Draft Check
Exzellente Erstsemester
Seit Freitag ist die NCAA-Saison voll in Gang. Dabei geben nicht nur die starken Rückkehrer den Ton an, sondern auch die Uni-Neulinge. Kein Wunder – denn die aktuelle Freshman-Klasse gilt als ausgesprochen stark. Wir stellen acht Freshmen mit Top-Ten-Potential vor.
Von Björn Lehmkühler |
13.11.2011 | |
Bereits im gestrigen Draft Check brachten wir zum Ausdruck, dass der Draft-Jahrgang 2012 zu den stärksten der jüngeren Vergangenheit zählen könnte. Hierbei haben natürlich die starken Rückkehrer um Harrison Barnes (North Carolina) und Jared Sullinger (Ohio State) einen großen Einfluss. Tatsächlich haben die meisten Top-Ten-Spieler in unserem Crossover-Mockdraft jedoch vorgestern Nacht ihr NCAA-Debüt gefeiert.
So stehen die Kentucky-Forwards Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist ebenso unter den ersten Zehn wie ihre Klassenkameraden Andre Drummond (Connecticut), James McAdoo (North Carolina), Bradley Beal (Florida), Quincy Miller (Baylor) und Austin Rivers (Duke). Und auch Point Guard Marquis Teague (Kentucky) könnte die Top-Ten knacken.
Pick #1: Anthony Davis (PF, 211 cm, Freshman, Kentucky)
Anthony Davis‘ NCAA-Debüt konnte die Eindrücke der diversen YouTube-Clips bestätigen: der Junge hat unfassbar viel Talent! Da Davis vor weniger als drei Jahren noch ein 1,90 Meter großer Guard war, besitzt er alle Fähigkeiten eines kleinen Spielers: Dribbling, Wurf, Spielübersicht. Nach einem Wachstumsspurt von 18 Zentimetern in nur einem Jahr kombiniert er diese Guard-Skills nun mit dem Körper eines langen Power Forwards, ohne jedoch an Technik, Athletik oder Beweglichkeit eingebüßt zu haben. Er besitzt somit alle Werkzeuge, um (in einigen Jahren) ähnlich wie beispielsweise ein Kevin Garnett das Spiel auf beiden Seiten des Feldes zu beeinflussen.
Davis‘ vorbildliche Arbeitseinstellung sowie die Tatsache, dass er bei den Kentucky Wildcats auf höchstem Niveau gefordert sein wird, sollten seine Entwicklung nur noch beflügeln, zumal sein Trainer John Calipari als einer der besten „NBA-Zulieferer“ gilt. Einzig sein dünner Körper sowie die noch recht rohen Post-Moves könnten sich als kontraproduktiv erweisen, so wie letzte Saison bei dem ähnlich veranlagten Perry Jones. Doch selbst dann ist Davis aufgrund seines schieren Talents ein Kandidat für die ersten fünf Plätze.
Pick #2: Andre Drummond (PF/C, 211 cm, Freshman, Connecticut)
Drummond war das große Gesprächsthema des Sommers, als er sich zunächst für ein fünftes High-School-Jahr an einer Prep School entschied, ehe er doch bekannt gab für den Titelverteidiger die Schuhe zu schnüren. Damit erhält in Storrs das wohl größte reine Center-Talent seit Greg Oden Einzug, denn Drummond verfügt trotz seiner 18 Jahre über einen NBA-reifen Körper und eine entsprechende Athletik. So hagelt es in Korbnähe krachende Dunks, harte Rebounds und monströse Blocks. Darüber hinaus ist Drummond für seine Größe und Position ein starker Ball-Handler, Werfer und auch Passer. Ergo: Ganz ohne Frage ein Ausnahmetalent.
Fraglich ist lediglich Drummonds Arbeitseinstellung. So hat man ihn auf dem High-School-Niveau allzu häufig passiv und desinteressiert agieren gesehen und das nötige Feuer vermisst. Man muss ihm jedoch zugestehen, dass er bisher nie ernsthaft gefordert wurde und auch der junge Amare Stoudemire ähnliche Probleme hatte, ehe er in der NBA explodierte. Zudem äußern sich Coaches und Teamkollegen bisher äußerst positiv über Drummonds Lernbereitschaft. Man sollte die Hoffnung also nicht vorschnell aufgeben. Dennoch: Aufgrund der charakterlichen Fragezeichen bleibt Drummond in diesem Ranking trotz des besseren Körpers erst einmal hinter Anthony Davis.
