Trades
Flüge in der Stadt der Engel
Chris Paul (Foto) wird in Los Angeles landen. Statt bei den Lakers läuft der Aufbauspieler und viermalige All-Star fortan für die Clippers auf. NBA-Fans können sich wohl nicht nur auf erfolgreiche Clippers freuen, sondern auch auf noch mehr spektakuläre Flugeinlagen eines Blake Griffin. Dabei gehen die New Orleans Hornets nicht einmal als Verlierer aus diesem Spielertausch.
Von Manuel Baraniak |
15.12.2011 | |

Es gehört zum guten Ton einer jeden NBA-Franchise, sich wohltätig zu engagieren. Als Mitglieder und Akteure der Los Angeles Clippers am gestrigen Mittwoch nach der Zusammenarbeit mit Kindern einer Grundschule Los Angeles’ auch Soldaten der Los Angeles Air Force Base einen Besuch abstatten wollten, wurden ihn selbst ein Geschenk gemacht. Wie sehr sich vor allem Blake Griffin über einen neuen Mannschaftskollegen freut, zeigen die Bilder vom Lokalsender FoxSportsWest, nachdem DeAndre Jordan einen Anruf bezüglich eines Trades erhält.
Los Angeles Clippers erhalten: Chris Paul, zwei zukünftige Zweitrunden-Picks
New Orleans Hornets erhalten: Al-Farouq Aminu, Eric Gordon, Chris Kaman, ungeschützter Erstrunden-Pick 2012 (von den Minnesota Timberwolves)
Nach langen Trade-Verhandlungen zwischen den Hornets (bzw. der NBA, die derzeit in Besitz der Franchise ist) und Clippers, die zunächst zweimal gescheitert waren, hat das Theater um einen Wechsel Chris Pauls nun also ein Ende gefunden. Der Point Guard hatte sich über die Offseason stets abwanderungswillig gezeigt und zusammen mit Dwight Howard die Gerüchteküche angeheizt – die ist nach dem Ende der Verhandlungsbereitschaft der Orlando Magic und jenem Blockbuster-Trade jetzt abgekühlt.
Ein bereits beschlossener Spielertausch der Hornets mit den Los Angeles Lakers und Houston Rockets wurde von der Liga wenige Tage zuvor zunichte gemacht, da die NBA zu wenig Gegenwert nach Louisian hatte wandern sehen. Auf Grund dieser harten Hand von oben, die Dell Damps, General Manager der Hornets zur Marionette degradierte, stand Paul Gerüchten zufolge schon davor, die Liga zu verklagen. Mit dem beschlossenen Wechsel wird nicht nur Paul eine Last von den Schultern fallen, auch die NBA dürfte nach der Kritik und der Frage, inwieweit die Liga Einfluss auf Personalentscheidungen nehmen darf, erleichtert sein.
Der Spielertausch aus Sicht der Clippers
Dass Weihnachten nicht schnell genug kommen kann, zeigt die kindliche Freude Blake Griffins (Foto) im zuvor aufgeführten Video. „It’s going to be Lob City“, waren die spontanen Worte des Power Forwards. Bereits in der vergangenen Saison beherrschte der Musterathlet die Highlightvideos der Liga; mit 214 Dunks rangierte Griffin hinter Dwight Howard auf dem zweiten Platz der Druckkorblegerrangliste. Mit einem Aufbauspieler eines Schlages wie Chris Paul wird Griffin in den nordamerikanischen Arenen wohl nun Flugmeilen en masse sammeln. Schon offensiv limitierte Center wie Tyson Chandler und Emeka Okafor hat Paul mit seinem Auge und seinen Anspielen gut aussehen lassen. Wie viele Poster werden jetzt erst durch die Kombination von Paul und Griffin produziert werden?
Nun sind Highlight-Dunks nicht alles. Trotz Griffins Flugstunden mussten die Clippers auf dem Boden der Tatsachen bleiben und verpassten zuletzt mit 32 Saisonsiegen zum fünften Mal in Folge die Endrunde. Die Siegquote dürfte nun aber schlagartig nach oben schnellen. Mit diesem Trade und den bisher getätigten Verpflichtungen von Caron Butler und Chauncey Billups (Foto) sind die Clippers nicht nur ein Playoff-Kandidat, sondern stehen davor, (bald) auch als Titelanwärter zu gelten. Man vergleiche nur einmal die Kader, die Paul bisher in New Orleans vorzufinden hatte, mit dem derzeitigen der Clippers und vergegenwärtigt sich, wie weit der Aufbauspieler die Hornissen dennoch tragen konnte. Mit einer Startformation von Paul, Morris Peterson, Peja Stojakovic, David West und Tyson Chandler ging es für die Hornets in der Saison 200708 nach einem Franchise-Rekord von 56 Siegen in die zweite Playoff-Runde.
