Rollenspieler
Superstar? Nein, danke!
Die Denver Nuggets rangieren im Westen überraschend auf Rang vier. In einer Liga, die von Superstars dominiert wird, findet man im Kader Denvers hingegen keinen Spieler eines solchen Formats. Nachdem im letzten Sommer in Miami das Sammeln von Superstars begonnen hatte, spielen sich in dieser Saison mit den Nuggets, Philadelphia 76ers und Indiana Pacers Teams in den Vordergrund, die auf Teamplay setzen. Ein neuer Trend, der auch erfolgreich sein kann?
Von Johannes Hübner |
05.02.2012 | |

Mit der Formation der großen Drei schienen die Miami Heat im Sommer 2010 neue Maßstäbe zu setzen. Ein Team, welches heutzutage in der NBA um den Titel spielen will, muss mehrere Superstars vereinen. In Los Angeles versuchten diesen Sommer sowohl die Clippers (erfolgreich) als auch die Lakers (erfolgslos), mit Chris Paul ihren Superstars noch einen weiteren an die Seite zu stellen. Und Deron Williams und Dwight Howard versuchen wohl immernoch, so schnell wie möglich im gleichen Kader zu stehen. Bei den New York Knicks klappte zumindest das Zusammenführen von Superstars; aber ein Contender sind die Knicks mit ihrer momentanen Leistung nicht. Dafür schon eher eine Mannschaft, die den Knicks ihren Star abgegeben hatte.
Die Denver Nuggets sind mit Teamplay und ohne einen echten Superstar mit einer Bilanz von 15 Siegen und neun Niederlagen derzeit Vierter in der Western Conference. Dabei war die Vorbereitung auf die verkürzte Saison vor allem in Denver sehr schwierig. Die Free Agents Kenyon Martin, J.R. Smith und Wilson Chandler unterschrieben alle in China und standen damit nicht zur Verfügung. Das Trainig Camp begann und die Nuggets hatten oft nicht einmal genug Spieler für ein Fünf gegen Fünf. Nene Hilario (Foto), einer der begehrtesten Center der Free-Agent-Periode, unterschrieb seine Verlängerung erst kurz vor dem ersten Sprungball in der Saison 2011/12.
Trotz der Schwierigkeiten in der Vorbereitung erobern die Nuggets gerade die Western Conference. In der Offensive wird Teamplay groß geschrieben. Jeder ackert für den anderen und jeder spielt den nötigen Extrapass zum freien Mitspieler. Dies kombiniert Head Coach George Karl (Foto) noch mit einem schnellen System, welches auf die Mehrheit seiner Spieler hervorragend zugeschnitten ist. Als Resultat führen die Nuggets die Liga mit 105 Punkten pro Spiel an und verteilen mit 24 Assists pro Begegnung auch die meisten Vorlagen. Das schnelle Tempo und ein Nene, der im Low Post gefährlich ist, führt auch dazu, dass Denver die Liga bei den Punkten in der Zone anführt. Beim Auswärtserfolg bei den Sacramento Kings markierten die Nuggerts in der Zone unglaubliche 92 Zähler. Noch nie erzielte eine Mannschaft in der NBA-Geschichte mehr Punkte in Korbnähe, seitdem die Liga eine solche Statistik erfasst. Head Coach Karl predigte es schon immer: Punkte in der Zone und Freiwürfe sind die einfachsten Punkte im Basketball. Die Nuggets stehen im Schnitt auch am häufigsten an der Freiwurflinie.
