Wochenrückblick

Volle Konzentration

Die Los Angeles Lakers untermauerten in der vergangenen Woche erneut ihre Spitzenposition der NBA. Während weitere Top-Teams straucheln, mausern sich die Houston Rockets und die Utah Jazz zu mehr als nur Geheimfavoriten.

Von Dennis Amedovski
 28.02.2009 |

Höchste Aufmerksamkeit forderte Phil Jackson, Head Coach der Los Angeles Lakers, nach dem All-Star-Game von seinen Jungs. Sie taten es ihm gleich und sind mit einer Bilanz von 48 Siegen und nur zehn Niederlagen das derzeit erfolgreichste Team der Liga. Hintereinander wurden New Orleans, Minnesota, Oklahoma City und Phoenix bezwungen. Sechs Siege in Serie und dabei 115 Punkte im Schnitt zeigen, wie hochkonzentriert die Lakers zu Werke gehen. Dabei ist nicht einmal ein überragender Kobe Bryant der Erfolgsgarant. Das Team funktioniert einfach. Mal Bryant, mal Gasol, dann wieder Lamar Odom.

Beim ewigen Rivalen der Lakers, den San Antonio Spurs, ist eine ähnliche Konzentration zu spüren: Vier Siege in Serie (u.a. im Texas-Duell gegen die Dallas Mavericks), davon zwei durch Gala-Auftritte von Tony Parker (Foto, siehe Stat Lines der Woche) untermauern auch hier den Favoritenstatus. Zählt man dann noch die Abwesenheit von Tim Duncan und Manu Ginobili hinzu, sind die Spurs eindeutig ?ready to go!?.

Etwas zurückhaltender waren dagegen zuletzt die Denver Nuggets (38-20). Drei Niederlagen in Folge, dazu eine Torrero-Defense, gepaart mit peinlichem Angriffsspiel in Spitzenbegegnung zu Hause gegen die Boston Celtics (76:114) und schon spürt Denver den Atem der Houston Rockets (37-21). Seit sechs Spielen sind diese ungeschlagen und erneut treten sie den Beweis an, dass sie ohne Tracy McGrady besser spielen als mit ihm.

Nachdem T-Mac eine Mikrofraktur-Operation ankündigte ? ohne dabei vorher den Rockets-Verantwortlichen Bescheid zu geben ?, läuft es vor allem defensiv. Nur schlappe 502 Punkte ließen sie in den letzten sechs Partien zu (83,67 pro Spiel). Vor allem die Cleveland Cavaliers bissen sich an der Rockets-Verteidigung die Zähne aus (74:93). Ein weiterer Vorteil der Texaner ist ihre Ausgeglichenheit: Mal dominiert Yao Ming (28 Punkte, 13/15 FG gegen Cleveland), dann trumpft Aaron Brooks groß auf (20 Zähler gegen die Portland) und dann darf Ron Artest zeigen, was er drauf hat (26 Punkte und sieben Rebounds gegen Charlotte).

Während also Houston den Sprung Richtung oberes Tabellendrittel anstrebt, ist bei den Portland Trail Blazers (35-22) und den New Orleans Hornets (34-22) Durchschnitt angesagt. Vor allem die Niederlagen gegen West-Teams (Houston, San Antonio, Golden State) dürften in Portland kritisch beobachtet werden. Die Hornets dagegen scheinen nach dem geplatzten Chandler-Trade jenseits von Gut und Böse zu sein. Die Niederlagen gegen die Top-Teams wie Boston (77:89), den Lakers (111:115) und den wieder erstarkten Utah Jazz (88:102) lassen alle Titelhoffnungen zerstören.

Die Jazz wiederum, momentan auf dem siebten Rang der Western Conference, sind dagegen mit den Lakers und den Rockets das Team der Stunde. Nicht nur, dass endlich Carlos Boozer wieder zurück ist, jetzt stimmt auch wieder das Tempo der Jazz. In sechs Partien, die allesamt gewonnen wurden, erzielten sie durchschnittlich 108,3 Punkte. Im gesamten Monat Februar verloren sie sogar nur eine einzige Partie (96:116 gegen Golden State). Wenn da mal nicht vollste Konzentration angesagt ist.

