Rollenspieler

Klare Rollenverteilung

Auch die Rollenspieler sind wieder in die Saison gestartet. Die meisten der sechs ausgewählten Akteure zeigten sich dabei sehr treffsicher aus der Distanz. Alle haben ihren Teams zu Beginn der Spielzeit schon enorm geholfen, und einer rettete sogar seine NBA-Karriere.

Von Johannes Hübner
 30.11.2010 |

Point Guard: Jordan Farmar (New Jersey Nets)

Vor der NBA Saison 2010/11 setzte Jordan Farmar seine Unterschrift unter einen Drei-Jahres-Vertrag über zwölf Millionen Dollar bei den New Jersey Nets. In New Jersey und deren jungen Kader sollte der Aufbauspieler vor allem seine Erfahrung, die er bei den Meisterteams der Los Angeles Lakers gewonnen hatte, einbringen. „Jordan wird ein exzellenter Ersatz für Devin Harris sein. Er kommt zudem aus einem sehr erfolgreichen Umfeld und das wird sich für das Team auszahlen“, sagte Präsident Rod Thorn nach der Verpflichtung. Bisher hat sich Farmar auch hervorragend eingebracht, die Siege müssen aber bei einer Bilanz von 6-11 noch auf sich warten. Das Team hat momentan einfach noch nicht genug Talent, um in der oberen Regionen der der Eastern Conference mitzuspielen.

Der Point Guard in Reihen der Nets liefert bisher durchschnittlich 8,1 Punkte, 4,4 Assists und 2,2 Rebounds in circa 23 Minuten pro Spiel. Seine Werte bei den Abprallern, Vorlagen und seiner Spielzeit sind dabei Karrierebestwerte. Farmar macht dabei vor allem seine Teamkollegen besser. Nachdem er letzte Saison noch 1,5 Vorlagen pro Begegnung verteilt hat, hat der 23-Jährige diesen Schnitt verdreifacht. Auf 48 Minuten hochgerechnet spielt Farmar 8,9 „Dimes“ pro Spiel.

Shooting Guard: Shannon Brown (Los Angeles Lakers)

Phil Jackson nennt sie „die Abtrünnigen“. Die Reservisten der Los Angeles Lakers haben bereits nach wenigen Spielen diesen Spitznamen vom Zen Master bekommen. Die Neuverpflichtungen Steve Balke, Matt Barnes und Theo Ratliff in Kombination mit Rückkehrern wie Shannon Brown und Sasha Vujacic runden die Bank des amtierenden Meisters ab. Die vermeintlich beste Starting Five der NBA hatten die Lakers schon, doch diese Saison ist auch die zweite Grade erste Sahne. „Ich mag es, wie sich diese Gruppe zusammenfindet. Sie haben das Talent etwas wirklich Besonderes zu sein“, urteilt Head Coach Phil Jackson über seine Reservisten.

Zu Beginn der Saison hat sich vor allem Shannon Brown in den Vordergrund gespielt. Brown hat wohl im Sommer lange an seinem Wurf gearbeitet und diesen nochmals auf ein neues Level gehoben. Mit traumwandlerischer Sicherheit netzt Brown 48,6 Prozent aus dem Feld, 47,5 Prozent aus dem Dreier-Bereich und 91,3 Prozent von der Freiwurflinie ein. Sowohl seine Quoten als auch seine 10,9 Punkte pro Spiel bedeuten Karrierebestwerte. Auch sein PER-Wert mit 19,3 ist auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Am 21. November schenkte der Guard den Golden State Warriors 17 Punkte (7/10 FG) ein, nur um zwei Tage später einer der Hauptgaranten beim 98:91-Sieg gegen die Chicago Bulls zu sein. 21 Punkte, vier Rebounds und drei Assists markierte der Highflyer gegen die Bulls. Einer der „Abtrünnigen“ ist bisher auf jeden Fall eine echte Stütze des Teams. Hier noch die Highlights des Spiels gegen die Bullen.

Small Forward: Wesley Matthews (Portland Trail Blazers)

Die Portland Trail Blazers hat das Verletzungspech nach der letzten Saison leider nicht verlassen. Greg Oden ist bekanntermaßen für die ganze Spielzeit raus, und auch Brandon Roy hatte kurzzeitig mit einer Knieverletzung zu kämpfen. In solchen Zeiten sind auch die Spieler, die hinter den Stars in der Rotation stehen, gefragt. Wesley Matthews tat in der kurzen Pause für Roy genau das. Gleich im ersten Spiel ohne den Franchise-Player schenkte der Swingman den Memphis Grizzlies 30 Punkte ein. Den Denver Nuggets ging es im nächsten Spiel, nach 20 Zählern und zehn Rebounds von Matthews, nicht besser. Beide Spiele konnten die Blazers auch ohne ihren wichtigsten Akteur gewinnen. „Wir brauchten Spieler, die in der Abstinenz von Brandon ihr Spiel auf ein anderes Level heben und das hat Wes in den letzten beiden Partien eindrucksvoll gemacht“, war Head Coach Nate McMillian voll des Lobes über Matthews.

