Superstars ohne Titel

Kurze Hosen und Pick and Roll

Langweiliger Spielstil. Altmodische Shorts. Die gleiche Frisur seit Jahrzehnten. Stockalone. Wer genau aber war dieser Mann, der überhaupt nicht in das Bild der Liga passte?

Von Manuel Kaess
 31.07.2005 |

Wir schreiben das Jahr 1984. Es ist Frühling und an diesem Freitag Abend wird überall in Spokane, Washington gefeiert. Das Semester ist zuende und die Absolventen zelebrieren das Ende des Schuljahres. Während alle anderen Studenten am Feiern sind, ist John Stockton auf dem Weg in die Sporthalle. Als ihn ein Kommilitone darauf anspricht, weshalb er nicht mit den anderen am Feiern sei, entgegnet Stockton: ?Ich habe nur eine Chance. Eine Chance es möglicherweise zu schaffen.? Dabei hat John diesen entschlossenen Ausdruck in den Augen. Den selben Ausdruck, den er immer innehatte: das Verlangen zu gewinnen und die Angst, er könne eine einmalige Chance nicht genutzt haben.

Für John Stockton endet eine Saison niemals wirklich. Sie wird nur unterbrochen. Er sieht seine Chance in der NBA spielen zu können und würde alles dafür geben, um den Sprung in die Liga der Besten zu schaffen.

Die Rehabilitationsphase nach einer Knieoperation war charakteristisch für John Stockton. Keine Pressekonferenz, keine Reports über seinen Zustand - nur Stillschweigen.
Auf der einen Seite steht das Spiel und auf der anderen persönliche Angelegenheiten. Wenn es nach Stockton geht, so sollten diese beiden Dinge immer getrennt werden und niemals zusammenkommen.

Kameras, Reporter, Autogrammjäger und Fans schreckten ihn immer wieder ab. Das hat sich auch über seine Jahre in der NBA hinweg nie geändert. Stockton konzentrierte sich allein auf sein Spiel und ging dem Medienrummel so gut es ging aus dem Weg. ?Er ist das fokussierteste menschliche Wesen, das ich kenne? sagt auch sein Bruder Steve. ?Ich meine das als Kompliment. Er macht das, was er liebt und wird dafür gut bezahlt [...] Er würde seine Freitag und Samstag Abende dafür opfern, um in der Halle einen Ball nach dem anderen zu werfen.?

Von einem rein klinisch betrachteten Standpunkt aus ist John Stockton ein medizinisches Phänomen: sein Herzschlag im Ruhezustand ist mit 35 Schlägen pro Minute nur etwa halb so schnell wie der eines gewöhnlichen Sportlers. Während andere Spieler gezwungen sind Auszeiten zu nehmen oder sich auf der Bank auszuruhen, genügt Stockton die kurze Zeit, die er an der Freiwurflinie steht, um wieder zu Atem zu kommen.
Sein Körperfett beträgt 4 %. Das ist der gleiche Wert, den ein Karl Malone und viele der besten Radrennfahrer haben. Stocktons Lungenkapazität und sein Blutdruck sind für eine Durchschnittsperson beinahe unerreichbar und sogar für einige Athleten ausgesprochen gut. ?Er schwitzt nicht [und] sein Körper ist sehr effizient? weiß auch einer seiner früheren Teammitglieder.

Dr. Lyle Mason, die Stocktons Knie wieder in Ordnung brachte, bestätigt dies: ?Er würde den ganzen Tag spielen. Er will 48 Minuten durchspielen und ohne Zweifel wäre er dazu auch im Stande.?

Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Point Guard der Utah Jazz in seiner 13-jährigen Karriere nur vier Spiele verpasste. In der Offseason arbeitete John im Juli zwei Stunden täglich an seinem Spiel und im August machte er bereits fünfstündige Workouts. Er stemmte Gewichte, rannte und spielte Pickup Games. ?Wenn er um sechs Uhr morgens in der Halle sein muss, dann ist er es. Wenn er bis zwei Uhr morgens beim Therapeuten sein muss, um am nächsten Spiel teilnehmen zu können, dann macht er das,? wie ihn ein früherer Teamkollege charakterisiert.

