Teamanalyse

Raketen wollen fliegen

Trotz einer weiteren Verletzung ihres Zentralgestirns legten die Houston Rockets keinen Sturzflug hin. Im Gegenteil: Sie steigen immer noch. HINWEIS: Ab 20.30 Uhr mit Live-Blog: Rockets gg. Lakers.

Von Manuel Baraniak
 16.03.2008 |

Der 10. März 2008 in Houston, Texas: Tracy McGrady sitzt im Toyota Center auf der Bank seiner Rockets, mit einem Handtuch über den Schultern, lehnt sich zurück und hat ein Grinsen im Gesicht. Nach bereits 29 Minuten ist für ihn persönlich die Arbeit getan. Sein Team braucht ihn im vierten Viertel nicht mehr. Die Partie gegen die New Jersey Nets ist zu dieser Zeit ? die Rockets führen vor Beginn des Schlussabschnitts bereits mit 23 Zählern ? schon so gut wie gelaufen. Am Ende steht für die Texaner ein 91:73-Sieg zu Buche. Es ist der 19. Triumph in Folge, der zehnte Sieg hintereinander mit zehn Punkten oder mehr Differenz und der 13. Heimerfolg in Serie. Wenige Tage später werden ein 83:75-Auswärtssieg bei den Atlanta Hawks und ein 89:80-Erfolg über die Charlotte Bobcats folgen. Standen die Rockets mit einer Bilanz von 24 Siegen bei 20 Niederlagen Ende Januar noch auf den zehnten Rang der Western Conference, sind sie nun bis auf den zweiten Platz geklettert und können sogar die gleiche Bilanz wie der West-Krösus, die Los Angeles Lakers, aufweisen.

Mit 21 ungeschlagenen Partien hintereinander sind die Houston Rockets erst das dritte Team der NBA-Geschichte überhaupt, das 20 Triumphe oder mehr in Folge feiern konnte. In der Saison 1970/71 gewannen die Milwaukee Bucks, in deren Reihen Lew Alcindor (bzw. Kareem Abdul-Jabbar) und Oscar Robertson standen, 20 Partien hintereinander. Ein ?klein? wenig besser waren lediglich die Los Angeles Lakers (u.a. mit Wilt Chamberlain (Foto), Jerry West und Gail Goodrich) in der Spielzeit 1971/72, die unglaubliche 33 Begegnungen in Serie ungeschlagen blieben. Geht man also nach dieser überragenden Serie, gehört dieses Team der Houston Rockets zu den besten Teams der Ligageschichte.

Dass es soweit kommen würde, hätten sich die Spieler und Verantwortlichen vor wenigen Wochen wohl kaum vorstellen können. Am Morgen des 26. Februar herrschte in der Trainingshalle der Rockets eine Totenstille, als Head Coach Rick Adelmann seiner Mannschaft mitteilte, dass ihr Center und Offensivmittelpunkt Yao Ming (Foto) mit einem Ermüdungsbruch im linken Fuß für den Rest der Saison ausfallen würde. Bis dahin war der Chinese mit durchschnittlich 22,0 Punkten pro Spiel Topscorer sowie bester Rebounder seines Teams. Seine 10,8 Rebounds, 2,3 Assists und 2,0 Blocks pro Partie bedeuteten jeweils persönliche Karrierebestwerte. Dies ist nunmehr Mings vierte ernsthaftere Verletzung innerhalb der letzten vier Jahre und der zweite Ermüdungsbruch im selben Fuß. Während sich somit zum einen für den 2,31 Meter großen Center persönlich die Frage stellt, inwieweit er auch zukünftig mit Verletzungen zu kämpfen haben wird, hätte man davon ausgehen können, dass das Rockets-Kollektiv einen herben Rückschlag im Kampf um die Playoff-Teilnahme hinnehmen würde. Die Phrase ?Houston, wir haben ein Problem? wartete nur darauf, mal wieder aus der Schublade gekramt zu werden. Doch genau das Gegenteil passierte: Auch ohne den etatmäßigen Center erlitt die Siegesserie keinen Abriss, sondern wurde um neun weitere ungeschlagene Partien ausgebaut. Warum kommen die Texaner trotz des Ausfalls ihres Eckpfeilers so gut zurecht?


