NCAA Saison 2005/2006

Diese Woche in der NCAA (2)

Bei den großen Turnieren in Maui, Kansas City und New York mussten sich einige der Top-Teams ihrer ersten Bewährungsprobe stellen. Wer Federn lassen musste und wer überzeugen konnte, lest ihr hier.

Von Mario Kyriasoglou
 24.11.2005 |

Coaches vs. Cancer

Beim alljährlichen Coaches vs. Cancer Classic schafften es die Florida Gators, gleich zwei gerankte Teams zu überraschen. Im Halbfinale traf die Truppe von Billy Donovan auf Wake Forest, bei denen seit dem Abgang von Chris Paul Senior Justin Gray das Zepter im Aufbau schwingt. Gegen die schnelle und aggressive Defense von Floridas Taurean Green und Corey Brewer hatte Gray jedoch von Anfang an seine Probleme und beendete das Spiel mit sieben Turnovers. Green markierte im Gegenzug 23 Punkte und fünf Assists, sodass auch die 20 Punkte und sieben Rebounds von Power Forward Eric Williams die Demon Deacons nicht mehr auf die Siegerstrasse bringen konnten. Florida gewann knapp, aber verdient mit 77:72. Wake Forest konnte auch in seinen anderen Partien nicht überzeugen: Gegen George Mason gab es nur einen knappen 83:78-Erfolg, und gegen Texas Tech musste gar eine Verlängerung die Entscheidung zugunsten von Wake Forest bringen.

Im Finale holten die Gators dann die Syracuse Orange, die im Halbfinale souverän Bobby Knights Texas Tech ausgeschaltet hatten, auf den Boden der Tatsachen zurück. Lieferten sich zu Beginn des Spiels die Shooter Lee Humphrey und Demetris Nichols ein regelrechtes Duell aus der Distanz, so waren es andere Spieler, die dem Spiel letztlich ihren Stempel aufdrückten. Taurean Green erzielte erneut 23 Punkte. Joakim Noah brachte in Korbnähe die nötige Aggressivität ins Spiel und holte neben seinen zwölf Punkten auch sieben Rebounds.

Bei Syracuse hingegen brachte es Senior-Guard Gerry McNamara zwar auf 10 Assists bei nur einem Turnover, vermochte aber dennoch weder im Spielaufbau noch bei den Würfen (5-19 aus dem Feld) zu überzeugen. Bei Syracuse gefiel besonders Terrance Roberts, der jedoch zum Ende des Spiels mit der langen Garde der Gators zunehmend Probleme bekam. Letzten Endes gewannen die Gators zum zweiten Mal an diesem Wochenende knapp mit 75:70 und Taurean Green, der nunmehr endgültig aus dem Schatten seines Vorgängers Anthony Roberson herausgetreten ist, wurde verdient zum MVP des Turniers gekürt.

Für Syracuse hatten die unliebsamen Überraschungen damit jedoch noch kein Ende: Gegen Bucknell, ein Team aus der Patriot League, verloren die Orange mit 69:74. Wieder schoss McNamara mit 6-19 aus dem Feld zwar den Vogel, aber leider nicht den Korb ab und ließ jene Führungsqualitäten vermissen, die ihn in der Vergangenheit ausgezeichnet hatten. Bei Bucknell waren Guard Kevin Bettencourt (20 Punkte) und der Deutsche Christopher McNaughton (15 Punkte, 10 Rebounds) die überragenden Spieler. Einzig erfreulich für Syracuse-Coach Jim Boeheim dürfte die Tatsache sein, dass Eric Devendorf absolut furchtlos agiert und sich vor nichts und niemandem zurücknimmt. An dem Freshman-Guard sollte der Coaching-Veteran noch einige Freude haben. Nach den zwei Pleiten dürfte Syracuse das erste Mal seit geraumer Zeit auf dem Weg aus den Top 25 sein.