Das selbstlose Spiel führt auch zu einer ausgeglichen Scoring-Last im Team. In einer Mannschaft voller Rollenspieler scoren gleich sechs Spieler Zweistellig. Danilo Gallinari (17,2 PpG), Ty Lawson (15,6), Al Harrington (15,1), Nene (13,3), Andre Miller (10,9) und Arron Afflalo (10,4) punkten zweistellig und Rudy Fernandez (8,6) ist auch nicht weit von dieser Marke entfernt. Zudem stehen mit Timofey Mozgov und Chris Andersen auf der Fünf zwei Center bereit, die durch ihren Einsatz und auch Verteidigung noch einige Minuten abgreifen und so ihren Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen. Auch Corey Brewer (7,6 PpG) bekommt wieder mehr Spielzeit, als noch bei den Dallas Mavericks und trifft 50 Prozent seiner Würfe aus dem Feld. George Karl beschreibt sein System so: „Warum sollen wir auch nach Superstar suchen, wenn wir auf jeder Position einen Spieler haben können, der auf seiner Position zu den besten zehn der Liga gehört.“
Das Team aus der Mile High City schafft es in einer Liga, in der vor allem die Superstars die Pfiffe bekommen und zumeist an der Freiwurflinie stehen, die meisten Freiwurfversuche aufzuweisen. Den Beweis, dass ein solches Team enge Spiele gewinnen und in den Playoffs erfolgreich sein kann, bleiben die Nuggets bisher jedoch noch schuldig. In Spielen, die in der Verlängerung oder mit vier oder weniger Punkten entschieden wurden, hat Denver eine Bilanz von 3-5. Zweifel ob der Erfolgschancen der Nuggets in der Postseason sieht auch der eigene Point Guard und Routinier Andre Miller (Foto) gegenüber ESPN: „Ich glaube immernoch, dass du in dieser Liga einen Superstar brauchst. Ich würde es gern sagen, aber das ist die reguläre Saison; sobald die Playoffs beginnen, ist das eine ganz andere Geschichte.“
Während Andre Miller Zweifel hat, ob ein Team mehr auf ein Kollektiv aus Rollenspielern setzen sollte, spielen die Philadelphia 76ers und Indiana Pacers, die einen ähnlichen aufgebauten Kader haben, wie die Denver Nuggets auch sehr erfolgreichen Basketball. Die Pacers sind Vierter im Osten, die Sixers direkt davor auf Rang drei.
Bisher geht das System der Nuggets in der regulären Saison auf. Die Los Angeles Lakers schicken mit Kobe Bryant und Andrew Bynum zwei Starter zum All-Star Game nach Orlando, doch die Lakers sind nur Fünfter Im Westen. Gegen genau diese Lakers absolvierten die Nuggets ihre vorletzten Partie. In den letzten Sekunden machte bei den Lakers Kobe Bryant die entscheidende Pässe zu den freien Mitspielern, nachdem die Nuggets ihn immer doppelten. Bei Denver wusste niemand so recht, wer die Verantwortung übernhemen sollte. In den letzten Sekunden nahm dann Al Harrington (Foto), der bis dahin einen guten Tag hatte, einen „Step back-Dreier“ zur Führung. Doch der Wurf ging daneben und die Nuggets verloren erneut ein enges Spiel. Die Antwort auf die Frage, ob dieses Team bis zu Playoffs dieses Problem gelöst hat, wird auch bestimmen, ob die Nuggets in der Postseason Erfolg haben werden.






von Vancity Squad 05.02.12 um 12:29:59
Den gleichen Artikel, nur viel besser, habe ich vor zwei Tagen bei ESPN gelesen. Ein bisschen mehr Originalität bitteschön.
von oxymoron (x-over) 05.02.12 um 12:47:01
Würde man im Netz nach Artikeln über die Superstar-losen Nuggets suchen, dürfte man sicherlich noch weitere finden. Bei unseren Content-Planung schauen wir aber nicht auf andere Magazine, Seiten etc. Die Rollenspieler sind seit jeher Bestandteil der NBA-Berichterstattung während der Saison, und die Nuggets waren als erstes Team seit einiger Zeit geplant. Dass auch ESPN jetzt einen Artikel zu den Nuggets verfassst - das trifft vielleicht nur den Nerv der Zeit.
von Raquel 05.02.12 um 19:41:56
Ein Artikel über Denver?! Yaaaay!
von Eastcoast 05.02.12 um 20:11:21
Nuggets überraschen heuer echt, hätte ich absolut nicht auf der Rechnung gehabt!! Liegt aber auch daran, dass einige Herren im Denver-Trikot heuer eine Leistungsexplosion hinlegen! Harrington mischt für mich um den "Best Sixth Man" mit, Gallinari um den MIP!! Weiter so Nuggets!!!
