Draft Check
Die Lotterie vor der Lottery
Die College-Stars rüsten sich für die March Madness. Dort kann ihr Wert für den NBA Draft noch steigen. Während unter anderem DeMarcus Cousins und Elias Harris dort am Start sind, muss der noch unbekannte Hassan Whiteside zwar nur zuschauen, hat aber dennoch Chancen auf die Talentwahl im Juni.
Von Björn Lehmkühler, Florian Lindemann |
06.03.2010 | |
Dass John Wall (Kentucky) im Mockdraft 2010 weiterhin den ersten Platz belegt, sollte niemanden überraschen. Mit 16,8 Punkten, 6,2 Assists und 4,2 Rebounds pro Partie ist der Freshman einer der Garanten dafür, dass Kentucky als einer der großen Titelfavoriten gilt.
Interessant ist vielmehr das Wechselspiel auf den folgenden Plätzen: Neben DeMarcus Cousins, der einen gigantischen Sprung von #20 auf #5 macht, ist vor allem Guard Evan Turner (Ohio State) einer der großen Gewinner. Nach einer Rückenverletzung am 5. Dezember kehrte der Junior bereits am 6. Januar auf das Spielfeld zurück und knüpfte beinahe nahtlos an seine Top-Leistungen aus den ersten Wochen an: 19,7 Punkte, 9,3 Rebounds und 5,9 Assists verbucht Turner im Schnitt und befindet sich damit auf dem besten Wege, hinter Wall als zweiter Spieler im Draft 2010 aufgerufen zu werden.
Damit löst Turner den jungen Derrick Favors (Georgia Tech) als Zweitplatzierten ab. Der 18-jährige Power Forward gilt dank seiner herausragenden athletischen und physischen Anlagen zwar weiterhin als sicherer Top-Ten-Pick, konnte allerdings noch immer nicht den Durchbruch in der NCAA schaffen. Es stellt sich die Frage, wie effektiv der spielerisch eingeschränkte Favors in der NBA gegen ähnlich athletische Kontrahenten sein wird.
Fragezeichen stehen auch hinter Forward Ed Davis (North Carolina). So könnte ihm nicht nur die katastrophale Saison seiner Tar Heels schaden, sondern auch der Bruch in seinem linken Handgelenk. Dieser beendete nämlich die Saison - und wohl auch die College-Karriere - von Davis und raubt ihm die Chance, sich in den letzten NCAA-Wochen noch einmal zu präsentieren. Nach einer ohnehin durchwachsenen Saison wird Davis vor dem Draft starke Workouts ablegen müssen, um den angestrebten Platz in den Top Fünf nur zu erreichen.
Diese Draft-Regionen schienen vor Saisonbeginn auch für Devin Ebanks (West Virginia) und Willie Warren (Oklahoma) im Rahmen des Möglichen. Inzwischen befinden sich die beiden Talente jedoch auf vielen Draftboards im freien Fall. Ebanks ist vollkommen ungefährlich von außen (11,1 Prozent) und konnte bisher nicht die Führungsrolle bei den Mountaineers übernehmen. Doch während Ebanks zumindest regelmäßig sein Lottery-Potential aufblitzen lässt, kommt bei Warren alles zusammen: schwache Leistungen, angebliche Probleme mit dem Coach und nun auch noch Pfeiffersches Drüsenfieber. Für den Combo-Guard rückt die Lottery somit in immer weitere Ferne.
Elias Harris
Letztes Jahr noch ProB, heute NCAA und morgen schon NBA? Elias Harris' Entscheidung, Profiverträge auszuschlagen, um auf jeden Fall an einem amerikanischen College Basketball spielen zu können, hat sich bisher als absolut richtig erwiesen. Bei den Gonzaga Bulldogs ist er nicht nur zum Starter avanciert, sondern ist zugleich der Anführer des jungen College-Teams. Mit durchschnittlich 14,9 Punkten und 7,4 Rebounds spielte er sich eindrucksvoll ins Rampenlicht. Schnell war ihm auch die Aufmerksamkeit der US-Journalisten und Scouts sicher - auch dank diverser Highlight-Dunks. Mittlerweile rangiert der 20-Jährige in vielen Mockdrafts unter den besten 20 Spielern (Crossover-Mockdraft: Platz 16).
Dabei ist es überhaupt nicht sicher, ob Harris sich für den Draft 2010 anmelden wird. Die Tendenz geht sogar eher in Richtung Draft 2011. Auch Nationaltrainer Dirk Bauermann empfiehlt ihm, sich lieber noch ein weiteres Jahr am College weiter zu entwickeln. Doch wäre dies wirklich der richtige Schritt? Viel hängt auch vom kommenden Turnier um die College-Meisterschaft ab. Mit dem Division-Titel der WCC gehören die Bulldogs nicht zu den Favoriten, aber die Sweet Sixteen (Achtelfinale) sind durchaus realistisch. Präsentiert sich Harris in diesen entscheidenden Spielen gut, kann sein Draft-Wert eigentlich gar nicht mehr steigen. Dann könnte ein weiteres Jahr am College ihn zwar individuell verbessern, seine Position im Draft jedoch trotzdem schmälern.
