Rookie Watch

Auch ohne Griffin alles im Griff

Mit Blake Griffin ist die Nummer Eins des Draft 2009 noch immer zum Zuschauen verdammt. Doch seine Klassenkameraden, allen voran Tyreke Evans und Brandon Jennings, machen den athletischen Forward inzwischen vergessen. Im ersten Rookie Watch des neuen Jahres nehmen wir die beiden Überflieger und ihre Rookie-Kollegen Jonny Flynn, Omri Casspi und Stephen Curry genauer unter die Lupe.

Von Björn Lehmkühler
 02.01.2010 |

1. Tyreke Evans, Sacramento Kings

Auch wenn er in Person von Brandon Jennings über einen starken Konkurrenten verfügt, ist Kings-Guard Tyreke Evans zurzeit der klare Favorit für die Auszeichnung zum „Rookie of the Year“.

Und das liegt nicht nur daran, dass der 20-Jährige als vierter Rookie nach Oscar Robertson, Michael Jordan und LeBron James mehr als zwanzig Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists im Schnitt auflegen könnte. Es liegt vor allem daran, dass er die Kings scheinbar im Handumdrehen vom Schlusslicht der Liga zu einem 40-Siege-Kandidaten transformiert hat. Und das, wie noch einmal fett unterstrichen werden sollte, in Abwesenheit des eigentlichen Go-to-Guys Kevin Martin.

Die Kings können nach einigen ernüchternden Saisons also wieder hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, zumal Evans trotz seiner verblüffenden Reife und Effizienz noch reichlich Potential aufweist. Schließlich punktet er bisher zumeist durch seinen starken Zug zum Korb, wo er mit seinen 1,98 Meter und 100 Kilogramm andere (Point) Guards alt aussehen lässt. Ein sicherer Distanzwurf würde die Nummer vier des Drafts nur noch unberechenbarer machen.

2. Brandon Jennings, Milwaukee Bucks

Es ist schwer zu sagen, ob im Vorfeld des Draft 2009 die Anzahl der Zweifler oder die Anzahl der zweifelhaften Aussagen von Brandon Jennings überwogen. Nun scheint all dies jedoch wie weggeblasen, denn durch seine überragenden Leistungen in den ersten Saisonmonaten hat Jennings seine vollmundigen Sprüche aus dem Frühjahr – zumindest inhaltlich – rechtfertigen und den Großteil seiner Kritiker von seinem Können überzeugen können.

Dabei ist weniger überraschend, dass Jennings im Schnitt zwanzig Punkte und sechs Assists verbucht und über 40 Prozent aus dem Feld trifft; es ist überraschend, dass er dies bereits im Jahr 2009 tut. Denn die meisten Experten hatten damit gerechnet, dass es zwei bis drei Jahre dauern könnte, bis der 20-Jährige ein NBA-Team führen und besagte Statistiken vorweisen könne.

Doch bisher profitiert Jennings von seinem ausgeprägten Selbstvertrauen, anstatt wie zu befürchten war, über selbiges zu stolpern. Er feuert erfolgreich aus allen Lagen, wie in seinem siebten NBA-Spiel, als er sich mit 55 Punkten bereits ein erstes kleines Denkmal baute. Und er führt erfolgreich im Bucks-Backcourt Regie, wie die durchschnittlich sechs Korbvorlagen und der aktuelle Playoff-Platz beweisen. Grund genug, das „RotY“-Rennen zu einem Zweikampf zu erklären.

3. Jonny Flynn, Minnesota Timberwolves

Neben den Über-Guards Evans und Jennings passiert es leicht, dass der Name Jonny Flynn untergeht. Dies liegt zum Teil daran, dass bei seinen Timberwolves bisher der Teamerfolg ausbleibt. Und auch Flynns Probleme sind noch allzu offensichtlich: So produziert er in seinen 30 Minuten mehr Ballverluste als jeder andere Rookie (2,9 TpG) und stand vor allem im November mit der Triangle Offense von Coach Kurt Rambis und seinem Drei-Punkte-Wurf auf Kriegsfuß.

Doch Flynns Lernkurve zeigt steil nach oben. So steigerte er von November auf Dezember seine Dreier-Qoute (28 auf 37 Prozent) sowie seine Assist-Statistik (3,7 auf 4,5 ApG) merklich. In Kombination mit seiner waghalsigen Schnelligkeit, seiner nicht minder spektakulären Sprungkraft und seiner Kreativität würde dies in vielen Rookie-Jahrgängen für das Prädikat „bester Spielmacher“ reichen – nur eben nicht in diesem

4. Omri Casspi, Sacramento Kings

Neben Jennings ist der Israeli wohl die größte Überraschung der bisherigen Saison. Denn wer hätte ernsthaft gedacht, dass der Mann aus dem Nahen Osten zu diesem Zeitpunkt der gefährlichste Frontcourt-Spieler dieses Rookie-Jahrgangs sein würde und sich mit 45,6 Prozent von „Downtown“ für einen Platz im Dreierwettbewerb der besten Liga der Welt empfiehlen würde?