Das Erfolgsrezept

Als feststand, dass Yao Ming in dieser Saison nicht wieder auf das Parkett würde zurückkehren können, befanden sich die Rockets schon mitten in ihrer Siegesserie. Zwölf Spiele in Folge hatten sie zuvor gewonnen. Dementsprechend verfügte die Mannschaft schon über ein hohes Maß an Selbstvertrauen. Und besitzt ein Team ein solches Vertrauen in die eigene Stärke, lässt es sich dieses auch nicht mehr so schnell nehmen. Selbst wenn ein so wichtiger Bestandteil der Mannschaft ausfällt.

Dies zeigten auch die Reaktionen der Spieler. Zwar überwog zunächst natürlich der Schock über die Nachricht, jedoch waren und sind sich die Rockets über ihre Stärke als Kollektiv bewusst. ?Als sie uns [über Yaos Verletzung] aufklärten, herrschte im Raum erst einmal Stille. Aber jetzt wird man sich bewusst, dass man es selbst kontrollieren kann. Wir sind immer noch ein ziemlich gutes Team?, so Luther Head (Foto). Rafer Alston betonte noch einmal die mannschaftliche Geschlossenheit: ?Wir werden das nicht einzeln durchstehen, sondern gemeinsam.? Während die Rockets also an ihre eigene Stärke glaub(t)en, wurden sie von vielen Experten und Basketballinteressierten außerhalb der Organisation schon abgeschrieben. Das mache laut Shane Battier die Arbeit aber nur leichter.

An die Arbeit gehen die Rockets auch mit der nötigen Disziplin heran. Soll heißen, sie nehmen keinen Gegner auf die leichte Schulter. Von einigen Seiten wurde immer wieder darauf hingewiesen, die Rockets hätten es während ihrer Siegesserie ja nicht mit vielen Top-Mannschaften zu tun gehabt. Sicherlich, nur sechs Teams, die während der letzten Wochen gegen die Texaner das Parkett als Verlierer verlassen mussten, würden momentan die Playoffs erreichen. Dazu kamen noch Siege über die Denver Nuggets und Portland Trail Blazers, die immer noch an der Postseason schnuppern bzw. zur damaligen Zeit schnupperten. Dennoch ist es beeindruckend, wie die meisten Partien gewonnen wurden. Wie zuvor erwähnt, schlugen die Rockets in zehn Spielen hintereinander ihre Gegner mit jeweils einer zweistelligen Punktedifferenz. Ein Grund hierfür mag auch darin begründet liegen, wie die Mannschaft an die einzelnen Begegnungen herangeht: ?Ein Spiel nach dem anderen: Das ist zwar ein Klischee, aber das ist der Grund, warum diese Truppe so erfolgreich ist?, so Adelman (Foto) nach dem Sieg bei den Dallas Mavericks am 6. März.

Ein weiterer Grund des Erfolges ist sicherlich die Teamchemie. Und gerade bei den Rockets kann man von einer wirklichen Mannschaft in dem Sinne sprechen, bei der die Spieler uneigennützig agieren, füreinander spielen und kämpfen. Dies wirkt sich auch auf die Stimmung in der Kabine und auf dem Parkett aus, die vom ?Go-to-Guy? bis zum zwölften Mann einfach stimmt. Zudem genießen auch die vermeintlich jungen und in den hinteren Reihen stehenden Spieler das Vertrauen von Head Coach Rick Adelman. Ein Beweis des Vertrauens generell, das Adelman in seine Mannschaft hat, ist, dass er auch schon mal fünf Spieler auf das Parkett lässt, die nicht nur in keinem Saisonspiel bisher, sondern noch nicht einmal so im Training zusammen aufliefen. Beim Sieg über die Indiana Pacers am 5. März standen für fünf Minuten Aaron Brooks (Foto), Luther Head, Bobby Jackson, Shane Battier und Chuck Hayes zusammen auf dem Feld. Und das nicht etwa in der Zeit, in der man sich um den Müll zu kümmern hat, sondern zu Beginn des zweiten Viertels, als die Rockets lediglich mit drei Zählern führten. Als nach etwa fünf Minuten wieder Tracy McGrady und Rafer Alston auf das Feld zurückkamen, hatte die neu zusammen gewürfelte Formation mal eben den Vorsprung auf elf Punkte ausgebaut. Dabei erzwang die Rockets-Fünf drei Ballverluste, schnappte sich fünf Rebounds im Vergleich zu lediglich zwei auf Seiten der Pacers und hielt Indiana bei einer Feldquote von 38 Prozent.

