Sebastian Telfair
Don't believe the hype
An der Highschool und auf den Freiplätzen von New York war Sebastian Telfair eine Legende. Schon in jungen Jahren war er ein Medienstar. Früh zog es ihn in die NBA, doch den Durchbruch bei den Profis hat er bis heute nicht geschafft. CROSSOVER erzählt seine Geschichte.
Von Florian Lindemann |
22.08.2011 | |
Es ist der 11. Dezember 2003. In der Turnhalle der Abraham Lincoln High School in Coney Island, Brooklyn, New York hat sich reichlich Prominenz versammelt. Jay-Z und Baseball-Star Derek Jeter sitzen am Spielfeldrand und warten auf einen 18-Jährigen. Derweil streift Sebastian Telfair in der hölzernen Umkleide sein Trikot über, wohl wissend, was ihn draußen erwarten wird. Neben den Augen von New Yorks A-Promis werden auch die Kameralinsen von ESPN auf ihn gerichtet sein. Es ist das erste Spiel des Highschool-Supertalents, das im nationalen Fernsehen übertragen wird.
Telfair nutzt das Rampenlicht. Trotz einer Verletzung am Knöchel, die er sich kurz vor der Halbzeit zuzieht, führt er sein Team zum Sieg über Edgewater. In der Halle ist auch Rick Pitino, College-Coach in Louisville. Telfair hatte zu Beginn seines Senior-Jahres an der Highschool verkündet, dass er an Universität von Louisville College-Basketball spielen werde. Doch bereits nach dieser Partie ahnt Pitino, dass sein „Recruit“ wohl nie an seiner Universität auf dem Parkett stehen wird. Schon an diesem Abend sitzen auch Scouts von NBA-Teams in den hinteren Bänken der Turnhalle und notieren sich fleißig Lobeshymnen auf das Aufbauspieler-Talent.
Auch vor diesem Spiel und der Saison war Telfair bereits in aller Munde. So zierte er zusammen mit LeBron James das Cover der SLAM. James ist zu diesem Zeitpunkt bereits in der NBA und hat einen 90-Millionen-Dollar-Schuhdeal mit Nike in der Tasche, während Telfair noch immer den Bus zur Schule nehmen muss. In den folgenden Monaten wächst der Hype um das Talent ins Unermessliche. Weil das Interesse an Telfair so groß ist, fliegt die Mannschaft für ein Spiel extra nach Louisville. Die dortige Arena ist mit 7.000 Zuschauern ausverkauft. Die Fans freuen sich, ihren neuen Superstar zu sehen, noch nicht wissend, dass Telfair direkt in die NBA wechseln wird.
Auch er selbst beginnt erst langsam zu begreifen, dass das Interesse aus der nordamerikanischen Profiliga so groß ist. Er macht 55 und 61 Punkte in Spielen, besiegt das Highschool-Team von Dwight Howard mittels Dreipunktewurf in letzter Sekunde, gewinnt die Staats-Meisterschaft und landet auf dem Cover von Sports Illustrated. Am Ende sammelt er in seinem letzten Highschool-Jahr 33,2 Punkte pro Begegnung und meldet sich zum NBA-Draft an statt ans College zu gehen. Die Versuchung ist zu groß.
Adidas hatte dem New Yorker bereits einen Schuhvertrag über sechs Jahre mit jeweils ein bis zwei Millionen Dollar Jahreseinkommen angeboten. Eine Menge Geld für jemanden, der eigentlich sein ganzes bisheriges Leben pleite war. Auch der Verlauf der Karriere seines Halbbruders Jamel Thomas spielt bei seiner Entscheidung, direkt in die NBA zu gehen, eine tragende Rolle. Dieser spielte vier Jahr in Providence am College, wurde aber trotz guter Chancen nicht gedraftet und musste sein Geld letztendlich in Europa verdienen.
Das große Vorbild war daher eher Cousin Stephon Marbury, der gerade zu den New York Knicks getradet worden war und es in die NBA geschafft hatte – trotz oder gerade wegen eines Jahres College-Basketball in Georgia Tech. Telfair sah aber jetzt die Chance in die NBA zu kommen und wollte sie nicht ungenutzt lassen. Sein Fast-College-Coach Rick Pitiono fasste die Situation damals so zusammen: „Er hat die Möglichkeit, in der Top17 des Drafts ausgewählt zu werden, und er besitzt das Vermarktungspotenzial, einen guten Schuh-Deal zu bekommen. Würden Sie das ausschlagen?“
Das Risiko, mit einer schlechten College-Karriere die NBA-Chancen zu verspielen, war zu groß. Spielerisch hätte ihn ein Jahr College sicherlich gut getan, denn einen so leichten Übergang wie LeBron James von der Highschool in die NBA würde er nicht hinlegen können.
Denn wenn man den ganzen Hype und Medienrummel ausblendet, blieb ein 1,83 Meter großer Point Guard mit nur durchschnittlicher Athletik und einem sehr wackeligem Sprungwurf. Gegen körperlich unterlegene Highschool-Spieler war Telfair dank seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit überlegen, doch in der NBA würde sich dies ändern. Einzig sein exzellentes Ballhandling und die gute Spielübersicht wurden ihm hoch angerechnet. Seine Makel erkannten auch die General Manager und Scouts schnell. Doch die Portland Trail Blazers glaubten fest an den jungen Point Guard und wollten ihn an Pick Nummer 22 im Draft verpflichten. Letztlich zogen sie ihn sogar an Nummer 13, da sie befürchteten, ein anderes Team würde ihn vorher auswählen. Somit hatte es der 19-Jährige geschafft. Er war bereits vor seinem ersten NBA-Spiel Millionär und würde bald als Profi für die Portland Trail Blazers auflaufen.
