Draft 2006

Crossover-Draftnews

Nach dem NCAA Tournament richten sich die Augen der College-Welt auf den NBA-Draft im Juni. Crossover-Online läutet mit neuen Profilen, neuem Mockdraft und neuer Technik die heiße Draft-Phase ein.

Von Christian Neumann, Maximilian Selow
 22.04.2006 |

Das diesjährige NCAA Tournament ist Geschichte (wir berichteten ausführlich), und die NBA-Playoffs stehen an. Damit rückt auch der NBA-Draft unaufhaltsam näher, und viel ist in der Zwischenzeit geschehen: Sichere Erstrundenkandidaten haben sich durch grausige Tournament-Vorstellungen aus dem Rennen um einen der ersten dreißig Picks verabschiedet (Taj Gray zum Beispiel), andere sind sich nicht mehr sicher, ob es zur späten ersten oder nur zur frühen zweiten Runde reichen würde und kehren deshalb lieber ans College zurück (Daniel Gibson), und wieder andere haben die March Madness genutzt, um sich einen garantierten NBA-Vertrag zu erspielen (Patrick O'Bryant).

Gestern wurden die Draft-Ties gebrochen, und das heißt, dass die Draftreihenfolge noch etwas genauer vorausgesagt werden kann. Zur Erinnerung: Wenn zwei Teams die reguläre Saison mit derselben Bilanz abschließen (wie dieses Jahr u.a. Charlotte und Atlanta bei jeweils 26 Siegen und 56 Niederlagen), muss das Los entscheiden, wer in der Draftlottery die besseren Chancen haben wird. Folgende Ergebnisse kamen dabei heraus (Quelle: nba.com):

Lottery-Teams:

Charlotte (26-56) gewann den Tie-breaker gegen Atlanta
Minnesota (33-49) gewann den Tie-breaker gegen Boston
Houston (34-48) gewann den Tie-breaker gegen Golden State
New Orleans/Oklahoma City (38-44) gewann den Tie-breaker gegen Philadelphia

Playoff-Teams:

Chicago (41-41) gewann den Tie-breaker gegen Indiana
Sacramento (44-38) gewann den Tie-breaker gegen Denver
New Jersey (49-33) gewann den Tie-breaker gegen Memphis

Im Fall der Lottery-Teams hat das jeweils siegreiche Team nun höhere Chancen auf den ersten Pick im kommenden NBA-Draft. Wer mit diesem ersten Pick gewählt werden wird, hängt von der Reihenfolge der draftenden Teams ab, denn es gibt in diesem Jahr keinen allesüberragenden Favoriten wie Tim Duncan im Jahr 1997 oder LeBron James anno 2003. Stattdessen haben sich fünf Spieler ? LaMarcus Aldridge, Adam Morrison, Rudy Gay, Tyrus Thomas und mit Außenseiterchancen Andrea Bargnani ? als Kandidaten herauskristallisiert. Dass jemand außerhalb dieser Gruppe den 1. Platz belegt, erscheint zumindest im Augenblick als nahezu ausgeschlossen.

Wer sind die besten Spieler im kommenden NBA-Draft?

Zunächst wollen wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen, auf wen man achten sollte, wenn es um den diesjährigen NBA-Draft geht. Zu diesem Zweck stellt Maximilian Selow kurz die drei ausichtsreichsten Draft-Kandidaten für jede der fünf Spielpositionen vor. Eine ausführliche Rangliste für jede einzelne der Positionen wird es ab der kommenden Ausgabe dieser Serie geben.

Point Guards:

1. Randy Foye. Der spritzige Combo-Guard hat die Erfahrung und die Fähigkeiten, um schon in seiner ersten Saison als Starter aufzulaufen.

2. Rajon Rondo. Der wohl talentierteste Point Guard im Draft hat viele Löcher in seinem Spiel, doch er besitzt einfach zuviel Potential, als dass NBA-Teams ihn durchrutschen lassen würden.

3. Marcus Williams. Der beste ?reine? Point Guard dieses Drafts traf in den letzten Jahren zwar häufig fragwürdige Entscheidungen; allerdings eher außerhalb des Feldes, denn auf dem Feld ist Williams als Spielmacher voll in seinem Element.