Durchschnittlich markiert der 24-Jährige in dieser Saison 12,4 Punkte und 2,9 Rebounds pro Partie. Verbesserungswürdig ist dabei noch seine Trefferquote aus der Distanz. Matthews nimmt nämlich im Schnitt vier Mal aus der Ferne Maß, aber bisher fallen nur unterdurchschnittliche 31,3 Prozent von Downtown.

Power Forward: Matt Bonner (San Antonio Spurs)

Die San Antonio Spurs haben diese Saison den besten Start in der Geschichte der Franchise hingelegt und das nicht nur den Leistungsträgern zu verdanken. Die Hauptlast schultern immer noch die großen Drei (Parker, Ginobili und Duncan), doch auch ein Rollenspieler auf der Power Forward-Position hat großen Anteil am fabelhaften Start der Texaner. Matt Bonner nämlich verschafft den Drives von Ginobili und Parker momentan sehr viel Platz, da die „Red Rocket“ bisher von der Drei-Punkte-Linie fast nicht verwerfen kann. Überragende 55,3 Prozent von Downtown bedeuten den mit Abstand besten Wert in der Karriere des Big Man. Kurios: Seine gesamte Feldwurfquote liegt nur bei knapp 40 Prozent. Bonner trifft also aus der Ferne deutlich sicherer als aus dem Zwei-Punkte-Bereich.

Das perfekte Beispiel für diese Kuriosität lieferte Bonner beim 117:104-Erfolg gegen die Oklahoma City Thunder. Bonner erzielte 21 Punkte und vier Rebounds. Dabei fanden sieben von sieben Distanzwürfen ihr Ziel, aber die drei Versuche aus dem Zweier-Bereich verfehlte er allesamt. Mit perfekten Spielen von jenseits der Drei-Punkte-Linie kennt sich Bonner in dieser Saison aus: Auch gegen die Orlando Magic (4/4 3FG) und gegen die Bulls (2/2 3FG) verfehlte kein Distanzwurf sein Ziel.

Center: Reggie Evans (Toronto Raptors)

Warum greift sich Andrea Bargnani durchschnittlich nur 5,1 Rebounds? Ein Grund ist wohl seine softe Spielart, doch der Italiener hat auch einen Mitspieler in den eigenen Reihen, der ihm einige Rebounds „wegschnappt“. Reggie Evans nimmt seine Rolle bei den Toronto Raptors sehr ernst und ist durch seinen unerbittlichen Einsatz ein absoluter Publikumsliebling. Kämpfen muss der Center auch, da er offensiv mehr als limitiert ist. Bis auf einfache Abschlüsse in Korbnähe, die er sich nicht selbst kreieren kann, ist nicht viel im offensiven Repertoire des Reggie Evans zu finden. Trotzdem trifft der 30-Jährige nur 36,0 Prozent aus dem Feld.

Auf der anderen Seite des Spielfelds wird er aber umso wertvoller. Evans verteidigt hart, gibt immer alles und reboundet sich die Finger blutig. Durchschnittlich 12,1 Abpraller landen in seinen Händen, davon schnappt sich Evans auch 4,3 am offensiven Brett. Offensiv hatte Evans bisher nur ein Spiel mit einer zweistelligen Punkteausbeute, doch in dieser einen Begegnung rundete er damit ein Monsterspiel ab. Zu seinen zwölf Zählern gesellten sich auch 22 Rebounds in den Statistikbogen beim 106:90-Erfolg gegen die Philadelphia 76ers. Der Sieg bedeutete den vierten Erfolg in Folge, an denen auch Torontos Rollenspieler Nummer Eins einen großen Anteil hatte. Doch Evans hat sich im letzten Spiel den Fuß gebrochen und fällt erstmal auf unbestimmte Zeit aus.

6th Man: Marco Belinelli (New Orleans Hornets)

Es war wohl die letzte Chance für Marco Belinelli in der NBA, und der Italiener hat sie bisher genutzt. Nachdem bei seinen zwei vorherigen Stationen in Oakland und bei den Raptors der Durchbruch nicht geglückt war, kam der Trade zu den New Orleans Hornets. Julian Wright ging im Gegenzug zu den Raptors. So wie es momentan aussieht, war der erneute Tapetenwechsel genau das richtige für den Shooting Guard. Ohne den Trade wäre Belinelli wohl bald wieder in Europa unterwegs gewesen, doch neben Chris Paul spielen hat schon viele Akteure deutlich besser aussehen lassen.

