NCAA Basketball

Unter dem Radar (2): Klein, aber fein

Im zweiten Teil unserer Serie über NCAA-Spieler, die unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit spielen, befassen wir uns mit talentierten Spielern aus den sogenannten Mid-Major- Conferences.

Von Mario Kyriasoglou
 04.03.2006 |

Mit diesem Begriff bezeichnet man die Ligen, die nicht in den Genuss von TV-Übertragungen kommen, wie sie der ACC, Big East, SEC oder Big Ten zuteil werden.

Der Dauerbrenner

Nehmen wir z.B. Keydren ?Kee Kee? Clark. Clark ist das, was man einen "Basketballzwerg" nennt. Die Angaben hinsichtlich seiner Größe widersprechen sich: Seine Uni, St. Peter?s, behauptet, er sei 1,78m groß, während andere beschwören, der New Yorker Point Guard sei nicht viel größer als 1,70m. Mangelnde Körpergröße war es auch, die die College-Coaches von einem Besuch im elterlichen Haus von ?Kee Kee? absehen ließ. An der Rice High School in Harlem fiel der pfeilschnelle Guard mit seinen 13 PpG auch nicht sonderlich auf, was hauptsächlich an der teaminternen Konkurrenz lag (insgesamt neun Spieler dieser Mannschaft gingen mit Sportstipendien an Division-1-Unis). Am Ende hatte Clark genau ein Stipendienangebot auf dem Tisch, was die Entscheidung nicht schwer machte.

Kurze Zeit später gab es jedoch für die Coaches von mehr als 300 Teams ein böses Erwachen: Bereits als Freshman legte der kleine Dauerläufer 24,9 PpG und 4,2 ApG bei respektablen Wurfquoten von jeweils etwa 40% sowohl aus dem Feld als auch von der Dreierlinie auf. Doch für ?Kee Kee? ging es noch höher hinaus: Schon als Sophomore war er der Topscorer der NCAA Division 1 mit 26,7 PpG, und als Junior verteidigte er mit 25,8 PpG seinen Scoring-Titel. Damit wurde Clark erst der achte Spieler in der Geschichte des NCAA-Basketballs, der in zwei aufeinanderfolgenden Jahren den höchsten Punkteschnitt erzielen konnte. Wenn sich nicht Dukes J.J. Redick und Adam Morrison (Gonzaga) in dieser Saison ein fast schon aberwitziges Duell um die Topscorer-Krone lieferten, würde Clark mit seinen derzeit 26,6 PpG sogar Chancen haben, zum dritten Mal in Folge den Titel zu holen.

Doch auch so ist er auf dem besten Weg, sich in den Geschichtsbüchern der NCAA zu verewigen. In dieser Saison hat Clark auf der Scorerliste der NCAA unter anderem Larry Bird, Elvin Hayes, Danny Manning und Oscar Robertson überholt. Wenn keine Verletzung dazwischen kommt, wird Clark als der erst siebte Spieler in der Geschichte der NCAA, der mehr als 3000 Karrierepunkte erzielt hat, abtreten. Hersey Hawkins auf Platz sechs der Liste ist noch in Reichweite für Kee Kee, und danach, wer weiß: Clark wäre nicht der erste Basketballzwerg, der sich über die Ochsentour in den Minor Leagues und Europa für die NBA empfiehlt. Die Fähigkeiten dazu hat er. Möglich ist aber auch, dass Clark - eine New Yorker Streetball-Legende - zurück nach Harlem geht und am Rucker Park unter seinem alten Spitznamen ?The Adventure Begins? die Courts im Griff hat ? dabei ist ?Kee Kee? Clarks Abenteuer bereits in vollem Gange.

