NCAA Saison 2005/2006

Duke Blue Devils: High Time in Durham

Es war schmerzhaft für Duke-Fans, ausgerechnet den Erzfeind North Carolina den NCAA-Titel gewinnen zu sehen. Doch in dieser Saison haben die Blue Devils die Chance, den Rivalen als Meister zu beerben.

Von Christian Neumann
 01.11.2005 |

Die Duke Blue Devils sind für viele Beobachter die Top-Favoriten auf den Gewinn der College-Meisterschaft. Sie verbinden erfahrene Star-Spieler und junge Talente unter ihrem schon legendären ?Coach K?: Mike Krzyzewski, der mit den Blue Devils bereits drei NCAA-Titel gewinnen konnte (1991, 1992, 2001), geht mit Duke inzwischen schon in seine 26. Saison, die durchaus seine erfolgreichste werden könnte.

Anders als die ACC-Konkurrenten North Carolina (Sean May u.a.), Wake Forest (Chris Paul), Georgia Tech (Jarrett Jack u.a.), North Carolina State (Julius Hodge) und selbst schwächere Teams wie Clemson (Sharrod Ford) und Maryland (John Gilchrist) muss die Duke University nicht den Abgang ihres besten Spielers verkraften oder gar ein völlig neues Team aufbauen. Das sollte ihr den Sieg in der Atlantic Coast Conference so einfach machen wie schon lange nicht mehr. In dieser Saison dürften die Blue Devils in ihrer regionalen Liga nahezu konkurrenzlos sein.

Zwei etablierte Stars ...

Zwar wird Daniel Ewing, den die Los Angeles Clippers mit dem 32. Pick im NBA-Draft wählten, vermisst werden, doch steht genügend Talent zur Verfügung, den Abgang des Guards zu kompensieren, zumal Ewing der einzig namhafte Spieler ist, der "Coach K" nicht mehr zur Verfügung steht. Zurückgekehrt sind vor allem zwei Spieler: JJ Redick und Shelden Williams. Um diese beiden NBA-Talente wird auch das Team aufgebaut werden, das in der nun anstehenden Saison die NCAA-Krone erobern will.

Redick galt schon in der vergangenen Saison als vielleicht bester Schütze der NCAA, und nach dem Abgang von Salim Stoudamire in Richtung NBA (31. Pick, Atlanta Hawks) dürfte dieser Ruf noch weniger gefährdet sein als zuvor. Redick ist ein vielseitiger Offensivspieler, der sich nicht nur auf Distanzwürfe beschränkt. Er mag nicht der größte, stärkste, schnellste oder athletischste Spieler sein, doch er versteht es, zu Punkten zu kommen: 21,8 PpG standen für den 1,93m-Mann in der vergangenen Saison zu Buche. Auch 2005/2006 sollte der 21-Jährige wieder die Scoring-Last für sein Team tragen.

Die Ergänzung zu JJ Redick heißt Shelden Williams. Er ist einer der besten Frontcourt-Spieler der NCAA und hat sich in den vergangenen zwei Jahren enorm gesteigert. Williams, den man mit Kurt Thomas und dem früheren Duke-Forward Carlos Boozer vergleichen kann, räumt unter den Körben auf. Seine Fähigkeiten im Rebounding (11,7 RpG) und Blocken (3,7 BpG) in Kombination mit seiner Kraft und Aggressivität sind wichtige Erfolgsgaranten für das Team aus Durham. Mit einer starken Senior-Saison und einem Run im NCAA Tournament sollte sich der 21-Jährige ebenso wie Redick im Draft 2006 bis in die Lottery-Plätze vorspielen können. Redick und Williams ? das ist wie einst Reggie Miller und Jermaine O'Neal bei den Indiana Pacers, und damit oft zuviel für die überforderte NCAA-Konkurrenz.

... ergänzt durch ein halbes Dutzend junger Talente ...

Allerdings enden die Stärken der Blue Devils nicht bei diesen beiden Leistungsträgern. Als wären Redick und Williams noch nicht genug, steht Coach K auch noch die wohl beste recruiting class des Landes zur Verfügung. Insgesamt sechs Freshmen befinden sich im Duke-Kader, und fünf von ihnen werden in Fachkreisen unter den Top-100 der Klasse von 2005 geführt: Greg Paulus (rivals.com #11, scout.com #18), Eric Boateng (rivals.com #82, scout.com #35), Martynas Pocius (rivals.com #40, scout.com, #54) und Jamal Boykin (rivals.com #108, scout.com #87).

Hervorgehoben werden muss Greg Paulus. Der Point Guard (1,85m, 84 kg) gilt Experten als der beste Point Guard seines Jahrgangs und wird sowohl von rivals.com als auch von scout.com als bester Spieler seiner Position geführt. Das hindert den 19-Jährigen nicht daran, wie einst der gerade in Rente gegangene Charlie Ward auch noch ein erstklassiger Footballspieler zu sein. Tatsächlich hat Paulus, der fachkundigen Beobachtern als bester Quarterback seines Jahrgangs gilt, lange zwischen Basketball und Football hin und her überlegt und sich dann schlussendlich doch für eine Zukunft auf dem Hallenparkett entschieden. Paulus könnte schon in seinem Freshman-Jahr ein hervorragendes Backcourt-Duo mit JJ Redick bilden.