Die Arbeitseinstellung und die Faszination für den Sport liegen bei John Stockton in der Familie. Sein Großvater, Houston Stockton, war einer der besten Football-Spieler in der Geschichte der Universität von Gonzaga. Seine Mutter Clementine war eine Dreikämpferin in Ferdinand, Idaho. Eine von Johns drei Geschwistern, LeAnn, ist Coach der Kentucky Wesleyan und der Utah Starzz. Und keiner in der Familie Stockton würde das Verlieren tolerieren.

?Es war nie anders,? berichtet Johns Vater, ?er war bei jedem Spiel aufmerksam dabei. Ich glaube nicht, dass Basketball jemals ein Spaß für John war. Ich habe den Jungs früher immer zugesehen, wenn sie in der Hofeinfahrt gespielt haben. Sein Bruder und seine Freunde haben immer herumgealbert. John nicht. Für ihn war es schon immer Business.?

Im Sommer vor Johns Freshman-Jahr an der Universiät von Gonzaga war er jeden Abend beim Assistenzcoach Joe Hillock, um ihn um die Schlüssel zur Sporthalle zu bitten. ?Ich habe dem Sicherheitspersonal immer gesagt, dass ich ihm die Schlüssel gebe. Hätte ich es nicht getan, wäre er auf anderem Wege in die Halle gekommen,? sagt Hillock heute.

Es war ein Leben, das Stockton nicht nur zu einem konkurrenzlosen Spieler machte, sondern auch seine Lebenseinstellung prägte: hart arbeiten, Loyalität zu denen, die er liebt und entschlossenes Handeln. Es überrascht nicht weiter, dass sich John in der Stadt am wohlsten fühlt, in der er seine Kindheitstage verbracht hat. Deshalb kaufte er sich das Nachbarhaus zu seinen Eltern und verbrachte die meiste Zeit des Sommers dort bei seinen Freunden und seiner Familie.

Während eines Trainingscamps fragte ihn ein Zeitungsredakteur, ob er glücklich wäre, wenn er mit Olajuwon, Barkley, Jordan und Ewing in einer leeren Halle ohne Kameras und Fans spielen dürfte. ?Das würde mich sehr glücklich machen,? entgegnete John. Seine Abneigung gegenüber Goldkettchen, Nachtklubs und Fernsehauftritten erklärt sich von selbst.

In Stocktons Zimmer waren niemals Fotos von Sportlern. Er bekannte sich nie zu Spielern wie Walt Frazier oder Jerry West. Der einzige Spieler, den er in der Familie einmal erwähnte war der ehemalige Spieler der Seattle Sonics Gus Williams, welcher ihn bei einem Freundschaftsspiel, bei dem John Balljunge war, aus Spaß herausforderte.

Stockton war bekannt dafür sich durch die Hintertüren der Hallen heraus zu schleichen und schnell in den Teambus einzusteigen, um Autogrammjägern und Fans aus dem Weg zu gehen. Sein schlimmstes Erlebnis war nach eigener Aussage eine Situation bei der ihn ein weiblicher Fan vom Flughafen bis vor das Hotelzimmer verfolgte und bedrängte. ?Ich wollte mich einfach in Luft auflösen,? so Stockton.

Und obgleich er eine sehr strenge Arbeitsmoral hegte, so war John weit davon entfernt ein humorloser Zeitgenosse zu sein. Jeder, der näher mit John zu tun hatte, weiß, wie es ist, wenn man aufgrund seines Haarschnitts, seines Akzentes oder seiner Herkunftsstadt belächelt wird.

Während seiner Karriere betonte John Stockton immer wieder, wie wichtig ihm Mitspieler und Coaches waren und noch immer sind.

Stockton war zehn mal Allstar, gewann mit dem Team USA zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen, erzielte insgesamt 19.711 Punkte (28. Platz), verteilte 15.806 Assists (1.) und sammelte 3265 Steals (1.). Er stand zweimal im NBA-Finale, verlor aber jeweils gegen die Chicago Bulls. Dieser Superstar ohne Titel war einer der letzten Vertreter einer vergangenen Generation von NBA-Spielern und wird uns mit seinem unaufhörlichen Siegeswillen und seinen konstanten Leistungen über Jahre hinweg in Erinnerung bleiben.