In einer ausgewogenen Offensive, in der vieles auf Chris Paul und David West ausgerichtet ist, spielt der Italiener mit seinem gefährlichen Distanzwurf ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Doppeln gegen West im Post und auch die Hilfe beim Pick and Roll von Paul und Okafor darf durch die Schützen auf dem Feld nicht zu stark ausfallen. Belinelli profitiert von den freien Würfen und spielt mit einem ganz neuen Selbstvertrauen. Durchschnittlich 12,6 Punkte (44% 3FG) und 2,3 Rebounds stellen die mit Abstand beste Saison von Marco Belinelli dar, und das, obwohl der Italiener schon fast wieder im Flieger nach Europa saß.




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
4.33
(6 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(10 Kommentare bisher)

von Raquel 30.11.10 um 15:34:29


Matt Bonner der olle Farmer.
Mehr fällt mir dazu nun wirklich nicht ein. :D



von Bob!!! 30.11.10 um 19:08:02


bei "treffsicherer rollenspieler" fällt mir als erster dorell wright ein...



von TheUnkraut 01.12.10 um 10:58:49


sehe ich wie bob, wo ist dorell wright?



von MavsFan 01.12.10 um 12:07:59


Wo ist Shawn Marion?
Wo ist Dorell Wright?

beide sicher besser geeignet als bellinelli, auch wenn der eine starke saison spielt.



von Raquel 01.12.10 um 12:28:43


Dorell Wright hätte echt erwähnt werden können.
Zu Shawn Marion: Ich denke mal der Autor hat vorallem bei dieser Ausgabe das Hauptaugenmerk auf Überraschungen und Marion... Der spielt eigentlich jetzt nicht so mega gut.
Außerdem sagt schon der Autor bei seiner Einleitung, dass er vorallem Akteure, die "treffsicher aus der Distanz"sind, gewählt hat. Und Marion trifft in dieser Saison mit seinem patentierten Bauchnabel-Wurf 1 von 10 von Außen.



von josh9 01.12.10 um 12:59:07


@Bob und Raquel: Also Dorell Wright ist mit Sicherheit eine kleine Überraschung diese Saison. Warum habe ich ihn nicht erwähnt? Ich schaue jedes Spiel der Warriors und ich weiß nicht, ob ich Dorell Wright diese Saison als Rollenspieler bezeichnen kann. Für mich ist er (fast) ein Leistungsträger. 15 PpG, 5 RpG und 3 ApG dazu steht er nicht nur in der Ecke und wirft 3er, sondern kreiert für sich selbst oder seine Mitspieler. Wright macht übrigens mehr Punkte pro Spiel als David Lee.



von Raquel 01.12.10 um 14:02:46


Gute Erklärung.



von mutter49 02.12.10 um 18:09:20


Also mir fehlt irgendwie Josh McRoberts, der denke ich seine Rolle als part-time"PointForward" (naja fast halt) sehr gut ausfüllt. Als Rollenspieler würde ich auch Ramon Sessions reinnehmen, und wer mir noch fehlt ist die Rookie Überraschung schlechthin: Landry Fields der irgendwie an Shane Battier erinnert... James Harden? auch wenn der mir als Sub ziemlich gezügelt vorkommt...Serge Ibaka, Ersan Ilyasova.... Jerryl Bayless in Toronto koennte auch noch positiv als Backup auffallen,...



von Bob!!! 02.12.10 um 21:43:29


@josh9: das kann ich nachvollziehen. ist denk ich 'ne dünne linie bei dorell wright zw. rollenspieler und leistungsträger. für 'rollenspieler' spricht indes, dass er nur die 4. option in der offense ist - zumindest wenn lee sich offensiv besser zurechtfindet (auf 18ppg wird er bestimmt kommen). bisher musste wright offensiv in die bresche springen. aber wie gesagt, es ist schwierig ihn richtig einzuordnen...



von ca$hmoney 03.12.10 um 17:50:35


Stimme dem Autor zu, D. Wright spielt zu gut um als Rollenspieler durchzugehen, vom Potenzial her sowieso obere Klasse. Hatte ihn schon in Miami auf der Liste, wurde aber durch Verletzungen zurückgeworfen. Freu mich daher für ihn und hoffe er wird sich noch etwas steigern.



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?