Draft Check

College statt Chaos

Sie hätten im vergangenen Juni im Draft sein können. Doch anstatt das Lockout-Chaos zu durchleben, gingen diese sieben NBA-Talente lieber für ein weiteres Jahr ans College zurück. Püntklich zum Start der NCAA-Saison 2011-12 blicken wir im ersten Teil unseres Draft Checks auf die besten Uni-Rückkehrer.

Von Björn Lehmkühler
 12.11.2011 |

Es ist eine Floskel, die sich jährlich zu wiederholen scheint, dieses Mal jedoch tatsächlich gerechtfertigt ist: der kommende NBA Draft dürfte einer der interessantesten der jüngeren Vergangenheit werden. Dies liegt nicht nur daran, dass im Falle eines NBA-Super-GAUs, also eines kompletten Saisonausfalls, die Bestimmung der Auswahlreihenfolge ein spannendes Diskussionsthema darstellen würde. Auch ohne dieses Horror-Szenario verspricht der Draft 2012 viel Spannung.

Die wichtigste Zutat für eine faszinierende Talentwahl sind dabei natürlich Top-Talente – und hiervon gibt es im Gegensatz zum vergangenen Draft reichlich. So kehrten mit Harrison Barnes (North Carolina), Jared Sullinger (Ohio State) und Perry Jones (Baylor) drei Youngster für ein zweites Jahr an die Uni zurück, obwohl sie allesamt hervorragende Chancen auf einen der ersten fünf Draft-Plätze gehabt hätten. Hinzu kommen weitere talentierte Rückkehrer wie Thomas Robinson (Kansas), Jeremy Lamb (Connecticut), Terrence Jones (Kentucky) oder John Henson (North Carolina), die allesamt das Zeug für einen Leistungssprung besitzen und ins Rennen um die Top-Ten eingreifen können.

Im ersten Teil des Draft Check werfen wir einen Blick auf die bestplatzierten Uni-Rückkehrer im ersten Crossover-Mockdraft 2012. Ein Scouting der Top-Freshmen folgt morgen im zweiten Teil.

Pick #3: Harrison Barnes (SF, 203 cm, Sophomore, North Carolina)

Barnes hat eine höchst wechselhafte erste College-Saison hinter sich. Vor Saisonbeginn als Heilsbringer gefeiert, enttäuschte Barnes in den ersten Saisonmonaten mit miserablen Wurfquoten und verlor mit den Tar Heels nicht nur einige Spiele, sondern auch seinen Status als Favorit auf den Top-Pick 2011. In der zweiten Saisonhälfte – auch bedingt durch den Point-Guard-Wechsel von Larry Drew zu Kendall Marshall – konnte Barnes dann deutlich mehr Akzente setzen, verhalf seinem Team zu einem starken Zielspurt und eroberte die Zuneigung der NBA-Scouts zurück. Dennoch entschied er sich, für eine weitere Saison nach Chapel Hill zurückzukehren.

Nun sind die Erwartungen erneut hoch, denn Barnes gilt als bester Spieler im vermeintlich besten Team der NCAA. Grund hierfür sind insbesondere seine für einen Small Forward optimalen physischen und athletischen Fähigkeiten, sein sicherer Wurf aus dem Dribbling, sein eleganter Zug zum Korb und seine engagierte Defense. Hinzu kommt eine vorbildliche Einstellung, die allseits wahre Lobeshymnen hervorruft. Zwar fehlt Barnes die „Upside“ eines Davis oder Drummond und außer LeBron James anno 2003 wurde in den vergangenen 17 Jahren kein Small Forward an erster Position gedraftet. Der Name Harrison Barnes darf in der Diskussion um die Spitzenplätze dennoch keinesfalls fehlen.

Pick #4: Jared Sullinger (PF, 206 cm, Sophomore, Ohio State)

Nach einer herausragenden ersten Saison, die Jared Sullinger diverse Auszeichnungen zum Freshman des Jahres eingebracht hat, war seine Rückkehr nach Columbus eine handfeste Überraschung. Schließlich hätte er im vergleichsweise schwachen Draft 2011 eine Spitzenposition sicher gehabt. Dem College-Basketball wird diese Entscheidung jedoch gut tun, denn Sullinger hat schon jetzt als Top-Favorit auf den MVP-Titel zu gelten. Denn in der NCAA ist seine Mischung aus Kraft, Finesse und Post-Moves von kaum einem Gegenspieler zu verteidigen.

Sullingers reines Potential ist zwar geringer einzuschätzen als das seiner Konkurrenten Davis, Drummond, McAdoo und Perry Jones, da er mit Blick auf die NBA nicht nur relativ klein für einen reinen Innenspieler ist, sondern aufgrund seiner bestenfalls durchschnittlichen Athletik auch selten über Ringniveau agiert. Allerdings sollte der bullige „Zweitklässler“ aufgrund seiner körperlichen und spielerischen Reife in der Lage sein, in der NBA von Beginn an mithalten kann. Dies macht ihn zu einer sicheren Anlage. Da zudem Paul Millsap und zuletzt Kevin Love mit ähnlichen Voraussetzungen in der NBA erfolgreich waren, kann Sullinger durchaus unter den ersten Fünf gezogen werden.

