NCAA Rückblick
Verrückter Dezember
Die College-Basketball-Saison hat richtig Fahrt aufgenommen. Bewiesen hat das die erste Hälfte des neuen Monats: geschlagene Favoriten, Buzzerbeater, brillante Individualleistungen und kochende Emotionen. Crossover blickt für euch auf zwei wahnsinnig unterhaltsamen Dezember-Wochen zurück.
Von Johannes Goedeking |
17.12.2011 | |
Die Top Teams
Brisant war das Aufeinandertreffen zwischen Xavier und Cincinnati schon vor der Partie: Cincy-Guard Yancy Gates hatte aufgeheizt, indem er angemerkt hatte, Xaviers Topscorer Tu Holloway würde bei den Bearcats nicht einmal starten. Den Gegenbeweis lieferte Holloway auf dem Platz, als er beim deutlichen 73:56-Sieg der Musketeers 17 Punkte und sechs Assists beisteuerte. Einigen seiner Gegner gefiel das gar nicht, sodass neun Sekunden vor Ende eines schon längst entschiedenen Spiels nach kurzem Wortaustausch plötzlich erst Schubser, dann Schläge verteilt wurden. Gates war mittendrin und forderte jeden in weiß gekleideten Spieler mit erhobenen Fäusten heraus, nachdem er schon Xaviers Kenny Frease per Haken auf den Boden befördert hatte.
Center Cheikh Mbodj hielt es dann für angebracht, dem am Boden liegenden Frease ins Gesicht zu stampfen. Gates, Mbodj und Octavius Ellis, der für keine einzige Sekunde des Spiels auf dem Feld gestanden hatte, aber bei der Prügelei nicht aufhören wollte, wurden im Nachhinein von ihrer Universität für sechs Spiele, Teamkollege Ge’Lawn Guyn für ein Spiel gesperrt. Xavier sperrte seinerseits zwei Spieler für vier Partien und den nicht ganz unschuldigen Holloway für ein Spiel.
Ein weiteres Spitzenspiel konnte allerdings auf allen Ebenen überzeugen: Kentucky und North Carolina trafen sich in Lexington für das Topspiel der ersten Dezember-Woche. Die beiden mit hochkarätigen Talenten bestückten Mannschaften lieferten sich ein eng umkämpftes Duell, das ein der Partie würdiges, dramatisches Ende fand. In den letzten Sekunden ging North Carolinas John Henson zum Sprungwurf hoch, wurde aber vom sprunggewaltigen Forward Anthony Davis geblockt. Dieser Block entschied das Spiel und sorgte für die zweite Niederlage der Tar Heels.
Doch auch die Kentucky Wildcats sollten nicht lange ungeschlagen bleiben. Schon in der nächsten Woche verlor das Team von Coach John Calipari bei den Indiana Hoosiers. In einem hoch spannenden und unterhaltsamen Spiel entschieden die Hoosiers die Partie erst mit der Sirene für sich. Nachdem Kentucky nur einen von drei Freiwürfen in den letzten 20 Sekunden verwandeln konnte, bekamen die Gastgeber eine letzte Chance: nach Einwurf an der eigenen Seitenlinie erhielt Junior-Forward Christian Watford den Ball an der Dreierlinie direkt vor seiner eigenen Bank und netzte mit der Sirene ein. Die Assembly Hall in Bloomington explodierte und sofort bevölkerten hunderte Studenten den Court.
Während der Sieg gegen den Erzrivalen aus Lexington für die leidgeprüften Hoosiers als Comeback in der NCAA-Elite in die Geschichtsbücher eingehen könnte, schermerzt das Resultat für die Wildcats besonders. Nicht nur verloren sie dadurch ihren Spitzenplatz in den Rankings; sie waren zum Zeitpunkt von Watfords famosem Game-Winner sogar noch ein Foul unter dem Limit gewesen und hätten das Spiel unterbrechen können, ohne den Gegner an die Linie zu schicken. Das alles erlebte Kentuckys Star-Forward Terrence Jones übrigens nur von der Bank aus, nachdem er ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte.
Während die anderen Favoriten schwächelten, bewiesen die Syracuse Orange weiter ihre Stärke und stehen nun ganz oben auf der Rangliste der besten College-Mannschaften. „Es ist eine Ehre, aber wir könnten beim nächsten Spiel schon wieder runter fallen“, mahnt Syracuse-Cheftrainer Jim Boeheim. „Also müssen wir aufpassen, weil es so viele gute Teams gibt.“
Tatsächlich bleiben die Ohio State Buckeyes, die noch auf die Rückkehr des mit Rückenproblemen geplagten Stars Jared Sullinger warten, und die weiterhin ungeschlagenen Baylor Bears und Louisville Cardinals den Orange dicht auf den Fersen. Alle drei treffen in nächster Zeit auf eher schwächere Teams. Weiterhin zum engen Favoritenkreis zählen zudem die Duke Blue Devils, die nach der bitteren Niederlage gegen Ohio State die letzten beiden Partien gewannen.
