Summer League
Hitzige Spiele in Vegas
Auch dieses Jahr fand in der Hitze von Orlando und Las Vegas die NBA Summer League statt. Dabei erhofften sich manche Akteure unbedingt eine Einladung für das Training Camp, während die bekannten Rookies ihre erste Duftmarke in der NBA setzten wollten. Wer konnte sich dabei besonders in den Vordergrund spielen?
Von Johannes Hübner |
22.07.2010 | |
Orlando Summer League
In der Orlando Summer League konnten sich einige Sophmores, die bereits letzte Saison NBA-Luft schnupperten, präsentieren, ebenso wie Spieler, die in diesem Jahr erst relativ spät gedraftet wurden. Die späten Draft-Picks führten die vermeintlichen Stars des Draft-Jahrgangs teilweise sogar vor und stahlen ihnen ganz klar die Show. Bei den Sophmores spielten vor allem Jrue Holiday (Foto), Terrence Williams und James Harden stark auf. Holiday hinterließ mit durchschnittlich 19,3 Punkte und 6,0 Assists den vielleicht besten Eindruck. Bei den Punkten und Vorlagen führte er jeweils die Sommerliga in Orlando an. Der Point Guard zeigte sich sicher im Abschluss, dirigierte das Spiel exzellent und setzte seine Mitspieler in Szene. Nach einer Saison 2009/10 mit Höhen und Tiefen, auch durch die Verpflichtung von Allen Iverson bedingt, scheint der Aufbauspieler bereit für größere Aufgaben in Jahr zwei. Viele Experten sehen in ihm und Evan Turner die Zukunft der Philadelphia 76ers.
Terrence Williams von den New Jersey Nets stand Holidays Leistung in kaum etwas nach. Vor den Augen seines neuen Head Coaches, Avery Johnson, zeigte Williams mit 18,8 Zählern pro Partie seine Scoring-Fähigkeiten. Immer wieder war der Swingman auf Grund seiner Athletik beim Zug zum Korb auf dem Niveau der Summer League nicht aufzuhalten. Gepaart mit einem schnellen ersten Schritt konnte Williams oft spektakulär abschließen. So wie im anschließenden Video gegen Holiday kurz vor der Halbzeitpause:
James Harden führte seine Oklahoma City Thunder zu der besten Bilanz in Florida (4-1). Unterstützung bekam er dabei von Eric Maynor und Serge Ibaka. Alle Drei hatten bereits letzte Saison großen Anteil am Erfolg der Thunder. Ibaka konnte aber aufgrund einer Fußverletzung in Orlando nicht viel beitragen, doch Harden führte die Mannschaft mit durchschnittlich 17,5 Punkten an.
Während die Akteure, die in ihr zweites NBA-Jahr gehen, überzeugen konnten, präsentierten sich einige Lottery-Picks sehr schwach. Dabei liefen später gedraftete Spieler wie Luke Harangody (52. Pick, 16,6 PpG) oder Lance Stephenson (40. Pick, 14,8 PpG) Evan Turner oder Derrick Favors den Rang ab. Vor allem das Debüt des Evan Turner war sehr herbeigesehnt worden. Doch mit 9,4 Zählern und 5,6 Rebounds pro Partie wusste Turner nicht zu überzeugen. Nach zwei soliden Spielen legte der zweite Pick nur magere vier bzw. fünf Punkte in den nächsten zwei Begegnungen auf. Am College noch sehr ballsicher, verbuchte Turner auch durchschnittlich 3,4 Ballverluste und wirkte zweitweiße sehr nervös.
Las Vegas Summer League
Keine Plätze waren im Thomas and Mack Center mehr frei, bei jedem Spiel der Washington Wizards. Jeder Basketball-Fan in der Zockermetropole wollte John Wall und seine ersten Schritte in der NBA sehen. Was Wall und die Wizards dann ablieferten, war auch eine große Show. Der Nummer-Eins-Pick und JaVale McGee (Foto) sorgten mit einigen krachenden Dunks für Jubelstürme bei den Fans. Wall zeigte den Zuschauern das ganze Paket, für welches er als erster Spieler im Draft aufgerufen wurde. Durchschnittlich 23,5 Zähler und 7,8 Korbvorlagen brachten ihm am Ende den Titel des „Most Oustanding Player“ der Summer League in Las Vegas ein.