Während die Kurve der Jazz steil nach oben zeigt, streiten sich die Dallas Mavericks und die Phoenix Suns (32-25) wohl um das letzte Playoff-Ticket der Western Conference. Derzeit hat Dallas knapp die Nase vorne (34-23), kann sich aber nicht entscheidend absetzen. Seit dem 10. Februar folgte auf einem Sieg immer eine Niederlage. Sobald sich Dirk Nowitzki (35% FG in den letzten vier Partien) aus seinem Shooting-Tief erholt, sollte zumindest ein wenig Konstanz wieder zurückkehren.

Die Phoenix Suns dagegen kehrten nach der Trainerentlassung zu ihrem altbekannten und gewohnten Run-and-Gun-Stil zurück. Nach der Rekord-Woche mit drei Spielen mit jeweils mindestens 140 Suns-Punkten kühlte der Phoenix-Express etwas ab, was allerdings auch an den Verletzungen von Amare Stoudemire und vor allem Steve Nash (verletzte sich am Sprunggelenk gegen Charlotte) liegt. Ohne ihren Point Guard setzte es zuletzt eine 106:132-Klatsche gegen die Lakers.

In der restlichen Western Conference kämpfen die Teams nur noch um die goldene Ananas. Weder Golden State noch Minnesota, Memphis oder die Clippers haben noch Chancen auf die Playoffs, von den Oklahoma City Thunder und den Sacramento Kings ganz zu schweigen. Für Highlights sorgen letztlich nur Einzelleistungen, wie z.B. Kevin Durant (Foto, aktuell vier Spiele in Serie, in denen er mindestens 32 Zähler auflegt) oder der wieder genesene Kevin Martin (27 Punkte pro Spiel nach dem All-Star-Break). Die Clippers erfreuen sich dagegen, dass ihr Kader allmählich wieder komplett ist (Chris Kaman soll innerhalb der nächsten zehn Tage zurückkehren), und immerhin gab es sogar einen Sieg gegen die Boston Celtics (93:91).

Im Osten ist die Konstellation der einzelnen Teams ähnlich. Cleveland, als Nummer eins des Ostens (44-12) muss einerseits die Packung gegen die Houston Rockets verdauen, andererseits auch die schwere Verletzung von Ben Wallace (Beinbruch, bis zu zehn Wochen Pause) überstehen. Vor dem Auftritt in Houston gewannen die Cavs jedoch fünf Spiele in Folge (u.a. gegen Phoenix, Detroit und Memphis). Allen voran sticht hierbei die unglaubliche Leistung von LeBron James gegen die Milwaukee Bucks bevor (siehe Stat Lines der Woche).

Ebenfalls Probleme haben die ärgsten Widersacher der Cavs, die Boston Celtics. Nacheinander fielen zunächst Kevin Garnett, dann Brian Scalabrine aus, Paul Pierce kugelte sich den Daumen aus, Backup-Guard Gabe Pruitt wurde beim Fahren unter Alkoholeinfluss erwischt und dann verloren die Kleeblätter auch noch gegen die Clippers. Jetzt stößt mit Stephon Marbury (Foto) auch noch ein Enfant terrible der Liga zu den Kelten hinzu. Volle Konzentration sieht anders aus. Vielleicht bringt die zweite Neuverpflichtung, Mikki Moore von den Sacramento Kings, etwas Ruhe hinein.

Derweil können die Orlando Magic von der Unruhe in Boston profitieren. Mit Rafer Alston als neuen Point Guard gab es drei Siege aus den letzten vier Spielen. Außerdem wurde Dwight Howard zum Spieler der Woche ernannt (siehe Stat Lines der Woche).

Im Mittelfeld der Eastern Conference tummelt sich weiterhin mehr Masse als Klasse. Zwischen dem Viertplazierten, den Atlanta Hawks (32-25), und den Toronto Raptors (Platz 14, 23-36) liegen nur zehn Siege. Für Spannung ist also garantiert.

Sorgen müssen wir uns dagegen um die Detroit Pistons machen. Acht Niederlagen in Serie gab es zuletzt zum Jahreswechsel 1994/95. Head Coach Michael Curry steht in der Kritik, Rasheed Wallace (Foto) kassiert so viele technische Fouls wie kein anderer (und hätte die NBA nicht zwei Ts annulliert, wäre er für jedes weitere technische Foul automatisch ein Spiel gesperrt worden), Allen Iverson ist angeschlagen und umstritten, auch die Offensive ist nicht wirklich existent (84,2 Punkte aus den letzten fünf Spielen). So droht sogar der Super-Gau. Die Playoffs ohne Detroit? Vorher unvorstellbar, mittlerweile durchaus realistisch.

