Superstars ohne Titel

Der Human Highlight Film (2)

Weiter geht es mit dem Dream Team, dem Rauswurf bei den Hawks, die lange Suche nach einem passenden Team und dem stillen Karriereende des wohl bekanntesten NBA Stars, der nicht zu den 50 Besten zählt.

Von Thomas Käckenmeister
 18.02.2005 |

Zum Ende der Achtziger Jahre verändert sich das Team der Hawks. Die Siege pro Saison bleiben relativ konstant (52 - 1988-89, 51 - 1989-90), aber in den Playoffs bleibt das NBA-Team aus Georgia erfolglos bis gar nicht vertreten. Der Kader ändert sich, die Harmonie in der Mannschaft schwindet, u.a. weil Diskussionen um Vertragsverlängerungen von Rollenspielern (z.B. Jon Koncak) beim Management mehr Priorität zu haben scheinen als die langfristige Bindung ihres Superstars. Den Slam-Dunk Titel holt sich Dominique 1990 zum zweiten Mal, aber Erfolge mit seinen Hawks bleiben ihm leider vergönnt.

Was nun folgt ist der Wandel des Actionfilms in ein Drama. Die Handlung setzt ein als in der Offseason 1991 der Kader für das Original Dream Team 1992 in Barcelona veröffentlicht wird. Spieler wie Chris Mullin oder Christian Laettner bekommen einen Platz, sogar der Frührentner Larry Bird, den Rückenschmerzen plagen; aber warum beachtet die NBA Mr. Wilkins nicht? Alles nur wegen fehlender Erfolge in den Playoffs? Gut ein Viertel Jahr später erteilt ihm sein Körper selbst die absolute Absage.

Vor dem Spiel gegen die Sixers am 28. Januar 1992 sind es noch 33 Punkte bis zum Eintritt in den 20000 Klub. Acht Punkte erzielt er gegen das erste NBA-Team von Charles Barkley, bis Wilkins in der Mitte des zweiten Viertels mit dem Fuß umknickt. Nique humpelt vom Feld und kehrt später auf die Bank zurück, um seinem Team einen dramatischen 110-109 Sieg zu sichern. Aber danach ist die Saison für ihn beendet als ihm ein Anriss der Achillessehne diagnostiziert wird.

Kritiker sprechen bereits vom Karriereende des 32-Jährigen, aber nach sechs Monaten Pause kehrt er topfit zurück. Hauptgrund für seine Genesung ist seine Frau Nicole Berry, Sie ist Modell und studiert Biologie an der Georgia State University. Als Frau, die weiß, was sie will, hat sie immer das bekommen, was sie wollte. Diesen Willen hat sie auch ihrem Mann eingeimpft und ihn außerdem mit einem Fitnessplan gefoltert, damit er wieder zu alter Stärke zurück findet. Zum ersten Mal in seiner NBA-Karriere bereitet er sich intensiv auf die neue Spielzeit vor. Er stemmt Gewichte, geht Joggen, fährt Fahrrad. Alles, um die Beinmuskulatur wieder zu stärken und in seiner Comeback-Saison 1992-93 nicht nur wieder die Bälle durch den Ring zu stopfen, sondern auch sämtlichen Experten die Mäuler. Als 17. NBA-Spieler sammelt er 20000 Punkte. Außerdem 29,9 PpG und in einem Spiel sogar 23 verwandelte Freiwürfe in Folge ? Rekord! Und leider wieder eine deftige Klatsche in den Playoffs ? diesmal gegen Michael Jordans Bulls. Obwohl Wilkins in drei Partien 30 Punkte und über fünf Rebounds einstreut, sind die Bulls zu abgezockt und schenken den Hawks erstmals in der Postseason keinen Sieg, wenn Wilkins im Kader steht.

Der erneute Sinkflug des Falken beginnt in der Saison 1993-94 als Lenny Wilkens den enttäuschenden Bob Weiss als Head Coach ablöst. Nach vier Pleiten in den ersten fünf Begegnungen der Saison legt die Truppe aus Georgia 14 Siege in Folge hin. Atlanta befindet sich auf dem besten Weg, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden, vor allem, weil die Bulls den Rücktritt von Michael Jordan verschmerzen müssen. Aber es kommt leider immer anders als man denkt. Lenny gerät mit Dominique, immer noch der beste Spieler im Kader, aneinander, weil der Coach das Team als Star sieht und keine Einzelperson. Auch das Management verweigert dem einstigen Überflieger eine vorzeitige Vertragsverlängerung, was Dominique einfach nur als respektlos erachtet. Doch die Krönung des Ganzen folgt kurz nach dem All-Star Game.

24. Februar 1994, Trading Deadline. Kurz nach Ablauf des berüchtigten Termins verbreitet sich ein Lauffeuer in der Basketballwelt. Dominique Wilkins, der beste Spieler des zu diesem Zeitpunkt besten Teams der Eastern Conference, wird für Danny Manning nach Los Angeles zu den Clippers getradet! Die Welt steht Kopf und auch Dominique versteht selbige nicht mehr. Warum traden die Hawks ihren besten Spieler, wenn sie Nummer Eins im Osten sind? Aus Sicht von Atlanta reden viele Experten vom schlechtesten Tauschgeschäft aller Zeiten. Es hätte das Jahr der Hawks werden können. Stattdessen spielt Nique jetzt beim schlechtesten Basketballteam aller Zeiten.