Pick #7: Perry Jones (SF/PF, 211 cm, Sophomore, Baylor)

Wie Sullinger entschied sich auch Perry Jones dazu, trotz guter Draft-Aussichten für eine zweite Saison an die Uni zurückzukehren. Dort hören die Parallelen allerdings auf. Denn im Gegensatz zum Buckeyes-Forward hat Jones eine durchwachsene erste Saison hingelegt. So verpasste er mit seinen Baylor Bears nicht nur überraschend die Qualifikation für das NCAA Tournament – auch persönlich könnte Jones nur selten überzeugen.

An der High School hatte Jones trotz seiner Größe zumeist auf dem Flügel agiert, wobei er dank seiner Mobilität, Athletik und Technik sogar als noch längerer Tracy McGrady beschrieben wurde. Diese Spielweise konnte er jedoch bisher nicht in die NCAA konvertieren und mangels Masse und Post-Moves wirkte er in seiner Rolle als Power Forward oder Center enorm unsicher. Natürlich verfügt Jones über alle Voraussetzungen, um auf beiden Seiten des Feldes einen wahren Matchup-Albtraum darzustellen und allein aus diesem Grund dürfte er wohl kaum aus der Lottery fallen. Um diesen sechsten Platz zu rechtfertigen, wird der Sophomore jedoch mehr von seinem Potential ankratzen müssen.

Pick #11: Thomas Robinson (PF, 206 cm, Junior, Kansas)

Im Schatten der Morris-Zwillinge Marcus und Markieff sowie Freshman-Guard Josh Selby war Thomas Robinson letzte Saison zumeist nur der vierte Spieler auf der Liste der NBA-Scouts. Nach dem Abgang des Trios wird sich dies zweifellos ändern. In den Köpfen der Talentspäher wird sich dabei zweifellos Robinsons gewaltiger Körper und seine nicht minder beeindruckende Athletik und Explosivität festsetzen, die ihn zu einem erstklassigen Verteidiger und Rebounder machen. Beweisen muss der neue Jayhawks-Anführer hingegen, ob er in der Offensive ein Team tragen kann. Würfe kreieren zählte nämlich bisher nicht zu seinen ausgewiesenen Stärken.

Pick #12: Jeremy Lamb (SG, 201 cm, Sophomore, Connecticut)

Auf dem Weg zum NCAA-Titel 2011 war es Jeremy Lamb, der Superstar Kemba Walker gelegentlich offensiv entlastete. Dabei ließ er immer wieder sein flüssiges Offensivspiel und seinen weichen Sprungwurf aufblitzen, ebenso seine ausgezeichneten defensiven Qualitäten. Dies wird er nun, ohne Walker, deutlich regelmäßiger tun müssen, möchte er dies Huskies an der Spitze halten und sich selbst als Top-Ten-Kandidat in Position bringen. Die Technik, Athletik und Körperlänge für einen NBA-„Zweier“ bringt er definitiv mit – allerdings fehlt ihm bisher die Physis, um in der Zone erfolgreich abzuschließen und zu verteidigen.

Pick #14: Terrence Jones (SF/PF, 206 cm, Sophomore, Kentucky)

Hinter Terrence Jones liegt eine wechselhafte erste College-Saison. Mit reichlich Vorschuss-Lorbeeren gestartet, zeigte der technisch versierte Combo-Forward in den ersten Saisonmonaten einige gute Ansätze als Inside-Outside-Scorer und Passgeber. Doch während Freshman-Kollege Brandon Knight im NCAA Tournament über sich hinaus wuchs und sich für einen hohen Platz im Draft 2011 empfahl, tauchte Jones in den wichtigen Spielen ab und rutschte auf den „Draft Boards“. Nun befindet er sich in der interessanten Situation, der „Veteran“ in einem talentierten, jungen Wildcats-Team zu sein, das auf seiner Position mit Anthony Davis und Michael Kidd-Gilchrist ordentlich nachgerüstet hat. Für den angestrebten Lottery-Platz wird Jones wesentlich konstanter spielen und eine bessere Wurfauswahl zeigen müssen.

Pick #15: John Henson (PF, 211 cm, Junior, North Carolina)

Kaum ein Talent hat so klar definierte Stärken und Schwächen wie der Power Forward der Tar Heels. Auf der Habenseite stehen ein langer Körper mit Kondor-Armen sowie eine ausgezeichnete Mobilität und explosive Athletik. Dadurch ist Henson einer der besten Rebounder und Shot-Blocker der NCAA. Dem gegenüber steht ein Offensivspiel, welches auch nach zwei College-Jahren arg zu wünschen übrig lässt und vornehmlich aus Put-Backs und Alley-Oops besteht. Da sich seine Stärken (Rebounds, Blocks) gut in die NBA übertragen lassen, sollte Henson auch ohne nennenswerte Offensive Mitte der ersten Runde einen Abnehmer finden, vor allem wenn UNC erwartungsgemäß um den Titel mitspielt.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:49:01


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