Die weiteren Chancen auf einen Playoff-Platz haben nicht nur die Milwaukee Bucks, sondern auch die neuformierten Chicago Bulls und die New Jersey Nets. Vor allem der sensationelle Sieg gegen die Philadelphia 76ers (siehe Buzzerbeater der Woche) könnte eine Wende im bisher so durchschnittlichen Saisonverlauf für die Nets bedeuten.

Das Ende von Stephon Marbury rückte dagegen zuletzt in New York in den Mittelpunkt. Endlich wurde ein Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit dem exzentrischen Point Guard gezogen. Die Knicks sind Marbury los, jetzt können sie sich wieder aufs Sportliche konzentrieren. Das geriet zuletzt in den Hintergrund: Im gesamten Februar konnten erst drei Siege verzeichnet werden.

Während Indiana dagegen ohne Danny Granger und Mike Dunleavy überraschend gut dastehen (drei Siege aus vier Spielen), ging es für die Charlotte Bobcats auf ihrem Westküsten-Trip abwärts (drei der vier Partien gingen verloren). Für die Washington Wizards interessiert sich in diesem Jahr sowieso keiner, sodass sie weiterhin das einzige Team der Liga sind, das noch nie gegen einen Division-Konkurrenten gewinnen konnte. Ein weiterer negativer Höhepunkt waren zuletzt die 67 Punkte gegen die Spurs ? das drittschlechteste Ergebnis der Wizards-Geschichte.

Neue Besen ohne Borsten

Zur Trading-Deadline wurden bekanntermaßen einige namhafte Spieler getauscht. Hier ein erster Eindruck über die Qualität der Neuzugänge:

Die New York Knicks dürften sich von ihren zwei Neulingen doch mehr versprochen haben. Larry Hughes trifft in seinen ersten Partien als Knickerbocker ganze 18 Prozent aus dem Feld, prompt verzeichnet die Internetseite http://heylarryhughespleasestoptakingsomanybadshots.com wesentlich mehr Klicks. Chris Wilcox, gekommen aus Oklahoma City, ist mit seinen vier Punkten und 3,3 Rebounds pro Partie ebenfalls noch lange nicht am Limit angekommen.

Tim Thomas dagegen scheint es bei seinem zweiten Auftritt in Chicago wesentlich besser zu gefallen. Sechs seiner acht Bulls-Treffer waren Dreier, immerhin ist er mit 8,3 Punkten eine gute Option von der Bank. Ebenfalls von der Bank kommend, bringt Brad Miller den Bulls eine weitere gute Alternative. Über die 35%ige Trefferquote hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens, allerdings hatte er mit seinen neun Punkten, sieben Rebounds und fünf Assists gegen die Orlando Magic einen großen Anteil am überraschend deutlichen Sieg (120:102). So richtig wohl fühlt sich in Chicago bislang nur John Salmons (Foto). Zwar kommt auch er nur von der Bank, trifft aber dafür hochprozentig (52% FG, 57% 3FG) und oft (12,7 PpG). Die weiteren Bulls-Neuzugänge Anthony Roberson und Jerome James durften immerhin US-Präsidenten Barack Obama im Weißen Haus besuchen.

Neu in Sacramento ist der Argentinier Andres Nocioni. Bei den Kings kommt er aber nur von der Bank, ohne großartig aufzufallen. In seinem ersten und bisher einzigen Einsatz als King schnappte sich Drew Gooden immerhin 13 Rebounds. Rashard McCants (16 Minuten Spielzeit) und Cedric Simmons sind noch nicht in Sacramento angekommen.

Einen guten Eindruck hinterließ Rafer Alston in Orlando. Nicht nur, dass die Magic drei der vier Partien mit ihm gewinnen konnten, Alston versteckt sich nicht hinter den breiten Schultern von Dwight Howard. Mit 6,3 Assists pro Spiel verteilt er sogar mehr Vorlagen als All-Star Jameer Nelson. Nur an seiner Wurfauswahl muss der Point Guard noch arbeiten: 33 Prozent Trefferquote und nur drei von 15 Dreiern sind ausbaufähig. Kyle Lowry, von Memphis nach Houston getradet, scheint ebenfalls die Rockets-Rotation geknackt zu haben. Als Bankspieler durfte er bisher immerhin 70 Minuten ran und liefert mit 4,5 Punkten, 3,3 Rebounds und 3,8 Assists ordentliche Zahlen ab. Nur seine 3,5 Fouls pro Partie fallen negativ auf.

