Draft Check

Mockdraft 2.0

Die ersten beiden College-Monate sind gespielt – und vor allem bei den Freshmen gibt es wie üblich viel Bewegung im ersten Mockdraft-Update. Während einige Neulinge mit Konstanz, Spielzeit und Wurfquoten hadern, zementierte Kentuckys Anthony Davis seinen Spitzenplatz. Ein Freshman schoss sogar von null in die Lottery.

Von Björn Lehmkühler
 07.01.2012 |

Pünktlich zum ersten Mockdraft-Update werfen wir einen Blick auf die ersten vierzehn Draft-Plätze – die so genannte Lottery-Region. Hinter den Draft-Positionen ist jeweils in Klammern die Veränderung zum Preseason-Mockdraft vom 11. November angegeben. Aus der Lottery gefallen sind übrigens die beiden Freshmen James McAdoo (5 auf 16) und Marquis Teague (13 auf 21). Während McAdoo (North Carolina) bei begrenzter Einsatzzeit (14,5 Minuten) noch zu selten sein immenses offensives Potential abrufen kann (6,3 PpG, 43% FG) und gut beraten wäre, ein weiteres Jahr in Chapel Hill zu bleiben, muss Teague (Kentucky) eindeutig an seiner Effizienz arbeiten (3,1 Ballverluste pro Spiel und 42% FG). Dabei kann sich Teague – sowie sein Teamkollege Terrence Jones – einiges von Kentuckys Überfliegern Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist abschauen.

#1 (=): Anthony Davis (PF, 211 cm, Freshman, Kentucky)

Nach den ersten 15 Partien im Wildcats-Trikot hat es sich Anthony Davis auf dem Draft-Thron bereits relativ gemütlich gemacht. Offensiv (12,7 PpG, 65% FG) zeigt er zwar noch ein recht begrenztes Arsenal an Würfen und Bewegungen und punktet zumeist nach Lob-Pässen, Durchsteckern und eigenen Offensiv-Rebounds. Am Brett und in der Verteidigung verändert er dank seiner Athletik, Länge und Agilität jedoch bereits jetzt ganze Spiele, was sich nicht nur an den 10,6 Rebounds und 4,5 Blocks pro Spiel bemisst, sondern auch an zahllosen beeinflussten Flugkurven und eingeschüchterten Gegenspielern. Im Effizienzrating von ESPN-Analyst John Hollinger erzielt Davis übrigens einen überragenden PER von 33,24 (Platz fünf landesweit) .

#2 (=): Andre Drummond (PF/C, 211 cm, Freshman, Connecticut)

Drummond spielt bisher eine durchaus solide Saison (9,6 PpG, 6,7 RpG, 2,5 BpG), konnte sein immenses spielerisches, physisches und athletisches Talent bisher aber noch zu selten in dominante Leistungen ummünzen. Zwar flirtete er gegen die gerankten Florida State Seminoles (12 Pkt, 10 Reb, 7 Blk) mit einem Triple-Double und brillierte zuletzt auch gegen Holy Cross (24 Pkt, 8 Reb, 5 Blk, 11-12 FG), Fairfield (16 Pkt, 9 Reb, 4 Stl, 8-10 FG) und St. John’s (16 Pkt, 11 Reb, 7-11 FG). Allerdings taucht Drummond bisher häufig unter und präsentiert sich – vor allem offensiv – noch sehr roh. Dank seiner „Upside“ ist er jedoch weiterhin ein sicherer Kandidat für die Top-5.

#3 (=): Harrison Barnes (SF, 203 cm, Sophomore, North Carolina)

Barnes konnte bisher erwartungsgemäß sein offensives Können unter Beweis stellen und erzielt im Schnitt 17,1 Punkte bei deutlich verbesserten Wurfquoten (49% FG, 72% FT, 49% 3FG). Dank seiner hervorragenden Scoring-Qualitäten, vor allem als Sprungwerfer, hält der 2,03 Meter große Small Forward zurzeit seinen Status als bester Außenspieler im Draft 2012. Spätestens in der heißen Saisonphase im März wird Barnes jedoch noch aggressiver zum Korb ziehen und rebounden müssen, als er dies momentan tut.

#4 (=): Jared Sullinger (PF, 206 cm, Sophomore, Ohio State)

Nachdem Sullinger bereits als Freshman der vielleicht beste Innenspieler des Landes war, legt er erneut einen Schnitt von rund 17 Punkten und zehn Rebounds auf und positioniert sich als heißer Kandidat für die Auszeichnung zum „National Player of the Year“. Sein PER von 34,06 ist jedenfalls der zweithöchste im College-Basketball. Offensiv ist Sullinger mit seiner Mischung aus Kraft, Fußarbeit und versierten Bewegungen in Korbnähe kaum zu stoppen. Obwohl der 19-Jährige über den Sommer fast zehn Kilogramm abspecken konnte, ist er im Vergleich zu Davis, Drummond, Perry Jones oder Thomas Robinson jedoch weiterhin athletisch klar unterlegen, was sich in der NBA vor allem defensiv bemerkbar machen dürfte.