Wie weit es für die Clippers in dieser verkürzten Saison gehen kann, bleibt abzuwarten. Vor allem zu Beginn dürfte der Clippers-Motor auf Grund der extrem kurzen gemeinsamen Vorbereitungszeit das ein oder andere Mal noch stottern. So talentiert das Big Man-Duo um Griffin und Jordan auch ist und so viel Luft nach oben es auch hat, auf eine Playoff-Erfahrung können beide noch nicht blicken. Zudem hat Head Coach Vinny Del Negro, der das zweite Jahr an der Seitenlinie im Staples Center stehen wird, auch während seiner Amtszeit bei den Chicago Bulls nicht gerade als Taktiker und Stratege von sich reden gemacht. Immerhin hat der 45-Jährige mit Paul und Billups zwei verlängerte Arme der besonders dirigierenden Sorte zur Verfügung.
Auf lange Sicht scheint ein Kern um Paul (26 Jahre), Griffin (22) und Jordan (Foto, 23) den Clippers die Möglichkeit zu bieten, zunächst ein Abonnement auf die Playoffs zu buchen und, auf Grund der Attraktivität dieses Kerns samt den Standort Los Angeles, weitere Spieler an die Pazifikküste zu locken, um eventuell auch in die Fußstapfen des bisher großen Stadtrivalen, die Lakers, zu treten. Wenn Fragezeichen bestehen, dann hinter Pauls Knie, seinem Vertragsende 2013 und dem bisher so knauserigen und unbeliebten Besitzer Donald Sterling.
Die Planungen des Managements für diese Spielzeit dürften noch nicht abgeschlossen sein. Zum einen findet sich nun ein Überangebot an Aufbauspielern im Kader vor. Neben Billups – der als Shooting Guard starten könnte – und Paul steht dort Eric Bledsoe bereit. Da die Clippers den 22-Jährigen nicht im Paket für die Hornets einschließen mussten, werden sie sicherlich mit dem 1,85-Meter-Mann als Backup für Paul einplanen. Zudem hat Coach Del Negro noch Randy Foye und Maurice Williams zur Verfügung, die beide als Combo-Guards bezeichnet werden können. Da Billups auf Grund seines Status als Neuzugang, der davor mit Amnesty-Klausel entlassen worden war, nicht abgegeben werden kann, könnte Williams oder Foye noch gehen. Vor allem, da die Clippers derzeit keinen Center auf der Bank vorfinden.
Manch ein Clipper-Fan mag auf Grund des abgegebenen Gegenwerts mit einem faden Beigeschmack zurückgelassen werden. Schließlich schienen die Clippers die einzige Franchise zu sein, mit der zusammen mit den von der NBA geführten Hornets einen Spielertausch möglich ist. Sicherlich ist Eric Gordon auf dem Sprung, einer der besten Shooting Guards der kommenden Jahre zu werden. Mit Sicherheit hätte mit dem Draft-Pick der Wolves 2012 ein weiteres Talent nach Los Angeles kommen können. Doch wie oft steht in einem Draft-Jahrgang schon ein Kaliber wie das eines Chris Pauls zur Verfügung? Wenn eine Mannschaft die Möglichkeit hat, einen schon gereiften, endgültigen Franchise-Spieler zu verpflichten, der zudem vielleicht der beste Point Guard der Liga ist und einen Griffin oder Jordan noch besser machen kann, dann muss das Front Office zuschlagen. „It’s hip to be Clip“, hieß es in Los Angeles zuletzt; womöglich verwandelt sich dieser Spruch bald in „I’m a hit ‚cause I’m a Clip“.
Derzeitiger Kader:
| Erste Fünf | Bank | Bank | |
| PG: | C.Paul | E.Bledsoe | R.Foye |
| SG: | C.Billups | M.Williams | T.Leslie |
| SF: | C.Butler | R.Gomes | |
| PF: | B.Griffin | T.Thompkins | |
| C: | D.Jordan |
Erweiterter Kader: Willie Warren* (SG)
* Spieler mit ungarantiertem Vertrag
Free Agents: Ike Diogu, Jamario Moon, Craig Smith
Der Spielertausch aus Sicht der Hornets
Einer Mannschaft zu einem Trade zu gratulieren, bei dem der Franchise-Spieler das Team verlässt, scheint ein Unding zu sein. Doch genau das kann man im Zuge des Spielertausches der Hornets eigentlich tun. Dass die Zeit von Chris Paul in Louisiana gezählt war, beweist sein Abwanderungswille in der jüngsten Vergangenheit sowie der scheinbare Wille, die Liga zu verklagen, um sich einen Weg aus New Orleans frei zu machen. Mit einem unzufriedenen Superstar in die Saison zu gehen und ihn womöglich zu einem späteren Zeitpunkt gegen einen noch geringeren Gegenwert zu verlieren, durfte aus Sicht der Hornissen keine Option gewesen sein.
So sehr man die Vorgehensweise der Liga bezüglich des Vetos zum Trade mit den Lakers und Rockets auch kritisieren mag, für die Hornets ist dies der richtige Schritt gewesen. Denn das Paket, das von den Clippers nach Louisiana wandert, mag perspektivisch das attraktivere sein.
