Rookie Watch

Und der Sieger ist...

Derrick Rose? Oder Russell Westbrook? Im Rennen um die „Rookie of the Year“-Trophäe gibt es einen Favoriten - doch entschieden ist es noch nicht.

Von Björn Lehmkühler
 05.04.2009 |

Derrick Rose (Chicago Bulls): der Favorit

Stärken: Ob als Scorer (16,6 PpG) oder als Vorbereiter (6,2 ApG) - in beiden Rollen konnte Rose bisher glänzen und damit seinen Status als kommenden All-Star untermauern. Auch seine Konstanz ist für einen 20-Jährigen höchst bemerkenswert. So hat Rose bisher noch keine Bekanntschaft mit der gefürchteten „Rookie Wall“ gemacht, sondern im März eine ansteigende Spielzeit (38,7 MpG) und Punktequote (16,9 PpG) verzeichnet.

Schwächen: Einer von zwölf im Januar, null von sechs im Februar und einer von acht im März - von jenseits der Dreierlinie fällt seit Jahresbeginn gar nichts. Dadurch erklärt sich auch der verhältnismäßige Abfall im Vergleich zum überragenden Dezember.

Fazit: Es steht außer Frage, dass Derrick Rose eine phänomenale Rookie-Saison spielt, doch das gilt ebenso für die folgenden Kandidaten. Sein größter Trumpf dürfte der Team-Erfolg sein, denn er wird aller Voraussicht nach als einziger Top-Rookie Playoff-Luft schnuppern dürfen. Dies macht Derrick Rose aktuell zum Favoriten.

Russell Westbrook (Oklahoma City Thunder): der Herausforderer

Stärken: Westbrook bietet das gesamte Paket: Scoring (15,6 PpG), Rebounds (4,8 RpG), Aufbauspiel (5,1 ApG) und vor allem überragende Defensivqualitäten (1,3 SpG). Damit hatte der Aufsteiger Westbrook auch einen entscheidenden Anteil an der positiven Entwicklung der Thunder im Saisonverlauf.

Schwächen: Auch Westbrook ist alles andere als ein „Shooter“. Seine 27,7 Prozent von der Dreierlinie sind zwar besser als die 23,5 Prozent von Rose, doch keinesfalls glänzend. Aus dem Feld ist Westbrook seinem Gegenüber sogar deutlich unterlegen (40,1% FG zu 47,0% FG).

Fazit: Statistisch hat Westbrook ebenso einen Anspruch auf den Titel wie Derrick Rose. Für den einen sprechen Punkte und Assists, für den anderen Rebounds und Steals. Letztendlich könnte die insgesamt schlechte Bilanz der Thunder den Ausschlag zu Westbrooks Ungunsten geben.

Brook Lopez (New Jersey Nets): der Effiziente

Stärken: Defensiv ist Brook Lopez bereits jetzt eine Präsenz und liefert seinem Team mit beeindruckender Konstanz Blocks (1,8 BpG) und Rebounds (7,9 RpG). Offensiv liefert er zwar nicht die Zahlen der Rookie-Guards (12,9 PpG), doch überzeugt er hier mit seiner Effektivität (52,8% FG, 79,8% FT). Nicht umsonst führt Lopez alle Rookies im ?NBA Efficieny Rating“ an.

Schwäche: Offensiv ist Lopez bisher eher Rollenspieler als Dominator. So hat er die 25-Punkte-Hürde erst dreimal geknackt, deutlich seltener als Rose (11), Westbrook (7) und vor allem O.J. Mayo (12).

Fazit: Das Gesamtbild stimmt und macht Lopez zu einem legitimen Kandidaten. Am Ende dürfte sich jedoch das voraussichtliche Verpassen der Playoffs und die höheren Punktzahlen der Konkurrenz negativ auf seine Chance auswirken.

Kevin Love (Minnesota Timberwolves): der Glasputzer

Stärken: Auf 48 Minuten hochgerechnet ist Kevin Love mit 17 „Boards“ aktuell der drittbeste Rebounder der Liga, nur geschlagen von Dwight Howard (18,6) und Joel Przybilla (17,2). Auch seine 25 Double-Doubles sind aller Ehren wert. Zum Vergleich: Dirk Nowitzki verbucht bisher 24.

Schwächen: Während die anderen Kandidaten allesamt über 30 Minuten auf dem Parkett stehen, liegt Loves Schnitt nur bei knapp 25 Minuten pro Partie. Seine Zahlen, vor allem bei den Punkten (11,2 PpG), sind entsprechend moderat.

Fazit: Loves Chancen auf die Trophäe sind trotz seiner phänomenalen Rebound-Ausbeute eher gering. Zumindest sein Arbeitgeber glaubt jedoch an ihn. So lassen die Timberwolves eine Kampagne für ihren Kandidaten laufen und werben für „Mr. Love's Mircale Glass Cleaner“.



Eric Gordon (Los Angeles Clippers): die Punktemaschine, Teil 1

Stärken: Offensiv ist Gordon kaum auszuschalten. Dank seiner Mischung aus Kraft, Explosivität und Killerinstinkt ist er beim Zug zum Korb brandgefährlich und auch sein Wurf fällt mit beeindruckender Sicherheit, sei es aus der Distanz (38,9% 3FG), aus dem Zweier-Bereich (48,6% FG) oder von der Linie (85,5% FT).