Shooting Guards:

1. Brandon Roy. Eine starke Senior-Saison hat Roy in die Lottery katapultiert, und mit einem verbesserten Wurf und der Fähigkeit, beide Guard-Positionen spielen zu können, sollte sich der Washington Husky auch in der NBA durchsetzen können.

2. Mardy Collins. Ein Spieler der alten Schule, der in vielen Aspekten seines Spiels einfach unheimlich solide, wenn auch nicht überragend ist.

3. Ronnie Brewer. Der vielseitige Brewer kann eigentlich alles, was von einem NBA-Guard gefordert wird, doch kann er auch ohne den Ball in seinen Händen effektiv sein?


Small Forwards:

1. Adam Morrison. Der beste Scorer der NCAA bringt Old-School zurück in die National Basketball Association. Die langen Haare, der Schnurbart und die langen Socken ? Morrison hat alles, was den überdurchschnittlichen Basketballer der 70er und 80er ausmachte.

2. Rudy Gay. Der vielleicht talentierteste Spieler im Draft hat ein Problem ? seinen Kopf. Wenn er die Passivität ablegen kann, die ihn viel zu häufig plagt, ist Gay ohne Frage die Nr. 1 des Drafts.

3. Rodney Carney. Der Memphis Tiger hat das komplette Paket: Ob er in der Offense spektakulär dunkt, Dreier trifft oder in der Verteidigung seinen Gegenspieler ausschaltet ? Carney kann alles.


Power Forwards:

1. Tyrus Thomas. Die athletische Freshman-Sensation demütigt Gegenspieler mit ihren spektakulären Blocks und zeigt auch in der Offensive zahlreiche, vielversprechende Ansätze.

2. LaMarcus Aldridge. Aldridge hat alles, was einen NBA Power Forward ausmacht: das Postspiel, den Mitteldistanzwurf und hervorragende Fähigkeiten als Shotblocker und Rebounder. Um sein Potential auszuschöpfen, muss er jedoch die Inkonstanz ablegen, die ihn in den letzten Jahren plagte.

3. Andrea Bargnani. Die Euro-Sensation erfüllt sämtliche Klischees: groß, weiß, beweglich und ein hervorragender Werfer aus der Distanz.


Center:

1. Patrick O?Bryant. Als einer der wenigen klassischen Center im amerikanischen College-Basketball flog O?Bryant für lange Zeit unter dem Radar der Scouts. Als Sophomore hat der Sevenffooter noch reichlich Luft nach oben.

2. Shelden Williams. Der Landlord dominierte die College-Zone wie kein Zweiter, doch ob er sich mit seinen 2 Metern auch als Center in der NBA durchsetzen wird?

3. Cedric Simmons. Der athletische Sophomore hat einiges an Upside, auch wenn sein Offensivspiel noch seiner Defense deutlich hinterherhinkt.


Ein neues Draftboard mit völlig neuen Möglichkeiten

Unser Draftboard hat sich seit dem letzten Update grundlegend verändert, nicht zuletzt weil weitere Spieler hinzugekommen sind: Cedric Simmons, Saer Sene, Patrick O'Bryant, (alle von Peter Bieg verfasst), sowie Marcus Williams, Paul Millsap, Brandon Roy und Randy Foye (alle von Björn Lehmkühler geschrieben) sind jetzt mit ausführlichen Profilen in unserem Mockdraft zu finden. Weitere Profile werden in der Zeit bis zum Draft folgen und die bestehenden Profile ergänzt werden.

Überhaupt haben wir unser Draft-Angebot um eine entscheidende Komponente erweitert: Der Mockdraft besitzt jetzt eine Suchfunktion samt einer Liste aller Profile, auch der, die nicht im Mockdraft selbst aufgeführt werden. Dadurch wird es möglich, auch Profile von wahrscheinlichen Zweitrundenpicks zu lesen. Mit der Zeit werden unter Umständen auch Profile von Spielern aus anderen Draftjahren dort aufgeführt werden. Darauf werden wir dann jedoch noch einmal speziell hinweisen.

