Ronnie Price

König für einen Tag

Ohne gedraftet zu werden, schaffte Ronnie Price von den Sacramento Kings den Sprung in die NBA. In seinem zweiten Jahr machte ihn eine Aktion mit einem Mal berühmt.

Von Thomas Käckenmeister
 15.12.2006 |

Viele Basketballfreunde erinnern sich mit Vorliebe an die Playoff-Schlachten zwischen den rivalisierenden Chicago Bulls und New York Knicks in den Neunziger Jahren. Legendär ist auch der Dunk von John Starks, den er am 25. Mai 1993 über Michael Jordan und Horace Grant krachen ließ.

Ungedraftet in die Liga

Einen ähnlich spektakulären Moment hatte auch Ronnie Price (Foto) im Heimspiel seiner Sacramento Kings gegen die Utah Jazz am 22. November 2006. Als er über den in MVP-Frühform spielenden Carlos Boozer hinwegstopfte und ihn damit auf die andere Seite des Posters verbannte, proklamierte der TV-Kommentator den "Dunk des Jahres".

Dabei konnte der 1,88m kleine Athlet, der im August 2005 als Free Agent von den Kaliforniern verpflichtet wurde, bisher eher durch knallharte Verteidigungsarbeit als durch potente Offensive überzeugen. Trotz geballerter Scoring-Power - er belegte den dritten Platz bei den Punkten (24,3 PpG) in der NCAA-Saison 2004/05 - wurde Price im Draft 2005 von keinem NBA-Team berücksichtigt. Doch das Selbstvertrauen des ehemaligen Star-Aufbauspielers der Utah State Valley Wolverines erfuhr dadurch keinen Abbruch. Er lief 2005 in der Las Vegas Summer League auf und produzierte in drei Spielen 7,3 PpG, 2,3 RpG und 1,7 ApG. Kurz darauf klopften die Kings an und setzten Price mit einem Vertrag die Krone auf. Er war nun am Ziel seiner Träume und in der NBA angekommen - ohne gedraftet zu werden. Price wusste, dass viel Arbeit auf ihn zukommen würde, um den Platz als Handtuchwedler auf der Kings-Bank zu behalten. In seiner Rookie-Saison 2005/06 durfte er dann in lediglich 29 Spielen sein Können zeigen (2,1 PpG in 5,2 MpG). In der Offseason 2006 hieß es dann erneut Summer League, die er mit 15,2 PpG abschloss.

Als die Spielzeit 2006/07 begann, fand sich Ronnie Price immer noch am hinteren Ende der Bank wieder. Mike Bibby war der gesetzte Point Guard, Kevin Martin durch seine Playoff-Performance gegen die Spurs und den Weggang von Bonzi Wells der Starter auf der Zwei. Auf den Positionen hinter den beiden kämpften also Price, John Salmons, Jason Hart und Rookie Quincy Douby um Einsatzzeit. Es war somit immer noch schwer für Price, sich in die Rotation zu spielen. In den ersten neun Partien stand er lediglich zweimal länger als zehn Minuten auf dem Court und erzielte magere 3,4 PpG.

