NCAA-Rückblick

Zwischenzeugnis

Wer hat in der ersten Saisonhälfte überrascht, wer hat enttäuscht? Im zweiten NCAA-Rückblick beantworten wir diese Frage und analysieren die Lage in den sechs ?Power Conferences?.

Von Björn Lehmkühler
 11.01.2009 |

Atlantic Coast Conference (ACC)

Favoriten: North Carolina (14-1) ist und bleibt trotz des unerwarteten Ausrutschers gegen Boston College das Maß aller Dinge. Zwar ist das Optimalziel einer perfekten Bilanz dahin und jeder weiß nun, dass UNC schlagbar ist; dennoch sollte die Tatsache, dass keiner der 14 Siege mit weniger als 15 Punkten Vorsprung errungen wurde, nicht vergessen werden. So ist einmal mehr ein spannendes Titelduell mit Erzfeind Duke (14-1) zu erwarten, die unter anderem Michigan State, Xavier und Davidson bezwingen konnten.

Überraschungen: Bisher ungeschlagen sind hingegen die Überraschungsmannschaften von Wake Forest (13-0) und Clemson (16-0). Beide Teams werden jedoch gegen die starke ACC-Konkurrenz beweisen müssen, dass der überzeugende Saisonstart nicht nur auf den einfachen Spielplan zurückzuführen ist. Wake Forest hat aber bereits heute Nacht gegen UNC die Chance, sämtliche Zweifel zu beseitigen.

Enttäuschungen: Vor der Saison als Nummer drei in der ACC gehandelt, zogen die Miami Hurricanes (12-3) bereits gegen Connecticut, Ohio State und Clemson den Kürzeren. Noch schlechter stehen die Virginia Tech Hokies da, die in fünfzehn Partien bereits fünfmal verloren haben.

Big 12 Conference

Favoriten: Zwar mussten die Oklahoma Sooners gegen Arkansas die erste Saisonniederlage hinnehmen; dennoch haben Blake Griffin und Co. beste Aussichten auf den Big-12-Titel. Als größter Konkurrent ist trotz dreier Niederlagen gegen Notre Dame, Michigan State und Arkansas weiterhin der Erzrivale aus Texas (12-3) einzuschätzen.

Überraschungen: Texas A&M (14-2) und Baylor (13-2) können beide auf einen guten Saisonbeginn zurück blicken. Während die Aggies LSU und Alabama bezwangen, überzeugten die Bears mit Erfolgen gegen Arziona State und Washington State.

Enttäuschungen: Katerstimmung im Bundesstaat Kansas: Sowohl NCAA-Champion Kansas (11-4) als auch Kansas State (11-4) sind nach zahlreichen Abgängen im Sommer nur noch Mittelmaß. Nach dem Titelgewinn im letzten Jahr werden die Jayhawks nun um die Tournament-Teilnahme kämpfen müssen ? und die Wildcats trauern um Michael Beasley.

Big East Conference

Favoriten: Hier sind zuallererst Pittsburgh (14-0) und Connecticut (14-1) zu nennen, zwei Teams mit Final-Four-Potential. Gut möglich, dass diese beiden Mannschaften am letzten Spieltag (7. März) den Regular-Season-Titel unter sich ausmachen. Nicht zu unterschätzen: Die Notre Dame Fighting Irish (12-3).

Überraschungen: Spätestens mit dem Sieg gegen Connecticut hat Georgetown (11-3) auf sich aufmerksam gemacht. Angeführt von Freshman Greg Monroe werden die Hoyas für jedes Top-Team ein unangenehmer Gegner sein. Dies gilt auch für die Syracuse Orange (16-1), wie Florida, Kansas und Memphis bestätigen können.

Enttäuschungen: Als Final-Four-Team gehandelt, blieb Louisville (11-3) anfangs deutlich hinter den Erwartungen zurück. Wer gegen Western Kentucky, Minnesota und UNLV verliert, wird schwerlich North Carolina gefährden können ? oder auch nur Pitt und UConn.

Big Ten Conference

Favoriten: Andere Teams beherrschen die Schlagzeilen, doch vorerst bleibt Michigan State (10-2) der Topfavorit. Drei Siege in drei Big-Ten-Spielen unterstreichen den Status von Tom Izzos Team. Die Niederlagen gegen Maryland und North Carolina sind so gut wie vergessen.

