Rookie Watch

Guard-Terror

Das Rennen um den Titel des Rookie des Jahres scheint derzeit ein Duell zweier Aufbauspieler zu sein: Kyrie Irving und Ricky Rubio. Beide Liganeulinge spielen trotz ihres jungen Alters schon jetzt eine tragende Rolle in ihrer Teams. Auch sonst haben bei den Rookies bisher vor allem Guards auf sich aufmerksam machen können. Zudem können auch Liganeulinge aus der zweiten Reihe ihren Teams helfen.

Von Manuel Baraniak
 01.02.2012 |

Freitag, der 6. Januar 2012: Vor 16.943 Zuschauern empfangen die Minnesota Timberwolves die Cleveland Cavaliers. Für ein Duell der beiden schlechtesten Mannschaften der vergangenen Saison (zusammen eine Bilanz von 36-128) finden verhältnismäßig viele Menschen an diesem Abend den Weg in das Target Center. Vielleicht auch, weil sie dem Aufeinandertreffen zweier Rookie-Point Guards entgegenfiebern, das zudem das einzige Duell der beiden Akteure in dieser Saison sein wird (dass die Wolves und Cavs die Finals erreichen, sei mal ausgeschlossen).

Und auch wenn weder Kyrie Irving in Reihen der Cavs sowie Ricky Rubio auf Seiten der Wolves die wirklich spielentscheidenden Figuren sind, so ist schon phasenweise zu erkennen, warum jene beiden Aufbauspieler bisher das Rennen um die Auszeichnung des besten Liganeulings anzuführen scheinen. Während Irving früh das Heft Clevelands in die Hand nimmt und zwölf Punkte und vier Korbvorlagen in der ersten Hälfte markiert (am Ende 14 Pkt, 5 Reb, 5 Ast, 0 Stl, 7 TO), so ist Rubio (10 Pkt, 2 Reb, 5 Ast, 3 Stl, 3 TO) für eines der Highlights verantwortlich, als er Rookie- und Teamkollege Derrick Williams für den obligatorischen Alley-oop bedient.

Doch erst in den Spielen danach sollten die Beiden endgültig beweisen, warum sie derzeit die Lieblingsfrischlinge des Mutterschweins NBA sind.

Kyrie Irving (Cleveland Cavaliers, PG, Draft 2011: #1)

„Die Verteidigung beginnt mit ihm. Er ist der Kopf der Schlange. Ich weiß, dass das eine Menge Verantwortung […] ist, aber so ist es nunmal, und er muss einen besseren Job machen. Er ist sich dem aber auch bewusst“, tadelte Cavs-Coach Byron Scott nach der 75:114-Klatsche seiner Mannschaft gegen die Chicago Bulls am 20. Januar einen seiner Spieler. Scotts Worte richteten sich dabei nicht an einen Veteranen, sondern an seinen 19-jährigen Schützling Kyrie Irving, der gegen die Bulls erst sein 14. NBA-Spiel bestritten hatte.

Die Anführung dieses Zitat Scotts soll nicht die defensive Leistung Irvings schmälern – Irving macht einen bisher ganz soliden Job in der Verteidigung. Vielmehr sollen die Worte Scotts verdeutlichen, wie stark Irving schon jetzt die Rolle des Anführers verinnerlichen darf und muss und auch schon verinnerlicht hat. Vergegenwärtigt man sich, dass Irving in seiner einzigen College-Saison verletzungsbedingt nur elf Partien absolvieren konnte, ist seine NBA-Reife, die man ihn ohne weiteres attestieren kann, bemerkenswert.

Dass der ehemalige Duke Blue Devil die Rolle als neuer Franchise-Spieler in Ohio zu übernehmen gewillt ist, verdeutlichen auch die Statistiken. Mit einer Usage-Rate von 27,5 führt Irving alle Liganeulinge an (und befindet sich sogar ligaweit auf Platz zehn); ebenso bei der Punkteausbeute (18,1 PpG). Exklusive Hornets-Rookie Gustavo Ayon, lässt Irving auch bei John Hollingers Player Efficiency Rating (22,7) seine restlichen Rookie-Kollegen weiter hinter sich.