Pick #5: James McAdoo (SF/PF, 206 cm, Freshman, North Carolina)
McAdoo besitzt weder die Länge von Anthony Davis, noch die Kraft und Explosivität von Andre Drummond. Dennoch gehört er zu den talentiertesten Neulingen der NCAA. Dies liegt insbesondere an seiner enormen Vielseitigkeit. Egal ob offensiv oder defensiv, im Schnellangriff oder im Halbfeld, in der Zone oder auf dem Flügel, per Drive oder per Sprungwurf – der Neffe von Ex-MVP Bob McAdoo ist stets gefährlich. So loben Scouts nicht nur seine „smoothe“ Athletik und sein starkes Rebound-Verhalten, sondern vor allem sein außergewöhnliches Spielgefühl und die gut ausgebildeten Grundfähigkeiten.
Zugleich stehen hinter McAdoo allerdings zwei Fragezeichen. Das erste: Welche Forward-Position wird er primär bekleiden? Bisher kann er sowohl auf der „Drei“ als auch auf der „Vier“ agieren, was zunächst einmal positiv zu bewerten ist. Mit Blick auf die NBA besitzt er für einen Power Forward jedoch nicht ganz das Gardemaß, während er für einen Flügelspieler noch nicht konstant genug dribbeln und von außen werfen kann. Hinzu kommt, dass McAdoo im unfassbar tiefen UNC-Team hinter Barnes und John Henson eventuell nur von der Bank kommen wird. Gut möglich also, dass wir den Namen James McAdoo erst im Draft 2013 hören werden – in jedem Fall jedoch sehr weit vorne.
Pick #6: Bradley Beal (SG, 193 cm, Freshman, Florida)
Vier Jahre nach dem Abgang der Doppel-Meister um Joakim Noah, Al Horford und Corey Brewer hält in Gainsville, Florida, ein neues NBA-Talent Einzug. Sein immenses Talent stellte Beal dabei bereits in Hamburg unter Beweis, nämlich bei der U17-Weltmeisterschaft vor einem Jahr. Und in einem mit massig Talent (Drummond, McAdoo, Kidd-Gilchrist, Teague, ...) war Beal, der das starke US-Team im Scoring anführte und zum Turnier-MVP gewählt wurde.
Grund hierfür sind insbesondere seine offensiven Fähigkeiten. Sein Wurf ist fantastisch mit Reichweite hinter die Dreierlinie (U17-WM: 31/65 3er). Einige Experten vergleichen ihn deshalb bereits mit Celtics-Shooter Ray Allen. Doch Beal ist keineswegs ein reiner Schütze. Dank seines kräftigen Körpers und seinem guten Spielverständnis kann er auch den Weg zum Korb suchen und sogar defensiv überzeugt er. Für einen NBA-Shooting-Guard ist Beal mit seinen 1,93 Meter allerdings ein paar Zentimeter unterhalb des Optimums anzusiedeln und auch sein Ballhandling benötigt noch Feinschliff.
Pick #8: Quincy Miller (SF, 208 cm, Freshman, Baylor)
Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Jones dürfte Quincy Miller trotz seiner Körpergröße wohl tatsächlich auf der angestammten Small-Forward-Position eingesetzt werden. Denn Miller ist in erster Linie ein enorm vielseitiger Flügelscorer, der dank seiner Länge, Explosivität und kreativen Ballbehandlung im Zug zum Korb schwer zu stoppen ist und gleichzeitig aus dem Dribbling abstoppen und per Sprungwurf vollenden kann. Dieses Gesamtpaket erinnert durchaus an Thunder-Star Kevin Durant, wenngleich auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Während Millers Talent wohl außer Frage steht, ist abzuwarten ob er dieses schon in seiner ersten Saison abrufen können wird. Wie schwer die Umstellung fallen kann, hat Teamkollege Jones erlebt, und auch Miller kann physisch noch deutlich zulegen. Dasselbe gilt für seine Defensivarbeit, die angesichts seiner Länge und Athletik besser sein könnte. Im Falle einer „one-and-done“-Karriere ist Miller dennoch ein wahrscheinlicher Lottery-Kandidat – vielleicht benötigt aber auch er ein bisschen länger...