Überraschungen: Minnesota (14-1) besiegt Louisville, Illinois (14-2) schlägt Purdue, Ohio State (11-3) ist gegen Miami (Fl), Notre Dame und Butler erfolgreich und Michigan (12-3) macht mit Siegen gegen UCLA und Duke auf sich aufmerksam - die Big Ten war bisher die Liga der Überraschungen.

Enttäuschungen: Wenn die zehn besten Scorer eines Teams abwandern und durch mittelmäßige Freshmen und Walk-ons ersetzt werden, ist nicht viel zu erwarten. Dennoch treibt der Zustand der einst so stolzen Indiana Hoosiers (5-10) jedem Anhänger die Tränen in die Augen: Zittersiege gegen IUPUI und Chaminade, Blowouts gegen Saint Joseph?s, Kentucky und Northeastern, eine Niederlage gegen Lipscomb und ein 0-3-Start in der Big Ten. Danke, Kelvin Sampson!

Pacific-10-Conference

Favoriten: Auch ohne Russell Westbrook und Kevin Love ist UCLA (12-2) nach wie vor das Team, welches es zu schlagen gilt. Besonders der Backcourt um Darren Collison und Freshman Jrue Holiday ist an guten Tagen nicht zu stoppen. Dies könnte am ehesten den Arizona State Sun Devils (14-2) gelingen, die mit James Harden über den vielleicht besten Shooting Guard der gesamten NCAA verfügen.

Überraschungen: Neun Siege in Folge, darunter Erfolge in Utah, Washington State und Washington sowie zuhause gegen Nevada, Arizona und Arizona State ? das ist die starke Bilanz der California Golden Bears (15-2). Die Jungs aus Berkeley sind auf Tournament-Kurs.

Enttäuschungen: Nach Niederlagen gegen Seton Hall, Missouri, Oklahoma und Oregon State befinden sich die hoch gehandelten USC Trojans (10-4) erst einmal auf dem Boden der Tatsachen. Grund zur Hoffnung, dass sich dieser Trend nicht fortsetzt, geben die zuletzt immer wieder sichtbaren Lichtblicke von Star-Freshman Demar DeRozan.

Southeastern Conference (SEC)

Favoriten: Die SEC platzt nicht gerade vor Top-Teams, weshalb die Tennessee Volunteers (10-4) trotz zweier Niederlagen gegen Gonzaga und Pleiten in Kansas und Temple vorerst auf dem Thron bleiben. Diese Vorschusslorbeeren, die auch auf überzeugenden Siegen gegen Georgetown und Marquette beruhen, werden Tyler Smith und Co. nun jedoch gegen die SEC-Konkurrenz rechtfertigen müssen.

Überraschungen: Mit Siegen gegen die zuvor ungeschlagenen Oklahoma Sooners und deren Big-12-Rivalen Texas konnte Arkansas (12-2) auf sich aufmerksam machen. Trotz der Niederlage gegen Mississippi State sind die Razorbacks nun durchaus als Favorit auf den Spitzenplatz in der schwachen ?SEC West? anzusehen.

Enttäuschungen: Besagten Spitzenplatz hatten einige Experten auch Alabama (10-4) zugetraut. Niederlagen gegen Mercer, Oregon und Texas A&M sprechen jedoch eine andere Sprache, und Rückkehrer Ron Steele scheint nicht in der Lage zu sein, den Trend umzukehren.

Die besten ?Mid-Majors?

Die Gonzaga Bulldogs (10-4) hätten sich den Jahresausklang schöner vorstellen können: Dreimal in Folge mussten sich die ?Zags? geschlagen geben. In der West Coast Conference muss nun erst einmal Saint Mary?s (14-1) kontrolliert werden, was angesichts dieser Leistungen schwerer werden könnte als erwartet.

Auch die Memphis Tigers (12-3) konnten bisher nur bedingt überzeugen und sind nicht mehr mit dem Vizemeister des letzten Jahres zu vergleichen. Zwar sollte die Meisterschaft in der Conference USA auch so ein lösbares Unterfangen sein, doch um im März eine Rolle zu spielen, wird John Calipari noch einiges an Arbeit verrichten müssen.