Die Favoriten

Dies wird wohl das einzige Mal sein, dass das Team der Samford University in dieser Rubrik auftaucht. Der Grund ist einfach: Samford durfte diese Woche für gleich zwei der absoluten Top-Teams den Fußabtreter spielen. Gegen Texas brachte es Samford auf die geradezu lächerliche Punktzahl von 33 Zählern, während die Longhorns das Spiel als willkommene Gelegenheit zum Ausprobieren verschiedener Alternativen sahen und trotzdem locker 77 Punkte erzielten. PJ Tucker und LaMarcus Aldridge kamen zusammen auf 35 Punkte und 19 Rebounds, beides mehr als die Werte des gesamten Samford-Teams.

Auch die Spieler der Oklahoma Sooners machten beim 68:41 über Samford einen eher gelangweilten Eindruck. Da fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass Samford den 40. Zähler durch Curtis West feierte wie andere Teams den Titelgewinn. Ähnlich souverän entledigten sich Duke und Villanova ihrer Pflichtaufgaben.Duke gewann mit 93:40 gegen völlig überforderte Seton Hall Pirates und fertigte danach Davidson mit 84:55 ab. Beste Spieler bei Duke waren die drei Senior-Mannschaftskapitäne Shelden Williams, JJ Redick und Lee Melchionni. Auch die Freshmen Greg Paulus und Josh McRoberts konnten die ersten leichten Spiele nutzen, um sich ins Team einzufinden.

Die Villanova Wildcats besiegten Stony Brook mit 78:35 und zeigten direkt, auf welcher Position im Team von Coach Jay Wright die Musik spielt. Die Guards Randy Foye, Allan Ray, Mike Nardi und Kyle Lowry erzielten gemeinsam 59 der 78 Villanova-Punkte. Stony Brook um den deutschen Senior-Guard Hendrik Feist konnte jedem Zuschauer nur leid tun. Boston College ist ebenfalls auf dem besten Wege, seine starke Vorjahresform zu bestätigen. Nach drei eher leichten Partien steht das Team um das bärenstarke Forward-Duo Craig Smith und Jared Dudley, die beide jeweils mehr als 16 Punkte und acht Rebounds beisteuern, noch ungeschlagen da.

Maui Invitational

NCAA-Tournament-Atmosphäre durften die Fans schon in der zweiten Saisonwoche beim alljährlichen Maui Invitational beobachten. War der erste Tag mit den Viertelfinalspielen noch eher unspektakulär (abgesehen von der starken ersten Halbzeit des Division-II-Teams Chaminade gegen Maryland), ging es am zweiten Tag schon richtig zur Sache. Besonders Michigan State und Gonzaga konnten gar nicht genug bekommen: Sage und schreibe drei Verlängerungen mussten ausgespielt werden, bevor Gonzaga mit einem bärenstarken Adam Morrison (43 Punkte) die Partie trotz exzellenter Leistungen von Michigan States Maurice Ager (36 Punkte) und Paul Davis (26 Punkte, 13 Rebounds) für sich entscheiden konnte.

Neben Morrison, der damit einen neuen Punkterekord für das Maui Invitational aufstellte, konnten bei Gonzaga auch noch Derek Raivio mit 26 Punkten sowie der Brasilianer JP Batista mit 22 Punkten und 13 Rebounds überzeugen, während Shannon Brown für Michigan State 19 Punkte erzielte und sechs Assists verteilte. Erwähnenswert ist sicherlich auch noch die nahezu perfekte Freiwurfquote beider Teams: Michigan State traf 26 von 29 Freiwürfen, Gonzaga sogar 27 von 28.

Für Michigan State ist diese Niederlage doppelt bitter, suchten die Spartans doch nach einer Gelegenheit, die Scharte ihrer haushohen Auftaktniederlage gegen Hawaii (62:84) auszuwetzen. Stattdessen dürfte sich nun auch Tom Izzos Team einige Plätze tiefer im Ranking wiederfinden. Hawaii übrigens erging es kaum besser: Durften die Rainbows nach der Überraschung gegen MSU noch darauf hoffen, in den nächsten Top 25 berücksichtigt zu werden, so verspielten sie diese Chance postwendend mit einer katastrophalen Niederlage gegen UNLV, bei der Hawaiis Star Julian Sensley null Punkte bei einer Quote von 0-11 markierte. Im anderen Halbfinale in Maui bezwang Connecticut Arizona mit 79:70. Bester Mann bei UConn war Denham Brown mit 17 Punkten, während Rudy Gay mit 2-10 aus dem Feld enttäuschte. Bei Arizona war der Serbe Ivan Radenovic mit 20 Zählern und neun Rebounds das Maß aller Dinge.