Und hier offenbart sich noch eine weitere, wichtige Zutat des texanischen Erfolgsrezepts: Die Rockets verteidigen und verteidigen, holen sich die Rebounds und spielen mit der nötigen Härte. Dass Partien zunächst in der Defensive gewonnen werden, weiß auch oder vor allem Shane Battier (Foto): ?Durch die Verteidigung hat man die Chance, jeden Abend zu gewinnen.? Und dies ist vor allem dann ausschlaggebend, wenn es in der Offensive einmal nicht so läuft. So geschehen in der Begegnung gegen die Atlanta Hawks. Lediglich 32 Zähler erzielten die Rockets in der ersten Hälfte. So stark hatte der Offensivmotor der Texaner in der bisherigen Saison noch nie gestottert. Fallen die Würfe in der Offensive nicht, verunsichert dies viele Teams und wirkt sich dementsprechend auch auf die eigene Defensivleistung aus. Doch bei Mannschaften, die über genügend Selbstvertrauen verfügen und sich der eigenen Stärke bewusst sind, kann dies nicht so schnell aus der Bahn werfen. Vor allem bei einer Mannschaft, deren Stärke überhaupt erst in der Verteidigung liegt. Und so wurden die Flügel der Habichte gestutzt, indem man diese bei einer Feldquote von 33,8 Prozent und einer Dreierquote von 23,5 Prozent hielt. Dass man mit diesem Sieg keinen Schönheitspreis gewinnen konnte, darüber war sich auch Rick Adelman nach der Partie bewusst: ?Es war nicht wirklich schön. Vielleicht sogar das Scheußlichste, was wir bisher gespielt haben. Aber wahrscheinlich war es der beste [Sieg], weil wir wirklich dafür kämpfen mussten.?

Und dies fängt vor allem in der Verteidigung an. Belegen die Rockets über die gesamte Saison hin gesehen hinter den Boston Celtics schon den zweiten Platz, was die gegnerische Feldquote betrifft (42,9%), liest sich diese Statistik innerhalb der Siegesserie noch beeindruckender: Lediglich 40,9 Prozent der Würfe des Gegners fanden in den vergangenen 21 Partien ihr Ziel. Bei so vielen Fehlwürfen müssen natürlich dann auch die Rebounds gesichert werden. Und hier geben sich die Texaner ebenso keine Blöße. Durchschnittlich 46,7 Rebounds pflückten die Raketen während der ungeschlagenen Zeit vom Himmel, und damit sechseinhalb Abpraller mehr als die Gegner. ?Wir haben hier einige Spieler, die sich zuerst auf die Verteidigung konzentrieren. Wir haben talentierte Spieler, die sich [in der Verteidigung] gut bewegen. So wird die [gegnerische Offensive] gestoppt,? klärt Assistant Coach Elston Turner ob der guten Defensivleistung seiner Mannschaft auf.


Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Beim zuvor angesprochenen Spiel gegen die Atlanta Hawks war es nicht nur die Verteidigung, die letztendlich den Sieg ausmachte, es war auch Tracy McGradys (Foto) offensiver Beitrag nach der Halbzeitpause. 21 seiner 28 Zähler markierte der Shooting Guard in den letzten beiden Vierteln. Nach Yao Mings Ausfall mimt nun selbstverständlich McGrady in der Offensive den Steuermann der Raketen. Seitdem Houston auf Ming verzichten muss, macht T-Mac 25,8 Punkte im Schnitt. Jedoch sollte man nun nicht darauf schließen, dass McGrady den offensiven Alleinunterhalter gibt. Schon als er von einer Verletzung, die ihn elf Partien pausieren ließ, im Januar zurückkam, fügte er sich in das bestehende und eingespielte System ein. ?Ich wollte nicht zurückkommen und irgendetwas durcheinander bringen oder auseinander reißen. Ich bin nicht zurückgekommen, um ständig den Ball in den Händen zu halten. Ich habe einiges von meinem persönlichen Spiel zu Gunsten der Verbesserung des Teams aufgegeben,? so McGrady zu seiner persönlichen Integration. Betrachtet man T-Macs Statistiken, so fällt auf, dass er zuletzt vor acht Jahren so ?wenig? punktete. Jedoch traf er in den letzten fünf Jahren nicht so gut aus dem Feld wie in dieser Spielzeit. Zudem sind seine 5,6 Assists pro Partie der drittbeste Wert seiner Karriere. Man sieht also, inwieweit er sich in den Dienst der Mannschaft stellt.

