vom ersten Tag an der Spielgestalter seines Teams gewesen, und die Gedankenspiele seines Coaches, Rose als sechsten Mann von der Bank zu bringen, sind schon lange zu den Akten gelegt worden. Nun fiebern die College-Fans dem 4. Dezember entgegen, an dem Rose' Team auf die USC Trojans um OJ Mayo treffen wird.

Mayo hatte einen starken Auftakt gegen Mercer (32 Punkte), musste aber auch die Niederlage akzeptieren. In seinem zweiten Spiel gegen The Citadel waren es nur 16 Punkte, doch die brachten einen deutlichen Sieg. Noch vor dem bereits erwähnten Top-Duell mit Derrick Rose wird für Mayo am 2. Dezember mit den Kansas Jayhawks eine andere große Herausforderung anstehen.

Eric Gordon lieferte für Indiana ein starkes Debüt ab, indem er 33 Punkte erzielte. Auch das Zusammenspiel mit Power Forward DJ White kann sich bereits sehen lassen. Anders als anderen Freshmen wird Gordon sein Können über die kommenden Wochen gegen eher schwache Gegner testen. Höchstens Kentucky (8.12.) und Connecticut (26.1.) stellen eine wirkliche Hürde dar.

Kevin Love hat sich für UCLA wie erwartet eingeführt, hat nach drei Spielen einen 20-10-Schnitt (20,7 Punkte, 10,3 Rebounds) und fast zwei Drittel seiner Würfe verwandelt (65,6%). Außerdem singen seine Mitspieler schon jetzt Lobhymnen auf Loves bereits von der High School her berühmten Outlet-Pässe, mit denen er nach Defensivrebounds Fastbreaks initiiert. Auch für Love wird es zunächst gemächlich weitergehen, ehe es zu Beginn des neuen Jahres ? Stanford am 3.1., California am 5.1. und Washington am 10.1. ? dafür dann knüppeldick kommen wird.

Weitere Freshmen:

Blake Griffin spielt schlichtweg überzeugend: An der Seite seines älteren Bruders Taylor Griffin sind ihm bisher 14,3 Punkte und 8,8 Rebounds gelungen, und er präsentiert sich so gut, dass ihn die Memphis Tigers sogar in Doppeldeckung nahmen (s.o.). ... Vanderbilts Geheimtipp Andrew Ogilvy wird nicht mehr lange als geheim gelten: Der australische Center hat mit einem Schnitt von 19 Punkten, 6,5 Rebounds und zwei Blocks schon für genügend Aufsehen gesorgt, zumal er 71,4% seiner Würfe trifft. ... Einen vielversprechenden Freshmen findet man auch bei Gonzaga: Austin Daye liefert den Bulldogs 19 Punkte, sieben Rebounds und vier Blocks bei 61,1% FG pro Partie. Wenn er diesen Trend bestätigen kann, könnte seine erste College-Saison zugleich auch seine letzte sein. ... Gleiches gilt für LSUs Anthony Randolph: Der Forward ist mit 15,5 Punkten (60% FG), zehn Rebounds und 3,5 Blocks <a href=Greg Oden" hspace="6" src="http://www.crossover-online.de/img/headshots/greg_oden.jpg" align="right" vspace="4" border="0" />pro Spiel auf bestem Wege zum Durchmarsch in die NBA. ... Die ist auch das Ziel von Kosta Koufos: Der Nachfolger von Greg Oden (Foto) bei Ohio State präsentiert sich in bestechender Frühform (18,5 Punkte, 7,5 Rebounds, 2,0 Blocks). Jerryd Bayless hatte ein solides Debüt bei den Arizona Wildcats (18 Punkte, fünf Assists), kann aber seine Wurfeffektivität steigern. Nächste gute Gelegenheit dafür: das Spiel in Kansas am 25. November ... Bei Syracuse staunt man über das heiße Händchen von 1,80m-Guard Jonny Flynn: Noch vor seinem Gamewinner gegen St. Joseph's (s.o.) lieferte er eine Glanzleistung gegen Siena ab (28 Punkte, neun Assists, 10/13 FG).




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von mkay 16.11.07 um 18:03:31


Schönes Teil!! find ich sehr gut, wieviel arbeit du reingesteckt hast, sieht man!!! sauber, weiter so!



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