von Hasenjäger 05.02.12 um 23:26:29
@VAncity Squad: bin kein Crossover schreiber, aber wenn du Kritik übst, schau doch mal auf deine eigene Leistung, wahrsch machst du nichts, also lass die Jungs doch schreiben, natürlich gibts mal bessere und schlechtere Artikel, aber wenigstens kriegst du das hier kostenlos und auch mal in Deutsch..Klar gibts hier auch mal lächerliche sachen(die geilen Hörspiele z.B), aber da kann man auch mal drüber weg schauen..bzw solche auch mal zum einschlafen nutzen..
von Durant44 05.02.12 um 23:43:48
Sicher Überraschen die Nuggets. Haben sie sich ja aber auch irgendwie verdient nach dem Melo-Trama von letzter Saison.
@ Eastcoast: Aber das Gallinari um den MIP mitspielt, bezweifel ich doch etwas. Dafür hat er sich bis jetzt einfach zu wenig Verbessert. Da fallen mir spontan Monroe, Jack, R. Anderson oder auch Mullens ein, die einen durchaus größeren Sprung gemacht haben diese Saison. Was die Leistung von Gallinari aber nicht schmälern soll!!
von Eastcoast 06.02.12 um 08:10:41
@Durant44: Klar, da gibts viele Kandidaten, deswegen hab ich Gallinari ja auch nur in die Diskussion geworfen! :-) Die von dir genannten Spieler pokern da genauso mit! Auch Kyle Lowry und Paul George mischen da meiner Meinung nach mit! Die Saison ist ja noch jung! ;-)
P.S: Neben Harrington würde ich beim Thema "Best Sixth Man" auf jeden Fall auch Mo Williams und James Harden berücksichtigen! Aber Harrington spielt heuer schon Monster!!!
von Indiana 06.02.12 um 10:59:02
Über 1/3 der Saison ist schon vorbei,in 2 Wochen haben wir halbzeit. o.O
von KB-24 06.02.12 um 17:30:52
muss eastcoast mal zustimmen.Dillo spielt im vergleich zu den letzten jahren schon allein von der konstanz seines levels her ne mördersaison und unterstreicht das einfahc mit klasse scoring.er nimmt viele (GUTE) würfe und trifft diese,auch in der crunchtime ist er neben lawson oft dreh und angelpunkt.
für mich klarer favorit trotz george und lowry auf den MIP.
hat sich klasse entwickelt und kam nach der grausigen EM klasse in die nba saison imo.
von durant35 06.02.12 um 19:22:46
Vergesst mir Lawson und Teague nicht in der MIP-Diskussion!
von ca$hmoney 06.02.12 um 20:27:01
Go Denver! Cooles Team. Würd gern mehr von Farried sehen, aber solang Harrington so gut spielt...
P.S. Greg Monroe 4 MIP! Jetzt schon top 5 Center der Liga und Honorable Mention als Allstar Reserve. Nuff talk.
von Durant44 06.02.12 um 23:41:23
@ KB-24
Stimme dir zu, dass er konstanter spielt und eine gute Saison spielt, aber ne "Mördersaison" sieht für mich anders aus. Er hat sicher einen Schritt nach vorne gemacht was sein Spiel angeht, hat in allen Statistiken etwas zugelegt, übernimmt etwas mehr Verantwortung, das langt in meinen Augen aber nicht für den MIP. Also da hätte es Lawson mehr verdient.
Dagegen stimme ich ca³hmoney voll und ganz zu. Monroe hat einen rießen Sprung in dieser Saison gemacht und das bei einem Team, dass wirklich sehr sehr schlecht spielt. Er ist dort der einzige der Konstant ist. Hat sich bei PPG, RPG, FT%, APG, SPG, teilweise extrem gesteigert, bei den PF und TO zwar auch, aber er wäre auch für mich ein würdiger MIP, wenn er so weiter macht.