#5 (+2): Perry Jones (PF, 211 cm, Sophomore, Baylor)

Nach seiner Fünf-Spiele-Sperre zu Saisonbeginn feierte Perry Jones gegen Prairie View A&M mit 27 Punkten und sechs Rebounds ein famoses Comeback. Seitdem zeigte er wie bereits als Freshman Licht und Schatten: Während er gegen BYU (28 Pkt, 8 Reb, 11-16) und St. Mary’s (14 Pkt, 9 Reb, 4 Blk) aggressiv spielte und mit seiner Länge und Athletik dominierte, fiel Jones gegen West Virginia (4 Pkt, 2-9 FG) und Mississippi State (8 Pkt, 4-13 FG) zuweilen in alte Muster (Passivität, ineffiziente Wurfauswahl) zurück. Wenn die bisher ungeschlagenen Baylor Bears so stark bleiben wie bisher und Jones konstanter sein unbestrittenes Können abruft, ist jedoch sogar der zweite Draft-Platz kein Ding der Unmöglichkeit.

#6 (+3): Michael Kidd-Gilchrist (SF, 201 cm, Freshman, Kentucky)

Anthony Davis ist das größte Talent im Team, Doron Lamb der Top-Scorer und Terrence Jones ist der Preseason-All-American. Doch Michael Kidd-Gilchrist (13,9 PpG, 7,9 RpG) ist das Herz der Kentucky Wildcats. Wie ein 2,01 Meter großer und 105 Kilogramm schwerer Duracell-Hase mit Ausnahme-Athletik gibt „MKG“ zu jeder Zeit Vollgas und erzielte trotz limitierter Offensiv-Skills in 15 Spielen nur einmal weniger als neun Zähler. Coaches, Mitspieler und Fans dürften jedenfalls auch in der NBA ihre Freude an dem energiegeladenen Allrounder haben.

#7 (-1): Bradley Beal (SG, 193 cm, Freshman, Florida)

Beal konnte den Ray-Allen-Vergleichen bisher noch keine Taten folgen lassen (32% 3FG), zeichnete sich aber als vielseitiger Scorer (14,5 PpG) und hervorragender Rebounder (5,9 RpG) aus. Sollte Beals Trefferquote bis zum Saisonende so niedrig bleiben, dürfte es für ihn noch ein paar Plätze weiter nach unten gehen. Findet er passend zur „March Madness“ seinen Rhythmus, was angesichts seiner blitzsauberen Wurftechnik zu erwarten ist, könnte Beal jedoch durchaus als erster Guard über die Draft-Theke gehen.

#8 (+3): Thomas Robinson (PF, 206 cm, Junior, Kansas)

Diese Saison lässt Jayhawks-Coach Bill Self das Monster Thomas Robinson endlich häufiger aus seinem Käfig – beziehungsweise von der Bank. Das Wort „Monster“ ist dabei natürlich positiv zu verstehen und bezieht sich auf Robinsons Explosivität, Sprungkraft und Physis, die sogar in der NBA hervorstechen werden. Allein mit diesen rohen Fähigkeiten dominiert Robinson phasenweise nach Belieben die NCAA-Zonen und legt beachtliche 17,5 Punkte, 12,3 Rebounds und 2,8 Blocks pro Spiel auf. Als Rebounder und Verteidiger sollte er somit Interesse in den Top-10 auf sich ziehen – und Anzeichen offensiver Verbesserungen könnten ihn noch weiter nach vorne tragen.

#9 (+3): Jeremy Lamb (SG, 196 cm, Sophomore, Connecticut)

Die Offensive stellt kein Problem für Jeremy Lamb dar, der in seinem zweiten Jahr mit knapp 19 Punkten pro Spiel bei beachtlichen 51,6% aus dem Feld, 41,4% von „Downtown“ und 83% von der Freiwurflinie beachtliche Zahlen auflegt. Ein Kritikpunkt von Scouts bleibt jedoch weiterhin sein NBA-unüblicher schmaler Körperbau (83 Kilogramm bei 1,96 Metern Körpergröße) sowie seine niedrige Assistrate (1,5 ApG). Zudem wird sich Lamb im März als Führungsspieler etablieren müssen, um seinen Draftwert weiter zu verbessern.

