Superstars ohne Titel
Der ewige Verlierer
In der NBA-Geschichte konnten viele Superstars trotz individueller Bestleistungen nie die Championship-Krone gewinnen. Eine Karriere ohne Ring - ein hartes Schicksal für viele Spieler.
Von Tomdawg |
23.10.2003 | |
Elgin Baylor ist ein Superstar ohne Titel. Der 1,96m große Forward, der 1958 als Nummer-Eins-Pick von Minneapolis gedrafted wurde, spielte insgesamt 14 Jahre bei den Lakers und dominierte dort im Schnitt mit 27.4 PPG und 13.5 RPG in 846 Spielen.
In der Saison 61-62 konnte er sogar 38.3 PPG sammeln, aber die Scoring-Krone sicherte sich in dieser Spielzeit Wilt Chamberlain, der bei den Philadelphia 76ers 50.4 Zähler pro Partie markierte. Trotz Baylors geballter Offensivkraft war es ihm in aktiven Ligajahren als Spieler stets vergönnt, sich Topscorer nennen zu dürfen, obwohl er in der All-Time-Scoring-Average-List auf Platz drei geführt wird ? wohl gemerkt mit eben 27.4 pro Partie.
Durch seinen dynamischen Spielstil, enorme Sprungkraft und ausgezeichnete Körperkontrolle wurde er zum ersten Spieler überhaupt, der die ?hangtime? ? die Flugphase ? erfand. Er ebnete den Weg für Erving, Wilkens und Jordan, denn er konnte so elegant zum Korb ziehen, abspringen und sich in der Luft je nach der Reaktion der Abwehr entscheiden, ob er passen oder werfen sollte - und als die Verteidigung schon wieder gelandet war, stand er immer noch in der Luft.
Baylor war einer der ersten Franchise-Player der Liga, und wenn er 25 Jahre später geboren wäre, gäbe es seine Highlights auf Video, Sneaker würden seinen Namen tragen und sein Gesicht würde Corn-Flakes Schachteln schmücken. Aber er spielte vor der Zeit des Medienhypes und so kann man nur von den Worten seiner Mitspieler nachvollziehen, wie großartig er war.
Zu einem frühen Karriere-Glanzlicht gehörte u.a die 64-Punkte Galavorstellung gegen die Boston Celtics in der Saison 1959-60. Zuvor verloren die Lakers 21mal in Folge, aber durch seine Dominanz hatten die Lakers erstmals wieder mehr Punkte als ihr Gegner. Am 15. November 1960 durchbrach er als erster Spieler überhaupt die 70-Punkte-Marke. Der Forward mit der Nummer 22 krönte sein Spiel gegen die New York Knicks an diesem Abend mit 71 Punkten ? bis heute die siebthöchste Punktausbeute der Ligahistorie.
Baylor konnte in seiner Karriere dem Gegner 17mal mehr als 50 Punkte einschenken und erreichte 87mal das 40-Punkte-Niveau. Mit 61 Punkten belegt Elgin Gay Baylor Platz zwei hinter Michael Jordan (63) für die meisten Punkte in einem Playoffmatch. In der Spielzeit 1961-62 konnte er in der Finalserie gegen Boston sogar 40.6 Punkte im Schnitt sammeln, doch den Ring konnte er sich nach acht gespielten Finalserien nie auf den Finger stecken.
Mr. Hangtime wurde elfmal zum All-Star ernannt und gleich in seiner ersten NBA-Saison beim ASG (124 zu 108 für den Westen) in Detroit am 23.01.1959 wurde er mit 24 PTS (50% FG) und 11 REB mit dem MVP-Titel geehrt. Sein Karriere-Schnitt als All-Star beträgt 19.8 PPG, 9.0 RPG und 3.5 APG bei durchschnittlich 29.2 gespielten Minuten.
12 Spielzeiten spielte Baylor mit Jerry West bei den Lakers zusammen und bildete mit ihm eines der erfolgreichsten Duos aller Zeiten. West, der gemeinsam mit Baylor in vier Spielzeiten im All-NBA-First-Team stand, beschreibt seinen ehemaligen Teamkollegen folgendermaßen: ?He was without a doubt, for many years, the most unique player I?d ever seen. People talk about today?s modern players. He was one of the first modern players. He was one of the first players that had that incredible ability and that incredible knack to not only do the right thing, but the most spectacular thing. This guy was a magician around the basket. And he was only 6-feet-5. But he was blessed with a great physical package, with great strength and huge hands. He had the ability to maneuver the basketball around people. He was also an incredible rebounder for his size. He had a unique magic.?
Elgin Baylor wurde 1959 zum Rookie of the Year gewählt, stand zehnmal in All-NBA-First Team, gehört zu den 50 Greatest Players of All Time und war ein Superstar ohne NBA-Titel.



von jonathan 23.10.03 um 15:51:33
interessant, interessant
von mario 27.10.03 um 12:26:02
Man kann darüber streiten, ob Elgin Baylor keinen Titel hat. Jedenfalls hat er einen Ring, weil er 1971-72 im Kader der Lakers stand, die in diesem Jahr Meister wurden, auch wenn er seine Karriere nach 9 Spielen in der Saison beenden musste.
Aber ist nicht jeder Spieler, der in einer Meisterschaftssaison einen Beitrag zum Titel (egal wie klein) leistet, automatisch auch ein Champion? Ich finde schon...für mich hat Elgin Baylor einen Titel, und einen Ring hat er definitiv!
von Tomdawg 27.10.03 um 16:00:18
Sogesehen hast du schon recht! Aber was war denn Jack Haley beim letzten Bulls-Three-Peat-Team? Er war doch auch nur dafür da, Rodman zu bändigen, wenn der mal ausgeflippt ist. Haley hat auch nicht gespielt und war nur auf der Verletztenliste.
Meiner Meinung nach ist ein Champion / Superstar jemand, der sein Team in die Playoffs führt und DEUTLICHEN Anteil am Gewinn der Meisterschaft hat - und Baylor war in der Saison 72-73, in der er nur 9 Spiele bestritt und danach seine Karriere beenden musste, sicherlich nicht mehr wichtig für die Lakers. Den Titel hat nicht er gewonnen, sondern Jerry West, Chamberlain & Co!
von mario 28.10.03 um 10:36:08
Es war die Saison 71/72, nicht 72/73- da waren die Knicks Meister.
Und ich bin der Meinung, dass jeder Spieler seinen Beitrag leistet. Z.B. Jack Haley- wer weiß, ob die Bulls überhaupt einen Titel gewonnen hätten ohne ihn? Wer weiß, ob Rodman nicht völlig ausgetickt wäre? Von daher finde ich, dass in einem Teamsport wie Basketball jeder, der mitspielt (egal wie kurz), dazu gehört...
von timmy 11.01.04 um 22:02:12
sicherlich hat mr.baylor statistisch einen ring, wenn man jedoch nur 9 unwichtige seasonspiele bestreitet ...hat er nicht wirklich einen titel gewonnen..