Der Rest des Teams besteht im Grunde ?nur? aus Rollenspielern. Doch genau hierin gründet wohl auch mit die Stärke Houstons. Diese Rollenspieler wissen um ihre Aufgaben. Zudem ist immer mal wieder ein anderer Rocket zur Stelle, um T-Mac offensiv ein wenig zu entlasten.

An der Seite McGradys im Backcourt steht Rafer Alston (Foto), der die vielleicht beste Saison seiner Karriere spielt. Seine durchschnittlich 12,7 Punkte, 5,6 Assists und 40,4 Prozent aus dem Feld sind die jeweils drittbesten Werte, die er je in der NBA auflegte. Zudem tritt er nach Yao Mings Verletzung immer wieder als zweite Scoring-Option auf. So geschehen bei den Siegen über die Konkurrenten aus Dallas und New Orleans, denen der Point Guard 24 bzw. 20 Punkte einschenkte. Nimmt man die letzten beiden Partien außen vor, strahlt Alston zudem eine Gefahr aus der Distanz aus, seitdem der große Chinese fehlt (42,1% 3FG). Dabei planten die Verantwortlichen der Rockets vor der Saison gar nicht mehr mit ihrem Point Guard. Nach den Verpflichtungen von Mike James, Steve Francis und Aaron Brooks via Draft war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Alston seine Koffer würde packen müssen. Doch dieser muckte nicht auf, sondern antwortete mit Leistung auf dem Parkett und stach somit auch die Konkurrenz aus. Während der Eine (Mike James) das Team per Trade schon wieder verlassen musste und der Andere (Steve Francis, Foto) nie wirklich zum Zug kam und dessen Saison verletzungsbedingt schon gelaufen ist, ist vom erwähnten Aufbauquartett vor der Saison nur noch Aaron Brooks übrig, der aber in den letzten Wochen selten mehr als zehn Minuten zum Einsatz kam.

Entlastung für den Backcourt kommt in der Form von Luther Head und Bobby Jackson. Mit einem Karriereschnitt von 40 Prozent strahlt Erstgenannter vor allem eine Gefahr von der Dreipunktelinie aus. In den zehn Siegen vom 21. Februar bis 10. März versenkte Head ganze 21 seiner 42 Versuche von jenseits der 7,24-Meter-Linie. Die Leistenverletzung, die ihn sechs Spiele zum Zuschauen zwang, scheint er auskuriert zu haben. Bobby Jackson (Foto) stieß erst kurz vor der Trading-Deadline zu den Rockets. Für ihn ?opferte? das Management Mike James und Bonzi Wells und tätigte einen Trade zu einer Zeit, in der die Rockets bereits das heißeste Team der Liga waren. Doch die Eingewöhnung fiel dem bald 35-Jährigen nicht wirklich schwer, spielte er doch schon zu seinen Tagen bei den Sacramento Kings unter Adelman. Dieser erwartet von seinem Schützling, dass dieser mit viel Energie von der Bank ins Spiel geht ? an beiden Seiten des Feldes. Zudem sammelte Jackson in elf Ligajahren einiges an Erfahrung ? auch, was die eine oder andere Playoff-Schlacht betrifft.