Der Spätzünder

Andre Collins brauchte etwas länger als Clark, um in die oberen Etagen der NCAA-Scorer aufzusteigen. Collins - ein High-School-Star in seinem Heimatstaat Maryland - bekam, wovon jeder junge Spieler der USA träumt: Ein Basketballstipendium von Coach Gary Williams und den Maryland Terrapins. Die Bilanz im rot-weißen Terrapins-Trikot liest sich jedoch eher?na ja?sagen wir, die Statistikbögen von Collins blieben meistens weiß wie Schnee. Nachdem der Point Guard im zweiten Jahr bei Maryland nur sechsmal aufs Feld durfte, entschloss er sich, zu einem kleineren College zu transferieren, das bereit wäre, ihm mehr Spielzeit zu geben. Das kleine Loyola College in Maryland bot sich an, und so konnte Collins wechseln, ohne die Heimat verlassen zu müssen.

Nach einem Jahr Zwangspause läuft der 1,83m-Mann jetzt für die Greyhounds auf und liefert Fabelstatistiken ab: Neben seinen 38 Minuten im Schnitt und 4,7 ApG sowie 90% Freiwurfquote erzielt er mit 26,2 PpG sogar noch mehr Punkte als Kee Kee Clark. Collins ist dabei im Zug zum Korb, aus der Mitteldistanz und beim Dreier gleichermaßen gefährlich. Die Zeichen stehen dennoch nicht auf NBA, da Collins sich auf der großen Bühne der ACC nicht durchsetzen konnte. Spieler aus der Metro Atlantic Athletic Conference (MAAC) schaffen es nur in absoluten Ausnahmefällen und nach vierjährigen großartigen Karrieren in die NBA, und eine solche hat Collins nicht vorzuweisen. Trotz allem ist der eigenwillige Guard eine Augenweide und wird sicher bald die Fans in einer europäischen Liga verzücken.

Bobby Brown Goes...Up

?Oh God I am the American Dream, I do not think I?m too extreme.? ? Frank Zappa, >>Bobby Brown Goes Down<<.
Gute Point Guards sind der Traum eines jeden Coaches. Umso verwunderlicher ist es da, dass Junior Bobby Brown nur wenige Stipendienangebote vorliegen hatte, als er vor gut drei Jahren seinen High-School-Abschluss machte. Der eigenwillige Guard war zwar ohne Zweifel talentiert, wurde jedoch vielfach für zu egoistisch gehalten. Während andere Guards aus Kalifornien wie Gabe Pruitt (USC), Jordan Farmar (UCLA), Ayinde Ubaka (California) oder Chris Hernandez (Stanford) bei den wirklich großen Teams in der Region unterkamen, musste Brown mit dem relativ kleinen College California State Fullerton vorlieb nehmen. Und auch wenn das Team nur bedingt konkurrenzfähig ist, hat sich diese Wahl nach und nach als echtes Glück für Bobby Brown herausgestellt. Denn während andere Spieler auf ihre Chance warten müssen, war Brown direkt vom ersten Tag der Schlüsselspieler der Titans, den in der Big West Conference kein Spieler im Eins-gegen-Eins verteidigen kann. Dies schlägt sich in hervorragenden Statistiken von 17,5 PpG, 4,3 ApG und 1,5 SpG nieder.

Für sich genommen wäre all dies jedoch nichts besonderes, denn Spieler, die ihre kleinen Conferences dominieren, gibt es in den Untiefen der NCAA Division 1 unzählige. Doch der 1,85m kleine Brown kann scoren, dunken und vor allem passen ? und all das auf höchstem Niveau. Dies konnte er im vergangenen Jahr bei der LA Summer League unter Beweis stellen, als er so renommierte Spieler wie die bereits genannten Farmar und Pruitt im direkten Vergleich an die Wand spielte. Egal, ob Brown sich bereits dieses oder erst nächstes Jahr zum Draft anmeldet - es gilt als nahezu sicher, dass sein Name in der späten ersten oder frühen zweiten Runde ausgerufen werden wird.

