NCAA-Rückblick
Tourneys, Tip-Offs und Psycho T
Souveräne Turniersiege, überraschende Ergebnisse und individuelle Top-Leistungen ? im ersten College-Rückblick verraten wir euch, wer bei den Auftaktturnieren auftrumpfen konnte und wie es Lucca Staiger und Benjamin Fumey bisher ergangen ist.
Von Björn Lehmkühler |
02.12.2008 | |
Traditionell beginnt die NCAA-Saison mit einer Reihe von Turnieren, die Beinamen wie ?Tip-Off?, ?Classic? oder ?Invitational? tragen. Dabei müssen einige der topgesetzten Teams ? entweder gegen andere Titelkandidaten oder aber gegen völlige Außenseiter ? nicht selten bereits ihre ersten Niederlagen hinnehmen. Hier ein kurzer Überblick, wer die Titel abräumen konnte und wer bereits im November versagte.
NIT Season Tip-Off
Während das National Invitational Tournament (NIT) im März neben dem NCAA-Tournament kaum Beachtung findet, ist das Tip-Off-Turnier eines der größten ?Tourneys? im November. Besondere Aufmerksamkeit verdiente es sich dieses Jahr durch die Teilnahme der Top-25-Teams Oklahoma und Davidson, deren Stars Blake Griffin und Stephen Curry sich mit Wahnsinnsstatistiken gegenseitig überboten (siehe unten). Beim direkten Vergleich im Viertelfinale behielten Griffins Sooners mit 82:78 die Oberhand.
Neben Oklahoma (Big 12) qualifizierten sich auch das Boston College (ACC) sowie Purdue (Big Ten) und die UAB (C-USA) für das Halbfinale. Letztere konnten sich überraschend mit 72:71 gegen die Arizona Wildcats durchsetzen. Dort war jedoch Schluss für die Mannschaft aus Birmingham, Alabama (67:77 gegen Oklahoma), ebenso wie für die Boston College Eagles, die gegen Purdue unsanft zur Landung kamen (64:71).
Im Finale standen sich mit Oklahoma und Purdue also die Nummern sechzehn und elf des Crossover-Preseason-Rankings gegenüber. Zwar traf Griffin aus dem Feld nicht so hochprozentig wie gewohnt und verpasste die Chance, in der regulären Spielzeit den Sieg zu besiegeln; seine 21 Rebounds und die aggressive Spielweise der Oklahoma Sooners (Freiwurfverhältnis von 46:5) ermöglichte letztendlich aber dennoch einen 87:82-Erfolg gegen die Boilermakers und den Turniersieg.
Maui Invitational
Einmal im Jahr stehen auf Hawaii nicht die Surfer, sondern die College-Korbjäger im Mittelpunkt. Das galt dieses Jahr besonders für die North Carolina Tar Heels, die als absoluter Top-Favorit angetreten waren. Nach einem lockeren 115:70-Auftaktsieg gegen Gastgeber Chaminade durfte im Halbfinale (98:69 gegen Oregon) dann auch der verletzte Star-Forward Tyler Hansbrough wieder ins Spielgeschehen eingreifen ? 16 Punkte standen am Ende für ?Psycho T? zu Buche.
Das zweite Halbfinale bestritten wie erwartet zwei Top-Ten-Teams: Die Notre Dame Fighting Irish und die Texas Longhorns. Während Longhorns-Guard A.J. Abrams gewissenlos von außen draufhielt (5-17 3P), erzielte Irish-Forward Luke Harangody heimlich, still und leise 29 Punkte und 13 Rebounds. Am Ende einer spannenden Schlussphase siegten die treffsichereren Irish mit 81:80.
Im Finale gab es jedoch für Notre Dame nichts zu holen. Obwohl Scharfschütze Kyle McAlarney zehn Dreier verwandelte, ließen die überragenden Tyler Hansbrough (34 Pkt, 5 Reb), Tywon Lawson (22 Pkt, 6 Reb, 11 Ast) und Deon Thompson (19 Pkt, 13 Reb) keinen Zweifel daran, dass die North Carolina Tar Heels den Titel davon tragen würde. Auch ohne die verletzten Tyler Zeller (Handgelenksbruch im zweiten Saisonspiel gegen Kentucky) und Marcus Ginyard sind die Tar Heels weiterhin das ?team to beat?.
CBE Classic
In Kansas City waren mit Kansas (Big-12), Florida (SEC), Washington (Pac-10) und Syracuse (Big East) gleich vier interessante Mannschaften aus unterschiedlichen Conferences am Start. Während der Lokalmatador im Halbfinale keinerlei Probleme hatte, gelang Syracuse mit einem 89:83 über Florida die erste kleine Überraschung.
Dass dies jedoch keine Eintagsfliege war, bewiesen die Orange im Endspiel. Trotz einer blauen Wand von Jayhawks-Anhängern zeigten die Mannen von Jim Boeheim keine Nerven und siegten mit 89:81 nach Verlängerung. Besonders der pfeilschnelle Johnny Flynn (25 Pkt, 5 Ast), die Flügelspieler Eric Devendorf (20) und Paul Harris (14 Pkt, 14 Reb, 5 Ast) sowie Center-Hüne Arinze Onuaku (19 Pkt, 12 Reb, 4 Blk) wussten auf Seiten der Syracuse Orange zu überzeugen.
Old Spice Classic
Nicht minder stark war das Old Spice Classic in Orlando besetzt: In Disney World gingen mit Gonzaga, Michigan State, Tennessee und Georgetown gleich vier Top-25-Teams an den Start. Dabei mussten zuerst die Michigan State Spartans Federn lassen, als sie bereits im Viertelfinale mit 62:80 gegen Maryland ausschieden. Bei den Terrapins wehrte die Freude derweil nur kurz. Im Halbfinale setzte es gegen Gonzaga eine 59:81-Klatsche.