... angeführt vom Klassenprimus

Das bisher präsentierte Team allein wäre schon Grund genug für Euphorie unter den Duke-Fans, doch es kommt noch besser: Niemand Geringeres als der Top-Rekrut der Klasse von 2005 hat seinen Weg nach Durham gefunden: Josh McRoberts (rivals.com #2, scout.com #1) aus Carmel in Indiana hat sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den inoffiziellen Tiel des besten Rekruten seines Jahrgangs geliefert, und zwar mit keinem anderen als Gerald Green, dem Athletikwunder, das von den Boston Celtics an Position 18 im zurückliegenden NBA-Draft gewählt wurde.

McRoberts (2,11m, 109 kg) ist ein talentierter Power Forward, der im NBA-Draft 2005 schon als High-School-Senior vermutlich ein mittlerer Erstrundenpick geworden wäre. Als aggressiver und dominanter Rebounder sollte er zusammen mit Shelden Williams schon als Freshman einen verheerenden Frontcourt bilden. Anders als viele ?moderne? Power Forwards fühlt sich der 18-Jährige unterm Korb zu Hause, wo er bereits ein beachtliches Repertoire an Lowpost-Bewegungen vorzuweisen hat. Dass er auch aus der Halbdistanz und sogar von jenseits der Dreierlinie treffen kann und zudem über ein gutes Ballhandling und Passspiel verfügen soll, macht ihn nur um so vielseitiger.

In Duke-Kreisen schwärmt man bereits vom ?neuen Christian Laettner?, dem Duke-Star der frühen Neunziger und einem der besten College-Spieler aller Zeiten. Allerdings hinkt der Vergleich, denn McRoberts ist um Längen athletischer, als es Laettner je gewesen ist. So wurde er nicht nur MVP des McDonald's All-American Game (17 Punkte, 12 Rebounds), sondern im selben Zuge auch noch Zweiter beim dortigen Slamdunk Contest (hinter Gerald Green). Ein passenderer Vergleich für McRoberts ist Troy Murphy von den Golden State Warriors.

Heute gut, morgen noch besser?

Die Zukunft sieht gut aus in Durham. Nicht nur dass die direkte Konkurrenz sich durch zuviel Erfolg selbst dezimiert hat, indem wie im Fall von North Carolina die besten Spieler in die NBA wechselten. Die Blue Devils verfügen zudem über ein Team, das in Gegenwart und Zukunft um den NCAA-Titel mitspielen kann. Dieses Jahr wird das letzte für die Seniors Redick und Williams, doch stehen mit Paulus, Boateng und McRoberts drei All-American bereit, die ihren Platz einnehmen können ? wenn sie nicht ebenfalls vorzeitig dem Lockruf der NBA erliegen, was besonders bei Josh McRoberts eine definitive Möglichkeit ist. In Draft-Kreisen wird der 18-Jährige bereits als zukünftiger Top-10-Pick gehandelt.

Doch selbst wenn McRoberts sich als ein ?One-and-done?-Kandidat entpuppen und tatsächlich bereits nach einem Jahr ins Profilager wechseln sollte, wird Coach Mike Krzyzewski nicht die Balljungen und Hausmeister aufs Parkett schicken müssen: Nicht weniger als sieben der Top-50-Rekruten (scout.com) des Jahres 2006 spielen mit dem Gedanken, sich bei der Duke University einzuschreiben; darunter Spitzentalente wie Brandan Wright, Thaddeus Young und Gerald Henderson, der bereits seine Zusage gegeben hat.

Eines ist also sicher: In Durham wird auch in der 27. Saison unter "Coach K" guter College-Basketball geboten werden.




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von LBJ 01.11.05 um 19:58:23


Wo spielt jetzt eigentlich Greg Oden??? er is doch jetzt auf´m college oder?



von Christian Neumann (Crossover-Online) 01.11.05 um 20:18:08


Nein, Oden befindet sich in seinem letzten High-School-Jahr und wird nächste Saison für Ohio State auflaufen. Mehr zu ihm findest du hier:

[crossover-online.de]



von Dre 02.11.05 um 11:12:23


super artikel... auch wenn ich wake forest bevorzuge muss ich neidlos anerkennen das es dieses jahr wohl nichts zu holen gibt, vorallem nicht nach dem weggang von chris paul... duke ist mit abstand die stärkste mannschaft in der acc... aber so manche starke mannschaft wurde dann im märz von einer schwächer eingestuften mannschaft noch überflügelt... jedenfalls freue ich mich schon jetzt wie ein kleines kind wenn es wieder March Madness heisst!



von dax 02.11.05 um 11:21:03


Hey du darfst nicht vergessen das Duke Coach K hat. mMn ist das einer der besten Coaches der NCAA.

Der wird die schon zum titelgewinn coachen.



von Christian Neumann (Crossover-Online) 02.11.05 um 12:50:30


Eine Sache habe ich aus dem Artikel rausgelassen, da er sonst zu lang geworden wäre: Duke gewann mit einem im Vergleich zur Konkurrenz unterbesetzten Kader dank JJ und dem Landlord letzte Saison das ACC Tournament und ließ damit Gegner wie UNC und eben auch Wake Forest mit Chris Paul hinter sich (auch wenn sie nicht direkt gegeneinander spielten). Nimmt man diesen Erfolg zum Maßstab und rechnet noch die Freshmen hinzu, ist der NCAA-Titel nahezu Pflicht.



von L 09.11.05 um 14:15:13


Greg Paulus ist so ziemlich der beste PG den ich je gesehen hab. Der wird so ziemlich der beste PG des Landes werden auf dem College... Ihr werdet sehen!



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