NCAA Tournament: das Final Four
Von Christian Neumann |
01.04.2008 | |
Willkommen im Final Four, dem Mekka des College-Basketball, das in den USA mehr Fernsehzuschauer anzieht als jedes andere Sportereignis außer der Super Bowl. Kein anderes Halbfinale der Welt bekommt soviel Aufmerksamkeit, denn eigentlich haben die vier Teams, die es bis hierher geschafft haben, noch gar nichts erreicht ? nicht einmal zwei garantierte Spiele, denn anders als die Fußballweltmeisterschaft kennt das NCAA Tournament kein ?kleines Finale?.
Es bleibt also beim One-and-done; jedes verlorene Spiel ist zugleich das letzte. Und als wäre der Druck nicht schon groß genug, bietet das diesjährige Final Four die bestmöglichen Teilnehmer: Zum ersten Mal in der Geschichte der March Madness haben sich alle vier an Platz 1 gesetzten Teams für den Saisonhöhepunkt qualifiziert. Am Samstag wird erst Memphis gegen UCLA und dann North Carolina gegen Kansas spielen ? schon lange ist ein Final Four nicht mehr mit solcher Spannung und Vorfreude erwartet worden.
Diese vier Teams haben sich im Laufe der Saison als die besten im College-Basketball erwiesen; alle vier gewannen in ihrer jeweiligen Conference sowohl den Saisontitel als auch das Abschlussturnier und bringen es zusammen auf 143 Siege bei nur neun Niederlagen. Doch was zeichnet diese Mannschaften aus? Der folgende Überblick soll Aufschluss darüber geben (alle Angaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit).
1. Spiel
00:07 (1) Memphis vs. (1) UCLA
Die beiden wohl überzeugendsten Teams des Final Four. Besonders Memphis beeindruckte bei seinem Sieg im Elite Eight gegen Texas und ließ den sonst so starken Longhorns keine Chance. Kein Team ist tiefer besetzt als die Tigers, und ihr Star-Talent nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf: Freshman-Guard Derrick Rose gab gegen Texas eine Galavorstellung und wurde verdientermaßen zum Most Outstanding Player (MOP) seiner Region gewählt. Rose war seinem renommierten Gegenüber DJ Augustin in allen Belangen überlegen und untermauerte seinen Ruf als Top-2-Pick im kommenden Draft. Vor allem zeigte Rose, dass er sich mit der Herausforderung steigern kann, was UCLA beunruhigen sollte.
Die Bruins haben in Kevin Love ihren eigenen Über-Freshman und Regional MOP, doch der wird es nun mit dem wohl physisch stärksten Spieler des Turniers zu tun bekommen (Joey Dorsey). Was noch schwerer wiegt: Jeder von UCLAs drei Guards (Darren Collison, Russell Westbrook, Josh Shipp) wird sich einem größeren Gegenspieler (Rose, Alan Anderson, Chris Douglas-Roberts) gegenübersehen. Was dieser Größennachteil für Konsequenzen haben kann, sollte seit Texas' Spiel gegen Memphis bekannt sein. UCLA muss also darauf hoffen, durch Kevin Love, Luc Richard Mbah a Moute, Lorenzo Mata-Real und James Keefe ein Übergewicht im Frontcourt zu schaffen und so das Spiel für sich zu entscheiden.
Wer wird gewinnen?
Mein Turniertipp ist die ganze Zeit UCLA gewesen, und die Bruins haben mich bisher ja auch nicht enttäuscht. Allerdings setzte Memphis mit dem deutlichen Sieg gegen Texas ein unübersehbares Zeichen. Die Tigers sind das formstärkste Final-Four-Team und haben zudem auch die richtigen Matchups, um UCLA zu besiegen. Trotzdem werde ich zu meinem Tipp stehen und auf UCLA setzen: zum einen weil ich den Tipp vor Turnierbeginn nicht ohne Grund machte, und zum anderen weil UCLAs Team und Coaching-Staff nach zwei Final Fours in den letzten beiden Jahren einen Erfahrungsbonus besitzen, der ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Darum: knapper Sieg für UCLA.
2. Spiel
02:47 (1) North Carolina vs. (1) Kansas
In gewisser Weise ist Kansas das cleverste Team des Halbfinals. Vor dem Elite Eight drehte sich alles nur um das Erreichen des Final Four, woran Coach Bill Self wiederholt gescheitert war. Der anschließende knappe Erfolg über Davidson (59:57) fühlte sich für die Jayhawks dann auch wie der Gewinn des Titels an. Während UCLA, Memphis und North Carolina souverän ins Final Four einzogen, musste Kansas bis zuletzt darum bangen. Nach ihrem Zittersieg sind die Jayhawks nun Außenseiter gegen die Tar Heels, haben dafür aber auch weniger Druck zu ertragen.
Dabei hat Kansas den tieferen Kader, mit dem höchstens Memphis mithalten kann. Selbst die Nummer 4 unter den Jayhawks-Bigmen (Cole Aldrich) war ein All-American an der High School. Die Jayhawks haben alle Komponenten eines Meisterschaftsteams und sind gegen North Carolina dennoch nicht Favorit. Ein Grund dafür sitzt auf der Bank: Bill Self verlor im Elite Eight das Coaching-Duell gegen Davidsons Bob McKillop und konnte seinen Ruf nur dank einem letzten guten Spielzug in der Verteidigung retten.
Gegen North Carolinas Meister-Coach Roy Williams wird er schon früher die richtige Taktik finden müssen, damit sein Team eine Chance auf den Sieg haben kann. Seine Hauptaufgabe ist dieselbe wie die seiner Spieler: Tyler Hansbrough stoppen. Der Regional MOP der Tar Heels ist seinem Spitznamen ?Psycho T? zuletzt wieder mehr als gerecht geworden und hat ganz starke Leistungen abgeliefert.
Wer wird gewinnen?
Ich tippe auf North Carolina. Kansas' Bigmen sahen schon gegen Davidson lange Zeit nicht gut aus und werden mit Hansbrough alle Hände voll zu tun haben. Selbst wenn der Backcourt der Tar Heels (Tywon Lawson und Wayne Ellington) sich mit Kansas' guter Verteidigung schwer tun und auch Top-Reservist Danny Green nicht wie gewohnt glänzen sollte, bleibt doch immer noch Hansbrough als entscheidender Faktor der Partie. Zudem fällt es mir schwer, mir Kansas nach der schwachen Leistung im Davidson-Spiel im Finale vorzustellen. Darum: Sieg für North Carolina.
Kurz und knapp
Ich erwarte folgende Paarung im Endspiel:
UCLA gegen North Carolina




von Crossover 30.05.2012 um 12:46:42
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