NCAA Basketball
Ex-Superstar verklagt NCAA
Ed O'Bannon, ehemaliger Superstar der UCLA Bruins und Most Outstanding Player des Final Four 1995, verklagt die NCAA. Laut O'Bannon soll die NCAA dazu verpflichtet werden, ehemalige Spieler an den Gewinnen zu beteiligen, die durch die Nutzung von Bildern und Videos der Athleten gemacht werden.
Von Mario Kyriasoglou |
24.07.2009 | |
Jeder College-Basketball-Fan kennt die March-Madness-Trailer, in denen CBS sich bemüht, möglichst viel Drama und Spannung in möglichst geringer Zeit als Anheizer auf die Live-Berichterstattung zu zeigen. Die Stars dieser Trailer heißen Keith Smart, Tyus Edney, Lorenzo Charles oder Ed O'Bannon und haben eins gemeinsam: Sie haben nach ihrer College-Karriere keine nennenswerte Karriere in der NBA gemacht. CBS und die Trailer der NCAA machen sie dennoch zu Legenden.
Klage gegen die NCAA
Wie eine Bombe platzte ins Sommerloch des NCAA-Basketballs nun die Nachricht, dass UCLA-Legende Ed O'Bannon die NCAA verklagt. O'Bannon klagt auf eine nicht benannte Geldsumme, die die Organisation dafür entrichten soll, dass sie seit Jahr und Tag mit den Bildern der Athleten wirbt, ohne diese angemessen dafür zu entschädigen.
O'Bannon bemängelt, dass die NCAA den Student Athletes zu Beginn ihrer sportlichen Laufbahn echte Knebelverträge unterschiebt. Diese Verträge regeln, dass quasi auf Lebenszeit das Recht am eigenen Bild im Kontext der Sportveranstaltungen an die NCAA übergeht - zu Unrecht, findet der ehemalige UCLA-Forward.
Mittlerweile ist O'Bannon nicht mehr der einzige Kläger, viele andere Athleten haben sich ihm angeschlossen und aus der Klage eine sogenannte "Class-Action Lawsuit", eine Sammelklage gemacht.
O'Bannon hatte aufgrund weicher Knie eine nur zweieinhalb Jahre dauernde NBA-Karriere - für einen Most Outstanding Player des Final Four und Player of the Year extrem wenig. Drei weitere Profijahre in Spanien, Polen, Griechenland und Argentinien, bevor O'Bannon im Alter von gerade mal 30 Jahren die Schuhe an den Nagel hing, waren natürlich auch wenig tröstlich für das Riesentalent, das bereits im College-Alter zwei Kreuzbandrisse überstanden hatte. Vor diesem Hintergrund scheint es denkbar, dass sich hier ein Ehemaliger auf Kosten der NCAA die eigene Rente aufbessern möchte.
Die Klage von O'Bannon könnte aber dennoch von hoher Wichtigkeit sein, weil sie schonungslos die Doppelstandards, die die NCAA anlegt, anprangern wird. O'Bannon fordert, dass Athleten, nachdem sie die Universität verlassen, automatisch an zukünftigen Einnahmen, die aus der Nutzung ihrer Bilder entstehen, beteiligt werden.
Die NCAA als Amateurorganisation?
Die NCAA hingegen wird sich erneut darauf berufen, dass ihre Athleten Amateure sind und demnach kein Anrecht auf eine finanzielle Kompensation haben - Amateure, Studenten gar, die aber trotzdem, genau wie die Profis, zweimal am Tag trainieren.
Die NCAA ist eine Organisation, die genau weiß, dass ihre Teams unter professionellen Bedingungen trainieren - dennoch werden Teams bestraft, wenn sie gewisse Regeln brechen, die angeblich der Chancengleichheit dienen können. Im Regelwerk ist alles geregelt: wann man potenzielle Rekruten anrufen darf, wieviel Spesen man den Athleten zahlen darf, was man Spielern erzählen darf. Bei Regelübertretungen gebärdet sich die NCAA wie ein kommunistischer, zentralistischer Staat; die Missetäter werden angeprangert und bei schlimmen Vergehen unmittelbar aus dem Verkehr gezogen.
