NCAA Rückblick
Erste Eindrücke
Die College-Saison ist erst wenige Spiele alt, dennoch kann man bereits erste Schlüsse ziehen. Crossover analysiert das bisherige Auftreten der Favoriten-Teams und die Leistungen der Top-Talente. Natürlich könnt ihr hier auch nachlesen, wie sich bisher Elias Harris, Patrick Heckmann und Co machen.
Von Florian Lindemann |
01.12.2011 | |

Die Top-Teams
War vor Saisonbeginn noch North Carolina die Nummer eins im College-Basketball, musste das Team von Roy Williams nach der überraschenden Niederlage gegen UNLV ein wenig zurückstecken. Ein weiterer Wehrmutstropfen ist, dass Harrison Barnes in diesem Spiel umknickte. Es scheint aber keine ernsthafte Verletzung zu sein, denn im Spiel gegen Wisconsin, die zuvor noch keine Partie verloren hatten, war er mit 20 Punkten der Matchwinner für Carolina. Er ist bisher mit 17,3 Punkten Topscorer des Teams. Der Anführer scheint aber Point Guard Kendall Marshall zu sein, der 10,8 Korbvorlagen pro Partie austeilt. Auch John Henson überzeugt bisher mit 15,8 Punkten, 9,8 Rebounds sowie drei Blocks pro Spiel.
Bislang ohne Niederlagen kam das Top-Team aus Kentucky durch die Saison. Am 3. Dezember kommt es für Kentucky aber auch zur ersten richtig schwierigen Partie, wenn sie auf North Carolina treffen, die sich ihrerseits mit einem Sieg wieder als Ligaprimus etablieren könnten.
Eine bisher sehr überzeugende Saison spielen die Ohio State Buckeyes. Mit einem souveränen Sieg über die starken Florida Gators und die jüngste Demontage von Duke haben sie ihren Anspruch auf den Titel des besten Teams der NCAA untermauert. Rückkehrer Jared Sullinger hat im Sommer einige Kilos abgespeckt und glänzt bisher mit 19,7 Punkten und 10,3 Rebounds im Schnitt. Unterstützung erhält er vor allem von Williams Buford, der über 50 Prozent seiner Dreier versenkt, sowie Deshaun Thomas, der 13,1 Zähler pro Begegnung beisteuert. Zudem glänzt Point Guard Aaron Craft defensiv mit seinen unfassbar schnellen Händen.
Duke musste eben gegen jene Buckeyes die erste Saisonniederlage hinnehmen. Diese ging mit 22 Punkten Differenz zudem ziemlich klar aus, sodass der legendäre Duke-Coach Mike Krzyzewski nach dem Spiel zu Protokoll gab, „in den Hintern getreten“ worden zu sein. Die Blue Devils haben zwar eine Reihe großer Talente wie Seth Curry, Austin Rivers oder die Plumlee-Brüder Mason und Miles in ihren Reihen, jedoch fehlt auf dem Platz der Anführer.
Eine überzeugende Saison spielt bisher Wisconsin, die außer bei der knappen Niederlage gegen die Tar Heels ihre Gegner dominierten. Dabei setzen die Badgers vor allem auf eine ausgeglichene Teamoffensive. Vier Spieler scoren zweistellig. Zudem treffen sie als Team 47,2 Prozent ihrer Dreipunktewürfe.
Ebenfalls ungeschlagen ist Syracause, die bisher aber auch keinen wirklichen Gegner hatten. Das Spiel gegen Florida am zweiten Dezember wird eine wichtige Standortbestimmung sein. Florida selbst verlor im zweiten Spiel gegen Ohio State, schlug sich aber gut und gilt weiterhin als eines der besten Teams.
Die Louisville Cardinals sind ebenfalls noch niederlagenfrei, müssen sich mit Vanderbilt aber auch erst am zweiten Dezember dem ersten ernster zu nehmenden Gegner stellen. Vanderbilt scheint aber nicht ganz so gut wie erwartet zu sein. Sie verloren überraschend gegen Cleveland State und zuletzt in Verlängerung gegen Xavier, die sich immer mehr zu einem Geheimfavoriten mausern.
Die Top-Talente
Es gilt eigentlich als fast ausgemachte Sache, dass Andre Drummond und Anthony Davis den Nummer-Eins-Pick im Jahr 2012 unter sich ausmachen werden. Die körperlichen Anlagen lassen jeden NBA-Manager mit der Zunge schnalzen. Vor allem Davis hat in den ersten Saisonspielen seine Dominanz noch einmal unterstrichen. Zwölf Punkte, 8,2 Rebounds und 4,3 Blocks bringt er in nur 25,7 Minuten Einsatzzeit auf das Scoreboard. Besonders imposant war seine defensive Leistung gegen das Top-Team aus Kansas, als er sieben Würfe blockte. Arbeiten muss er definitiv noch an seiner Freiwurfquote, die liegt momentan bei nur knapp über 50 Prozent.
Ein wenig mehr Anlaufschwierigkeiten hat Andre Drummond. Mit gebrochener Nase und Schutzmaske bekommt er erst langsam mehr Spielzeit beim Titelverteidiger. Gegen Florida State ließ er sein Potential aber bereits mit zwölf Punkten, zehn Rebounds und sieben Blocks aufblitzen. Er trifft übrigens nur 34,6 Prozent seiner Freiwürfe.