Den Finalgegner der Bulldogs spielten erwartungsgemäß Tennessee und Georgetown aus, wobei sich die enorm treffsicheren Volunteers mit 90:78 durchsetzen konnten. Im Finale zeigte sich Tennessee vor allem unter den Brettern bärenstark (46:23), doch die Gonzaga Bulldogs glichen diesen Nachteil durch eine hohe Treffsicherheit (51,9 FG%, 55,0% 3FG) aus und trugen den verdienten Turniersieg davon.
2k Sports Classic
Das 2k Sports Classic konnte mit UCLA und Duke gleich zwei Top-Teams aufweisen, und alle erwarteten ein Finale der Giganten. Dieses verhinderten jedoch die Michigan Wolverines durch einen 55:52-Halbfinal-Triumph über die an vier gesetzten Bruins, der von vielen Ballverlusten und Fehlwürfen der Kalifornier begünstigt wurde. Im Finale machten es die Duke Blue Devils besser und sicherten sich mit einem 71:56 den Turnier-Titel.
Puerto Rico Tip-Off
Auch auf der Karibikinsel traten mit Memphis und USC zwei ?gerankte? Teams an; in diesem Fall konnte jedoch keines der beiden den Titel davontragen. Während USC gleich zweimal patzte und Seton Hall (61:63) sowie Missouri (72:83) unterlagen, musste sich Memphis im Finale überraschend den Xavier Musketeers geschlagen geben. Dabei zeigte sich auch, dass die beiden Star-Freshmen Demar DeRozan (USC) und Tyreke Evans (Memphis) noch Eingewöhnungszeit brauchen. Das lässt sich jedoch nicht über den Sieger aus Philadelphia sagen: Xavier präsentierte sich bei den Erfolgen gegen Missouri, Virginia Tech und eben Memphis in starker Frühform und dürfte nicht nur in der Atlantic-10-Conference für Aufsehen sorgen.
76 Classic
Für die Überraschung des 76 Classic sorgten die Baylor Bears durch einen 87:78-Halbfinalsieg über Arizona State um den überragenden James Harden (32 Pkt, 9 Reb, 4/6 3FG). Im Finale gab es allerdings gegen die Wake Forest Demon Deacons, bei denen gleich drei Spieler ?Double-Doubles? verbuchten, nichts zu holen (74:87). Im Spiel um Platz drei führte Harden seine Sun Devils mit 40 Punkten (6/7 3FG), acht Rebounds und vier Assists zum Erfolg.
Legends Classic
Beim Legends Classic gab es auf dem Papier einen klaren Favoriten, der am Ende auch den Sieg erringen konnte: Dank gewohnt knallharter Defense besiegten die Pittsburgh Panters im Endspiel die Washington State Cougars mit 57:43. Zuvor hatten Turnier-MVP Sam Young und Co. bereits die bis dahin ungeschlagenen Texas Tech Red Raiders mit 80:67 ausgeschaltet.
Griffin und Curry überragen
24, 20, 25, 35, 32 und 18 ? keine schlechten Punktausbeuten für einen Freshman, vor allem wenn sie mit fast 70 Prozent Feldwurfquote erzielt wurden. Noch wahnsinniger sind jedoch die dazugehörigen Reboundzahlen: 18, 19, 21, 21, 15, 21. Wenn Blake Griffin (Oklahoma) dieses Tempo auch nur ansatzweise durchhalten kann, dürfte ein zweiter Platz im Draft 2009 das absolute Minimum sein.
Beinahe gewöhnt hat man sich an die Dominanz von Stephen Curry (Davidson) und dennoch: 31,2 PpG in den ersten fünf Spielen sprechen für sich. Doch Curry versucht gleichzeitig, nicht nur als offensive One-Man-Show und Wurfwunder auf sich aufmerksam zu machen. Sieben Assists verbucht er bisher im Schnitt, dazu 2,8 Rebounds und drei Steals. Besonders kurios war Currys letzter Auftritt: Da Loyola sich defensiv nur auf ihn konzentrierte, verschaffte er seinen Kollegen den nötigen Freiraum und hielt sich selbst zurück. Das Ergebnis: Null Punkte für Curry und ein höchst ungewöhnlicher 78:48-Blowout.
Blick auf die Deutschen
Mit hohen Erwartungen war Lucca Staiger in die Saison gestartet, doch bisher läuft es im Trikot der Iowa State Cyclone eher durchwachsen: Einem guten Spiel gegen die zweitklassigen Milwaukee Panthers (12 Pkt, 5 Reb, 4 Ast, 4/5 FG) und einer ordentlichen Partie auf Hawaii (6 Pkt, 2/5 FG) stehen drei schwache Leistungen (5 Pkt, 2/12 FG) gegenüber. Es ist abzuwarten, ob es sich nach einem Jahr Zwangpause tatsächlich nur um Startschwierigkeiten handelt.
Erfolgreicher verliefen hingegen die ersten Spiele des Bremers Benjamin Fumey. Zwar haben seine Valparaiso Crusaiders trotz vergleichsweise schwacher Gegner nur zwei von fünf Spielen gewinnen können, doch der 2,03-Meter-Mann überzeugte mit 9,0 Punkten und 3,8 Rebounds pro Spiel. Gegen LaSalle gelangen Fumey zuletzt sogar 17 Zähler und sieben ?Boards?.



von Crossover 30.05.2012 um 12:50:10
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