Da wäre allen voran Eric Gordon (Foto). Der Shooting Guard spielte in seinem dritten Jahr in der Liga ein hervorragendes erstes Saisondrittel, ehe eine Verletzung ihn außer Gefecht setzte. Äußerst effizient weiß Gordon schon jetzt zu punkten. Ob Sprungwurf, das Spiel mit dem Pick-and-Roll oder seine schnellen Hände – Gordon ist ein Scorer, der bei den Hornets wohl noch einmal einige Zähler auf seine zuletzt 22,3 Punkte im Schnitt drauflegen wird. Sein PER von 18,56 war in der vergangenen Spielzeit der sechstbeste Wert unter allen Shooting Guards. Gordon hat die Anlagen, auch ein überdurchschnittlicher Verteidiger zu werden, steht schon jetzt auf dieser Seite des Feldes seinen Mann und hat durchaus das Potential eines Franchise-Spielers. Zwar mag Gordon qualitativ nicht an Paul heranreichen, doch im Vergleich mit Kevin Martin, Luis Scola oder Pau Gasol haben die Hornets in Gordon eine größere Perspektive.
Mit Al-Farouq Aminu (Foto) erhalten die Hornets einen weiteren Lottery-Pick. In der vergangenen Spielzeit überzeugte der Small Forward zwar nicht mit Konstanz und Treffsicherheit, doch war jene Saison erst sein Rookie-Jahr. Mit seiner Athletik ist der 21-Jährige variabel einsetzbar und kann auch mehrere Positionen verteidigen, auch wenn damit der Status als „Tweener“ einhergehen mag. Mit dieser Athletik und seiner Spannweite weiß Aminu sich zudem einige Rebounds zu ergattern. Für ihn ist nicht nur sprichwörtlich noch einige Luft nach oben.
In der Saison 2009/10 hat Chris Kaman (Foto) nicht nur mit seiner All-Star-Nominierung gezeigt, dass er zu den besten Centern der Liga gehören kann. Das verletzungsgeplagte vergangene Jahr mag den 29-Jährigen jedoch zurückgeworfen zu haben. Dennoch bekommen die Hornets in Kaman einen offensiv gut ausgebildeten Akteur, der aus der Mitteldistanz, aber auch unter dem Korb abzuschließen weiß und ein solider Würfeblocker ist. Interessanter für die Hornets ist jedoch die Tatsache, dass der Vertrag des (ehemaligen) deutschen Nationalspielers in Höhe von 12,7 Millionen Dollar ausläuft. Dass gibt den Hornets einen sehr guten Baustein für einen weiteren Trade, etwa zur Trading Deadline, oder einfach mehr Flexibilität in der kommenden Saison.
Apropos kommende Spielzeit: Dann darf die Franchise aus Louisiana mit dem Erstrunden-Pick der Minnesota Timberwolves im Draft 2012 auf Talentjagd gehen. Ein Jahrgang, der einige gute Spieler beherbergt. Mit einem solchen Liganeuling sowie Gordon und Aminu haben die Hornets junge Bausteine, auf denen sie setzen können. Insofern ist nicht nur auf die sportliche Zukunft geblickt, es geht für die Franchise ja auch darum, sich attraktiv für Käufer zu präsentieren.
Derzeit wird der anfangs noch sehr löchrige Kader gestopft, ein erster Schritt nach der Chris Paul-Ära ist getan. Es fehlt den Hornets derzeit vor allem noch ein Aufbauspieler von der Bank sowie vielleicht noch ein weiterer Big Man. Nach der jüngsten Vertragsverlängerung von Carl Landry könnte demnächst auch Jason Smith weiterverpflichtet werden.
Derzeitige Kader:
| Erste Fünf | Bank | Bank | |
| PG: | J.Jack | ||
| SG: | E.Gordon | M.Belinelli | |
| SF: | T.Ariza | A.Aminu | Q.Pondexter |
| PF: | C.Landry | D.Summers | |
| C: | E.Okafor | C.Kaman |
Erweiterter Kader: Patrick Ewing Jr. (SF)
Free Agents: Marcus Banks, Willie Green, D.J. Mbenga, Jason Smith
Auch im Meinungsaustausch bei ESPN zeigt sich, dass beide Parteien einen guten Spielertausch getätigt haben und zufrieden sein dürfen. Die Gemüter ob des Eingreifens der NBA dürfen sich beruhigen, Chris Paul hat eine neue Heimat, in der schon jetzt alle Saisontickets verkauft sind, und die Hornets können beruhigten Schritts in die Zukunft blicken.






von justuskoch 15.12.11 um 16:48:27
witzig, dass die clippers auf dem sf (fast) am tiefsten besetzt sind, obwohl davon keiner redet.
ich finde die clippers sollten probieren williams mit mike miller zu traden.
dann ist mo wieder mit lebron vereint und die heat haben einen soliden point guard, während die clips einen soliden shooting guard haben, der auch sf spielen kann und über 1,95 ist.