Pick #9: Michael Kidd-Gilchrist (SF, 201 cm, Freshman, Kentucky)
Mit Michael Kidd-Gilchrist konnten sich die Kentucky Wildcats ein weiteres hochkarätiges Talent sichern, das vor zwei, drei Jahren sogar noch die Ranglisten seines Jahrgangs anführte. Inzwischen ist er ein paar Plätze abgerutscht, was – neben seinem ausbaufähigen Distanzwurf – insbesondere daran liegt, dass der 2,01 Meter große Small Forward in den Augen der Scouts nicht das Naturell und die Spielweise eines überragenden offensiven Dominators mitbringt. Dennoch ist er weiterhin ein heißer Kandidat für die Draft-Lottery.
So ist Kidd-Gilchrist mit seinem langen, kräftigen Körper, seiner herausragenden Athletik und seinem bereits recht weit entwickelten Spielverständnis nicht nur eine offensive Allzweckwaffe, sondern vor allem ein herausragender Verteidiger und Rebounder. Häufig legt er dabei den gegnerischen Star an die Kette, doch auch für Drecksarbeit ist er sich nicht zu schade. Nicht umsonst schrieb Jonathan Givorny von Draftexpress nach der U17-WM in Hamburg, Kidd-Gilchrist sei „ganz klar das beeindruckendste Talent des Turniers“ und sei in der Lage, trotz seiner 17 Jahre schon jetzt am College zu bestehen.
Pick #10: Austin Rivers (PG/SG, 193 cm, Freshman, Duke)
Nur wenige Monate nachdem mit Kyrie Irving ein Freshman-Point-Guard von Duke an der Spitze des NBA Draft landete, übernimmt in Durham, North Carolina, ein weiterer hoch talentierter Aufbauspieler das Zepter. So kommt mit Austin Rivers nicht nur der amtierende „High School Spieler des Jahres“, sondern auch der wohl beste pure Scorer seines Jahrgangs. Egal ob aus dem Stand oder aus dem Dribbling, in Korbnähe oder mehrere Schritte hinter der Dreierlinie – bisher konnte der Sohn von Celtics-Coach Doc Rivers immer und überall für Gefahr sorgen.
Dass Rivers nicht weiter oben in dieser Rangliste steht, ist primär auf seine Defizite im Aufbauspiel zurück zu führen. Denn bisher fiel er häufiger als balldominanter Scorer mit Tunnelblick auf und seltener als klassischer Ballverteiler. Für einen NBA-„Zweier“ ist er hingegen weder übermäßig groß noch athletisch, was sich vor allem defensiv bemerkbar machen dürfte. Optimalerweise würde Rivers unter Coach Mike Krzyzewski in Duke an seinem Aufbauspiel arbeiten, sich zu einem Spieler à la Stephen Curry entwickeln und somit für die Top-5 in Frage kommen. Als schnellerer J.J. Reddick wäre er hingegen ein Wackelkandidat für die ersten Zehn.
Pick #13: Marquis Teague (PG, 188 cm, Freshman, Kentucky)
Im Gegensatz zu vorherigen Draft-Klassen muss bei diesem Jahrgang ein Mangel an erstklassigen Aufbauspielern festgestellt werden. Profitieren könnte hiervon Marquis Teague, der – vor Myck Kabongo (Texas), Josiah Turner (Arizona) und Tony Wroten (Washington) – als talentiertester Point Guard seines Jahrgangs gehandelt wird. Dies ist vor allem auf Teagues irre Schnelligkeit und Explosivität sowie sein nicht minder spektakuläres Ballhandling zurück zu führen, die den Bruder von Jeff Teague zu einem gefährlichen Scorer machen. Fraglich ist, ob Teague als Spielmacher im talentierten Wildcats-Team konstant überzeugen kann. Hiervon dürfte abhängen, ob er die Top-Ten knacken wird.