Als Führungsspieler muss man seine Leistungen selbstverständlich auch in der Crunchtime unter Beweis stellen. Auch wenn die Cavs das Heimspiel gegen die New Jersey Nets am letzten Freitag mit 96:99 verloren geben mussten, war es Irving, der Cleveland erst wieder ins Spiel gebracht hatte. Beim Stand von 85:68 sechseinhalb Minuten vor Schluss nahm der 19-Jährige seine Mannschaft auf die Schultern und erzielte in der restlichen Spielzeit 21 Punkte. Am Ende stand eine persönliche Saisonbestleistung von 32 Zählern für den gebürtigen Australier zu Buche.

Besser lief es dann zwei Tage darauf bei den Boston Celtics. 87:86 führten die Kelten, als die Cavs den letzten Ballbesitz auf ihrer Seite wusste und Irving den Ball in die Hände gaben:



„Er hatte diesen Blick in den Augen, dass er es einfach wollte. Fast so, als wollte er sich reinwaschen“, gab Byron Scott nach Spielende zu Protokoll und sprach wohl die Niederlage gegen die Indiana Pacers Ende des letzten Jahres an, als Irving bei einem ähnlichen Spielzug den Korbleger noch vergab.

Würfe vergeben hat für Irving im Vergleich mit seinen Rookie-Kollegen aber eher Seltenheitswert. Der 1,91-Meter Mann trifft starke 51,1 Prozent seiner Feldwürfe sowie 41,1 Prozent seiner Versuche aus der Distanz. Unter allen NBA-Guards treffen nur Steve Nash, Ray Allen und Rajon Rondo besser aus dem Feld. Irving besitzt zum einen den Sprungwurf, zum anderen ist er ungemein schnell und beweglich, um sich eben auch in Korbnähe durchzusetzen. Dort besitzt er auch trotz seines eher schmächtigen Körperbaus die Kontrolle, trotz Kontakt zu verwandeln. Dieser Stärke scheint sich Irving auch bewusst zu sein: 40 Prozent seiner Versuche aus dem Feld stammen am Korb.

Bei Derrick Rose sind es in dieser Saison übrigens „nur“ 35 Prozent. Ohne die Spielweise beider vergleichen zu wollen, lohnt sich dennoch ein Blick auf die letzten Point Guards, die an erster Stelle gezogen wurden – Rose (2008; PER: 16,0) und John Wall (2010; PER: 15,8) – um zu sehen, in welch guter Gesellschaft sich Irving (PER: 22,7) befindet.

Ricky Rubio (Minnesota Timberwolves, PG, #5 (2009))

Ein wenig spanischer Zauber in Minneapolis mag zuletzt verflogen sein. Was zum einen auch daran liegen mag, dass die erste Entzücktheit seitens der Zuschauer ob der Pässe Rubios mittlerweile ein wenig in Selbstverständlichkeit übergegangen ist. Wenn die Passfähigkeiten Rubios auch weiterhin bestehen, so schwer tut sich der Aufbauspieler zum anderen zuletzt im Abschluss. Hatte Rubio in den ersten zwölf Partien noch 46,1 Prozent seiner Feldwürfe und 43,5 Prozent seiner Distanzwürfe getroffen, sind diese Werte zuletzt stark gesunken (30,4% FG; 28% 3FG).

Doch nicht das Scoring, sondern eben die Spielübersicht und Passfähigkeiten sind seit jeher die Stärken Rubios. Während der Point Guard zu Beginn der Saison von der Bank kommend schon im Schlussviertel fast ausschließlich auf dem Parkett stand, hat Wolves-Coach Rick Adelman kürzlich reagiert und den Rookie in die Starting Five beordert, wo er auch hingehört. Rubios Werte als Starter: 12,5 Punkte, 9,7 Assists, 5,5 Rebounds und 2,8 Steals. Nicht nur seine hohe Ausbeute an Ballgewinnen verrät, dass sich Rubio auch in der Verteidigung sehr gut schlägt. Die Wolves gewähren den Gegnern 98,7 Punkte pro 100 Ballbesitze, wenn Rubio auf dem Feld steht; sitzt er auf der Bank, sind es 108,9 Zähler.