Nicht unterschätzen sollte man unterdessen BYU (13-2) und UNLV (13-3), die beiden Top-Teams der Mountain West Conference, sowie die Spitzenreiter der Atlantic-10, Dayton (14-2) und Xavier (12-2). Besonders Xavier konnte mit Siegen gegen Virginia Tech und Memphis bereits auf sich aufmerksam machen.

Weitere namhafte ?Kleine? sind Butler (14-1) und Davidson (11-3). Die Bulldogs konnten immerhin Xavier und UAB besiegen und sind in der Horizon League konkurrenzlos. Auch Davidson spielt in der Southern Conference in einer anderen Liga, und mit einem Stephen Curry in der Mannschaft, ist im NCAA-Tournament alles möglich.

Staiger Watch

Die deutsche NCAA-Hoffnung ist in der NCAA angekommen. Das zeigt einerseits die Auszeichnung zum ?Big 12 Rookie of the Week? vom 16. Dezember, andererseits seine 11,5 Punkte pro Spiel in den letzten zehn Partien. So ist Staiger neben Cyclones-Star Craig Brackins regelmäßig die zweite oder dritte Offensiv-Option.

Interessant ist Staigers Rolle im Team, welche der eines reinen Schützen zu entsprechen scheint: Nach 16 absolvierten Partien stehen demnach 39 verwandelten Dreipunktewürfen (bei 92 Versuchen) nur neun ?Zweier? und fünf Freiwürfe gegenüber.

Gerade im ersten Top-Spiel des Jahres gegen Texas hat der 1,96 Meter große Guard jedoch bewiesen, dass er nicht nur scoren (15 Pkt), sondern auch den Ball verteilen (5 Ast) kann. Trotz dieser guten Leistung ging das Spiel jedoch mit 67:75 verloren. Für Iowa State stehen nun insgesamt elf Siege und fünf Niederlagen zu Buche.




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von leodergammler 11.01.09 um 19:11:00


Kann mir einer vielleicht mal das Spielsysem in der NCAA erklären??? Ich kapier das nicht wirklich...



von B-Jay 11.01.09 um 19:22:10


Also...

Sämtliche Teams spielen zunächst einen "non-conference schedule", also rund ein Dutzend Spiele gegen Teams aus anderen Conferences. Anfang Januar beginnen dann die "conference games", also jene Spiele gegen direkte Conference-Konkurrenten.

Am Ende der regulären Saison gibt es dann (außer in der Ivy League) überall "conference tournaments", also Playoffs, für deren Qulifikation und Setznummer ausschließlich die Bilanz der "conference games" zählt. Hier werden die Conference-Meister ausgespielt.

Diese Conference-Champs sind alle für das NCAA-Turnier am Ende des Jahres gesetzt. Die restlichen Plätze werden am sog. "Selcetion Sunday" von einer Experten-Kommission bestimmt, die ihre Entscheidung auf Basis vieler verschiedener Gründe treffen. Hier werden auch die Siege und Niederlagen aus den "non-conference games" wichtig. Am Ende steht ein Feld von 65 Teams, welches im do-or-die-Modus den NCAA-Meister ausspielt.

Reicht das erst einmal, oder gibt es noch konkrete Fragen? ;-)



von *Oscar* 11.01.09 um 19:56:00


Wenn einer Ahnung davon hat, könnte er ja mal einen Artikel darüber schreiben.



von Hegel 12.01.09 um 06:56:38


Der Modus von denen ist echt so ziemlich das sclimmste, was sich sporttechnisch jemand ausdenken kann, ein Artikel darüber wäre echt mal hilfreich. So kann ich mit den Informationen hier relativ wenig anfange...



von Cabalios 16.01.09 um 00:34:04


ich würde mich auch über einen kritischen artikel über das ncaa spielsystem freuen



von Morizza#12 29.01.09 um 21:25:00


Nice Read!
Tennesse hats jetzt aber in der SEC echt schwer. Nix mit Thron. Siehe Niederlage gegen Kentucky, Jodie Meeks mit 54 punkten. Krasser Spieler der Typ



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