NCAA Rückblick
Endlich wieder März
Der dritte Monat des Jahres ist für College-Basketball-Fans zugleich der beste. Denn dann messen sich wieder die stärksten Teams der NCAA, um ihren Meister auszuspielen. Crossover stellt zwei Wochen vor Turnierbeginn schon einmal die heißesten Favoriten und deren ärgste Rivalen vor - und analysieren die Chancen von Elias Harris' Gonzaga Bulldogs.
Von Björn Lehmkühler |
04.03.2010 | |
Die Favoriten: Kansas, Kentucky, Syracuse
Schon vor Saisonbeginn galten die Kansas Jayhawks als Top-Favorit auf den Titel. Der Grund: ein erfahrener Inside-Outside-Punch aus Point Guard Sherron Collins (15,3 PpG, 4,3 ApG) und Center Cole Aldrich (11,4 PpG, 10,0 RpG, 3,7 BpG), gemischt mit zahlreichen Talenten wie den Shooting Guards Xavier Henry (14,0 PpG, 4,2 RpG) und Tyshawn Taylor (7,4 PpG, 3,2 ApG) oder den Morris-Zwillingen Marcus (12,6 PpG, 6,2 RpG) und Markieff (6,4 PpG, 5,2 RpG) auf den großen Positionen.
Bisher konnten die Jayhawks ihrer Favoritenrolle weitestgehend gerecht werden. Nach einer 68:76-Niederlage in Tennessee am 10. Januar musste Kansas am 27. Februar gegen Oklahoma State erst die zweite Pleite der Saison hinnehmen. Die Mannschaft von Bill Self führt allerdings die Big-12-Conference weiterhin unangefochten an und alles außer einer Teilnahme am Final Four in Indianapolis wäre eine riesige Enttäuschung.
Ebenfalls zum engeren Favoritenkreis wurden bereits im Sommer die Kentucky Wildcats gezählt. Das lag vor allem an der Ankunft von Erfolgs-Coach John Calipari (kam aus Memphis) und den Top-Rekruten John Wall, DeMarcus Cousins und Eric Bledsoe sowie dem Verbleib von Power Forward Patrick Patterson. Die Frage war lediglich, ob ein weitgehend auf Liga-Neulinge gestütztes Team konstant Erfolg haben könnte.
Nun, im März, muss man diese Frage bei einer Bilanz von 27 Siegen und zwei Niederlagen klar bejahen. Wall (16,8 PpG, 6,2 ApG) hat die immensen Erwartungen in seine Person mehr als erfüllt und gilt als haushoher Favorit auf den ersten Draft-Pick im Juni. Und auch Cousins (16,2 PpG, 10,3 RpG) und Bledsoe (10,5 PpG, 3,1 ApG) bekleiden trotz ihrer Jugend ihre Starter-Posten auf konstant hohem Niveau. Vor allem Cousins straft seine einst zahlreichen Kritiker Lügen und bildet mit dem erwartet starken Patterson (14,9 PpG, 7,6 RpG) das vielleicht beste Inside-Duo der gesamten NCAA.
Die Nummer eins in den aktuellen College-Rankings ist jedoch weder Kansas noch Kentucky - es sind die Syracuse Orange. Und das, obwohl die Uni aus dem Bundesstaat New York den Abgang ihrer drei besten Scorer (Jonny Flynn, Eric Devendorf und Paul Harris) verkraften musste und in der Regel nur mit einer Sieben-Mann-Rotation agiert.
Diese sieben Akteure haben es jedoch in sich: Flügelspieler Wesley Johnson (15,7 PpG, 8,7 RpG) spielt nach einem Jahr Zwangspause auf All-American-Niveau und wird von einem ausgeglichenen Supporting Cast unterstützt. Denn sowohl die Frontcourt-Spieler Arinze Onuaku, Rick Jackson und Kris Joseph als auch die Guards Andy Rautins, Brandon Triche und Scoop Jardine verbuchen mehr als acht Punkte pro Partie und sind in der Lage, jederzeit zu explodieren.
Die Verfolger
Wenn heute das Starterfeld für das NCAA Tournament bekannt gegeben würde, wären die Duke Blue Devils wohl der vierte "number one seed". In der Atlantic Coast Conference (ACC) sind sie mit zwölf Siegen und zwei Niederlagen (gesamte Saison: 25-4) das Maß aller Dinge. Angeführt werden sie von den Guards Jon Scheyer (18,8 PpG, 5,3) und Nolan Smith (17,4 PpG) sowie Forward Kyle Singler (17,1 PpG, 7,0 RpG).
Derweil streben aus der Big-Ten-Conference gleich mehrere Mannschaften das Erreichen des Final Four an. Das gilt vor allem für die Purdue Boilermakers (24-4), die in Indianapolis sogar Heimvorteil hätten. Allerdings vermindert der Ausfall ihres Führungsspielers Robbie Hummel die Chancen der Boilermakers enorm. Nutznießer könnten deshalb Rivalen wie die Ohio State Buckeyes (23-7) - angeführt vom alles überragenden Evan Turner - oder die Michigan State Spartans (22-7) sein.
Gleichsam sollte man Teams wie die Villanova Wildcats (22-6) oder die West Virginia Mountaineers (22-6) auf der Rechnung haben - und zwei Überraschungsmannschaften: Denn die Kansas State Wildcats (24-4) und die New Mexico Lobos (27-3) haben bewiesen, dass sie zurecht in den Top Ten der diversen NCAA-Rankings stehen.
Und wie weit kommen Elias Harris und die Gonzaga Bulldogs?
So weit, wie Harris sie trägt! Denn gegen die "Big Dogs" der Liga reicht die Schusskraft der Guards Matt Bouldin (16,0 PpG) und Steven Gray (13,8 PpG), die jeweils fünfmal pro Partie von außen draufhalten (und davon etwa ein Drittel verwandeln), nicht aus. Dann geht es um Inside-Punkte und darum, gegen die großen Leute zu verteidigen und zu rebounden. Und das ist - trotz der mehr als soliden Leistungen von Center Robert Sacre (10,2 PpG, 5,3 RpG) - vor allem Harris' Job.
Realistisch gesehen sollten die "Zags", die mit zwölf Siegen und zwei Niederlagen wieder einmal "Regular Season Champion" der West Coast Conference (WCC) wurden, jedoch die Sweet Sixteen, also das Achtelfinale anvisieren. Ab dann entscheidet die Tagesform. Der Einzug ins Final Four in Indianapolis, von dem Crossover übrigens live vor Ort berichten wird, ist zwar keinesfalls unmöglich, wäre jedoch ein faustdicke Überraschung.



von Crossover 30.05.2012 um 12:50:02
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