Die Wolves scheinen längst erkannt zu haben, welch Juwel sie in ihren Reihen haben, dessen „Rubivision“ nicht erlernt werden kann. Dass das Management Kevin Love bei dessen jüngsten Vertragsverlängerung kein fünftes Jahr angeboten hat, mag auch an Rubio liegen, dem die Wolves vielleicht lieber den Status des „designated Player“ zusprechen. Auch die Worte Rick Adelmans lassen das vermuten: „Er besitzt wirklich eine Gabe. Er ist ein großartiger Passgeber im offenen Feld; er ist einfach ein kluger Spieler. Man muss ihm einfach Freiheiten geben und ihn laufen lassen, weil er diese Fähigkeiten hat. Und wegen ihm haben wir uns verbessert und Dinge vereinfacht. Er ist besser, als ich gedacht habe.“

CROSSOVER blickt in dieser Spielzeit mit besonderem Augenmerk auf die Saison Ricky Rubios.

MarShon Brooks (New Jersey Nets, SG, #25)

Elf Spiele in Folge konnte Brooks eine zweistellige Punkteausbeute aufweisen, ehe ihn eine Achillessehnenblessur für drei Spiele außer Gefecht setzte. Bei seiner Rückkehr gegen die Toronto Raptors waren es nur sechs Zähler; zurückkehren muss der Shooting Guard aber sogleich wieder auf die Verletztenliste, nachdem er sich eine Fraktur des kleinen Zehs im rechten Fuß zugezogen hat. Die Nets werden damit auf ihren zweitbesten Scorer verzichten müssen. Zweitbester Punktesammler? Das werden die Nets von ihrem 25. Draft-Pick wohl nicht erwartet haben.

Brooks markiert bisher 14,8 Punkte pro Partie bei einer Feldwurfquote von 45,9 Prozent. Schon jetzt hat der 23-Jährige bewiesen, dass er in dieser Liga zu punkten weiß. Ob per Zug zum Korb oder aus der (Mittel) Distanz, Brooks mag bis jetzt der vielleicht beste, reine Scorer dieser Rookie-Klasse sein. Schon am College in Providence offenbarte Brooks diese Mentalität, als er ligaweit der zweitbeste Scorer (24,6 PpG) gewesen ist. Auch seine 1,6 Assists pro Spiel verdeutlichen, dass er vermehrt auf seinen eigenen Wurf schaut, doch kann man ihm das bei dem Nets-Kader kaum verübeln. Immerhin zeigt er sich schon jetzt sehr ballsicher (1,4 TpG) und aktiv in der Verteidigung – Dinge, die man nicht von jedem Rookie erwarten wird.

Kemba Walker (Charlotte Bobcats, PG, #9)

Wie Rubio wurde auch Kemba Walker im Laufe der Saison in die Startformation befördert. Doch an Konstanz konnte der Point Guard bisher nicht wirklich gewinnen. Vor allem sein Wurf zeigt sich doch noch sehr wackelig. In neun seiner bisher 22 Spiele wies der 1,85 Meter große Walker eine Feldwurfquote von 30 Prozent oder weniger auf. Das mag auch daran liegen, dass Walker den Abschluss in der Zone ein wenig zu scheuen scheint. Knapp 60 Prozent seiner Würfe kommen aus einer Entfernung von fünf Metern oder mehr.

Dabei besitzt Walker alle Mal die Schnelligkeit und Wendigkeit sowie die Bewegungen, um an seine Gegenspieler vorbei zu ziehen und in Korbnähe zu operieren. Auch wenn er selbst nicht abschließen sollte, könnte er dann vermehrt seine Mitspieler suchen. Was er auch tun muss, nachdem er den derzeit verletzten D.J. Augustin als startenden Aufbauspieler ersetzen muss. Wobei Walker es bei den Bobcats sicherlich nicht leicht hat, da die Rotluche nicht gerade das offensiv potenteste Team ist.

In lediglich drei Partien verteilte Walker sechs Assists oder mehr. Beim zweiten Mal, bei der Niederlage gegen die Washington Wizards, zeigte er sich dann nicht nur so richtig mannschaftsdienlich, sondern extrem vielseitig: 20 Punkte, elf Assists und zehn Rebounds bedeuteten das vierte Triple-Double unter allen Spielern der laufenden Saison sowie das Dritte in der Franchise-Geschichte der Rotluchse.