Wie Teamkollege Evans profitiert auch Casspi von der dünnen Personaldecke der Kings und verbucht somit knapp 27 Minuten und 12,5 Punkte pro Begegnung. Zwar konnte er die anfangs über 50 Prozent von außen nicht dauerhaft halten und zeigt Schwächen von der Freiwurflinie (62,6% FT). Dafür zeigte der 2,06 Meter große Small Forward aber zuletzt wieder mehr Vertrauen in seinen Zug zum Korb und eine verbesserte Wurfauswahl. Und ganz nebenbei ist er auch noch ein ambitionierter und vielseitiger Verteidiger.

5. Stephen Curry, Golden State Warriors

Eine der großen Debatten vor dem Draft war, ob Stephen Curry die Transformation von der NCAA zur NBA gelingen würde. So sprachen ihm Skeptiker die Physis für die Zwei und die Mentalität für die Eins ab. Die Golden State Warriors machten ihn dennoch zur Nummer sieben im Draft. Nun sollte klar sein: Zu Recht!

Denn Curry schießt nicht nur, wie zu erwarten war, sicher aus der Distanz (39,6% 3FG) und ist mit 11,8 Punkten pro Partie der viertbeste Scorer unter den NBA-Neulingen, sondern überzeugt auch durch seinen Zug zum Korb, seine Spielübersicht (4,5 ApG, Platz drei), sein Reboundverhalten (3,7 RpG) und seine Defense (1,8 SpG, Platz eins). Und er wird dabei sogar von Woche zu Woche besser, wie seine Leistungen zwischen dem 18. und 23. Dezember (19,3 PpG, 8,3 RpG und 6,3 ApG in drei Spielen) zeigen.

Weitere Rookies im Kurzüberblick

Jonas Jerebko (Detroit Pistons): In Abwesenheit von All-Star Tayshawn Prince glänzt der Schwede als Starter und Energizer. Nur drei Spieler waren im Dezember laut „NBA Efficieny Rating“ effektiver als der 22-Jährige (10,9 Punkten und 6,3 Rebounds).

Ty Lawson (Denver Nuggets): Eines der Top-Teams als Rookie-Point-Guard zu dirigieren, ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Doch „Speedy Lawson“ meistert diese Herausforderung nicht zuletzt dank seiner Erfahrung als North Carolina Tar Heel – bisher mit Bravour (8,3 PpG, 3,4 ApG, 49,0% FG, 40,9% 3FG).

James Harden (Oklahoma City Thunder): Dreimal deutete Harden bereits sein Potential an, indem er über 24 Punkte erzielte. Vorerst bleibt er jedoch ein Backup, der solide 10/3/3 von der Bank liefert. Wie sähen diese Zahlen wohl in einem Kings- oder Wolves-Trikot aus?

DeJuan Blair (San Antonio Spurs): Das Muskelpaket Blair zeigt, weshalb er in die erste Draft-Runde gehört hätte. Mit 6,9 Punkten, 5,7 Rebounds und fast sechzig Prozent aus dem Feld liefert er den Texanern geballte Effizienz.

Wes Matthews (Utah Jazz): Im Draft verschmäht, erfüllt der Shooting Guard von Dwyane Wades Alma Mater Marquette nun seine Rolle in der Jazz-Rotation: Durchschnittlich 8,3 Zähler sind für einen nicht im Draft gewählten Rookie jedenfalls nicht zu verachten.

Terrence Williams (New Jersey Nets): Kein Rookie hat bisher mehr Double-Doubles verbucht als der vielseitige Forward (vier). Leider trifft Williams bisher weniger als vierzig Prozent aus dem Feld.

Serge Ibaka (Oklahoma City Thunder): Dem athletischen Kongolesen gelangen in den ersten 21 Partien lobenswerte 96 Rebounds und 21 Blocks, aber nur ein mickriger Assist.

Hasheem Thabeet (Memphis Grizzlies): Der 2,21-Meter-Mann hat die zu erwartenden Startschwierigkeiten und bisher nicht ein einziges Mal zweistellig gepunktet. Immerhin: Mit 30 geblockten Würfen in 27 Spielen ist er der beste Rookie-Blocker.

Bisherige Rookie-Bestleistungen

Punkte: 55 (Brandon Jennings)
Rebounds: 14 (Serge Ibaka, Jeff Pendergraph)
Assists: 11 (Brandon Jennings, Darren Collison, Eric Maynor)
Steals: 4 (fünf Spieler)
Blocks: 5 (Serge Ibaka, Hasheem Thabeet)

All-Rookie-Teams (November & Dezember)

First Team
G Tyreke Evans (Sacramento Kings)
G Brandon Jennings (Milwaukee Bucks)
F Omri Casspi (Sacramento Kings)
F Jonas Jerebko (Detroit Pistons)
C DeJuan Blair (San Antonio Spurs)

Second Team
G Jonny Flynn (Minnesota Timberwolves)
G Stephen Curry (Golden State Warriors)
F Tyler Hansbrough (Indiana Pacers)
F Taj Gibson (Chicago Bulls)
C David Andersen (Houston Rockets)




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Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von Cabalios 13.01.10 um 22:08:46


evans ist einfach der wahnsinn. ich weiss noch wie ich gleich nach der verletzung von martin geschrieben habe "wie wollen die denn jetzt ÜBERHAUPT noch gewinnen", krasser Typ.



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