Die Top-Talente
Nicht nur dank seines spielentscheidenden Blocks gegen North Carolina konnte Anthony Davis weiterhin überzeugen. Der 2,08 Meter große Forward führt die SEC in Blocks an und holt die zweitmeisten Rebounds der Conference. Damit beweist er, dass er zu Recht ganz oben im Crossover-Mockdraft steht.
Endlich ohne Maske und schon viel überzeugender spielt Center Andre Drummond für Connecticut. Gegen Harvard macht der Freshman 12 Punkte und verfehlt dabei nur einen einzigen Wurf aus dem Feld. Teamkollege Jeremy Lamb beeindruckt weiterhin, indem er seine grandiosen Scoring-Fähigkeiten mit 20 Punkten pro Spiel unterstreicht.
Baylor Bear Quincy Miller musste in den letzten Spielen wegen der Rückkehr des ebenfalls hoch gehandelten Forwards Perry Jones eine Nebenrolle einnehmen, nachdem er vorher als Topscorer seiner Mannschaft glänzte. Jones, der wegen Verstöße gegen NCAA-Regeln die ersten fünf Spiele hatte aussetzen müssen, zeichnet sich seit seiner Rückkehr mit 15,7 Zählern und 7,2 Rebounds pro Partie aus.
Auf eine andere Rückkehr konnten sich nach der ersten Niederlage ihrer Saison die Buckeyes von Ohio State freuen, die Forward Jared Sullinger nach einer Verletzung zurück in der Aufstellung begrüßen. Der Sophomore führt mit 10,3 Rebounds pro Spiel die Big Ten an, ist drittbester Scorer der Conference und wirft dabei auch noch hochprozentig aus dem Feld und von der Linie und bestätigt somit ebenso seine hohe Platzierung im Crossover-Mockdraft.
Besonders in den Vordergrund hat sich Indianas Cody Zeller gespielt. Zwar gelang es ihm im Spitzenspiel gegen Kentucky selten, den Ball im Low Post zu erhalten. Dank seiner guten Technik und Beweglichkeit sowie seiner hohen Aggressivität legt der Forward bisher jedoch beeindruckende 15 Punkte und 7,4 Rebounds pro Spiel auf, was ihn zu einem der produktivsten Freshmen der NCAA macht.
Seinen Erwartungen entsprechend spielt bisher Harrison Barnes aus North Carolina. Der Sophomore trifft 51,7 Prozent seiner Dreier und schafft es auch noch 5,3-mal pro Partie an die Linie – eine Aggressivität, die er in der letzten Saison oft vermissen ließ.
Die Deutschen
Der Mainzer Patrick Heckmann hat sich scheinbar endlich am Boston College eingelebt. Einem starken Saisonbeginn folgte eine schwache Woche, in der er in drei Spielen nie mehr als sechs Punkte erzielen konnte. Zuletzt zeigte er allerdings mit 18 Punkten in 22 Minuten ohne einen einzigen Fehlwurf aus dem Feld, dass sein grandioser Start ins Freshman-Jahr kein Zufall war.
Elias Harris kommt bisher nicht an das heran, was einige von ihm erhofft haben. Nach einem durchwachsenen zweiten Jahr wollte der Forward in Gonzaga wieder angreifen, scheint aber auf seinem – natürlich sehr hohen – Niveau zu stagnieren. Den Abgang von Steven Gray und Matt Bouldin kompensiert derzeit vor allem Freshman Kevin Pangos, der zusammen mit Center Robert Sacre der einzige Bulldog ist, der mehr Punkte als Harris macht. Bei aller Kritik bleibt Harris jedoch zweifellos ein zentraler Punkt im Spiel von Coach Mark Few, verdient sich die zweitmeisten Minuten aller Spieler und greift sich die meisten Rebounds.
Über derart viel Spielzeit kann sich Teamkamerad Mathis Mönninghoff derzeit nicht freuen. Der Sophomore spielt gerade einmal sechs Minuten pro Partie, wobei er in den letzten drei Partien zusammen lediglich drei Minuten auf dem Parkett stand.
In allen Spielen seiner Mannschaft durfte Martin Breunig für Washington sein Talent zeigen. Zwar stand der Leverkusener Forward nur 8,4 Minuten pro Spiel auf dem Feld, kann sich aber trotzdem über das in ihn gesteckte Vertrauen freuen.
Das würde Niels Giffey in Connecticut zum Beispiel sehr gerne bekommen. Nach einem starken NCAA-Turnier in der letzten Saison sitzt der ehemalige Berliner nun häufig auf der Bank; zuletzt spielte Giffey sogar nur für fünf Minuten gegen Harvard.



von Crossover 30.05.2012 um 12:50:14
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