Auch in dieser Begegnung untermauerte Walker, was für ein guter Rebounder er vor allem mit seiner Größe ist (4,1 RpG). Auch Walker zeigte sich trotz der Niederlage erfreut ob seiner jüngsten Fortschritte als Spielmacher: „Ich war heute Abend einfach geduldiger. Ich habe mit den Coaches einiges an Filmmaterial gesehen. Sie haben mir einige Möglichkeiten aufgezeigt, die ich auf dem Parkett habe, aber bisher noch nicht genutzt habe. Aber heute Abend habe ich diese Möglichkeiten abgerufen, was vieles vereinfacht hat.“

Brandon Knight (Detroit Pistons, PG, #8)

Auch Brandon Knight wurde nach anfänglicher Bankrolle zum Starter befördert, und auch er hat mit den Verletzungen von Backcourt-Partnern Erfahrung gemacht. Ob Rodney Stuckey, Ben Gordon oder Will Bynum – alle drei restlichen Guards der Rotation Detroits saßen bisher verletzungsbedingt in zivil auf der Bank. Für einen Liganeuling sind die damit einhergehenden wechselnden Formationen keine leichte Aufgabe.

Und so tut sich Knight bisher ein wenig schwer, das Spiel Detroits als Point Guard zu organisieren. 16 Prozent seiner Ballbesitze enden in einem Ballverlust. Von den Liganeulingen, die mehr als eine 15-minütige Einsatzzeit zugesprochen bekommen, verliert kein Rookie häufiger das Leder. Bisher hat sich Knight auch eher als Scorer statt als Ballverteiler bemerkbar machen können. Auch wenn sein Spiel aus der Mitteldistanz noch verbesserungswürdig ist, so trifft er gut aus der Distanz (37,4% 3FG); auch findet der flinke Guard vermehrt den Abschluss in Korbnähe, wo er die Körperbeherrschung besitzt, um trotz Kontakt abzuschließen. Bei der Niederlage gegen die Memphis Grizzlies verwandelte Knight jeden seiner zehn Freiwürfe. Den New York Knicks und Atlanta Hawks schenkte er fünf respektive vier Dreier ein.

Iman Shumpert (New York Knicks, G, #17)

Die bisherige Saison Shumperts gleicht ein wenig einer Achterbahnfahrt. Punktete der 21-Jährige in seinen ersten sieben Saisonspielen noch zweistellig, ist von jener Kontinuität bei Shumpert zuletzt nichts mehr zu sehen. „Es ist ein raues Erwachen für einen Rookie, in die Liga zu kommen und so viele Partien zu absolvieren. Seine Athletik ist leicht zurückgegangen, weil er angeschlagen ist“, erklärte Knicks-Coach Mike D’Antoni den leichten Rückschritt seines Rookies und beorderte ihn aus der Startformation zurück auf die Bank, nur um ihn in der vergangenen Nacht wieder von Beginn an ran zu lassen.

Dennoch können die Knicks mit dem, was ein 17. Draft-Pick leistet, durchaus zufrieden sein. Dass Shumpert weiß, wo der Korb hängt, hat er schon öfters bewiesen. Dank seiner Athletik und seiner 1,96 Meter weiß der Guard, in Korbnähe abzuschließen. Sein Sprungwurf bedarf hingegen noch einiges an Arbeit. Shumperts Abschlüsse in Korbnähe abgezogen, trifft er nur 30 Prozent seiner Würfe. Auch ist Shumpert sicherlich nicht die Lösung auf der Point Guard-Position der Knicks. Zwar scheint der 21-Jährige schon jetzt das Spiel ganz gut zu durchblicken, doch ein überdurchschnittlicher Passer ist er nicht, eher Scoring- statt Pass First-Guard. Dass die Knicks in dieser Saison effizienter verteidigen, ist durchaus auch ein Verdienst Shumperts, der in der Defensive aggressiv zu Werke geht und sich pro Partie 2,2 Ballgewinne (zweitbester Rookie) sichert.