Doch nicht alles war Gold, was da glänzte: 5,2 Ballverluste im Schnitt standen nämlich auch für ihn zu Buche. In den ersten beiden Partien waren es sogar je acht Ballverluste. Nachdem Wall etwas langsamer spielte und viel mit Sam Cassell über seine Fehler sprach, senkte sich die Fehlerquote in den weiteren Auftritten. Alles in allem hat der erste Pick aber auf jeden Fall seinem Namen und dem großen Hype alle Ehre gemacht.
Während in Orlando noch einige Überraschungen zu bestaunen waren, setzten sich in Vegas die erwarteten Kräfte durch. Neben Wall bestätigte auch DeMarcus Cousins, was man von ihm erwartete. Cousins deutete an, warum viele denken, dass der Big Man nach Wall der Spieler ist, der im diesjährigen Draft-Jahrgang am meisten Potential hat. 14,5 Zähler und 9,8 Rebounds legte Cousins auf, doch 4,8 Ballverluste und 4,8 Fouls pro Partie offenbarten noch Schwächen. Auch die Bedenken wegen des Charakters des Centers fanden ein wenig Bestätigung: Während der Instruktionen der Coaches fiel Cousins oft durch Desinteresse auf. Aber die Fans der Sacramento Kings dürfen sich dennoch wohl auf Jahre auf ein Inside-Outside-Duo mit Cousins und Tyreke Evans freuen. „Er hat hier echt sehr gut gespielt und extrem gute Bewegungen am Brett gezeigt. Er muss noch an vielen Sachen arbeiten, doch ich bin sehr zufrieden mit seiner Vorstellung“, meinte Head Coach Paul Westphal über Cousins Auftreten in Nevada.
Vor allem durch ihr Scoring fielen Reggie Williams von den Golden State Warriors und Sam Young von den Memphis Grizzlies auf. Young setzte mit 35 Punkten die höchste Marke diesen Sommer, Williams legte 34 Zähler gegen die Washington Wizards auf. Beide trafen mit 38 bzw. 42 Prozent auch extrem sicher aus der Distanz. Mehr durch ihre Athletik als durch ihre Treffsicherheit von außen machte zuvor genannter JaVale McGee von sich reden. Der Big Man der Wizards lieferte im Schnitt fast ein Double-Double (19,5 PpG, 9,3 RpG) und sorgte durch fulminante Dunks für gute Stimmung beim Publikum. McGee dominierte fast nur durch seine Spannweite und seine unglaubliche Athletik, Post Moves findet man in seinem Arsenal nur vereinzelt.
Doch auch andere Brettspieler sorgten für Aufsehen: In Cleveland bricht nach LeBron James’ Abgang ein neues Zeitalter an, und J.J. Hickson (Foto) scheint in den Planungen der Franchise eine große Rolle zu spielen. Der neue Head Coach der Cavs, Byron Scott, gab während der Sommerliga bekannt, dass Hickson auf jeden Fall als Power Foward starten und Antwan Jamison entweder als Small Forward spielen oder den Ersatz für Hickson geben würde. Mit 19,3 Punkten und 6,3 Rebounds pro Begegnung rechtfertigte der Power Forward erst mal das Vertrauen. Ob J.J. sich aber auch im NBA-Alltag als Alphatier durchsetzten kann, muss er erst noch beweisen.
Der letztjährige Nummer-zwei-Pick des Drafts, Hasheem Thabeet, hatte ein sehr unglückliches erstes Jahr und wurde sogar in die D-League geschickt. Der Abstecher in die Entwicklungsliga scheint aber Früchte zu tragen. In Vegas ließ der Center erstmals aufblitzen, warum ihn die Grizzlies an Position zwei gezogen hatten. Mit 21 Punkten, 14 Rebounds und sechs Blocks gegen die Dallas Mavericks sorgte Thabeet für Aufsehen.
Anlaufschwierigkeiten hatte zu Beginn auch Greg Monroe, siebter Pick im diesjährigen Draft. Nach durchschnittlichen Spielen zu Anfang setzte Monroe in den letzten beiden Begegnungen noch zwei Ausrufezeichen. Nach 20 Punkten gegen die Miami Heat, erzielte der Power Forward der Detroit Pistons 27 Zähler und 14 Rebounds gegen die New York Knicks. Seine gelobten Passfähigkeiten konnte der Big Man mit 1,2 Korbvorlagen im Schnitt nur selten unter Beweis stellen.