Zwar punktete Shane Battier in seiner bisherigen Karriere nur in einer Saison weniger, doch dass er die Punktelast mitschultert, erwartet man auch nicht von ihm. In erster Linie soll er den besten, gegnerischen Spieler Ketten anlegen. Dass auch er mal zum engeren Kreis der beste Verteidiger des Jahres stoßen wird, ist nur eine Frage der Zeit und wäre mehr als verdient. Und so hielt er beispielsweise Carmelo Anthony beim 103:89-Sieg über die Denver Nuggets bei 19 Punkten und einer Quote von 41 Prozent. Wenn er dann auch noch wie in diesem Spiel offensiv so viel beitragen kann wie seine 20 Zähler und fünf erfolgreichen Dreier, dann übersteigt das sogar noch die Erwartungen.

In den letzten Jahren konnte man in Houston auf der Position des Power Forwards nicht zu viel erwarten. Eher ähnelte diese einem schwarzen Loch. Doch diese Saison sieht das ganz anders aus. Zu verdanken hat man dies den Leistungen der beiden Rookies Luis Scola und Carl Landry, sowie Chuck Hayes. Während Scola mit seinen 27 Jahren und seiner Zeit in Spanien und in der argentinischen Nationalmannschaft einiges an Erfahrung mitbringt und die nötige High-Post-Waffe in Adelmans System ist, schätzt man an Landry und Hayes (Foto) deren Energie und Einsatzbereitschaft, vor allem unter dem Korb. Wie produktiv vor allem die beiden Neulinge sind, sieht man auch anhand der Statistiken während Mings Abstinenz: Während der Argentinier in den letzten neun Begegnungen durchschnittlich 12,2 Punkte, 7,6 Rebounds und 52,3 Prozent aus dem Feld aufweist, sind es bei Landry ebenso starke 13,8 Zähler, 5,0 Rebounds und 68,4 Prozent aus dem Feld. Allerdings musste der Rookie die letzten vier Begegnungen aufgrund einer Knieverletzung aussetzen. Die beiden Neulinge scheinen sehr gut zu harmonieren, arbeiten sie doch auch im Training zusammen. Dabei ist es der 27-jährige Scola, der seinem um einiges jüngeren Forward-Partner immer wieder nützliche Tipps gibt. Ob der Produktivität der beiden Rookies sprach ein Journalist schon vom zweiköpfigen Power-Forward-Monster ?Carluis Scolandry?. Inwiefern die beiden Neulinge den Gegner das Fürchten lehren, darüber lässt sich streiten. Über was sich nicht streiten lässt, ist, wie zuverlässig die beiden Forwards schon in ihrem ersten Jahr agieren.

Nach der verletzungsbedingten Pause von Landry verpflichteten die Rockets Mike Harris, der einen Zehn-Tages-Vertrag erhielt. Um Platz für den Bigman zu schaffen, wurde der zur Trading Deadline hinzugekommene Gerald Green entlassen. Harris fiel Adelman und Co. schon während des Training Camps vor der Saison positiv auf, doch es war damals kein Platz im Kader der Texaner. Der Power Forward scheint seine Chance nun durchaus nutzen zu können. Bei seinem ersten Spiel gegen die Nets stand Harris 20 Minuten auf dem Feld und machte mit soliden sechs Punkten und sieben Rebounds auf sich aufmerksam. Einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg leistete er in der letzten Partie gegen die Bobcats. Insgesamt zwölf Zähler und vier Rebounds standen am Ende auf seinem Konto, doch vor allem mit seinen zehn Punkten allein im letzten Viertel half er seinem Team enorm. Sein erstes Saisonspiel für die Rockets absolvierte Steve Novak (Foto) erst am letzten Tag des vergangenen Jahres, und auch seitdem steht er eher selten auf dem Feld. Doch wenn, dann ist vor allem auf seinen Dreier Verlass. Ganze 45,2 Prozent von ?Downtown? trifft der Pole in seiner ersten Saison. Dabei scheint er auch die Nerven in entscheidenden Situationen bewahren zu können. Auf Geheiß von McGrady brachte Adelman den Rookie in der Partie gegen die Sacramento Kings kurz vor Schluss ins Spiel. Novak dankte seinem Coach mit seinem einzigen Feldkorb, der gleichzeitig der siegbringende Dreipunktewurf war.

