NCAA Basketball
Licht und Schatten bei Gonzaga
Sie waren als Top-Ten-Team gestartet und kassierten prompt zwei Niederlagen in Folge. Doch gegen Marquette fand Gonzaga gestern zurück auf die Erfolgsspur. Auch „Sorgenkind“ Elias Harris zeigte einige Lichtblicke und gibt Anlass zur Hoffnung – wie auch das Auftreten eines Blondschopfs aus Ibbenbüren.
Von Björn Lehmkühler |
24.11.2010 | |
Zweieinhalb Minuten vor Ende der ersten Halbzeit scheint es so, als sei bei Elias Harris der Knoten geplatzt. Mit einem lauten Schreib zelebriert er den soeben erzielten Dreier, der seine Gonzaga Bulldogs mit 40:31 in Führung bringt. Es sind Harris‘ Punkte Nummer 13, 14 und 15 in dieser ersten Hälfte – bei drei Rebounds, drei Assists und sechs von neun aus dem Feld. Grund genug für die Alpha-Bulldogge um kräftig zu bellen.
In der zweiten Hälfte verlässt Harris sein Wurfglück, es fallen nur noch zwei von zehn Versuchen. Doch im Gegensatz zu den vorherigen Spielen sind die „Zags“ bissiger und kaschieren ihre fehlende Treffsicherheit durch diverse Offensivrebounds und aggressive Verteidigungsarbeit. Durch diese Bissigkeit – und zehn Punkte von Bankspieler Mangisto Arop - rettet Gonzaga den Sieg ins Ziel. Das der 66:63-Erfolg wenig glorreich ist, bleibt erst einmal sekundär – denn es könnte der Richtungswechsel nach einem verkorksten Start sein.
Fehlstart für Harris
Es ist der Harris der zweiten Hälfte, welcher den bisherigen Saisonverlauf versinnbildlicht. Denn bisher ist dem athletischen Forward nicht viel gelungen. Nach einem soliden Auftakt gegen den Underdog von der Southern University (12 Pkt, 4 Reb, 3 Ast, 5/8 FG, 23 Min) war Harris im zweiten Spiel gegen IUPUI weitgehend blass geblieben (6 Punkte in 18 Minuten). Gravierender war jedoch, dass dem designierten Go-to-Guy der Bulldogs in den wichtigen Partien gegen die Top-Teams von San Diego State und Kansas State rein gar nichts gelingen wollte.
Gegen die an #25 gelisteten Aztecs warf er in 31 Minuten überhaupt nur viermal auf den Korb – und verpasste drei dieser Versuche. Auch am Brett blieb der Athlet blass und griff sich lediglich drei „Boards“. Am Ende unterlag Gonzaga mit 76:79. Zu allem Übel verletzte sich Harris auch noch an der Achillessehne, wobei in den darauffolgenden Tagen nach diversen medizinischen Tests Entwarnung gegeben werden konnte.
Also stand Harris auch gegen die Wildcats, die #4 im College-Basketball, auf dem Feld – oder vielmehr neben sich. Der Versuch aktiver zu spielen als in den vorangegangenen Partien resultierte darin, dass von seinen sieben Würfen nur einer sein Ziel fand während gleich mehrere der größtenteils gezwungenen Versuche als „Airballs“ endeten oder geblockt wurden. Der Super-Harris des Vorjahres war nicht wiederzuerkennen – und Gonzaga unterlag deutlich mit 64:81.
Gründe zur Hoffnung
Doch seien wir optimistisch: Harris‘ Leistung aus der ersten Hälfte macht Hoffnung! In diesen zwanzig Minuten sah der Forward wieder eher aus wie jener Spieler, der in seiner Freshman-Saison alle Erwartungen übertroffen hatte und binnen weniger Wochen vom No-Name zum NBA-Talent aufgestiegen war. Sie erinnerten daran, weshalb ihn die ESPN-Experten Dick Vitale, Doug Gottlieb und Diamond Leung vor der Saison in ihr „All-American Second Team“ aufnahmen und ihr Kollege Joe Lunardi ihn sogar zu den fünf besten Spielern im Land zählte.
Zudem hat Guard Steven Gray schon jetzt deutlich gemacht, dass er mehr als nur eine ordentliche zweite Option neben Harris darstellt. 22,4 Punkte, 5,0 Rebounds, 5,6 Assists und 3,0 Steals pro Spiel kann der 1,96 Meter große Senior bisher aufweisen; hinzu kommen 39,5 Prozent (15 von 38) von jenseits der Dreierlinie. Gegen San Diego State hielt er die „Zags“ mit 35 Zählern quasi alleine im Spiel und auch in den anderen Partien war Grey stets der beste Akteur auf dem Feld. Wenn Harris in Fahrt kommt, dürften Harris, Grey und Center-Hüne Robert Sacre (11,4 PpG, 6,8 RpG) – wie vor der Saison erwartet – eines der Top-Trios im Land bilden.
In der Reihe der Lichtblicke sollte auch ein blonder Freshman aus Ibbenbüren Erwähnung finden: Mathis Mönninghoff. Vor der Saison von den US-Medien kaum beachtet, überzeugte der vielseitige Außenspieler in seinem Debüt mit vier Dreiern bei ebenso vielen Versuchen. Im zweiten und dritten Spiel gelang es Mönninghoff sogar mehr Punkte zu erzielen als Landsmann Harris (10 bzw. 6). Die Belohnung: Gegen Kansas State und Marquette durfte der 2,01 Meter große Jugend-Nationalspieler von Beginn an aufs Parkett. Zwar trat er offensiv weniger in Erscheinung, doch Mönninghoff hat allen Skeptikern zweifellos gezeigt, dass er schon jetzt ein wichtiger Teil des Bulldogs-Teams ist.
Der März ist das Ziel
Abgesehen davon ist es ohnehin zu früh um sich Sorgen zu machen, denn dies ist die Zeit für Mark Few um sein Team zu testen. Gonzaga spielt bewusst den vielleicht härtesten Non-Conference-Spielplan der gesamten NCAA und Niederlagen im November sind zu verkraften, sofern die jungen Bulldogs aus ihren Fehlern lernen. Die Konzentration sollte ohnehin nach vorne gerichtet sein, denn im Dezember warten mit Illinois, Notre Dame, Baylor und Xavier gleich vier weitere Kracher. Genug Möglichkeiten also für Harris, um sein ganzes Können bald wieder regelmäßig von der Leine zu lassen.



von Crossover 30.05.2012 um 12:49:41
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