DeMarcus Cousin
Fällt der Name Kentucky, denken alle nur an John Wall. Doch die Wildcats wären in dieser Saison nicht so erfolgreich, hätte der kommende Superstar nicht Spieler wie DeMarcus Cousins oder Patrick Patterson an seiner Seite. Diese beiden Spieler haben selbst gute Chancen, in der Lottery gezogen zu werden. Auch deshalb gilt Kentucky als einer der Topfavoriten auf die College-Meisterschaft.
Cousins beeindruckt vor allem mit seiner sehr körperlichen Spielweise. 15,9 Punkte und 10,1 Rebounds pro Spiel sprechen für sich. Dabei nutzt er besonders seine Größe, die ihm - kombiniert mit einem guten Touch - viele Möglichkeiten im Lowpost eröffnet. Auf dem College ist er kaum zu stoppen, wenn er den Ball einmal in der Nähe des Korbes bekommt. Allerdings ist Cousins nicht besonders schnell auf den Füßen und erst recht nicht explosiv, was sich auch in seiner Körpersprache widerspiegelt.
Das Talent von Cousins dürfte vielen GMs das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, jedoch ist fraglich, ob er den Willen besitzt, dieses mit hartem Training auch voll auszunutzen. Bei einigen Experten und Scouts werden sicherlich schon Erinnerungen an Spieler wie Eddy Curry wach.
Hassan Whiteside
Vor dieser Saison war Hassan Whiteside wohl auf dem Radar keines Scouts. Das hat sich mittlerweile geändert. Mit spektakulären Statistiken hat er sich in seinem ersten Jahr bei den Marshall Thundering Herd in die Lottery des kommenden Drafts katapultiert.
Aktuell legt der schlaksige Power Forward, der auch Center spielen kann, 13,5 Punkte, 9,2 Rebounds und 5,5 Blocks pro Spiel auf in nur 26,2 Minuten pro Spiel. Dabei ragen besonders drei Leistungen heraus, in denen Whiteseide jeweils ein Triple-Double erzielte. Dieses Kunststück gelang ihm gegen Brescia und zwei Mal gegen UCF.
Jedoch ist Whiteside noch ein Rohdiamant, der zwar in vielen Bereichen seines Spiels gute bis sehr gute Ansätze zeigt, sich aber noch weiter entwickeln muss. Zudem spielt sein College in einer schwächeren Division und so sind Leistungen nicht eins zu eins vergleichbar mit anderen Talenten.
Sicher ist jedoch, dass Whiteside das Talent und auch die körperlichen Vorrausetzungen besitzt, um ein guter NBA-Spieler zu werden. Meldet er sich bereits dieses Jahr zum Draft an, wird er viel Lehrgeld zahlen müssen. Vielleicht wäre es für seine persönliche Entwicklung besser, ein weiteres Jahr am College zu bleiben.
Die Aufsteiger: DeMarcus Cousins (+15), James Anderson (+5), Jan Vesely (+4)
Die Absteiger: Willie Warren (-14), Devin Ebanks (-7), Ed Davis (-3)
Die Einsteiger: Hassan Whiteside (#10), Elias Harris (#16), Paul George (#24), Elliot Williams (#25), Quincy Pondexter (#26)
Die Aussteiger: Craig Brackins (#17), Kyle Singler (#21), Jerome Jordan (#23), Dexter Pittman (#28), Trevor Broker (#29)



von TheMainIngredigent 06.03.10 um 20:06:48
ein bemerkenswerter Service von crossover-online
von Cabalios 09.03.10 um 22:53:16
jupp, da freut mich sich doch gleich wieder auf den live blog in der draftnacht. (das war ja letztes jahr die m. jackson nacht. rip)
von Treffnix 10.03.10 um 14:24:18
Falsch, es war die Nacht in der ich bei 9 der ersten 10 Picks richtig lag ! :-)
von Bob!!! 10.03.10 um 18:35:42
harris' spielt zwar 'ne richtig geile saison und er ist eine der überraschungen, dennoch spielt er seit februar eher mäßig und kann nicht mehr an die leistungen aus dem januar anknüpfen. war zwar klar dass er nicht 21ppg+11rpg die ganze saison auflegen kann, aber der hype um ihn entstand im januar und legt sich jetzt wieder. er sollte auf jeden fall noch ein jahr warten und mehr leadership übernehmen...
von Dickson 11.03.10 um 13:01:20
wenn es um den hype geht, müsste harris dieses jahr in die draft...
joakim noah war nach der ersten meisterschaft und seiner mvp performance ein top-5 pick, ein jahr später hatte er einige löcher in seinem spiel und war hype-technisch abgekühlt.
ich persönlich denke, dass harris ein jahr am college bleibt/bleiben sollte und seine persönliche entwicklung vorantreibt und sich nen konstanten 3er zulegt, schließlich spilt er ausserhalb des colleges auf dem flügel.
mit schaffartzik / günther, harris, benzing, ohlbrecht & pleiß ist team germany für die nächsten turniere doch gut aufgestellt...