Point Guards unter sich

In der zweiten Runde des Preseason-NIT trafen in der Partie UCLA gegen Temple zwei der großen Point-Guard-Talente der NCAA aufeinander. Das Spiel war jedoch eher Qual als Augenweide. Temples Matchup-Zonenverteidigung auf der einen Seite und UCLAs ständiger Wechsel zwischen Mann- und Raumdeckung auf der anderen Seite nahmen von Anfang an den Fluss aus dem Spiel, so dass die Kreativspieler Mardy Collins (Temple, 4-15 aus dem Feld, neun Rebounds) und Jordan Farmar (UCLA, vier Punkte, je fünf Rebounds und Assists) dem Spiel zu keiner Zeit ihren Stempel aufdrücken konnten. Das erledigten für die Kalifornier Forward Aaron Afflalo (18 Punkte) und auf Seiten der Gäste aus Pennsylvania, passend zur Vor-Adventszeit, Forward Dionte Christmas mit immerhin 12 Zählern.

Ein weiteres interessantes Point-Guard-Duell konnten die Zuschauer der Partie Memphis gegen Alabama beobachten. Alabamas Sophomore Ronald Steele, dem viele Experten den absoluten Durchbruch vorhergesagt hatten, war seinem Pendant, Memphis' Darius Washington, jedoch zu keiner Zeit gewachsen. Washington markierte 23 Punkte und sechs Assists, während Steele es nur auf kümmerliche acht Zähler brachte. Da half auch eine grandiose Leistung von Jermareo Davidson (17 Punkte, 19 Rebounds, vier Blocks) auf Seiten der Crimson Tide nicht weiter.

Einzelleistungen der Woche

Junior Curtis Stinson (Iowa State) erzielte beim 101:82 über Mountain State in 35 Minuten 35 Punkte, holte zudem fünf Rebounds und verteilte sieben Assists. Größter Nachteil des Guards im Hinblick auf eine zukünftige NBA-Karriere ist neben seiner Tweener-Körperlänge (1,88m) sein Alter. Der Junior wird im Februar bereits 23 Jahre alt.

Bei der 63:79-Schlappe von Stanford gegen UC-Irvine überzeugte auf Seiten der Cardinal nur ein Mann: Stanfords Dan Grunfeld, der sich noch im Februar einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, brachte es in seiner ersten Partie nach der langwierigen Verletzungspause auf erstaunliche 29 Punkte und neun Rebounds. Leider konnte der Rest des Teams nicht mit ähnlich starken Leistungen aufwarten, so dass Stanford wohl ebenfalls auf dem Weg aus den Top 25 sein dürfte.

Freshman Richard Hendrix, der in den ersten beiden Spielen der Alabama Crimson Tide auf insgesamt drei Punkte und zehn Rebounds kam, erzielte im Spiel gegen den Lokalrivalen Alabama State ganze 22 Zähler und griff sich 15 Abpraller. Für diese Glanzleistung benötigte der kräftige Forward nur gute 25 Minuten Spielzeit.

Beim 82:74-Erfolg der Nevada Wolf Pack über den schwachen Gegner Sacramento State konnte Nick Fazekas 28 Punkte und 14 Rebounds erzielen. Wenn der Rest des Teams jedoch weiterhin so schwach agiert, wird man sich an derartige Zahlen von Fazekas gewöhnen müssen - und wohl auch an den ausbleibenden Erfolg.

Point Guard Rajon Rondo aber war der Star der ersten Wochen. Der Sophomore der University of Kentucky spielt die meisten Minuten in seinem Team, hat bisher die meisten Punkte, Assists, Steals und ? besonders ungewöhnlich für einen 1,85m-Mann ? Rebounds. Bei der bisher einzigen Niederlage der Wildcats gegen Iowa sicherte sich der ?Basketballzwerg? sage und schreibe 19 (!) Rebounds.