Prinzipiell ist ein solches Vorgehen nicht falsch, jedoch gibt es keine Instanz, die das Regelwerk der NCAA und die ausführenden Personen kontrolliert. Vielmehr sind alle teilnehmenden Universitäten im wesentlichen der Willkür der NCAA ausgeliefert.
Beispiel Lucca Staiger: Der Jugendnationalspieler lief die letzten Jahre vor seinem Wechsel in die USA bereits als 16-Jähriger in der 2. Bundesliga auf. Dass sein Team, die Ehingen Steeples, sich im wesentlichen aus aktuellen und ehemaligen Schülern der Urspringschule in Schelklingen zusammensetzt, hielt die NCAA nicht davon ab, die 2. Bundesliga als Profiliga einzustufen.
Nach Definition der NCAA reicht es nämlich, wenn ein einziger Spieler des Teams bezahlt wird. Dass die Trainingsbedingungen an der Urspringschule zwar gut, aber keinesfalls besser sind als an US-amerikanischen Basketballkaderschmieden wie Oak Hill oder Mount Zion Christian, brachte die NCAA von ihrem ersten Beschluss nicht ab: Staiger galt als Ex-Profi und wurde als solcher erst einmal eine Saison gesperrt und musste sein Freshman-Jahr an der Iowa State University aussetzen.
Nach außen ist die NCAA immer noch bemüht, den Schein zu wahren. Eine Amateurassoziation sei die NCAA, geleitet von Verbandsfunktionären. Was den Gesamteindruck einer fast gemeinnützigen Organisation trübt, wird hier jedoch gerne verschwiegen: Die NCAA macht nicht Millionen, sondern gar Milliarden Dollar mit dem Verkauf von TV-Rechten, Merchandising und ähnlichem.
Im Jahr 2002 unterschrieb die NCAA einen Elf-Jahres-Vertrag mit CBS, der insgesamt sechs Milliarden Dollar wert ist. Ich wiederhole noch einmal: 6.000.000.000 US$ dafür, dass CBS an zehn Tagen im Jahr Basketball übertragen darf. Das sind im Jahr 545.000.000 Dollar, macht pro Turniertag 54,5 Millionen Dollar. Nur die gesamtwirtschaftliche Lage dürfte die NCAA davon abhalten, im Jahr 2010 ihre Option zu ziehen und den Vertrag frühzeitig neu zu verhandeln.
Zum Vergleich: Die deutsche Fußball-Bundesliga mit ihren 34 Spieltagen plus Pokal, deren Saison von August bis Mai läuft, schlägt mit einer Gesamtsumme von etwa 140 Mio. pro Jahr zu Buche.
Doppelstandards
An diesem Kuchen beteiligt die NCAA aber bisher ihre Athleten in keiner Weise. Und genau hier setzt Ed O'Bannon mit seiner Klage an. Er fordert zurecht ein, dass Athleten zumindest im Anschluss an ihre Karriere an den Umsätzen, die mit ihnen gemacht werden, beteiligt werden sollen.
Die NCAA sperrt sich hier bisher jedoch massiv und wird auch aufgrund der Signalwirkung, die ein Entgegenkommen hätte, im Prozess auf ihrem Standpunkt verharren.
Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Richter sich hier ein Herz fassen und per Urteil dafür sorgen, dass auch diejenigen Athleten, die möglicherweise nach ihrer College-Karriere nicht das große Geld machen, gerecht an dem Geld beteiligt werden, dass die NCAA durch sie macht.
Und genau deswegen ist Ed O'Bannons Klage wichtig für die Zukunft des College-Sports. Dessen Leitinstitution, die NCAA, hat sich nämlich schon lange selbst überlebt und den Zeitpunkt verpasst, sich konstruktiv umzugestalten und zu erneuern.