Und nun zum Mockdraft, der an dieser Stelle erstmals in diesem Jahr ausführlich erklärt wird. Wichtig ist, dass dies nur eine Variante von Hunderten möglichen darstellt und eine Prognose ist, wie der Draft ablaufen könnte. Dies geschieht in der Annahme, dass in der jetzigen Reihenfolge mit den zu erwartenden Spielern gedraftet wird.


1. Portland Trail Blazers - Adam Morrison (Guard/Forward, Gonzaga).
Wenn die Trail Blazers nicht "groß" draften (Aldridge oder Thomas), werden sie Morrison wählen, der zudem noch einen Heimatbonus mit nach Oregon bringt.

2. Chicago Bulls - LaMarcus Aldridge (Forward/Center, Texas)
Die Bulls brauchen einen Bigman und werden sich zwischen Aldridge und Thomas entscheiden. Für diesen Pick ist Adam Morrison der Außenseiter.

3. Charlotte Bobcats - Rudy Gay (Guard/Forward, Connecticut)
Für die Bobcats ist auch ein Bigman denkbar, doch Gay könnte mit Gerald Wallace ein verheerendes Duo bilden und würden zudem Emeka Okafor im selben Team haben, der auf demselben College war.

4. Atlanta Hawks - Andrea Bargnani (Forward, Italien)
Der Geheimtipp dieses Drafts, von dem einige Scouts sagen, er sollte der Top-Pick sein. Die Hawks drafteten einst auch Pau Gasol und können Bargnani.Raum zur Entwicklung geben.

5. Toronto Raptors - Brandon Roy (Guard/Forward, Washington)
Roy ist für viele Beobachter der vielseitigste Spieler im Draft, dürfte sich gut mit Chris Bosh und Charlie Villanueva verstehen und mit ihnen ein gefährliches Trio bilden.

6. Minnesota Timberwolves - Tyrus Thomas (Forward/Center, LSU)
Thomas ist der vielleicht talentierteste Spieler dieses Drafts und kann durchaus auch an Platz 1 weggehen. In Minnesota würde er neben Kevin Garnett die Bretter dominieren.

7. Boston Celtics - Rodney Carney (Guard/Forward, Memphis)
Carney kann die Lücke füllen, die Ricky Davis bei den Celtics hinterließ: die des athletischen Swingman an der Seite von Paul Pierce.

8. Houston Rockets - Randy Foye (Guard, Villanova)
Foye ist ein Siegertyp, ein offensivstarker, zuverlässiger und vielseitiger Combo-Guard.

9. Golden State Warriors - Josh McRoberts (Forward/Center, Duke)
Die Warriors draften oft auf Talent, und McRoberts ist zu talentiert, um ihn nicht zu nehmen. Er gibt Golden State Frontcourt-Hilfe und verstärkte Trade-Optionen.

10. Seattle Supersonics - Shelden Williams (Center/Forward, Duke)
Die Sonics sind ein grausames und unerfahrenes Defensivteam, das schnellstens Hilfe unter den Körben braucht. Williams sollte sich neben Chris Wilcox gut zurechtfinden können.

11. Orlando Magic - Ronnie Brewer (Guard, Arkansas)
Der Magic-Frontcourt steht, und einen Point Guard hat man auch. Was fehlt, ist ein großer Shooting Guard; besonders wenn DeShawn Stevenson abwandert. Brewer passt exzellent.

12. New Orleans Hornets - Patrick O'Bryant (Center, Bradley)
Der Hornets-Frontcourt ist reichlich dünn besetzt. O'Bryant stopft nicht nur diese Lücke, sondern gibt Chis Paul auch eine weitere Anspielstation im Lowpost neben David West.

13. Philadelphia 76ers - Mardy Collins (Guard, Temple)
Ein Iverson-Pick, der seinen Sinn verliert, wenn der Star getradet werden sollte. Bleibt er, solle er sich mit Collins gut ergänzen, der als Temple-Spieler dazu einen Heimbonus hat.

14. Utah Jazz - Richard Roby (Guard, Colorado)
Die Jazz brauchen einen Shooter, und den kriegen sie in Roby, der zudem talentiert und athletisch ist und sportlich aus der Region kommt.