Norris Cole (Miami Heat, PG, #28)

Seitdem Mario Chalmers bei den Miami Heat so stark aufspielt, ist die Einsatzzeit von Norris Cole folgerichtig gesunken. Dabei fing die Saison für den 28. Draft-Pick sehr vielversprechend an. In seiner zweiten Partie war Cole einer der Erfolgsgaranten für den 115:107-Sieg über die Boston Celtics. 14 seiner 20 Punkte markierte der Guard im Schlussabschnitt. Vor allem seine beiden von LeBron James assistierten Sprungwürfe innerhalb der letzten 90 Sekunden waren wichtig. „Er hat Köpfchen. Eine großartige Verpflichtung“, zollte Celtics-Coach Doc Rivers Cole und dem Heat-Management Respekt.

Auch wenn Cole an diese Leistung nicht mehr anknüpfen konnte, scheint sich der Point Guard an 28. Stelle durchaus als Draft-Steal entwickeln zu können. Mit seiner Schnelligkeit und seinen guten Anlagen in der Verteidigung passt er hervorragend in das momentane Spiel Miamis. Wenn LeBron James, Dwyane Wade oder Chris Bosh die Aufmerksamkeit der gegnerischen Verteidigung auf sich ziehen, muss der Rest der Heat-Formation bereit sein, den offenen Sprungwurf zu treffen. Auch wenn Coles Distanzwurf noch nicht wirklich fällt, so fühlt er sich vor allem aus einer Entfernung zwischen fünf und sieben Metern sehr wohl.

Aus der zweiten Reihe

Beim diesjährigen Draft-Jahrgang fällt neben der Guard-Dichte auch auf, dass viele Spieler aus der zweiten Runde sowie nicht ausgewählte Akteure sich vermehrt in die Rotationen spielen und wichtige Rollen einnehmen können.

Chandler Parsons (Houston Rockets, SF, #38)

Terrence Williams sieht kaum Spielzeit, Chase Budinger fällt aus der Startformation – alles Verdienste von Chandler Parsons. Der Small Forward ist weniger Scorer als Budinger und passt auch mit seiner Größe besser zu seinen startenden Teamkollegen in Houston. Parsons attackiert das Brett – sowohl in der Offensive als auch bei Rebounds. Jedoch besitzt er auch keinen Distanzwurf. Dagegen präsentiert er sich bisher als solider Verteidiger.

Jon Leuer (Milwaukee Bucks, PF, #40)

Leuers Spiel ist nicht spektakulär, dafür aber grundsolide. Der Kurz-Frankfurter agiert in der Offensive sehr effizient (59,9% True Shooting; zweitbester Rookie), weiß, wo er zu stehen hat und kann auch von weiter außen treffen. Für sechs Partien beorderte Scott Skiles seinen Schützling in die Startformation. In der Defensive hingegen ist der 22-Jährige noch eher eine Schwachstelle.

Josh Harrellson (New York Knicks, C, #45)

Die gute Draft-Arbeit der Knicks endete nicht mit Iman Shumpert; auch Josh Harrellson hatte sich früh in die Rotation von Mike D’Antoni spielen können, ehe ihn eine Fraktur im Handgelenk außer Gefecht setzte. Bis dahin präsentierte sich der Center in der Offensive ziemlich vielseitig – sowohl der Dreier als auch die Bewegungen zum Korb bzw. in Ringnähe sind vorhanden. Beim Sieg über die Sacramento Kings kam Harrellson auf persönliche Saisonbestwerte von 14 Punkten, zwölf Rebounds und vier getroffenen Dreiern.

Isaiah Thomas (Sacramento Kings, PG, #60)

Als letzter Spieler im Draft noch gezogen, ist Thomas alles andere als ein Bankwärmer von Sacramentos Bestuhlung. Sein Sprungwurf ist zwar alles andere als eine sichere Bank, durch seine Explosivität und Quirligkeit favorisiert der 1,75 Meter kleine Aufbauspieler eh lieber das Penetrieren in die Zone. Zusammen mit Tyreke Evans verteilt Thomas die meisten Korbvorlagen pro 36 Minuten bei den Kings. So etwas kann Sacramento gut gebrauchen.