von rüdi 24.07.09 um 19:49:32
"[...]wie ein kommunistischer, zentralistischer Staat[...]" HAHAHAHAHAHAHAHA HUHUHUHUHUHUHUHH Der olympische Gedanke lebt.
von Äneas 24.07.09 um 21:04:50
So professionell wird doch auch wieder nicht trainiert. Es herrscht doch fast das gesamte Jahr Basketballverbot. Und von den TV-Einnahmen werden meines Wissens vor allem den Schulen Einrichtungen wie Bibliotheken, Wissenschaftslabore, PCs usw. spendiert. Es ist bestimmt nicht so, dass die NCAA-Funktionäre vor Geld platzen.
von nicoquanz 24.07.09 um 21:32:14
unglaublich die tv rechte schlagen so ein das hätte ich niemals gedacht da hat die ncaa ja mit cbs nen dummen gefunden fast 55 mio pro turniertag meine güte den evrtag hät ich egrn ausgehandelt um ne fette provision zu bekommen...........
von mariofour 24.07.09 um 21:34:20
Es wird extrem professionell trainiert...und zwar das ganze Jahr. Es gibt lediglich Einschränkungen, in welcher Zeit des Jahres 5-gegen-5 gespielt und in Anwesenheit eines Coaches trainiert werden darf. Dennoch trainieren die Spieler auch den Sommer über in 3-3 und 2-2-Szenarien und individuellen Trainingseinheiten - mehrmals am Tag.
Die Einrichtungen der Universitäten werden übrigens im wesentlichen von den sog. "Boostern", wohlhabenden Alumni finanziert...
von Ana.Lyzer 24.07.09 um 22:19:57
Die Summe des Geldes für die TV-Übertragungen und der Vergleich mit der Fußball Bundesliga haben mich schon erschrocken... das ist ja wirklich nicht mehr feierlich.
Als ich die Überschrift gelesen hab, fand ich es erstmal ziemlich albern, aber deine Argumentation hat wirklich Hand und Fuß.
von GreenGoblin01 25.07.09 um 10:28:17
Was geschieht denn mit dem Geld? Wird es an die einzelnen Unis ausgeschüttet oder werden humanitäre Projekte damit gefördert? Unieinrichtungen? Stipendien? Würde mich mal interessieren. Wie ist das überhaupt mit den Unis, dürfen die z.B. Gewinne machen? Kommt es darauf an, wer Träger der Universität ist, z.b. der Staat, Private, Kirche ect?
von xax 25.07.09 um 14:47:11
super artikel, bitte mehr davon.
der betrag vom tv-geld ist so krass, unglaublich!
meine idde wäre eine art Rentenversicherung einzuführen und den Spieler nach ihrer College-karriere eine art "rente" zu zahlen.
macht ein Player X Spiele am College bekommt er Betrag y ausgezahlt, gilt natürlich nicht für einen NBA-Star der Millionen verdient. (Obergrenze!!!).
Wäre auch ein Anreiz für d. Spieler (wenn auch ein kleiner) länger am College zu bleiben und sich zu kompletteren Spielern zu entwickeln, dies würde auch d. NBA gut tun.
Der Amateur-Status würde auch beibehalten werden, da die spieler das geld erst nach dem college bekommen würden.
von xax 25.07.09 um 14:53:55
@ GreenGoblin01
In den USA gibt es sowohl staatliche als auch private Colleges. An beiden Einrichtungen werden Studiengebühren (fees and tuition) erhoben (etwa zwischen $2.000 und $30.000 pro Jahr). wobei die Gebühren an privaten Colleges in der Regel höher sind als an staatlichen.
Die könne auch Gewinne machen, sind quasi unternehmen die mit wissen handeln.
was mit dem TV-Geld passiert weiß ich auch nicht, würde mich aber mal interessieren. das könnte fast reichen um Latrell Fontaine Sprewells Familie durch den kalten winter zu bringen.
von mariofour 25.07.09 um 15:50:16
Die Gewinnverteilung ist relativ komplex, deutlich komplexer als z.B. in der Fußballbundesliga oder der NBA. Ich kann gerne in einem nächsten Blogeintrag oder Artikel versuchen, da etwas Licht reinzubringen.
von Gerald Wallace-Fan 25.07.09 um 19:03:10
Das die NCAA solche Unmengen Geld einnimmt, und andere Sportveranstaltunge gar nichts!!!
von Äneas 25.07.09 um 22:01:59
@ mariofour hervorragender Artikel übrigens. Ein neuer Artikel über die Geldverteilung würde mich sehr interessieren.