15. New Orleans Hornets - Saer Sene (Center, Belgien)
Noch ein Bigman für die Hornets; diesmal einer für die Defensive. Mit Sene, O'Bryant, West und PJ Brown würden sich New Orleans viele Kombinationsmöglichkeiten bieten.

16. Chicago Bulls - Cedric Simmons (Center/Forward; NC State)
Noch ein Center für die Bulls, die dadurch Tyson Chandler als Tradeobjekt verwenden können. Simmons ist die Defensivantwort zu LaMarcus Aldridges Offensive.

17. Indiana Pacers - JJ Redick (Guard, Duke)
JJ Redick, Sarunas Jasikevicius und Predrag Stojakovic alle im selben Team? Ein Albtraum für jeden Gegner. Redick kann bei den Pacers die Rolle Reggie Millers einnehmen.

18. Washington Wizards - Rajon Rondo (Guard, Kentucky)
Die Wizards brauchen einen defensivstarken Spieler an der Seite von Gilbert Arenas. Rondo könnte auf lange Sicht dessen Backcourt-Partner werden.

19. Sacramento Kings - Marcus Williams (Guard, Connecticut)
Ein echter Spielmacher, der ein gutes Tandem mit Mike Bibby bilden und die Kings-Offensive dirigieren kann.

20. New York Knicks - Josh Boone (Center/Forward, Connecticut)
Die Knicks brauchen große, defensivstarke Spieler, die Larry Browns Philosophie von harter Arbeit annehmen. Josh Boone passt da genau ins Konzept.

21. Phoenix Suns - Hilton Armstrong (Center, Connecticut)
Der Steven-Hunter-Ersatz in Phoenix' dünn besetztem Frontcourt. Armstrong passt hervorragend ins Fastbreak-System der Suns.

22. New Jersey Nets - Paul Millsap (Forward, Lousiana Tech)
Der Rebound-König aus Louisiana kann seinen Beitrag leisten, New Jersey Offensivspielern den Rücken beim Punkten freizuhalten und von deren Fehlwürfen zu profitieren.

23. New Jersey Nets - Maurice Ager (Guard, Michigan State)
Ein athletischer Scorer passt sehr gut ins Nets-System. Je nach Vertrauen in Antoine Wright wird mit diesem Pick vielleicht ein weiteres Mal "groß" gedraftet.

24. Memphis Grizzlies - Aaron Gray (Center, Pittsburgh)
Der Grizzlies-Frontcourt ist reichlich schwach auf der Brust. Ein massiger Center wie Aaron Gray kommt da gerade recht, Pau Gasol zu entlasten.

25. Cleveland Cavaliers - Paul Davis (Center, Michigan State)
Auch die Cavaliers können noch einen Bigman gebrauchen und finden den in Paul Davis, der ihrem Frontcourt etwas mehr Präsenz und eine weitere Offensivoption gibt.

26. Los Angeles Lakers - Mike Gansey (Guard, West Virginia)
Wer als Guard an der Seite von Kobe Bryant spielen will, bekommt nicht viele Würfe und muss daher effektiv sein - und kaum jemand ist effektiver als West Virginias Mike Gansey.

27. Phoenix Suns - Quincy Douby (Guard, Rutgers)
Auf dem Weg zu ihrer 200-Punkte-Offensive nehmen die Suns mit Quincy Douby einen College-Kerr in ihr Team auf, der nach JJ Redick der beste Schütze im Draft sein dürfte.

28. Dallas Mavericks - Guillermo Diaz (Guard, Miami)
Guillermo Diaz bietet neben Potenzial auch Athletik und Scoring von der Bank für den Fall, dass Devin Harris mal wieder verletzt und Darrell Armstrong immer noch alt ist.

29. New York Knicks - Hassan Adams (Guard/Forward, Arizona)
Noch ein Larry-Brown-Spieler für die Knicks. Adams ist ein zu kleiner Small Forward, dafür aber der wohl athletischste Spieler im Draft.

30. Portland Trail Blazers - Craig Smith (Forward, Boston College)
Ein harter Arbeiter wie Craig Smith wird in Portland schmerzlich vermisst - Smith würde es nicht einfach so hinnehmen, Nacht für Nacht vorgeführt zu werden. Ein McMillan-Spieler.




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von Crossover 30.05.2012 um 12:48:41


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