NCAA Basketball

Alabamas "Man of Steele"

Alabamas Point Guard Ronald Steele wird die komplette Saison 2007/2008 zur Regeneration seiner Knieprobleme aussetzen. Seinem Team, den Crimson Tide, steht somit ein schweres Jahr bevor.

Von Christian Neumann
 26.09.2007 |

Gainesville, Florida, am 14. Februar 2007: Die Florida Gators haben soeben dank einer starken zweiten Halbzeit einen 18-Punkte-Rückstand gegen Alabama noch in einen Sieg verwandelt. Entscheidend war dabei die Leistung von Point Guard Taurean Green, der nach der Halbzeitpause 20 Punkte erzielte und anschließend von seinem Mitspieler Corey Brewer gelobt wurde: ?Taurean Green ist der beste Point Guard des Landes. Wenn er in Fahrt kommt, ist es vorbei.?

Der Ruf des besten Point Guards des Landes war eigentlich für Alabamas Ronald Steele vorgesehen, der diese Partie jedoch als Verlierer beendete. Seine Bilanz: fünf Punkte, sieben Fehlwürfe bei neun Versuchen und die Demütigung, den Mann des Tages als direkten Gegenspieler gehabt zu haben. Nichts war so, wie es sein sollte: Statt wichtige Würfe zu versenken, bekam Steele sie von Green eingeschenkt; statt seine Mitspieler mit Pässen zu füttern, lief die Partie an ihm vorbei.

Doch statt Kritik gab es Lob, statt Vorwürfen Bewunderung, denn Steele war nicht fit; er litt unter Kniebeschwerden, die ihn schon geraume Zeit heimgesucht hatten: "Es fing schon in meinem Sophomore-Jahr an, mich zu stören. Ich tat es als nichts ab, und über den Sommer wurde es schlimmer. In meinem Junior-Jahr wurde es ziemlich schlimm."

Alabamas MVP

Es gibt Spieler, deren Wert für ihre Mannschaft erst deutlich wird, wenn sie nicht mehr (gut) spielen. Während sich Ron Steele mit Knieproblemen herumplagte, stolperte sein Team durch die Saison, verpasste trotz gut besetztem Kader das NCAA Tournament und wurde sogar im NIT ? der Trostrunde im College-Basketball ? bereits in der ersten Runde verabschiedet, 87:89 gegen Massachusetts ? tschüss, vielleicht bis nächstes Jahr.

Gegen die Minutemen war Ron Steele schon gar nicht mehr dabei, und die Auswirkungen seines Fehlens waren offensichtlich, denn Alabama ließ jeglichen Spielaufbau vermissen. Am Ende war es Power Forward Richard Hendrix, der mit sieben Assists zum unwahrscheinlichen Ballverteiler wurde, als die Crimson Tide ihr drittes Spiel in Folge verloren und mit der siebten Niederlage aus den letzten neun Partien eine verkorkste Saison zu Ende ging.

Dabei hatte die Truppe von Head Coach Mark Gottfried so große Ziele, als die Saison begann; immerhin stand mit Ron Steele ein legitimer College-Star in ihren Reihen, der als kommender Erstrundenpick im NBA-Draft gehandelt wurde. Doch Steele holte sich im Dezember eine Knöchelverletzung, die er der Fehlbelastung durch sein lädiertes Knie zuschreibt, das ihn bis zu jenem Zeitpunkt bereits drei Spiele gekostet hatte. Von da an ging es stetig abwärts für Steele und damit auch für sein Team.

Steeles Knie: ein Teamproblem

Steele biss auf die Zähne und schleppte sich durch sein Junior-Jahr, so gut es eben ging. Besonders gut war das aber nicht: Mit 8,6 Punkten pro Spiel blieb er deutlich hinter seinem Sophomore-Schnitt (14,3 PpG) zurück. Noch mehr litt aber das Spiel der Crimson Tide: Steele, der von seiner Schnelligkeit lebt, wurde in der Offensive zum Standbasketballer degradiert, und in der Defensive konnten andere Point Guards nach Belieben an ihm vorbeiziehen ? eine Demütigung für einen respektierten Verteidiger wie Ron Steele.

Doch nicht nur er selbst strauchelte; auch seine Mitspieler bekamen die Auswirkungen seiner Verletzung zu spüren. Gerade die Bigmen Richard Hendrix und Jermareo Davidson, die beide mit NBA-Ambitionen in die vergangene Saison starteten, mussten sich ohne Steeles Anspiele ihre Punkte oft selbst erarbeiten und blieben wie der Rest des Teams hinter den Erwartungen zurück. Davidson schaffte es nach Saisonende immerhin noch zum Zweitrundenpick (an Position 36 von Golden State gewählt und dann nach Charlotte getradet). Hendrix brauchte hingegen nicht einmal daran zu denken, sich zum Draft anzumelden; so schlecht standen seine Chancen auf eine hohe Draftposition.