Ein Dunk für die Galerie

Dann kam der 22. November 2006. Sacramento empfing die Utah Jazz, die mit zehn Siegen aus elf Spielen in die Saison gestartet waren. Die Kings dominierten die erste Halbzeit (55:37), obwohl sich Mike Bibby im zweiten Viertel am Bein verletzte und in der zweiten Hälfte nur noch kurz zum Einsatz kam. Sacramentos Coach Musselmann änderte daraufhin die Aufstellung, setzte auf kleine Leute. Die Stunde des Ronnie Price hatte geschlagen. Als Bibby-Ersatz traf er zwar nur zwei seiner ersten fünf Würfe, verteilte aber zwei Vorlagen. 4:15 Minuten vor Ende des dritten Abschnitts bekam er einen Pass von Shareef Abdur-Rahim an die Dreierlinie serviert und zog mit allem, was er hatte, zum Korb. Dort stand Carlos Boozer wie ein Fels in der Brandung. Price hob ab und stieg höher und höher. Boozer versuchte, ihn mit hochgestreckten Armen vom Korberfolg abzuhalten, aber Price holte sich den Jackpot: Sein Dunk mit der linken Hand ließ die 17317 Zuschauer in der Arco Arena Zeuge eines der Highlights der noch jungen Saison werden. Den anschließenden Freiwurf verwandelte Price im emotionalen Fangeschrei fast mühelos; ein sicheres Drei-Punkte-Spiel. Dreißig Sekunden später genoss Price erneut den Status des neuen Kings-Helden und baute die Führung der Kings mit einem Dreier auf 78:59 aus. Als das dritte Viertel endete, setzte Price dem Ganzen die Krone auf und versenkte mit der Sirene seinen dritten Dreier der Partie.

Im Schlussviertel aber begann die Führung zu schmelzen: Waren es noch 13 Zähler Vorsprung zu Beginn der letzten zwölf Minuten, hieß es 2:19 Minuten vor Ende nur noch 99:98 für das Heimteam. Danach ging alles ganz schnell: Utah spielte einen letztendlich souveränen 110:101-Auswärtssieg heraus. Trotzdem hatten die Kings eine neuen König, zumindest für einen Tag. Ronnie Price hatte in 26 Minuten 16 Punkte (6/9 FG, 3/3 3FG) und drei Assists gesammelt. Kurzzeitig hatte er in Sac-Town sogar den etatmäßigen Point Guard Bibby vergessen lassen.

Nach dem guten Spiel gegen Utah dachte Price, er würde nun für größere Aufgaben bereit sein. Coach Musselmann war da aber anderer Meinung und schickte ihn in den folgenden beiden Begegnungen nur fünf bzw. sechs Minuten auf den Platz; gegen die Clippers kam er gar nicht zum Einsatz. Eigenartigerweise gewannen die Sacramento Kings diese drei Partien.

Seine Zeit wird kommen

In den Dezember sind die Kings mit fünf Niederlagen in Folge gestartet. Price hat jedoch einen weiteren Schritt nach vorne machen können. Im Auswärtsspiel in Phoenix stand der Kings-Energizer zum ersten Mal in der ersten Fünf. Lag es möglicherweise daran, dass er im Spiel zuvor gegen Orlando an Darko Milicic vorbeiflog, unter dem Korb hindurch tauchte und mit Leichtigkeit den Ball übers Brett in den Korb bettete?

Ronnie Price hat bemerkt, dass er es schaffen kann, in der stärksten Liga der Welt mitzuhalten. Durch Defense kämpfte er sich in die Mannschaft, als harter Arbeiter und Teamplayer schenkte ihm der Coach Vertrauen und seitdem er durch spektakuläre Aktionen auch in den Top Ten zu finden ist, wissen selbst die Fans, dass Ronnie Price ein Spieler ist, von dem man noch einiges erwarten darf.




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von dalla13 15.12.06 um 12:26:36


Schöner breicht, besserer Dunk! ;)



von JayEm 15.12.06 um 15:35:58


[youtube.com]

hier zum anschauen!



von JayEm 15.12.06 um 15:37:07


[youtube.com]

obwohl der hier viel besser war!



von Luke 15.12.06 um 15:50:59


Netter Dunk, aber die ganze Aktion zeigt für mich gleichzeitig, was ich an der NBA und ihrem Halbkreis unter dem Korb nicht mag. Ob Ronnie Price wegen einem Layer Starter wurde? Ich glaube nicht.



von Pete Air 15.12.06 um 23:39:13


@JayEm der dunk von Ronnie Price is aber um einiges geiler gewesen. Das war ja ein in your face und dann noch auf den Boozer drauf und der vom Jones war nur ein in your face. Also kein Wunder das das der dunk des Jahres ist.



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