Die weiteren frisch getauschten Spieler wie Thabo Sefolosha, Will Solomon, Adonal Foyle, Bobby Brown oder Michael Ruffin spielen in ihren neuen Teams bisher keine größere Rolle.

Stat Lines der Woche

Pure Dominanz liest man allein aus LeBron James? Stat Line gegen die Milwaukee Bucks heraus: 55 Punkte, neun Assists, 16/29 FG, 8/11 3FG, 15/22 FT. Noch bemerkenswerter ist die Leistung allerdings, wenn man sie mit eigenen Augen sieht:

Leandro Barbosa bewies im Run-and-Gun-Spiel der Suns gegen die Oklahoma City Thunder (140:118), dass er nach wie vor einer der schnellsten Spieler der Liga ist. 41 Punkte (Karrierebestleistung), dazu sieben Rebounds, sieben Assists, sechs Steals und nur fünf Fehlversuche aus dem Feld.

Zum 23. Geburtstag machte sich Rajon Rondo (Foto) sein eigenes Geschenk: Gegen die Phoenix Suns (128:108) zelebrierte er seinen Ehrentag mit 32 Zählern (Karrierebestleistung), sechs Rebounds und zehn Assists.

Spiele gegen den Nachbarn aus Orlando sind für Dwyane Wade immer etwas Besonderes. Also streut er mal eben 50 Punkte aus dem Ärmel. Wade traf 17 seiner 30 Würfe und stellte damit eine neue Karrierebestleistung auf. Die Partie ging mit 99:122 trotzdem verloren.

Die San Antonio Spurs hatten keinen Tim Duncan und keinen Manu Ginobili dabei, also übernahm Tony Parker die Partie gegen die Dallas Mavericks. Der Franzose war nicht aufzuhalten und steuerte zum 93:76-Erfolg 37 Punkte, zwölf Assists und fünf Rebounds bei.

Gegen die New York Knicks hatte Dwight Howard die passende Antwort auf Nate Robinson, seinen Bezwinger im Dunk-Wettbewerb. 24 Punkte, 21 Rebounds und vier Blocks. Es war Howards 20tes 20-20-Spiel. Wohlgemerkt: Howard ist erst 23 Jahre alt.

Buzzerbeater der Woche

Devin Harris ist in dieser Saison nicht nur zum All-Star gereift, sondern gleichzeitig auch der Anführer der New Jersey Nets. Gegen die Philadelphia 76ers sicherte er sich aber darüber hinaus schon jetzt einen Eintrag in die NBA-Geschichtsbücher. Beim Stande von 95:96 wirft, nein, schmeißt er den Ball von der Mittellinie aus Richtung Korb und trifft zum Sieg. Eine Sequenz, die wir nicht nur in der diesjährigen Saisonabschlussbilanz sehen werden, sondern auch noch in den kommenden Jahren.

?Ich wollte die Wiederholung nicht sehen. Das erste was ich sah, waren die Schiedsrichter, die zeigten, dass der Wurf nicht zählen würde. Ich blickte nur noch nach unten und wartete auf die Reaktion der Fans.? (Devin Harris nach seinem Wunderwurf).




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von schsim 28.02.09 um 01:41:49


Wie krass ist denn das von Lebron? Wieviel Kraft hat der Kerl, von da draußen so zu werfen? Pervers...



von PPP 28.02.09 um 09:01:01


Marbury bei den Kelten!!! Mal sehen, was dabei rauskommt.



von Valdez 28.02.09 um 12:58:41


der ring



von Suck My Diktiergerät 28.02.09 um 14:13:25


marbury bei den celtics?! xD jetzt bin ich aber gespannt!!



von jordan 28.02.09 um 16:11:19


Die Formkurve der Nuggets zeigt auch wieder nach oben. In der letzten Nacht schlugen sie die Lakers mit 90:79.

"Die weiteren Bulls-Neuzugänge Anthony Roberson und Jerome James durften immerhin US-Präsidenten Barack Obama im Weißen Haus besuchen."
-> Das ist doch auch schon mal was ;) !



von Joerg86 28.02.09 um 18:12:15


die celtics erinnern mich momentan an die lakers mit melone, payton, kobe und shaq. ein star neben dem anderen. nur scheint hier die team-chemistry eher zu stimmen...



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