Nach dem Florida-Debakel war auch Ron Steele von der NBA weiter entfernt als je zuvor. Zwar bäumte er sich beim Sieg gegen Kentucky (15 Punkte, sieben Assists) ein letztes Mal auf, musste dann aber sein Pensum zurückfahren und die Saison schließlich vorzeitig beenden. Er hatte zu oft gespielt, obwohl sein Körper nicht einsatzbereit war. Schon in seinem Sophomore-Jahr, als die Kniebeschwerden erstmals auftraten, stand Steele gerademal 1,6 Minuten pro Spiel nicht auf dem Platz (38,4 MpG). Selbst in seiner Junior-Saison, in der er nie auch nur ansatzweise fit war, wurde Steele ausgiebig eingesetzt: Zieht man die sechs Partien ab, in denen der 21-Jährige geschont wurde, stand er im Schnitt 36,5 Minuten auf dem Parkett.

Hoffen auf die nächste Saison...

In der nun folgenden Saison sollte alles anders werden. Auch ohne Davidson, der als Senior die Universität verlassen hatte, bestand Grund zum Optimismus: Hendrix hatte sich verbessert und sah wie der kommende Leistungsträger im Lowpost aus; der Kader war um einige vielversprechende Freshmen bereichert worden, und vor allem sollte Ron Steele wieder fit sein und abermals zum vielleicht besten Point Guard der NCAA aufsteigen, wofür ihn manche schon als Sophomore hielten.

Um diesen Plan in die Tat umsetzen zu können, legte sich Alabamas Star unters Messer und unterzog sich im April einer Arthroskopie an beiden Knien, auf die im August ein weiterer Eingriff am linken Knie folgte. Steele, der sich nie öffentlich beklagt hatte, gab nun zu, wie schwer die Knieprobleme über mehrere Monate hinweg tatsächlich gewesen waren. Allerdings war er zuversichtlich, all dies mit einem guten Senior-Jahr vergessen machen zu können; auch die Ärzte und Coach Gottfried gaben sich optimistisch.

... oder die übernächste

Vor einer Woche kam dann jedoch die Meldung, dass Steele als "medical redshirt" die komplette Saison 2007/2008 aussetzen würde, um sie zur Regeneration zu nutzen. (Die NCAA-Regularien erlauben es, aus gesundheitlichen Gründen einen "redshirt"-Status zu beantragen, der die College-Zulassung des betreffenden Spielers um ein Jahr verlängert.) Somit wird Ron Steele seine Senior-Saison erst im Herbst 2008 beginnen, dann aber hoffentlich vollständig wiederhergestellt sein.

Es ist nämlich nicht so, dass Steele nicht spielen könnte, doch wie gut würde er sein? Zwar hielten die Ärzte eine völlige Genesung bis zum Saisonstart für möglich, doch Steeles Verfassung nach dem letzten Eingriff im August stimmte pessimistisch: Seine Knie waren kaum belastbar, Mannschaftstraining für den Point Guard unmöglich.

"Zum jetzigen Zeitpunkt glaube ich nicht, dass ich zum Start des Trainings[camps] zu 100 Prozent fit sein werde", sagte er vorige Woche. Die Gefahr, dass seine Senior-Saison seinem Junior-Jahr gleichen würde, war groß, und es war klar, dass Steele seinem Team damit ebenso wenig helfen würde wie sich selbst, gerade im Hinblick auf seine NBA-Karriere.

Alabama steht nun eine schwere Saison bevor. Die drei erfahrenen Forwards Richard Hendrix, Alonzo Gee und Mykal Riley sollten für einige Siege sorgen, doch im Backcourt drückt der Schuh: Die Position des Point Guards wird wohl von Sophomore Mikhail Torrance und dem athletischen Freshman Rico Pickett bekleidet werden; Scharfschütze Brandon Hollinger wird gelegentlich aushelfen. Allerdings ist keiner der Drei ein wirklicher Spielmacher.

Der Blick nach vorn

Die Saison 2007/2008 droht für die Crimson Tide somit ein Lernjahr zu werden, in dem sportlich nicht viel erreicht wird. Allerdings könnte es sich auf lange Sicht als verkappter Segen herausstellen, wenn das Team sich entwickelt und zu einer Einheit wird. Geht man zudem von Ronald Steeles erfolgreicher Rückkehr aus, könnte Alabama übernächste Saison zu den besten Teams der SEC, vielleicht sogar der NCAA gehören.

Steele selbst gibt sich kämpferisch: "Ich möchte mein Bestes geben und eine ganze Saison spielen können und wissen, dass ich auf dem Platz alles getan habe, was ich kann, um Alabama beim Siegen zu helfen." Geht alles gut, wird er dies ab Herbst 2008 reichlich tun, und wie es aussieht nicht allein: Sein Bruder Andrew Steele, der derzeit als Senior an der John Carroll HS in Birmingham, Alabama aktiv ist und zu den besseren Spielern seiner Klasse gezählt wird, hat angekündigt, ab nächstem Jahr ebenfalls für die Crimson Tide aufzulaufen: "Ich fühlte mich sehr wohl bei dieser Entscheidung."

Bleibt nur zu hoffen, dass sein älterer Bruder dasselbe in einem Jahr über seine "redshirt"-Saison sagen wird.




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von quiz 27.09.07 um 23:08:48


offseason ist doch echt öde...
nichma hier is was los



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