Greg Stiemsma (Boston Celtics, C, nicht gedraftet (2008))

Was für ein Saisonauftakt für den blonden Hünen: In seinem ersten NBA-Spiel bei den New Orleans Hornets schickte der im Draft 2008 nicht gezogene Stiemsma sechs Würfe an den Adressaten zurück – und das in gerade einmal 20 Minuten Spielzeit. Dass der Center die Liga in Blocks pro 48 Minuten anführt (6,6), mag da gar nicht mal verwundern. Zuletzt ist die Einsatzzeit des Foul-anfälligen Big Men aber stark gesunken. Das Zeug zum Publikumsliebling hat Stiemsma aber alle Mal.

Ivan Johnson (Atlanta Hawks, PF, nicht gedraftet (2007))

Einen Typen wie Ivan Johnson braucht die Liga. Mit Gold im Mund zeigt Johnson auch durch Einsatz die Zähne und ist teils ein unangenehmer Gegenspieler. Dabei dürfte er seine Kontrahenten eigentlich schwer einschätzen können. „Mein Ding ist, ich schaue nicht wirklich Basketball. Ich weiß also nicht, wer wer ist. Wenn ich gegen sie auflaufe, sind sie einfach normale Basketballspieler. Ich kenne die wichtigen Spieler wie LeBron [James], Kobe [Bryant], [Dwyane] Wade. Aber all die anderen kenne ich nicht“, sprach Johnson lässig nach dem 93:91-Sieg über Minnesota, als der Power Forward die beiden siegbringenden Freiwürfe 4,6 Sekunden vor Schluss verwandelt hatte.

Gustavo Ayon (New Orleans Hornets, C, nicht gedraftet (2007)

Nicht Kyrie Irving weist das höchste PER aller Rookies auf, es ist Gustavo Ayon (24,5). Auf Grund einiger Kurzeinsätze müsste der Wert relativiert werden, dennoch scheinen die Hornets mit der Verpflichtung des mexikanischen Centers vor der Saison einen sehr guten Griff getätigt zu haben. Durch das trade-bedingte Aussetzen von Chris Kaman wird Ayon jedoch nun vermehrt auf dem Parkett stehen. Wenn er das mal tut, präsentiert sich der 26-Jährige in der Offensive mit wenigen Fehlentscheidungen und äußerst effektiv im Abschluss (64,9% FG).

Weitere Rookies im Überblick:

Kawhi Leonard (San Antonio Spurs, SF, #15)


„Es ist enorm wichtig für uns, einen Spieler in unserer Mannschaft zu haben, der ähnliche Dinge tun kann, die Bruce [Bowen] in der Vergangenheit gemacht hat. Dieser junge Mann muss noch viel lernen, aber er ist bemüht und sehr vielseitig. Ich denke, er hat die Begabung, ein verdammt guter Spieler zu werden“, war Spurs-Coach Gregg Popovich nach dem 101:95-Sieg über die Houston Rockets bezüglich Leonards Leistung voll des Lobes. Leonard hielt Kevin Martin im vierten Viertel sowie in der Verlängerung ohne Punkte.

Der 20-Jährige hat zwar noch nicht den Dreier im Paket, zeigt defensiv aber sehr gute Anlagen, samt seiner großen Spannweite, und trifft den offenen Mitteldistanzwurf, weswegen der Vergleich mit Bowen fallen mag. Schon drei Mal markierte Leonard eine zweistellige Rebound-Ausbeute – als Small Forward. Den Weg an die Freiwurflinie findet Leonard jedoch äußerst selten, wo er zudem auch noch nicht sicher trifft (58,3% FT; 24 FTA in 22 Spielen).

Markieff Morris (Phoenix Suns, PF, #13)

Seine Punkteausbeute von 7,3 Zählern im Schnitt mag nicht viel erscheinen, doch Morris hat schon phasenweise angedeutet, wie vielseitig er in der Offensive agieren kann. Sein Spiel im Low Post bedarf zwar noch einiges an Arbeit, wo er nicht sehr effizient abschließt, doch schon jetzt beweist der 22-Jährige sein Gefahr von außen (48,7% 3FG) – ein Power Forward als Distanzschütze, Morris passt nach Phoenix. Vor allem am defensiven Brett schnappt sich Morris einige Bälle; er scheut nicht vor der Drecksarbeit zurück und präsentiert sich engagiert in der Defensive.