Zu guter Letzt ist da noch der alte Mann aus dem Kongo. Dikembe Mutumbo (Foto) ist erst der fünfte Spieler, der mit 41 Jahren ? gemessen an der Saisonmitte ? noch auf einem NBA-Parkett stand. Dabei lief der Center in gerade einmal 14 Begegnungen vor Yao Mings Verletzung auf. Dass er noch lange nicht rostet, bewies Mutombo dann auch gleich in der ersten Partie als Starter: In 23 Minuten sammelte er vier Punkte, sechs Rebounds und ganze vier Blocks ein. Drei Tage darauf waren es noch einmal vier geblockte Würfe und starke 13 Rebounds. Ingesamt liefert Mutombo von Beginn an zwar nur 2,8 Punkte, doch seine 6,3 Rebounds und 2,3 Blocks pro Partie sind um einiges wichtiger und das, was die Rockets von ihm brauchen. So bringt auch McGrady auf den Punkt, dass die Rockets mit Mutombo meist ein viel besseres Team, was die Verteidigung betrifft, seien. Der 41-Jährige schüchtere mit seiner Präsenz und seiner Fähigkeit des Würfe-Blockens den Gegner ein. Und diese müssen dann den wedelnden Finger Mutombos zu sehen bekommen, auch wenn der Center sein Markzeichen in Richtung Zuschauerränge zu vollziehen hat. Die Landeerlaubnis gegnerischer zum Korb ziehender Spieler wird dennoch verweigert, wie hier beim Spiel gegen die Bobcats:




Ausblick

Und wann werden die Houston Rockets zur Landung ansetzen, sprich: ihren Höhenflug aufgrund einer Niederlage beenden müssen? Dies könnte schon bald der Fall sein, stehen doch in den kommenden Tagen nicht gerade einfache Spiele auf dem Programm. Vielmehr geht es gegen die direkten Konkurrenten um die vorderen Playoff-Plätze im Westen. Am heutigen Abend geht es gegen die Los Angeles Lakers, mit denen die Rockets zusammen die beste Bilanz des Westens aufweisen (siehe unten). Danach ist das beste Team, was die Bilanz betrifft, zu Gast im Toyota Center: die Boston Celtics. Am Tag darauf geht es schon wieder weiter und zwar in New Orleans. Es folgen zwei weitere Auswärtsspiele bei den Golden State Warriors und Phoenix Suns, ehe es dann endlich wieder gegen ein vermeintlich schwächeres Team mit den Sacramento Kings geht. Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass die Siegesserie der Rockets im Laufe der nächsten Tage reißen wird. Doch wäre das wirklich so schlimm? Sicherlich nicht, irgendwann müssen die Texaner ja auch einmal verlieren. Vielmehr gilt es, den Fokus nach einer möglichen Niederlage nicht zu verlieren. Immerhin wäre dies eine Situation ? das Parkett als Verlierer zu lassen ?, an die man gar nicht mehr gewöhnt ist.

Noch 16 Partien sind es bis zum Ende der regulären Saison für die Houston Rockets. Bis dahin heißt es, sich eine gute Ausgangsposition für die Playoffs zu erspielen. Denn genau auf diese warten die Rockets eigentlich. Das Team möchte endlich wieder die erste Playoff-Runde überstehen. Dies ist vor allem ein Anliegen Tracy McGradys. Wo wird dieser wohl Anfang/ Mitte Mai sitzen? Ebenfalls mit einem Handtuch über den Schultern, jedoch an einem Pool, fern ab von irgendeinem Basketball-Court? Oder wird er es endlich über die erste Playoff-Runde hinaus geschafft haben? Schon nach der Verletzung Yao Mings und der eingehenden Meinung vieler Experten, die Rockets würden nun kaum weiter so erfolgreich sein, gab T-Mac zu Protokoll, es sei Zeit, die Kritiker verstummen zu lassen. Eine persönliche Genugtuung wäre für ihn allerdings erst dann erreicht, wenn er eine Playoff-Serie gewonnen hätte. Dies ist natürlich nicht alleine zu bewerkstelligen, dazu benötigt man eine ganze Mannschaft. Aber genau eine solche haben die Houston Rockets.