Die Erwartungen waren groß. Ein Star sollte er werden, doch bereits im ersten NBA-Spiel kam die Ernüchterung. In einer Minute Einsatzzeit verbucht er gegen die Los Angeles Clippers nur einen Assist. Im Laufe der Saison verbessert sich Telfair und darf sogar 26 Mal starten. Doch 6,8 Punkte und 3,3 Assists im Schnitt als Rookie deuten nicht gerade auf eine All-Star-Karriere hin. Die angesprochenen Schwächen haben sich bewahrheitet, und Telfair gelingt auch in den folgenden Jahren nie der Durchbruch.
“Ich war immer bescheiden, auch als ich auf einem niedrigeren Level gespielt und dominiert habe. Aber es ist demütigend zu verstehen wie viel Arbeit man in dieser Liga investieren muss, um ein Star zu sein.“, so Telfair.
Portland war neben Boston das einzige Team, was in Telfair Star-Potential sah. So war der Druck der Medien in Portland entsprechend hoch. Der junge Point Guard bekam immer wieder Chancen in der ersten Fünf, wusste aber nie gänzlich zu überzeugen. Als nach einer Daumenverletzung Ende des Jahres 2005 Steve Blake in die erste Fünf rückte und überzeugte, verlor Telfair seine Starter-Rolle. Im Sommer wurde er nach Boston getradet, spielte dort aber auch nur eine Saison und wurde im Sommer 2007 unter anderen für Kevin Garnett nach Minnesota verschifft. Er spielte in der Folge seine beste Saison als NBA-Profi und legte 9,3 Punkte und 5,3 Assists im Schnitt auf. Diese Leistung wurde mit einer Vertragsverlängerung belohnt. Doch das Glück verblieb nicht lange, denn bereits ein Jahr später wurde Telfair ein Clipper, ein halbes Jahr später dann ein Cavalier. Im Sommer 2010 kehrte er dann wieder nach Minnesota zurück.
Er spielte bisher bei fünf NBA-Teams, zuletzt zum zweiten Mal in seiner Karriere bei den Minnesota Timberwolves. Aktuell ist er vertragslos. Immer wieder gab es Ärger außerhalb des Courts. So wurde er 2007 wegen des Besitzes einer unregistrierten Waffe zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt. Trotzdem gaben ihm die Timberwolves damals eine Vertragsverlängerung für 7,5 Millionen Dollar. Als Backup auf der Aufbauposition hat sich Telfair seine NBA-Existenz gesichert, doch den Durchbruch als Starter oder gar als Star schaffte er nie. Im Schnitt erzielte er in seiner Karriere bisher in 23,2 Minuten 7,8 Punkte und 3,8 Assists pro Spiel. Seine größten Erfolge feierte er aber an der Lincoln Highschool. Der Hype von damals verfolgt ihn noch immer, er wird ihm wohl nie gerecht werden.
Eine Dokumentation über Telfairs letztes Jahr an der Highschool.






von eightch 22.08.11 um 13:04:01
marbury meinte das sein cousin besser sei als er... mal schauen wie es momentan aussieht sind beide 5 jahre nach ihrer rente vergessen... das haben sie zu mindest schon mal gemeinsam ;)
von Suck My Diktiergerät 22.08.11 um 17:39:00
bedauerlicherweise sind beide jetzt schon ziemlich vergessen.
von Manu Ginobili 22.08.11 um 17:47:52
wie könnt ihr Starbury vergessen? Wahrscheinlich kennt ihr auch schon nciht mehr Francis oder T-Mac
von eightch 22.08.11 um 18:03:32
^^doch aber eben nur genauso gut wie kemp oder baker... was wäre wenn darum geht es doch... oder nicht?
von ca$hmoney 23.08.11 um 11:11:33
Einmal Star und zurück. Das kann Starbury und Co. keiner mehr nehmen.
PS.Den Swag den einige dieser Street-Legends auf den NBA Court gebracht haben bleibt für mich zumindest unvergessen und auf Tape;).
Shout out 2 AI & Stevie Franchise
von Suck My Diktiergerät 23.08.11 um 12:09:21
@Manu Niemand der Starbury in seiner Prime erlebt hat wird ihn vergessen. Atemberaubende Stats. Nur leider hat er seine Mannschaften nicht wirklich besser gemacht und seine Karriere hatte ein ähnlich unrühmliches Ende wie die von eightch angesprochenen Kemp und Baker.
Und zum thema wir kennen francis und t-mac nich...hüstel...hab sogar n tmac jersey im schrank, also sag sowas nicht ;)
von eightch 23.08.11 um 12:23:33
und ich hab t-mac selber im schrank - der sucht zum einen sein trikot (gibs ihm bitte wieder zurück) zum anderen arbeitet er bei mir auf 400,- basis als kleiderständer... naja der lockout eben ;)
von Raquel 23.08.11 um 12:50:32
Gehört T-mac also auch zu den "Lockout-Professionals".
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