Grund für den Deal ist die Meinung von Coach Wilkens, der in Manning einen besseren Teamspieler sieht. Der ?Human Highlight Film? ist für ihn eben nur ein wandelndes Highlightvideo mit schwacher Verteidigung und wenig teamorientiertem Spiel. Außerdem ist Danny Manning sechs Jahre jünger als der neue Clipper. Dominique Wilkins verlässt Atlanta als neunmaliger All-Star und All-Time Leader in Punkten und Steals.

Nach seinem Kurzbesuch bei den Clips wechselt er - nach dem Gewinn der Goldmedaille mit dem Dream Team II in Toronto - für die Saison 1994-95 als Free Agent zu den Boston Celtics. Eigentlich möchte er lieber bei den New York Knicks spielen, aber die können die Verpflichtung des einstigen Rimrockers finanziell nicht tragen. 17,8 PpG und die Tatsache, als Zuschauermagnet und Grundstein für einen Neuaufbau her halten zu müssen, beenden das Engagement mit den Celtics nach nur einem Jahr.

Die Reise des DW geht 1995 erstmals zurück in die alte Welt. Bei Panathinaikos Athen in der griechischen Liga wird er mit sieben Millionen Dollar der zu der Zeit teuerste Baller Europas und dominiert mit 20,9 Punkten und 7,0 Rebounds in 14 Partien die Euroleague. Nach der Saison hält er erstmals einen anderen Titel in den Händen als die Trophäe des Slam-Dunk Champions. Panathinaikos gewinnt in Paris das Final Four und Wilkins wird in seiner Geburtsstadt zum MVP gewählt.

Es dauert erneut nur ein Jahr, bis es für Wilkins zurück in die stärkste Liga der Welt geht. Hauptgrund diesmal sind Querelen mit Athens Coach Bozidar Maljkovic und Besitzer Pavlos Giannakopoulos, der nicht versteht, warum Wilkins nicht bei der Mannschaft ist, sondern am Begräbnis seines Vaters teilnimmt.

Als 1996 die 50 besten NBA-Spieler aller Zeiten verlesen werden, fängt sich Wilkins die nächste persönliche Niederlage. Sein Name fehlt auf der Liste. Selbst seine größten Gegner MJ, Bird oder Isaiah Thomas machen sich für ihn stark, aber ohne Erfolg.

Obwohl er immer noch auf die Verantwortlichen der Liga sauer ist, unterschreibt er für die Saison 1996-97 als Free Agent einen Minimum-Vertrag ($247,500) bei den San Antonio Spurs, die verzweifelt nach Spielern suchen, die den verletzungsgeplagten Kader rosiger erscheinen lassen. Von der Bank streut DWilk über 18 Punkte ein und wird somit Topscorer der Spurs.

Wilkins fühlt sich von der Teampolitik des texanischen NBA-Teams aber ungerecht behandelt und wechselt zur Saison 1997-98 für zwei Spielzeiten nach Italien. Bei Teamsystem Fortitudo Bologna zeigt er erneut, dass er es noch drauf hat, um schließlich mit seinen Bruder Gerald Wilkins in der Saison 1998-99 seine letzte Minuten auf einem NBA-Parkett zu stehen. Das Ergebnis in 27 Spielen sind bescheidene fünf Punkte und knapp zwei Rebounds im Schnitt. Ein stiller Abgang eines großartigen Athleten.

Nach seiner Zeit in Atlanta hat Wilkins nie wieder ein Team gefunden, in der er so spielen konnte wie er es sich wünschte. Er ist immer auf der Suche nach einer Mannschaft gewesen, in der er sich als Mensch und Spieler wohlfühlt, aber das ist leider nicht der Fall gewesen. Seit August 2000 arbeitet er in der Chefetage der Hawks, die am 13. Januar 2001 sein Trikot mit der Nummer 21 aus dem Verkehr verewigen. Seit dem 29.März 2004 bekleidet Wilkens das Amt des Vizepräsidenten bei den Hawks.

Mit 26,668 Karriere-Punkten und einem Schnitt von 25,3 PpG steht Dominique Wilkins in diesen beiden Kategorien in den Top Ten der NBA-Annalen. Doch leider bleibt dem Superstar der Zugang in den Klub der Sieger vergönnt, weil Teamerfolge fehlen. Deshalb bleibt der Human Highlight Film ein Action-Streifen in der Serie Superstars ohne Titel, die nie den Respekt (und den Oscar) erhielten, den sie verdienen.




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von omega 18.02.05 um 11:25:30


sehr guter Artikel, hat mir Spass gemacht ihn zu lesen, besonders da er ein Spieler war, der seine beste Zeit hatte, als ich begannmich für die NBA zu interessieren



von Mo 19.02.05 um 01:50:48


"Trikot mit der Nummer 21 aus dem Verkehr verewigen" ;-)
Klasse Artikel, schade für den Human Highlight Film, er hat es verdient



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