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Kommentare

(23 Kommentare bisher)

von Katernberg 31.07.05 um 16:14:56


Der wahrscheinlich beste PG aller Zeiten. Schade, dass die Bulls ihn, als sie MJ drafteten nicht auch noch bekommen haben. Leider haben die Jazz eher zugegriffen. DAS wäre ein Backcourt geworden. Stockton und MJ. Jedes ziehen und doppeln von MJ resultiert in einem Dreier von Stockton. Pick and Roll mit den beiden...
Was viele vergessen ist, was für ein überragender Verteidiger Stockton gewesen ist.



von Lambo 31.07.05 um 17:48:30


@katernberg
war er wirklich ein so guter Verteidiger? Ich habe oft anderes gehört, deswegen frage ich...

@Autor des Textes
ein super Artikel wie ich finde. Man erfährt viel Interessantes über ihn, was man sonst noch garnicht gewusst hatte. Jedenfalls geht es mir so. Spitze!



von Ruben 31.07.05 um 18:53:54


Nein Stockton war ein mieser verteidiger, desshalb auch nur erster bei den steals....



von Mike Rophon 31.07.05 um 20:07:47


Es ist gut Stockton zu würdigen - ein klasse Typ!

Den Artikel an sich find ich aber eher schwach: Immer wieder so kurze Abschnitte, die irgendwie übergangslos und in recht einfachem Deutsch aneinandergereiht werden...
Trotzdem Propz dafür! ;) Der Weg ist das Ziel..



von ich halt 31.07.05 um 21:58:42


im aller ersten abschnitt wird von Stockalone geschrieben. Stockten war aber nur 50% von Stockalone. oder hab ich da was komplett falsch in erinnerung?



von Coranor 31.07.05 um 22:25:51


Ich glaub das ist ein kleiner Denkfehler des Autors, denn wenn man von Stockalone redet meint man immer das Duo Stockton Malone. In dem Artikel geht es aber eindeutig nur über Stockton...



von Katernberg 31.07.05 um 22:40:18


Ja, er war ein außergewöhnlich guter Verteidiger. Mehrere Interviews seines Coaches schwärmen davon. Außerdem zum Mitglied der 50 besten aller Zeiten gewählt.



von conroe 01.08.05 um 08:20:57


die idee ist gut und es war auch langsam mal zeit über ihn zu schreiben. auch wenn ich auf teufel komm raus nich leiden kann, verdient hat er es über alle maßen. dummerweise ist der artikel recht schlecht geraten. 25 (nicht nachgezählt :-)) beispiele über seine arbeitseinstellung und moral, aber so ziemlich alles sportliche aussen vor gelassen. der artikel steht ganz klar unter dem falschen titel. "superstars ohne titel" passt da irgendwie gar nich. kein sportlicher werdegang, keine erfolge, keine persönlichen meilensteine. nichts dergleichen. einfach nur eine auflistung von vergangen gegebenheiten bzw. beispielen wie toll doch seine einstellung ist. ist zwar auch sehr interssant und sollte auch nicht fehlen, allerdings hätte man den artikel ja auch doppelt so lang machen können und dann auch sportliche nicht aus den augen verlieren müssen....



von Khali 01.08.05 um 10:19:26


conroe nur anschließen...

eine Sache muß ich zudem noch bemängeln: die angesprochenen 4% Körperfett sind ein Witz, damit hält man normalerweise ein paar Tage durch, dann wird es lebensbedrohlich...auch für einen John Stockton (wenn die Quelle des Autors etwas anderes sagt hat sie schlichtweg keine Ahnung): 8 % sind da ein wesentlich realistischerer Wert



von Jimbo 01.08.05 um 10:40:40


ich hingegen finde es gut, dass nicht nur die sportliche seite runtergeleihert wurde. das kann ich mir doch alles bei nba.com reinziehen, wenn ich so geil auf awards und auszeichnungen bin. ich finde es gut, dass im artikel der mensch stockton und sein charakter betrachtet werden. das zeichnet nämlich auch einen superstar aus, ätsch!



von Manuel Kaess 01.08.05 um 11:12:43


@von ich halt: Stockalone bezieht sich wie du richtig angemerkt hast auf Stockton und den Mailman. Und obwohl die beiden immer nur gemeinsam in einem Satz genannt werden, ging es mir darum den Point Guard als Person alleine vorzustellen.