Langweiliger Name - hochspannende Skills

Auch auf den großen Positionen findet man abseits der großen Teams und Conferences Spieler, die eine nähere Betrachtung verdienen. Jason Smith zum Beispiel ragt in jeder Hinsicht aus der Masse heraus. Der 2,13m-Hüne ist ein wirklich moderner Basketballspieler. Trotz seiner Körpergröße kann der Sophomore von der Colorado State University auf dem Flügel spielen, was an seiner exzellenten Athletik, seiner guten Wurftechnik und seiner Übersicht liegt. Sein Team allerdings ist zur Zeit meilenweit entfernt von einem Platz im NCAA-Tournament, weshalb vermutet werden kann, dass Smith bereits in diesem Jahr den Verlockungen des NBA-Drafts erliegen wird.

Letztlich spricht auch nichts dagegen. Eigentlich hatte der Coaching Staff der Colorado State Rams Smith als Projekt gesehen, das vielleicht in seinem Senior-Jahr ein guter Spieler sein könnte, aber Smith entwickelte sich derart rasant, dass er bereits im ersten Jahr startete und jetzt - in seinem zweiten Jahr - Statistiken von 16,5 PpG, 7,3 RpG und für einen Center nicht zu vernachlässigenden 2,1 ApG sowie 2,1 BpG auflegt. Smith könnte eine Zukunft als vielseitiger langer Mann in der NBA haben, sowohl auf der Power-Forward- als auch auf der Center-Position.

Not in my house!

In derselben Liga wie Smith (Mountain West Conference) spielt Wyomings Justin Williams. Williams hat begrenzte Offensivfähigkeiten, räumt aber dafür hinten ab wie lange kein Spieler mehr: 10,8 RpG und unglaubliche 5,3 BpG stehen für den Über-Athleten zu Buche. Mit 2,08m und nur etwa 100 kg wird es Williams zwar in der NBA anfangs schwer haben, aber momentan blockt der Senior erst einmal alles weg, was ihm ins Visier kommt. Seine Saisonbestleistungen liegen bei elf Blocks (gegen Brigham Young University) und 20 Rebounds (gegen Charlotte). Auch wenn wir seine athletischen Fähigkeiten nicht im NCAA-Tournament sehen werden, da die Wyoming Cowboys als Team einfach zu schlecht für den elitären Kreis der 65 besten Teams sind, wird Justin Williams seinen Weg machen. Nach dieser Saison wird Williams in jedem Fall im Draft stehen, und sein athletisches Potenzial sowie seine vorbildliche Arbeitseinstellung sollte einige Teams von ihm überzeugen.

Wie der Vater, so der Sohn

Wie kommt ein talentierter Spieler wie Steve Burtt an eine Mittelklasse-Uni wie Iona? Ganz einfach: Steve ist der Sohn von ? genau ? Steve Burtt, und der spielte seinerzeit ? genau ? bei Iona. Doch die Gemeinsamkeiten hören hier noch lange nicht auf: Vater wie Sohn sind beide nur etwa 1,83m groß, und beide gehören zu den herausragenden Spielern in der Geschichte des Iona College. Wie sein Vater ist jedoch auch Steve, Jr. viel zu klein für seine bevorzugte Position, die des Shooting Guards. Selbst seine hervorragende Saison, in der er trotz stetigen Double Teams 25 PpG bei guten Wurfquoten erzielt, wird ihm im Hinblick auf die NBA kaum helfen.

Iona hat noch gute Chancen, die Metro Atlantic Conference zu gewinnen und sich somit direkt für das NCAA-Tournament zu qualifizieren, was Burtt endlich einmal die Gelegenheit geben würde, sich einem nationalen Publikum zu präsentieren. Sollte es dennoch nichts werden mit dem Traum von der NBA, kann Stevie ja immer noch beim Papa unterkommen ? der ist nämlich Coach der And1-All Stars, jener Streetballtruppe, die mit spektakulären Aktionen auf ihrer Tour die Fans weltweit begeistert. Genug Game hat Steve, Jr. allemal.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:49:34


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