Derrick Williams (Minnesota Timberwolves, F, #2)

So richtig in Tritt kommt Derrick Williams bisher nicht. Seine Einsatzzeiten schwanken stark. Steht er mal über 20 Minuten auf dem Parkett, markiert der Forward immerhin 11,4 Zähler. Zu Beginn der Saison präsentierte sich Williams noch stark aus der Distanz, seitdem haben seine Quoten aber abgenommen. Auch in Korbnähe – gerne durch Alley-oop-Anspiele von Ricky Rubio – weiß Williams mit Härte abzuschließen, sein Spiel aus der Mitteldistanz ist aber noch sehr unausgereift. Meist lief der 20-Jährige bisher als Power Forward auf, jedoch bleibt abzuwarten, ob er nicht auch öfter auf der Drei ran muss, und inwieweit Williams dann mit dem Status als „Tweener“ umgehen wird.

Tristan Thompson (Cleveland Cavaliers, PF, #4)

In der vergangenen Nacht musste Thompson mit einer Sprunggelenksverletzung die Partie gegen die Boston Celtics frühzeitig beenden. Humpelnd in Form von stockend verliefen auch die letzten Partien für den Power Forward. Der Saisonbeginn dagegen war stark, als Thompson sich als beweglicher, schneller und explosiver Vierer präsentierte, der seine geringe Größe für seine Position mit Explosivität und Energie wett macht. Unter allen Liganeulingen weist der 2,03 Meter-Mann die drittbeste Rebound-Rate auf. Sein Offensivspiel ist hingegen noch äußerst roh.

Enes Kanter (Utah Jazz, C, #3)

Hinter einem Al Jefferson und Paul Millsap fallen eben nicht so viele Minuten ab. 14,4 Minuten steht Kanter bis dato im Schnitt auf dem Parkett – doch schnappt sich dabei ganze 5,2 Rebounds. Prozentual greift sich der türkische Center unter allen Rookies die meisten Bälle von den Brettern, ligaweit liegt er auf Platz vier. So kommt der 19-Jährige auch vermehrt zu seinen Punkten. Da seine Offensivbewegungen noch nicht wirklich ausgereift sind, muss er sich mit beim Scoring hauptsächlich nach Offensiv-Rebounds begnügen.

Nikola Vucevic (Philadelphia, F/C, #16)


Als Spencer Hawes mit einer Achillessehnenblessur aussetzen musste, war die Zeit Vucevics gekommen. Tat er sich in seinem ersten Spiel als Starter noch ein wenig schwer, markierte der Center in den zwei Partien danach 10,5 Punkte und acht Rebounds – ehe auch Vucevic verletzungsbedingt aussetzen musste. Der 21-Jährige besitzt ein gutes Offensivspiel mit dem Gesicht zum Korb und kann sogar bis an die Drei-Punkte-Linie treten, um abzuschließen. Nach Kanter greift sich Vucevic prozentual die meisten Rebounds aller Rookies ab.

Jimmer Fredette (Sacramento Kings, G, #10)

Geht es um bisherige Enttäuschungen im Draft-Jahrgang, wird der Name Jimmer Fredette fallen. Bei einer Feldwurfquote von 36,5 Prozent (35% 2FG) wollen sicherlich nicht viele lernen, wie man den „Jimmer“ tanzt. Wahrscheinlich täte Kings-Coach Keith Smart besser daran, Fredette mehr als Shooting- statt Point Guard einzusetzen. Denn immerhin weiß der 22-Jährige von außen (38,5% 3FG) einzunetzen. Doch es gibt Hoffnung für Kings-Fans: In den letzten vier Partien schien Fredette, bei vermehrter Einsatzzeit, ein wenig besser ins Spiel zu und in die Liga zu finden (16,5 PpG; 45,7% FG).

