Rudy Fernandez
Gegen den Trend
Viele Europäer verlassen derzeit die NBA in Richtung Heimat. Rudy Fernandez dagegen geht den umgekehrten Weg und wechselt zu Beginn der kommenden Saison zu den Portland Trail Blazers.
Von Johannes Hübner |
04.08.2008 | |
Es ist wohl das Thema der Offseason: Der Wechsel einiger NBA-Akteure von den USA nach Europa. Gingen zunächst vor allem einige Europäer zurück in die Heimat, hat mit Josh Childress nun auch ein amerikanischer Leistungsträger den Sprung über den großen Teich gewagt. Dass ein paar europäische bzw. nicht-amerikanische Akteure nun der NBA den Rücken kehren, um in Europa ihr ? und oft mehr ? Geld verdienen, kann man durchaus als kleinen Trend ansehen. Ob es auch in Zukunft vermehrt US-amerikanische Spieler auf den alten Kontinent ziehen wird, muss sich erst zeigen.
Rudy Fernandez dagegen geht den umgekehrten Weg und wechselt zu Beginn der kommenden Saison von Spanien zu den Portland Trail Blazers. Wer ist dieser Rudy Fernandez, der sogar auf Geld verzichtet, um bald Portland sein zu Hause nennen zu können? Und warum vergleichen ihn viele mit Manu Ginobili?
Der Weg zum jungen Euro-Star
Am 4. April 1985 erblickte Rodolfo Fernandez Farres auf Palma de Mallorca das Licht der Welt. Es gibt einen logischen Grund, warum Rudy Fernandez schon in jungen Jahren der Liebe zum orangenen Leder verfiel: Seine Familie, die ihn bis heute stark unterstützt. Seine Eltern gingen einst selbst aktiv auf Korbjagd. Doch nicht nur Rudy hat diese Gene geerbt. Seine Schwester Marta spielt auch für die spanische Damen-Nationalmannschaft. Doch sie hat ihrem Bruder auch etwas voraus: Marta ist bereits in den USA angekommen und läuft für die Los Angeles Sparks in der WNBA auf.
Schon früh führte Rudy Fernandez' Weg zum spanischen Club Joventut Badalona, welcher für seine gute Jugendarbeit bekannt ist. Auch der als Jahrhunderttalent gepriesene Ricky Rubio durchlief die Jugendmannschaften des katalanischen Vereins. Rudy, der heute 23-Jährige, debütierte schon in der Saison 2000/01 bei den Profis und reifte seither unter der spanischen Trainerlegende Aito Renneses, welcher schon zweimal zum Coach des Jahres in Spanien ernannt wurde. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Fernandez erstmals 2004, als er zum MVP des spanischen Pokals gewählt wird.
Doch die Liste seiner Erfolge und Auszeichnungen, die er sich in Europa verdient hat, ist ähnlich lang wie die von Manu Ginobili. Seinen großen Durchbruch feierte Rudy Fernandez in der Saison 2005/06. Der gebürtige Mallorkiner war bei der Weltmeisterschaft 2006 in Japan ein fester Bestandteil der spanischen Nationalmannschaft, die den Titel gewann, und avancierte mit durchschnitlich 9,1 Punkten pro Partie zum viertbesten Punktesammler innerhalb des Teams. Dazu gewann er mit Badalona den FIBA Europe Cup und er persönlich den MVP-Titel des Wettbewerbs. Doch nicht genug: Dazuhin wurde Rudy in selbem Jahr zu Europas Nachwuchsspieler der Jahres gewählt.
In der Spielzeit 2006/07 trat er dann mit DKV Joventut in der Euroleague an, wo er sich mit seiner Mannschaft bis in die Top 16 spielen konnte. Statistiken von durchschnittlich 15,8 Punkten, 3,8 Rebounds, 1,7 Assists sowie 2,1 Steals, das bei Quoten von 54,9 Prozent aus dem Zwei-Punkte-Bereich und 42,9 Prozent jenseits der Dreipunktelinie, machten ihn zum Anführer der jungen Mannschaft.
Auch in der abgelaufenen Spielzeit, jetzt mit dem deutschen Nationalspieler Jan Jagla im Team, war der Name Rudy Fernandez mit Erfolg verbunden. Der Spanier verhalf seiner Mannschaft zum Gewinn des ?Copa del Rai?, dem spanischen Pokal, wo die Katalanen auf dem Weg zum Titel im Halbfinale Real Madrid bezwangen und im Finale Tau Ceramica in die Schranken wiesen. Nach dem Gewinn dieses Titels wurde Fernandez zum zweiten Mal, nach 2004, zum wertvollsten Spieler des Pokalwettbewerbes ernannt. Dazu dominierte er die spanische Liga ACB; Rudy führte die Liga mit durchschttlich 21,2 Zählern bei den Punkten, als auch bei den Steals (2,2 SpG) an. Dazu markierte er 4,1 Rebounds und 3,1 Assists pro Partie. Als krönenden Abschluss gewann Joventut auch den ULEB Cup, bei dem Badalona in der ersten Gruppenphase auch auf Alba Berlin traf, und Rudy Fernandez heimste sich den dazugehörigen MVP-Titel ein.