Drummond muss das Draft-Scheinwerferlicht in Connecticut auch verstärkt mit Sophmore Jeremy Lamp teilen, der eine bisher grandiose Saison spielt. Im Schnitt legt er 21,1 Punkte auf. Im aktuellen Crossover Mock Draft noch auf Platz zwölf, dürfte er bald mindestens in die Top10 vorstoßen. In guter Form präsentiert sich auch Floridas Freshman Bradley Beal. Er rechtfertigt seine Lottery-Position mit 17 Zählern, 6,5 Abprallern und zwei Vorlagen im Schnitt.
James McAdoo kommt bei North Carolina erwartungsgemäß nur die Rolle des Bankspielers zu. So sind 6,5 Punkte und 3,5 Rebounds sicherlich keine repräsentativen Statistiken für sein wahres Potential. Den Ruf eines Allrounders und Kampfschweins hat derweil Michael Kidd-Gilchrist bisher absolut bestätigt. Zwar verliert er noch zu oft den Ball (2,8 Ballerverluste pro Spiel), jedoch bewies er mit 12,5 Punkten 7,3 Rebounds sowie sehr guter Verteidigung, dass er ein Top-Pick ist.
Baylor musste die ersten Begegnungen noch auf Perry Jones verzichten, trotzdem sind die Bears bisher unbesiegt. Das haben sie auch Quincy Miller zu verdanken, der in diesem talentierten Team sofort zum Top-Scorer avancierte. Es fehlt ihm jedoch noch an Konstanz. So gelangen ihm gegen South Carolina State nur fünf Punkte bei zwei von acht Würfen, während er gegen San Diego State 20 Punkte auflegte. Perry Jones absolvierte derweil sein erstes Spiel der Saison und überzeugte sofort mit 27 Punkten und sechs Rebounds.
Licht und Schatten zeigt bisher Austin Rivers. Der Duke-Spieler zeigt zwar sein offensiv Arsenal und sammelt 15,4 Punkte pro Spiel, schießt aber nur 43,6 Prozent aus dem Feld und verliert 2,3 Mal pro Spiel den Ball. Zu oft verlegt er in der Offensive relativ leichte Würfe und in der Verteidigung ziehen Flügelspieler oft zu beliebig an ihm vorbei. Sein Assists-zu-Turnovers-Verhältnis liegt bei unter eins.
Die Deutschen
Elias Harris macht im Moment da weiter, wo er in der letzten Saison aufgehört hat. Er scheint sich offensiv seit seiner ersten College-Saison nicht wirklich weiter entwickelt zu haben. Im Schnitt legt er zwölf Punkte und 7,3 Rebounds auf. Um noch Chancen auf den NBA-Draft zu haben, muss Harris noch eine Schippe drauflegen. Teamkollege Mathis Mönninghoff findet sich in seinem zweiten Jahr noch nicht so gut zu Recht. Nach den ersten Spielen hat er sich in fast allen Statistiken im Vergleich zur Vorsaison verschlechtert. Ihr Team, die Gonzaga Bulldogs, hat derweil noch keine Niederlage auf dem Konto und ist auf dem besten Weg Richtung Tournament. Vor allem Centerspieler Robert Sacre (17 P. und 9 R.) überzeugte bisher.
Patrick Heckmanns ersten sechs Saisonspiele für das Boston College glichen einer Achterbahnfahrt. Erst gegen New Hampshire im ersten Saisonspiel mit 19 Punkten und acht Rebounds stark, dann verletzt, anschließend immer weniger Würfe und Minuten, dann wieder bester Spieler des Teams mit grandiosen 32 Punkten beim Sieg gegen UC Riverside. Gegen Penn State reichte es wieder nur für drei Punkte und nur einen Treffer bei sechs Versuchen aus dem Feld. An dieser wilden Fahrt trägt aber nicht nur Heckmann die Schuld. Coach Steve Donahue wechselt teilweise in Eishockey-Manier, so dass es schwierig ist in einen offensiven Rhythmus zu kommen. Nach dem Abgang von Reggie Jackson befindet sich das Team im Neuaufbau und dürfte in dieser Saison nichts mit dem Tournament zu tun haben.
Eine ebenfalls wichtige Rolle spielt T.J. DiLeo für die Temple Owls. Als sechster Mann steht er bisher 23 Minuten pro Partie auf dem Parkett und legt dabei fünf Zähler im Schnitt auf. Überraschend stark spielt auch Dennis Kramer für die San Diego Toreros auf. Gegen Montana gelangen ihm 15 Punkte und fünf Rebounds.
Um seine Einsatzzeit hart kämpfen muss zur Zeit Niels Giffey. Letztes Jahr noch Meister mit UConn, spielt er in seinem zweiten Jahr bisher keine größere Rolle. Er kommt nicht über zwei Punkte bei 9,3 Minuten Spielzeit hinaus. Im letzten Spiel wurde er von Coach Jim Calhoun gar nicht eingesetzt. Enosch Wolf stand bisher sogar nur vier Minuten auf dem Parkett.
Abschließend sei noch ein deutscher College-Akteur erwähnt, über den so gut wie nie etwas zu lesen ist: Marvin Adu. Der Hamburger ist nicht nur der aktuell einzige deutsche College-Senior, sondern stand vorletzte Nacht im Rampenlicht, als Baylors Super-Talent Perry Jones gegen seine eher unbekannte Uni Prairie View A&M das lang erwartetes Saisondebüt gab (Jones war fünf Spiele gesperrt). Glänzen konnte Adu jedoch leider nur bedingt (0/4 FT, 1 Reb, 1 Blk). In seinem letzten Jahr wartet der 2,03 Meter große Power Forward noch immer auf seinen Durchbruch.



von Crossover 30.05.2012 um 12:50:06
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