@khali: auch ich fand den Wert von 4% Körperfett als unglaublich. Ich kann jedoch keine Zahlen erfinden, ich halte mich einfach an meine Quellen.



von conroe 01.08.05 um 12:22:55


wie gesagt, ich finde es auch gut, dass solche charakterzüge genannt werden, allerdings hätte man den rest nicht komplett aussen vor lassen müssen. man hätte den artikel ja länger macht können und beides mit einfließen lassen können. der artikel ist ja so gesehen nicht schlecht, nur er beleuchetet nur eine seite von stockton. das ding ist halt irgendwie nicht fertig



von Khali 01.08.05 um 12:24:17


ok, kann ich ja verstehen - aber aus medizinischer Sicht ist es schlichtweg nicht möglich ohne Organschäden davonzutragen so einen KFA über mehrere Tage oder sogar Wochen aufrecht zu erhalten, da beißt die Maus kein Faden ab...zumal man so einen KFA nur unter massivem Einsatz von entwässernden Präparaten bewerkstelligen kann



von Lambo 01.08.05 um 13:38:06


Du kannst eine Frage auch vernünftig beantworten und weniger großkotzig...

Iverson: 2,38 Stl./Game
Bowen: 0,88 Stl./Game

beides sind die Werte über die gesamte Karriere. Und wer von den beiden ist nochmal der bessere Defender? Also erst Denken, dann Schreiben.



von T.K 01.08.05 um 20:47:16


gute Verteidigung bedeutet nicht die meisten Steals oder Blocks zu haben. es bedeutet deinen Gegenspieler zu eleminieren und auszuschalten und ihn keine Punkte macheb lassen



von Styler 02.08.05 um 10:15:01


Meiner Meinung ist der kerl sooooooowas von overrated geht gar nicht er war nie so wirklich gut hat ja nicht mal 20 im Sxhnitt gehabt nur n paar assists und steals manchmal aber er war ziemlich schlecht, er ist so ungefähr auf der stufe mit gilbert arenas nur dass arenas noch jung ist und viiiiiiiiiel besser wird als dieser stockton ohne malone wäre er nichtmal in die playoffs gekommen so ein loser und nervenschwach war er auch noch und verteidigen konnte er erst recht nicht ihr habt doch alle keinen ahnung ihr affen



von Jimbo 02.08.05 um 11:50:05


Ach Styler. ...und das And1-Team wird der nächste NBA-Champion. Erst denken, dann schreiben!



von kollege 02.08.05 um 14:33:43


ich sags mal so:jene personen,welche wirklich was von diesem sport verstehen,erkennen dass stockton einer der besten pg aller zeiten war.Für alle anderen chabos(styler),wendet euch einer anderen sportart zu...



von conroe 02.08.05 um 15:02:41


nee, hast schon recht, stockton hatte keine nerven, das hat man ja an der serie gegen die bulls 97 gesehen. so weit ich weiß, war es dieser herr mit den kurzen hosen die jazz doch von spiel zu spiel gerettet mit dreiern in den letzten sekunden.
aber is recht styler, du bist der mann der ahnung hat.



von Dre 03.08.05 um 11:43:13


ey, ich bin bestimmt kein stocktonfan, aber eins muss ich sagen, spielen konnte er. und das vonwegen keine nerven, war es nicht er, welcher den entscheidenden wurf gegen houston traf und die jazz somit in die finals brachte? und nur weil du kein 20punkte schnitt hast, heisst das nicht das er ein schlechter spieler war... (s. steve nash!)
seine spielübersicht und die pick n'rolls mit malone sind und bleiben einzigartig!



von Dre 03.08.05 um 11:45:29


ey, ich bin bestimmt kein stocktonfan, aber eins muss ich sagen, spielen konnte er. und das vonwegen keine nerven, war es nicht er, welcher den entscheidenden wurf gegen houston traf und die jazz somit in die finals brachte? und nur weil du kein 20punkte schnitt hast, heisst das nicht das er ein schlechter spieler war... (s. steve nash!)
seine spielübersicht und die pick n'rolls mit malone sind und bleiben einzigartig!



von Ax-Man 03.08.05 um 12:14:55


wieso sagen hier einige das stockton wahrscheinlich der beste PG aller zeiten ist er war niemals so gut wie magic. keine frage er war ein sehr sehr guter PG aber so gut wie magic war er nie und ohne denn mailman währe er eh niemals so gut geworden.trotzdem props an den artikel is ganz gut geworden.



von Short-E 05.11.09 um 15:10:00


Der beste Pointguard aller Zeiten. Ein absolutes Vorbild.



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