In Manus Fußstapfen?
Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Rudy Fernandez und Manu Ginobili ? ein All-Star, der sich bei den San Antonio Spurs ohne Murren zu seiner Rolle als sechster Mann bekennt ? ist sicher der Sinn für die Mannnschaft und seine damit verbundene Uneigennützigkeit. Im Finale des ULEB Cups kam der Spanier aufgrund einer Verletzung nur von der Bank. Trotzdem spielte er und lieferte im Endspiel gegen Akasvayu Girona 13 Punkte, sieben Rebounds und drei Steals ? keiner dieser Werte war jedoch mit einer Team-Bestleistung verbunden.
Nachdem seine Mannschaft das Finale mit 79:54 gewonnen hatte, wurde Rudy Fernandez zum MVP gewählt. Der Spanier bekam diese Auszeichnung aber vor allem für seine Leistung im gesamten Turnierverlauf ? im Halbfinale erzielte er 27 Punkte und ermöglichte so erst den Einzug seiner Mannschaft ins Finale. Als Rudy die Trophäe entgegennahm, rannte er damit direkt zu Jeroime Moiso ? der Center Badalonas, der im Finale die Verteidigung der Katalanen zusammenhielt ? und Marc Gasol, welcher an diesem Abend glänzend verteidigte und übrigens ebenso in der kommenden Saison in einem NBA-Kader (Memphis Grizzlies) stehen wird. Aus diesem Grund sah Fernandez ihn als entscheidenen Faktor des Sieges. ?Vielleicht dachte Rudy, er hat zuviele MVP-Trophäen?, witzelte sein Trainer nach dem Spiel und sah es als eine tolle Geste an, denn Basketball sei eben ein Teamsport und dies sei der Erfolg einer Mannschaft und nicht der von Einzelspielern wie Rudy oder Ricky Rubio.
Auch wegen seiner spektakulären Spielweise wird Rudy Fernandez oft mit Manu Ginobili verglichen. Seine spektakulären Alley-Oops werden in Zukunft die Fans im Rose Garden bestaunen und feiern dürfen. Zudem besitzt Rudy einen sehr guten Wurf von jenseits der Dreipunktelinie. In Europa konnte er stets eine Quote von 40 Prozent oder besser von ?Downtown? aufweisen. Sein Trainer sieht ihn zudem als guten Verteidiger, der vor allem in den Passwegen lauert.
Ursprünglich 2007 an 24. Stelle von den Phoenix Suns gedraftet, schickten diese den Spanier in einem Tausch nach Oregon, wo Fernandez in der kommenden Spielzeit also für die Portland Trail Blazers auf Korbjagd gehen wird. Der 23-Jährige hatte nach der abgelaufenen Saison einige Angebote aus Europa, die ihm deutlich mehr Geld eingebracht hätten, als sein als Rookie festgelegtes Gehalt in Amerika, vorliegen. Spieler, die an Position 24 gedraftet werden, unterschreiben einen Vertrag der zwischen 800.000 und 900.000 Dollar dotiert ist.
Doch Fernandez hat nun seinen Traum, in der NBA zu spielen, verwirklicht. Als Kind hatte er ein Poster von Clyde Drexler über seinem Bett hängen und schon bald wird er für die Mannschaft spielen, für die auch schon sein Vorbild einst auflief. Doch wie wird sich Rudy in der NBA zurecht finden? Nicht nur sein Distanzwurf wird sich an die NBA anpassen müssen. Wieviel Spielzeit bekommt er hinter einem All-Star wie Brandon Roy, der auf der gleichen Position spielt? Dazu haben die Blazers mit Jared Bayless einen Spieler am Abend des diesjährigen Drafts verpflichtet, der auf der Eins wie auch auf der Zwei agieren kann. Kann Rudy seine Rolle bei der aufstrebenden Franchise aus Oregon, die zukünftig um Meisterschaften mitspielen will, finden und dem Team beim Erreichen der Ziele helfen? Und kann er nach einer erfolgreichen Karriere auf dem alten Kontinent, ähnlich wie Manu Ginobili, in der NBA überzeugen? Viele Fragen, auf die er Antworten geben muss bzw. darf.






von MeLo#15 04.08.08 um 15:37:19
Joelito :D
läuft scho :P