#10 (+5): John Henson (PF, 208 cm, Junior, North Carolina)

Henson ist eine Art Light-Version von Anthony Davis. Auch er stellt defensiv mit seiner Länge und Athletik eine ernstzunehmende Präsenz als Rebounder (10,0 RpG) und Helpside-Verteidiger (3,2 BpG) dar und ist offensiv ein häufiger Empfänger von Alley-Oop-Pässen. Zudem zeigt sich Henson in seiner dritten College-Saison auch abseits dieser hochprozentigen Würfe offensiv verbessert und verbucht 15 Punkte pro Spiel (10-11: 11,7 PpG). Die spannende Frage ist wie bei Lamb, ob Henson (95 Kilogramm) in den NBA-Zonen ähnlich effektiv spielen kann.

#11 (-3): Quincy Miller (SF/PF, 206 cm, Freshman, Baylor)

In Abwesenheit des gesperrten Perry Jones übertraf Miller zu Saisonbeginn alle Erwartungen und erzielte in den ersten fünf Spielen 17, 17, 20, 5 und 17 Zähler. Seitdem steht der lang gewachsene Forward weniger Minuten auf dem Feld und steht offensiv nicht mehr so sehr im Fokus. Dennoch wäre Miller dank seiner Vielseitigkeit und Athletik weiterhin ein Lottery-Kandidat, sollte er sich zum Draft 2012 anmelden.

#12 (-2): Austin Rivers (SG, 193 cm, Freshman, Duke)

Rivers‘ zehnter Rang im ersten Crossover-Mockdraft war eine der am kontroversesten diskutierten Platzierungen. Tatsächlich ist die Situation eingetreten, welche zu erwarten war. Zwar hat Rivers keinerlei Probleme Punkte zu erzielen (15,1 PpG). Allerdings zeigt der 19-Jährige eine zuweilen zweifelhafte Wurfauswahl, keine überragende Defense sowie wenige Anzeichen eines Aufbauspiels (2,1 Assists vs. 2,3 Turnover). Trotz allem ist Rivers ein Spieler, der sich mit einigen bemerkenswerten Auftritten im März einen Platz in der Lottery sichern könnte.

#13 (+11): Terrence Ross (SG, 198 cm, Sophomore, Washington)

Sowohl an der High School als auch in seinem Freshman-Jahr flog Terrence Ross unter dem Radar. Dies hat sich spätestens am 6. Dezember geändert. An diesem Tag flog er zwar auch – allerdings durch den Madison Square Garden in Manhattan. Tatsächlich ist Ross (14,3 PpG, 6,2 ApG) einer der Überflieger der laufenden Saison, was neben seiner herausragenden Sprungkraft und Schnelligkeit vor allem mit seinem blitzsauberen Wurf zu tun hat, den er bis hinter die NBA-Dreierlinie sicher verwandeln kann. Wenn Ross weiter an seinem Ballhandling arbeitet, könnte nach Klay Thompson (Golden State, #11) und Alec Burks (Utah, #12) im vergangenen Draft erneut ein Shooting Guard aus dem Westen der USA in der Lottery gezogen werden. Zumindest steht Ross bereits zwei Plätze vor dem damaligen Star seiner High-School-Mannschaft...

#14 (neu): Cody Zeller (C, 211 cm, Freshman, Indiana)

Die Nachricht, dass im Januar ein Zeller am Ende der Draft-Lottery auftaucht, hätte man auch vor Saisonbeginn nicht als übermäßig schockierend empfunden – sofern von Tyler Zeller die Rede gewesen wäre. Doch während dieser an #19 steht, steigt sein jüngerer Bruder Cody völlig überraschend an #14 ein. Von Beginn an war der Blondschopf die zentrale Person bei den wieder auferstandenen Indiana Hoosiers, die bereits Kentucky und Ohio State besiegen konnten. Trotz solcher Gegner steht Zeller (14,5 PpG, 6,5 RpG, 66% FG, 75% FT) in John Hollingers Effizienzranking zurzeit landesweit auf einem überragenden zehnten Rang – von allen Freshmen legt nur Anthony Davis ähnlich gute Zahlen auf.

Zwar ist Zeller weder übermäßig lang noch kräftig, doch dank seiner Mischung aus Mobilität, Fußarbeit, Low-Post-Moves, Spielverständnis und Aggressivität ist er für seine 19 Jahre ein erstaunlich weit entwickelter Inside-Scorer. Zudem ist Zeller für einen Center schnell im Fastbreak unterwegs und dank seiner Antizipationsfähigkeiten ein produktiver Balldieb (1,7 SpG) und solider Blocker (1,5 BpG). Trotz seines Erfolges ist es durchaus vorstellbar, dass er zumindest für ein weiteres Jahr in Bloomington bleibt. Sollte Cody Zeller seinem Bruder in den Draft 2012 folgen, wäre es jedoch zu diesem Zeitpunkt alles andere als überraschend seinen Namen in der Draft-Nacht zuerst zu hören.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:49:09


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