von RedWater 13.11.11 um 10:43:45
Davis ist ein Riesentalent, ich hätte nicht gedacht das der Schlacks dermaßen im ersten Spiel einschlägt. Doch wie bei Perry Jones muss er erst mal die Umstellung schaffen. Drummond erinnert mich ein wenig an Favors, der auch mit einer übermenschlischen Athletik an der HS gesegnet war. Das Freshmanjahr war gut, aber nicht dominant.
Gilchrist ist für mich der beste Vollblutteambasketballer des Drafts. Leider ein wenig unterschätzt.
von KB-24 13.11.11 um 16:15:56
Meine Meinung.Gilchrist hier zu tief im ranking.genauso wie Rivers.der junge hat ein skillset davon träumen viele nur,und trotzdem fliegt er weit unter Radar.völlig grundlos...
Dieser John Henson von North carolina hat mir beim Carriers Classic auf der Carl Vinsson auch seehr gefallen.athletischer langer agiler Big men und endlos langen armen.neun blocks kommen nich von ungefähr und wieviel Würfe der auch per Mindset vom Gegner gechanged hat war wahnsinn!hatn mördertiming.hat gegen Michigan fastn Triple Double mit Blocks hingelegt.ein echter sleeper der typ.
wer mir hier im ranking ebenfalls fehlt is Harrison Barnes.ähnlich wie Gilchrist ein Flügel mit viel Saft und Midrangegame.
von B-Jay 13.11.11 um 16:23:42
@KB-24: Harrison Barnes fehlt in diesem Ranking, da hier die besten Freshman aufgeführt sind. Er steht auf #3 und wurde gestern mit den anderen Rückkehrern vorgestellt.
Ansonsten kann ich zustimmen, dass Kidd-Gilchrist ein hervorragendes Talent ist und ich hätte ihn als Fan definitiv gerne in meinem Team. Wenn er seine Leistungen aus dem Auftaktspiel bestreitet, dürfte er in der Tat weiter steigen.
Rivers ist natürlich ein krasser Zocker mit massig Talent, aber dies alleine macht ihn nicht automatisch zu einem Top-5-Pick oder dergleichen (siehe Fredette letztes Jahr). Bisher ist sein Spiel zu balldominant und Scoring-lastig. Er muss effektiver in der Offense und engagierter in der Defense werden, um weiter zu steigen. Ausgeschlossen ist dies natürlich nicht. Warten wir's ab...
von justuskoch 13.11.11 um 17:20:07
rivers ist extrem unterschätz bei crossover... vor allem wenn man den vergleich zu beal zieht: vom jumper her, nehmen die sich nicht viel nur das rivers eine viel krassere athletik hat und dazu noch einer der schnellsten und explosivsten spieler der welt ist... ich denke das rivers und vielleicht gilchrist die einzigsten sind, die jetzt schon "nba ready" sind.
mcadoo ist ein solider spieler, hat aber finde ich nicht besonders viel potential. er ist nicht besonders groß für seine position, hat keine extrem starke athletik und auch nicht die feinmotorischen skills...ein arbeiter bei dem man weiß was man hat. deshalb auch im mockdraft auf #5? vor henson oder perry jones oder quincy miller? das ist echt sehr sehr fragwürdig
von KB-24 13.11.11 um 17:21:24
dem stimm ich nat zu,jedoch meinen experten und die kommentatoren vom carriers classic das man sich ähnlich wie bei wall oder rose darauf einstellen sollte das rivers seine scoring mentalität als PG nicht ablegen wird.wie beide vorher genannten ist er nicht der first pass player und der wird er auch nie werden.was seine wertsteigerung angeht wenn er defensiv zulegt bleibt jedoch wirklich abzuwarten,bin jedenfalls gespannt wie sich docs sohn in der nba machen würde.und vor allem wo.
von Raquel 13.11.11 um 18:57:36
Ich finde Rivers auch saugeil und hoffe der wird einschlagen wie eine Bombe. Aber zum Ranking muss ich sagen, dass das schon so zu stimmen scheint. Als Vergleich schicke ich mal ein paar andere Einschätzungen des Drafts 2012. (Jaja, der Lockout... Da befasst man sich mit Dingen die soweit weg liegen...)
[nbadraft.net]
[draftexpress.com]
[mynbadraft.com]
[hoopsworld.com]