Schwächen: Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Spielern bringt Gordon außer Punkten nicht besonders viel. So ist er weder ein ausgewiesener Spielmacher noch ein besonders guter Rebounder, wie etwa seine Guard-Kollegen Rose und Westbrook.

Fazit: Dank seiner Offensivstärke wird in Zukunft noch einiges von Eric Gordon zu erwarten sein, doch bei der Wahl zum besten Liganeuling dürften sich die verhaltenen Leistungen bis Mitte Dezember, sein Status als reiner Scorer und der fehlende Team-Erfolg als Ausschlusskriterien erweisen.

O.J. Mayo (Memphis Grizzlies): die Punktemaschine, Teil 2

Stärken: O.J. Mayo führt die Rookies nach wie vor bei den Punkten (18,3 PpG) und den Minuten (37,8 MpG) an und seine Quoten von außen (37,5% 3FG) und von der Linie (87,6% FT) sind über alle Zweifel erhaben. Mayo hat sich bereits jetzt als einer der fähigsten Scorer der Liga etabliert.

Schwächen: Mayos Rebound- und Assist-Schnitt liegt zwar über Gordons; dennoch ist auch er zurzeit als reiner Scorer einzuordnen. Wenn der Wurf nicht fällt, wie zuletzt, als er 17 Mal in Folge unter 50 Prozent warf, zeigt sich diese Eindimensionalität besonders.

Fazit: Lange Zeit lieferte sich Mayo ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Derrick Rose, doch nun konvergieren seine Chancen auf den Rookie-Titel gegen null. Dies liegt vor allem an seiner kürzlichen Durststrecke (siehe „Schwächen“) und dem verhältnismäßig schwachen Monat März (14,7 PpG, 2,3 RpG).

Weitere Rookies im Kurzüberblick:


Jason Thompson (Sacramento Kings):
Da es für Sacramento nichts mehr zu holen gibt außer einem hohen Draft-Pick, war Thompsons Spielzeit im März so hoch wie in keinem Monat zuvor (31,4 MpG). Selbiges gilt auch für seine Punkte (13,1 PpG) und Rebounds (8,3 RpG).

Mario Chalmers (Miami Heat): Chalmers festigte im März mit 2,2 Steals pro Partie seinen Status als bester Balldieb dieses Jahrgangs und lieferte zudem 11,2 Punkte, 5,3 Assists und 3,5 Rebounds im Schnitt. Somit war der dritte Monat des Jahres Chalmers' bisher bester.

Michael Beasley (Miami Heat): Ein weiterer solider Monat für Beasley - nicht mehr, nicht weniger. Offensiv lässt Beasley sein immenses Potential immer wieder aufblitzen, doch will er mehr als 20 bis 25 Minuten spielen, wird er zunächst seine Defense verbessern müssen.

Marc Gasol (Memphis Grizzlies): Acht Spiele mit zweistelligen Punktzahlen zu Beginn des Monats, darunter 30 Zähler (plus 13 Rebounds) gegen Philadelphia, sowie eine 27-Punkte-Vorstellung gegen Sacramento Ende März - an Gasols Leistungen lässt sich weiterhin kaum etwas aussetzen.

Anthony Randolph (Golden State Warriors): Der athletische Forward erhielt im März das Vertrauen seines Coaches und rechtfertigte die gestiegene Einsatzzeit (22,8 MpG) mit knapp neun Punkten, sieben Rebounds und zwei Blocks pro Spiel.

Nicolas Batum (Portland Trail Blazers): Diesen Monat durfte der junge Franzose zum dritten bzw. vierten Mal in dieser Saison länger als 30 Minuten ran. Das Resultat: 20 Punkte (7/8 FG) gegen die Nets und 17 Zähler (7/10 FG) gegen Utah.

Rookie-Bestleistungen (März):

Punkte: 30 (Marc Gasol)
Rebounds: 19 (Kevin Love)
Assists: 10 (Russell Westbrook, O.J. Mayo, Marc Gasol)
Steals: 5 (Mario Chalmers, Luc Mbah a Moute)
Blocks: 5 (Roy Hibbert, Anthony Randolph)

All-Rookie-Teams (März):

First Team

G - Derrick Rose
G - Russell Westbrook
F - Kevin Love
F - Jason Thompson
C - Brook Lopez

Second Team
G - Eric Gordon
G - Mario Chalmers
F - Michael Beasley
F - Anthony Randolph
C - Marc Gasol 




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von MavsFan 05.04.09 um 19:34:48


Guter Artikel, aber es entbehrt für mich jeglicher Logik dass im Second Team Eric Gordon und Mario Chalmers stehen, NICHT OJ Mayo.... wahrscheinlich vergessen worden.

Oder gibts nen andren Grund?



von B-Jay 05.04.09 um 20:04:28


Ich finde auf den Monat März bezogen kann man durchaus für Gordon und Chalmers argumentieren.

Gordon war mit 17,8 PpG bester Rookie-Scorer des Monats, Chalmers punktet zwar nicht so viel wie Mayo (11,2 : 14,7), dafür liefert er deutlich mehr Rebounds, Assists und vor allem Steals.

Auf die ganze Saison gesehen wäre Mayo natürlich dennoch im Second-Team!



von BBallspieler 06.04.09 um 01:30:21


eine frage was ist mit rudy fernandez passiert spielt der keine rolle mehr????



von jordan 06.04.09 um 11:42:07


Also wenn ihr mich fragt ist der Spot von Love ziemlicher Schrott!



von TheCupTest 06.04.09 um 14:35:07


Und was ist mit D.J. Augustin???



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