Die spielerisch größte Überraschung war Derrick Caracter, Rookie von den Los Angeles Lakers. In den ersten drei Spielen legte der Frischling stets ein Double-Double auf. Trotz seiner 15,4 Punkte und 8,6 Rebounds pro Partie konnten die Lakers in der Summer League aber kein einziges Spiel gewinnen. Vielleicht lag es auch an 5,4 Ballverlusten, die Caracter produzierte. Der Big Man hat also noch genug Arbeit vor sich, zumal der amtierende Meister unter den Brettern stark besetzt ist. Da Josh Powell und D.J. Mbenga aber Free Agents sind und nicht zurückerwartet werden, könnte sich für Caracter eine Chance bieten, in den festen Kader des Meisters zu kommen.
Ebenfalls für Überraschungen sorgten J.R. Smith und O.J. Mayo (Foto). Alleine ihre Anwesenheit war verwunderlich. Beide saßen nämlich nicht nur auf den Rängen in der Arena, sondern spielten aktiv in der Summer League mit. Durchaus überraschend, wenn man beachtet, dass sich beide schon einen gewissen Status in der Liga erarbeitet haben. Smith war nach eigener Aussage dabei, weil er sich in Form halten wolle. Mayo wollte sich auf fit halten und zugleich an seinen Fähigkeiten als Spielgestalter arbeiten.
Alles in allem war das Niveau der Summer League in Las Vegas dieses Jahr relativ hoch, da auch einige gestandene Profis mitmischten. Zum anderen aber auch, weil die NBA-Teams immer mehr Wert auf die Entwicklung ihrer Spieler in der D-League achten und die Entwicklungsliga immer professioneller wird. John Wall verlieh dem ganzen das nötige Flair. Die Rookies und Sophmores der nächsten Saison hinterließen im Großen und Ganzen einen guten Eindruck, doch alle schienen sehr anfällig für Ballverluste zu sein. Zum Abschluss noch die schönsten Dunks aus der Summer League in Las Vegas, die schon jetzt wieder Vorfreude auf die kommende NBA-Saison machen.






von Dickson 22.07.10 um 10:43:15
Der Alley von Wall sah richtig gut aus, ebenso der "Double Dunk"...
von ca$hmoney 22.07.10 um 15:48:24
Ordentlicher Bericht, aber bei allem Hype um Wall, 5to's fallen schon schwer ins Gewicht,hammer aber sein drive, meißt nur durch fouls zu stoppen->Stammgast an der f-line und daher trotz bescheidener Wurfquoten respektable Punktausbeute. Bei Cousins fehlte am Ende die Kondition und daher Konzentration, bin aber im Nachhinein froh, dass er im Draft bis Sactown durchgereicht wurde, für Detroit wär er aber auch ein guter pick gewesen, an der Seite von BigBen zum Workaholic:),die haben aber keinen schlechten Rookie... Freu mich auf Boogie mit Reke -> next pick n' roll mafia;). PS. Kein Wort über Jeremy Lin?! undrafted feel good story und jetzt bei den Warriors, tja Mavs...
von Bob!!! 22.07.10 um 17:17:10
kein wort zu dominique jones? er war einer der beeindruckendsten spieler der summerleague. super all-around-game mit starken zug zum korb, im spiel gegen new jersey hat er wall richtig dicht gemacht.
auch lawson wird leider nicht erwähnt, der ebenfalls sehr beeidruckend war und vor allem mit seinem abgeklärten spiel geglänzt hat. alle gefühlte 30 sekunden hieß es "and ANOTHER good pass by lawson", dazu natürlich brandgefährlich von überall auf dem feld.
4 der besten 10 rookies der summerleague werden nicht erwähnt (u.a. ed davis und jones). aber naja, gibt schlimmeres.
von ca$hmoney 22.07.10 um 17:52:58
@Bob: Thx 4 the offensive rebound;), my bad, hast natürlich recht mit den Jungs- jones hat mir auch sehr gut gefallen. No props 4 James Jones:)