Klay Thompson (Golden State Warriors, SG, #11)


Vom Titel des Rookie des Jahres, wie ihn Warriors-Coach Mark Jackson prophezeit hat, ist Thompson weit entfernt. Dafür müsste ihn Jackson auch länger als die bisher knapp 17 Minuten, die der Shooting Guard auf dem Parkett steht, spielen lassen. Was Thompson aber auf alle Fälle kann, ist werfen: 41,8 Prozent seiner Versuche von jenseits der 7,24-Meter Linie trifft der 21-Jährige bisher. Dabei werden ganze 86 Prozent seiner Treffer durch einen Assist vorbereitet. Der Zug zum Korb gehört nicht zum Repertoire Thompsons; in der laufenden Spielzeit stand er zudem erst zweimal an der Linie.

Bestleistungen (Dezember 2011, Januar 2012)

Punkte: 32 (Kyrie Irving, vs. New Jersey Nets)
Rebounds: 12 (Josh Harrellson, vs. Sacramento Kings)
Assists: 14 (Ricky Rubio, vs. Washington Wizards)
Steals: 6 (Ricky Rubio, vs. Detroit Pistons)
Blocks: 6 (Greg Stiemsma, vs. New Orleans Hornets)
Dreier: 5 (Brandon Knight, vs. New York Knicks; Jimmer Fredette, vs. Denver Nuggets)

All-Rookie First Team* (Dezember 2011, Januar 2012)

G – Kyrie Irving
G – Ricky Rubio
F – Kawhi Leonard
F – Chandler Parsons
C – Enes Kanter

All-Rookie Second Team* (Dezember 2011, Januar 2012)

G – Kemba Walker
G – MarShon Brooks
F – Jon Leuer
F – Markieff Morris
C – Nikola Vucevic

* Entgegen der offiziellen Rookie-Teams der NBA werden hier die Positionen wie bei den All-NBA Teams übernommen.




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Kommentare

(9 Kommentare bisher)

von Indiana 01.02.12 um 15:27:21


Für mich ist Rubio Nr. 1 weil Irving im Osten spielt und der extreme mies ist.
Allerdings ist Irving allein und hat keinen Love an seiner Seite weshalb er wenn die Cavs mit 5-6 Wins mehr als Minny nach der Saison darstehen der ROY ist.



von ca$hmoney 01.02.12 um 15:34:00


"It's not about the size, it's about the size of your heart."-Nate Robinson
In diesem Sinne ist Isaiah Thomas meine feel-good story diese Saison. Jeden Tag beweist sich der kleine Baller auf's neue in der Liga der Großen. Show some Love!
[youtube.com]
[youtube.com]



von KingKolibri 01.02.12 um 19:16:43


Der wahre Rookie of the year zu diesem Zeitpunkt ist............. Byron Mullens!!! Welcome to the NBA!!!!



von KingKolibri 01.02.12 um 19:17:46


und @ca$hmoney - Isiah Thomas ruuuuuules! ;)



von Eastcoast 02.02.12 um 13:44:08


Kemba Walker ist für mich bisher eine riesige Enttäuschung! Hab mir von ihm echt viel erwartet, hat ja eine fantastische letzte College-Saison hingelegt! Und gerade bei den Bobcats muss für ihn mehr gehen, wenn nicht bei den Assists, dann zumindest beim Scoring! Aber Walker spielt leider wie der Rest der Bobcats mies!! :-(
Ansonsten: Irving und Rubio beide top, Rubio in Sachen Assists, Irving beim Scoring!



von el_turco_1987 04.02.12 um 02:04:58


sehr guter artikel!!wobei man ne lanze für paar rookies brechen muss sei es Williams oder auch Kanter ihre Teams sind alles andere als optimal.. Leider...



von Durant44 05.02.12 um 04:00:18


Also Hr. Irving hat mal wirklich Eier!! Wie er heute Nacht Dallas erlegt hat in den letzten 2 Min. Hut ab.
Mausert sich wenn er so weiter macht zu "Mr. Big-Shot" Mini!!



von ca$hmoney 20.02.12 um 13:00:30


Trivia: Wer ist 1,75 groß, hat mit 'nem Triple Double geflirtet und nebenbei den Nr.1 Pick letzte Nacht nassgemacht?



von D-HOW 20.02.12 um 13:51:58


Isaiah Thomas - geiler Typ :)



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