Die Deutschen

Zu guter letzt wollen wir einen kurzen Blick auf die deutschen Spieler in der NCAA werfen. Johannes Herber wird in seinem Senior-Jahr bei West Virginia immer mehr zum absoluten Leistungsträger. Bei der Ein-Punkt-Niederlage gegen den Topfavoriten Texas beim Guardians Classic in Kansas City war Mike Gansey zwar der Topscorer der Mountaineers, doch in der Crunch Time sorgte Herber mit drei spektakulären Aktionen in der Offense dafür, dass sein Team im Spiel blieb. Letztlich waren die Texas Longhorns um Daniel Gibson und LaMarcus Aldridge, die auch das Finale gegen Iowa gewannen, ein kleines bisschen glücklicher. Herbers Statistiken sind fast dieselben wie im Vorjahr (8,5 PPG, 4,3 RPG), bei den Assists hat der Darmstädter seine Werte jedoch mehr als verdoppelt und legt jetzt im Schnitt 7,5 mal pro Spiel auf ? ein Zeichen dafür, dass der 1,98m-Guard mehr in die Rolle des Spielgestalters hineinwächst.

Christopher McNaughton hingegen hat auch ähnliche Statistiken wie im Vorjahr, scheint aber bisher zumindest aggressiver unter dem Korb zuzupacken. War bisher die Reboundschwäche der häufigste Kritikpunkt am Spiel des 2,11m-Hünen, so schnappt sich McNaughton in dieser Saison bisher immerhin sieben Abpraller pro Partie. Zudem markiert der Junior im Schnitt über 14 Zähler.

Bei den Buffalo Bulls spielen sogar drei Deutsche, jedoch nur Center Yassin Idbihi hat eine tragende Rolle inne. Der gebürtige Marokkaner läuft seiner Vorjahresform bisher aber noch hinterher. Durch Foulprobleme konnte Idbihi bisher nur 22 Minuten im Schnitt auf dem Platz stehen. Die nutzt er zwar immerhin zu elf Punkten und sieben Rebounds; allerdings lässt seine Effizienz mit einer für einen Center unterirdischen Wurfquote von 39 Prozent zu wünschen übrig. Seine ehemaligen Rhöndorfer Teamkollegen Christian Schmidt und Vadim Fedotov kommen in Buffalo noch nicht gut zum Zuge und legen bisher je drei Punkte und drei Rebounds auf.

Senior Hendrik Feist hat sich zum absoluten Leistungsträger eines zugegebenermaßen eher schwachen Stony-Brook-Teams gemausert. Der Guard bringt es bisher auf 7,5 PPG, 4,5 RPG und 3,5 APG und ist damit in jeder Kategorie zweitbester seines Teams. Der Heidelberger Julius van de Laar (Furman) konnte bisher außer vier Rebounds im Schnitt nicht viel zum Spiel seines Teams beisteuern. Auch der 2,16m-Hüne Kirsten Zoellner (Albany) steht bisher neben sich. Der Hannoveraner kommt nicht richtig ins Spiel und liefert mit drei Punkten und vier Rebounds pro Partie bei 28% aus dem Feld stark verbesserungsfähige Werte.

Freshman Cem Dinc (Indiana, ehemals Münster) sowie Junior Lorenz Manthey (Pennsylvania, Hamburg) durften in den ersten Spielen ihrer Teams nicht aufs Parkett. Erst im Kantersieg gegen Florida A&M (100:63) durfte Dinc für vier Minuten zeigen, was er drauf hat: Zwei Punkte, je ein Rebound, Assist und Block bei zwei Fouls zeigen, dass der Türke die limitierten Minuten genutzt hat. Der Berliner Senior-Forward Klaus Schille (UC-Riverside) ist zur Zeit nach einer Operation (Knochenabsplitterung) außer Gefecht gesetzt.

Große Enttäuschung bei Jermain Raffington: Der Forward von der TSG Ehingen wurde von der Anrechnungsstelle der NCAA aus akademischen Gründen nicht als Student-Athlete an der University of Northern Iowa zugelassen und muss nun für zwei Jahre am Southeastern Community College in West Burlington, Iowa, studieren und spielen. Erst danach (also zur Saison 2007/08) besteht für den 20jährigen eine Chance, bei einem Team in der NCAA Division 1 unterzukommen, wenn seine akademischen Leistungen bis dahin auf dem gewünschten Niveau sein sollten.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:51:35


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